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Leselupe.de > ErzÀhlungen
Der ewige Frosch
Eingestellt am 09. 12. 2017 15:21


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Giano
Hobbydichter
Registriert: Dec 2017

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Der ewige Frosch

Als ich eines Morgens aus unruhigen TrĂ€umen erwachte, fand ich mich in meinem Bett mit völlig durchgeschwitztem T-Shirt und einer Ahnung, dass an diesem Tag etwas Ungewöhnliches passieren wĂŒrde. Mein Name ist nicht Gregor Samsa und ich habe mich auch nicht in ein ungeheures Ungeziefer bzw. einen KĂ€fer verwandelt („Die Verwandlung“-Franz Kafka). Doch kommt der Begriff „ungeheures Ungeziefer“ einer Beschreibung meiner Person schon ziemlich nahe, vor allem wenn die Beschreibung von einer weiblichen Person kĂ€me; ich schließe dies schlichtweg aus meinen Erfahrungen mit diesem Geschlecht, aber dazu spĂ€ter mehr. ZurĂŒck zu meinem Aufwachen nach unruhigen TrĂ€umen. Ich fĂŒhlte mich fertig und matt wie nach einem Boxkampf. Dieses mysteriöse GefĂŒhl in mir drĂ€ngte aber danach, herausfinden zu wollen, was dieser Tag bringen wĂŒrde. Also stand ich auf, duschte und zog mich nach einem kurzen FrĂŒhstĂŒck an, um gleich nach draußen zu gehen. Es war Samstag gegen 10 Uhr, Autos auf den Straßen und Familien unterwegs; die meisten um SamstagseinkĂ€ufe zu tĂ€tigen. Bislang nichts wirklich Ungewöhnliches.
Die ĂŒbliche AnonymitĂ€t einer Stadt, in der die Menschen einzeln, pĂ€rchenweise oder in GrĂŒppchen umherzogen; tausende Gesichter, die an einander vorbeigingen, ohne sich zu beachten, jeder in seinem Trott. Ich setzte mich auf eine Bank in der Innenstadt und beobachtete. Mir war danach, zu zĂ€hlen, wie viele attraktive Frauen ich ausmachen konnte. Ich zĂ€hlte in einer Stunde immerhin 5. Ihnen allen gemeinsam war, dass sie alleine unterwegs waren in schnellem Schritt, selbstbewusst bzw. selbstverliebt wirkend und ein vermutlich „wichtiges“ GesprĂ€ch an ihrem Smartphone wĂ€hrend des Gehens fĂŒhrend. Ich machte eine Hochrechnung, die mathematisch gesehen keine Herausforderung war, doch das Ergebnis fĂŒr mich ernĂŒchternd. Ich wĂŒrde in 4 Stunden jeden Tag etwa 20 attraktive Frauen sehen; das wĂ€ren den Sonntag ausgenommen 120 pro Woche. Ich wollte die Rechnung etwas realistischer angehen und auch schlechtere Tage mit einbeziehen und setzte die Zahl pro Woche auf 100 fest. 400 attraktive Frauen pro Monat. Was das ernĂŒchternde an dieser Zahl ist ? Das Wissen, dass ich im Monat auf 400 fĂŒr mich attraktive Frauen stoßen kann, mich im Gegenzug aber keine einzige attraktiv findet! Noch eine Weile verweilte ich in Gedanken bei meiner Hochrechnung und der ernĂŒchternden Feststellung. Ich erschrak, nachdem ich bemerkte wie schnell die Zeit verflogen war, schon kurz vor 15 Uhr und passiert war immer noch nichts, was eine ErklĂ€rung fĂŒr mein GefĂŒhl am Morgen hĂ€tte gewesen sein können. Ohne weitere Erwartungen beschloss ich, mir noch einen Kaffee zu genehmigen, bevor ich wieder nach Hause gehen wĂŒrde. Auf dem Weg zum Cafe ging ich noch durch den Stadtpark und verweilte dort eine Zeitlang. Der ideale Ort, um bestĂ€tigt zu bekommen, dass man gesellschaftlich völlig deplatziert war. PĂ€rchen sah man im Park sowie viele Gruppen junger Menschen, die sich unterhielten, lachten, sangen oder Frisbee spielten. Und selbst diejenigen, die man zunĂ€chst alleine mit einem Buch sah, waren kurze Zeit spĂ€ter schon nicht mehr alleine. Ich jedenfalls saß mal wieder alleine auf einer Bank. Diesmal war mir nicht danach zu zĂ€hlen.
Es war kurz nach 19 Uhr als ich in einer Schlange stand, um mir einen Kaffee zu bestellen. In der Schlange neben mir eine attraktive junge Frau und in dem Moment, als ich zu ihr rĂŒber schaute, trafen sich unsere Blicke. Genau zu diesem Zeitpunkt fing sie plötzlich wie von einem Stromschlag getroffen dauerhaft zu blinzeln an mit Zuckungen in ihrem rechten Bein. ZunĂ€chst dachte ich, sie wĂŒrde so etwas wie einen epileptischen Anfall bekommen, doch sie verschwand blitzschnell hinkend in der Toilette. Es schien sonst niemandem aufgefallen zu sein, so dass ich mich fragen musste, ob ich mir nicht alles nur eingebildet hatte. Ich fasste es jedenfalls wieder als meine ĂŒbliche negative Wirkung auf Frauen auf und mir war nicht mehr nach Kaffeetrinken. So verließ ich das Cafe und ging nach Hause. Übrigens ereignete sich diese Szene genau um 19.06 Uhr; man könnte auch 6.66 Uhr p.m. sagen ! Dieses Ereignis sollte also auf mein ungewöhnliches GefĂŒhl am Morgen zurĂŒckzufĂŒhren sein ?! Mich beschĂ€ftigte diese Szene noch die Tage danach und als ich mir schon fast keinen Kopf mehr darĂŒber machen wollte, las ich am kommenden Freitag in der Zeitung folgende Schlagzeile „14 Frauen mit Blinzel-Hink-Syndrom infiziert“. Als ich den Artikel durchlas, wurde mir bewusst, dass es sich bei einer der Infizierten, um die attraktive Frau im Cafe handeln musste. Die verstrichenen Tage nach dem Ereignis geschah nichts Besonderes. Ich ging meinem Job nach. Der ĂŒbliche Rhythmus Arbeiten-Essen-Schlafen. Ein seltsames GefĂŒhl ĂŒberkam mich. Ich erinnerte mich wieder an meine eigenartige Ahnung von letztem Samstag und fragte mich, was dieses Syndrom mit mir zu tun haben konnte. Vermutlich ĂŒberhaupt nichts, denn es war von 14 Frauen die Rede, wovon ich einer zufĂ€llig begegnet war. Der Ausbruch des Syndroms geschah vermutlich auch wieder zufĂ€llig just in dem Moment als sich unsere Augen zufĂ€llig trafen. Ich konnte nicht wirklich einen Zusammenhang finden, jedoch passiert es mir Ă€ußerst selten, dass ich einer fremden, dazu noch attraktiven Frau in die Augen Blicke – Zufall hin oder her. Auch wenn ich an keinen Zusammenhang glaubte, kam in mir die Versuchung auf, am Wochenende wieder raus zu machen und mindestens zu einer attraktiven Frau Blickkontakt herzustellen. Ich begab mich also wieder vormittags in die Innenstadt und beim Vorbeigehen an einer Trafik las ich „Infizierungen nehmen zu – bereits 23 gemeldete FĂ€lle“. Dies bestĂ€tigte mir nun endgĂŒltig, dass ich nichts damit zu tun haben konnte, aber meinem Vorhaben, einer attraktiven Frau in die Augen zu schauen, tat diese Feststellung keinen Abbruch. Eine gutaussehende junge Frau stand vor einem Juwelier und ich ging langsam auf sie zu, hielt kurz an, um ihr in die Augen zu schauen. Sie bemerkte mich nicht gleich, doch als sie meinen Blick wahrnahm, fragte sie verwirrt, ob sie etwas fĂŒr mich tun könnte. Ich entgegnete noch wesentlich verwirrter, dass ich sie verwechselt habe und zog schnell wieder von dannen. Obwohl ich mit diesem Anstarren nicht wirklich etwas erreicht hatte – außer beiderseitige Verwirrung – reizte es mich, es weiter zu versuchen. So fand ich anschließend noch 2 weitere Opfer mit Ă€hnlichem Ausgang. Dann wollte ich noch eine weitere etwas frechere Pointe einbringen, indem ich weniger zu gaffen versuchte, dafĂŒr die AuserwĂ€hlte beim langsamen Vorbeigehen kurz Anzwinkern wollte. Das nĂ€chste Versuchsobjekt sollte dann die ErklĂ€rung fĂŒr alles sein: dem Syndrom und dem diabolischen Zeitpunkt 6.66 Uhr vergangenen Samstag. Ich ging also an Versuchsobjekt Nr. 4 zwinkernd vorbei, als sich unsere Blicke trafen und dann passierte das gleiche wie eine Woche zuvor im Cafe. Die Angezwinkerte fing plötzlich dauerhaft zu blinzeln an und bekam Zuckungen im rechten Bein. Bei dieser wiederholten Reaktion erschrak ich zunĂ€chst und versteckte mich in einer Ecke, von der ich sie weiter beobachten konnte. Das Blinzeln hörte nicht auf und völlig verstört hinkte sie zu einem Taxi und verschwand.
Jetzt wollte ich es wissen und der Kaiser Nero in mir erwachte. Das Musizieren hatten wir bereits gemeinsam und das nicht vorhandene Talent in diesem Bereich. Ich spielte auch nach 9 Jahren noch anfĂ€ngerhaft Gitarre und mein Gesang klang einfach grauenvoll. Die zerstörerische Seite entfaltete sich in dem Augenblick, als ich bemerkte was mein Anzwinkern bewirkte. Ich wollte jedoch nicht Rom brennen sehen, sondern Rache nehmen an den Frauen dafĂŒr, dass ich von ihnen ĂŒberwiegend missachtet worden bin. Letztendlich wollte ich auch Rache am Universum fĂŒr meine angeborene UnfĂ€higkeit, bei Frauen landen zu können. Dennoch wollte ich es unbedingt an einem weiteren Objekt testen, um sicher zu gehen. Und es funktionierte auch bei der hĂŒbschen VerkĂ€uferin in der BĂ€ckerei. Ich fand auch heraus, dass es bei MĂ€nnern nicht funktioniert, ich handelte mir nur Ärger ein und wurde als „schwule Sau“ beschimpft und fortgejagt. Folglich hatte ich die Frau im Cafe unbewusst angezwinkert gehabt. Eine ErklĂ€rung fand ich dann auch fĂŒr die stetig steigende Zahl von Infizierten, mit denen ich nicht direkt in Zusammenhang gebracht werden konnte. Die Experten tappten noch im Dunkeln, doch ich war mir sicher, dass eine infizierte Frau eine andere durch Blickkontakt infizieren konnte.

Vielleicht noch ein wenig mehr zu meiner Person. Ich hatte nach meiner Geburt ein Dach ĂŒber dem Kopf, ausreichend zu essen und wuchs in einer Region ohne Krieg auf – in einer sogenannten zivilisierten Gesellschaft. Nicht unerwĂ€hnt sollte ich vielleicht lassen, dass zwischen meinen Eltern nie so etwas wie Liebe bestand. Der Vater ein Egoist, Vom-Großen-Reichtum-TrĂ€umer und Möchtegern-Gigolo, die Mutter jung mit dem Wunsch, Kinder zu haben und aufzuziehen. Ich hatte schon immer das GefĂŒhl, am falschen Platz, Ort und im falschen Körper zu sein. Ich bin mit 1,88m groß gewachsen, gut gebaut mit kantigem Gesicht, vollem Haar und schönen Augen; dazu noch eloquent und belesen. Auf den ersten Blick gar nicht einmal so unattraktiv. Mit dem ganz natĂŒrlichen BedĂŒrfnis ausgestattet, Frauen attraktiv zu finden und auch haben zu wollen. Das Problem ist nur, dass, wenn es den Titel Anti-Casanova der letzten zwei Jahrzehnte geben wĂŒrde, ich diesen Titel bekĂ€me.
Es fing alles mit Simone an. Simone war 15 und hatte gerade mit einem Ă€lteren 19-jĂ€hrigen Typen Schluss gemacht. Ich war 16 und wir hingen nach der Schule im Sommer oft in einer Clique, die ĂŒberwiegend aus Jungs bestand, im Freibad ab. Es geschah, dass wir die MĂ€dchenclique um Simone kennenlernten und fortan gemeinsam abhingen. Jeder war in Simone verliebt. Sie war die HĂŒbscheste, schlank mit blondem Haar. Einige aus meiner Clique buhlten um ihre Gunst. Ich hielt mich eher zurĂŒck und außer ein bisschen Smalltalk war da nicht viel zwischen mir und Simone. Außerdem war ich ĂŒberzeugt davon, der letzte in unserer Clique zu sein, fĂŒr den sich Simone interessieren könnte. Einmal fragte mich eine Freundin von Simone, ob ich mich nicht einmal mit ihr und Simone in der Stadt treffen wollte. Ich dachte mir nichts groß dabei und sagte zu. So trafen wir uns am Nachmittag und verweilten in einem Bistro, jeder von uns drein mit einer Pommes und Cola auf dem Tisch. Plötzlich fragte die Freundin, ob sie mich und Simone nicht besser allein lassen wolle, worauf ich fast panisch entgegnete, dass sie doch bleiben sollte, was sie dann auch tat. In meiner Unerfahrenheit verstand ich zunĂ€chst gar nichts, obwohl ich so etwas wie eine leichte Ahnung hatte. Jedenfalls fanden die gemeinsamen Treffen im Freibad immer seltener statt und einmal begegnete ich im SpĂ€therbst der Schwester Simones, die mich darauf ansprach, warum ich eigentlich nie etwas von Simone wollte. Da wurde mir dann klar, dass ich eine Chance vertan hatte. Von diesem Augenblick an zog sich das wie ein roter Faden durch mein Leben.
Es gibt wenige Chancen im Leben, doch wenn sie kommen, dann meist plötzlich und unerwartet; dann gilt es aber, diese zu erkennen und auch zu ergreifen. Noch ein paar weitere Beispiele fĂŒr das Verpassen von Chancen und nicht vorhandenem Selbstbewusstsein ? Da wĂ€re noch die Brasilianerin alleine mit mir in der Sauna. Eine junge rassige Frau in der Sauna eines Fitnesscenters lag direkt neben mir auf dem Bauch. Ich betrachtete ihren Körper und RĂŒcken und bemerkte, dass sie nicht schwitzte. Ich sagte ganz forsch – ein seltener Moment in meinem Leben – zu ihr, dass es nicht gut sei, nicht zu schwitzen und dass eine Massage gut sei, sie ins Schwitzen zu bringen. Sie willigte ein. Ich fing an, ihren RĂŒcken zu massieren, ihren Nacken, dann Ihren knackigen Po und sie war eindeutig erregt, setzte sich dann und kam mit ihrem Gesicht ganz nah an meines heran in der Erwartung gekĂŒsst zu werden. Ihr werdet es richtig erraten, und zwar traute ich mich nicht, sie zu kĂŒssen. Ich weiß noch genau, wie ich mich fragte, was so eine „Göttin“ von mir wollen könnte. Ich traf sie spĂ€ter noch 2-3 mal im Fitnesscenter, wo sie mich nicht einmal eines Blickes mehr wĂŒrdigte.
Da fĂ€llt mir auch noch die sĂŒĂŸe Apothekerin ein, die ich nach einer Grippe besuchte. Als sie krank war hatte ich sie bereits 2x zu Hause besucht gehabt. Dann beim dritten Mal ging es ihr schon besser. Wir saßen auf der Couch, sie machte den Fernseher an, es lief ein Fußballspiel. Ihr wurde heiß und sie fragte, ob es mich stören wĂŒrde, wenn sie ihre Jeans ausziehen wĂŒrde. Sie lag nur noch in UnterwĂ€sche neben mir, ich glotzte in den Bildschirm. Dann entschied sie, etwas fĂŒr uns zu kochen, vielleicht in der Hoffnung, dass ein Essen die Lust auf körperliche NĂ€he bei mir entfachen könnte. Ich aß, glotzte in den Bildschirm und sagte nach dem Essen, dass ich gehen mĂŒsse. Ich fand sie sehr attraktiv. Danach sahen wir uns nie wieder.
Ich bin mir bewusst, dass die Menschen lieber von DraufgĂ€ngern und Casanovas hören – echten MĂ€nnern, Alpha-Tieren, Helden. Aber wie viele gibt es denn wirklich davon ?
Mir kommt es manchmal so vor als sei ich der einzige, der völlig unfĂ€hig ist, eine Frau fĂŒr sich zu begeistern. Ich könnte noch zwei weitere Beispiele mit Chancen erzĂ€hlen, aber das war es dann auch schon. Seit der gescheiterten Erfahrung mit Simone kam in mir das GefĂŒhl und die Überzeugung auf, dass ich einfach nicht fĂŒr Frauen geschaffen worden sei. Sonst so clever, aber wenn es um Frauen geht mit absoluter UnfĂ€higkeit gesegnet. Wie leicht es manche MĂ€nner haben und die meisten einfach mit einer angeborenen FĂ€higkeit ausgestattet, zu wissen, wo der Hase lĂ€uft. FĂŒr mich sind das so etwas wie Übermenschen gegen die ich ein Winzling bin. Im Prinzip sind es aber drei Kategorien von MĂ€nnern: Kategorie1 sind MĂ€nner, die einfach durch ihr Ă€ußeres Erscheinungsbild bei Frauen punkten und anziehend sind mit entsprechendem Selbstbewusstsein. Kategorie2 sind oftmals solche, aus wohlhabendem Hause – der Robert Redford-Typ. Geld macht sexy und anziehend. Kategorie3 sind Alpha-MĂ€nner, die sich unabhĂ€ngig von Aussehen und Status das nehmen, was sie wollen. Gehört man(n) zu keiner der drei Kategorien, ist man fĂŒr die weibliche Spezies uninteressant. Es ist ein mĂ€nnlicher Hirsch – das Alpha-Tier -, der sich alle weiblichen Tiere eines Rudels nimmt, der Rest geht leer aus. Wir Menschen leben in grĂ¶ĂŸeren Rudeln, die sich mehrere MĂ€nnchen aufteilen mĂŒssen. Aufgrund der Masse gibt es auch die Zwischenlösung, dass Kompromisse bei Beziehungen eingegangen werden, Partner zueinander finden, die nicht wirklich fĂŒr einander gemacht sind. Die Scheidungs- und Fremdgehquoten sprechen fĂŒr sich. Eine einigermaßen attraktive Frau hat mehrere Partnerangebote; gewinnen tut meist derjenige, der sich mittels Finanzkraft, Aussehen und/oder Alphatierverhalten durchsetzen kann bzw. Anziehung erzeugt.
Um nicht weiter mit meinem verhĂ€ltnismĂ€ĂŸig langweiligen Leben zu ermĂŒden, will ich es kurz machen. Ich hatte also etwa 5 ungenĂŒtzte grĂ¶ĂŸere Chancen, vielleicht noch drei kleinere mehr und viele Jahre plĂ€tscherten so vor sich hin ohne erwĂ€hnenswerte Ereignisse, gefangen in der Monotonie von Arbeiten-Essen-Schlafen. Ich wollte es aber noch einmal wissen und sprach innerhalb von 6 Monaten 32 fĂŒr mich attraktive Frauen an, wovon ich 28 zunĂ€chst nette GesprĂ€che und 28 Kontaktdaten hatte. WĂŒrde jemand meine Telefonliste in whatsapp durchstöbern, mĂŒsste er anhand der Profilfotos denken, dass es das Smartphone eines Casanovas sein muss. Es ist aber rein gar nichts. Nicht eine von den 28 hatte wirkliches Interesse an meiner Person. Vermutlich hĂ€tte ich besser damit leben können, von vornherein einen Korb zu kassieren ohne das im nachhinein pseudo-nette GesprĂ€ch und dem Austausch von Telefonnummern; man könnte das damit vergleichen, einem Hund einen an einer Schnur befestigten Knochen hinzuwerfen und dann, kurz bevor er zuschnappen will, den Knochen wieder wegzuziehen. Am meisten Ă€rgert mich dabei, dass ich Frauen immer noch anziehend finde. Es wĂ€re besser und sinnvoller, dies wĂŒrde sich einmal legen.

„Über 250 Infizierte“. 1 Woche spĂ€ter hatte ich einen Plan ausgeheckt. Ich war fast wie in einem Wahn. Ich verkaufte mein Auto, hob mein Erspartes ab und bereiste viele Metropolen der Welt mit der einzigen Absicht, so viele attraktive Frauen weltweit zu infizieren wie nur möglich. Dabei ging ich ein wenig vorsichtiger vor und mied beispielsweise öffentliche PlĂ€tze mit KameraĂŒberwachung. Auch hielt ich mich nicht lange in einem Ort auf. Ich konnte jederzeit einmal auffliegen. Ich hatte weniger Angst vor der Strafe, sondern mehr davor, nicht genĂŒgend infiziert zu haben. Es wĂŒrde sich frĂŒher oder spĂ€ter ohnehin durch Reisende auf allen Kontinenten verbreiten. Aber ich war besessen nach dem „FrĂŒher“.
Nach einem Monat waren etwa 35.000 auf allen Kontinenten infiziert. Ich hatte ordentliche Arbeit geleistet. Die Experten hatten inzwischen herausgefunden, dass die Infizierten das Syndrom durch Blickkontakt ĂŒbertragen konnten. Die tĂ€glich steigende Zahl fĂŒhrte zu einigen drastischen Maßnahmen und Änderungen in der Gesellschaft. Die Infizierten mussten isoliert werden und zunĂ€chst erst einmal ausgemacht und in einer Datenbank gespeichert werden. Nicht infizierten Frauen und MĂ€dchen wurde fĂŒr einen Zeitraum von 14 Tagen ein absolutes Ausgehverbot verhĂ€ngt.
Man sah zunĂ€chst eine mögliche Lösung darin, dass alle Infizierten mit einer dunklen Sonnenbrille ausgestattet werden, um damit einer Weiteransteckung entgegenzuwirken. Nur funktionierte dies nicht. So wurden Siedlungen eingerichtet, in welche die Infizierten untergebracht wurden und nicht infizierte Frauen keinen Zutritt hatten. Das ganze Wirtschaftssystem war durcheinander, weil plötzlich Fachpersonal und ArbeitskrĂ€fte fehlten. Zum einen galt es die fehlenden PlĂ€tze wieder zu besetzen, zum anderen die Infizierten wieder in das Arbeitsleben und Leben an sich zu integrieren. Durch das stĂ€ndige Blinzeln war das Sehvermögen eingeschrĂ€nkt. Arbeiten, wo prĂ€zises Sehen oder Konzentration erforderlich war, konnten die Infizierten nicht ĂŒbernehmen. Es mussten auch Fahrzeuge entwickelt werden, die sich der Störung anpassten, d.h. durch das mehrfache Zucken im rechten Bein war es erforderlich Fahrzeuge mit einer manuellen Bremse zu entwickeln; das Tempo wurde auf maximal 45 km/h beschrĂ€nkt. Die Infizierten durften ihre Siedlungen nicht verlassen. Eine weitere Sicherheit neben Kontrollposten waren Mauern oder ZĂ€une, die um die Siedlungen gebaut wurden.
„290.000 Infizierte nach 2 Monaten“. Die Zahl der neu Infizierten nahm aber nicht mehr so stark zu durch die eingefĂŒhrten Sicherheitsmaßnahmen. Ich selbst war auch nicht mehr weiter aktiv. Ein weiteres auffallendes Merkmal des Syndroms war auch die Feststellung, dass sich bei weniger attraktiven Frauen, die Heftigkeit des Syndroms weniger stark Ă€ußerte. Das heißt eine dickere Frau blinzelte nicht etwa 3-4 mal pro Sekunde und hatte auch immer mal Phasen ohne Blinzeln und Zuckungen im Bein.

Ich stellte mir die Frage, was ich von all dem eigentlich hĂ€tte. Zum einem gab es das Motiv Rache, zum anderen brachte es mich bei dem Wunsch, selbst einmal einer attraktiven Frau nĂ€her zu kommen, nicht weiter. Genau genommen hĂ€tte sich das Syndrom auch ohne mein weiteres Zutun ausgebreitet. ZunĂ€chst wusste ich ja nicht einmal, dass ich die Ursache war und wĂ€re es bei dem einen Fall im Cafe geblieben, hĂ€tte trotzdem alles seinen Lauf genommen, zwar langsamer, aber letztlich hat die schnelle Ausbreitung auch schnelles Handeln seitens den Regierungen und Experten notwendig gemacht. Ich konnte mir also jetzt ein fĂŒr allemal abschminken, jemals etwas mit einer Frau haben zu können, weil selbst, wenn ich eine kennenlernen wĂŒrde, könnte durch ein versehentliches Zwinkern sofort bei meinem GegenĂŒber das Syndrom ausgelöst werden und Ă€hnlich wie bei dem Beispiel, nicht an ein rosa Krokodil zu denken, wĂŒrde ich erst recht zwinkern mĂŒssen.
Ich hatte mir quasi selbst ein Bein gestellt. Ging ich jetzt raus in die Stadt, waren kaum Frauen zu sehen und die wenigsten waren attraktiv. Manche trugen in Begleitung eines Mannes eine Augenbinde, um unangreifbar zu sein. Es wurden immer wieder FĂ€lle gemeldet, in denen es welchen gelang aus einer Siedlung zu tĂŒrmen, um andere absichtlich anzustecken.
Nach einem Gegen- bzw. Heilmittel suchte man bislang vergeblich. Das Syndrom stellte die Experten vor ein RĂ€tsel. Und ausgerechnet ich sollte derjenige sein, der ĂŒber das Gegenmittel verfĂŒgte.

Ich traf sie im Park. Sie saß alleine und genoss die Strahlen der Sonne auf ihrem Gesicht. Wir kamen ins GesprĂ€ch. Ein interessantes GesprĂ€ch mit vielen gemeinsamen Themen und wir lachten oft, doch vermied ich es, Ihr ins Gesicht zu schauen, welches ich von weitem nur kurz gesehen hatte. Irgendwann fragte sie mich, warum ich ihr nie in die Augen schaue und dann passierte das Drama, ich schaute und musste zwinkern, gerade weil ich es nicht wollte. Als die Zuckungen bei ihr anfingen nahm ich meinen ganzen Mut zusammen und kĂŒsste sie auf den Mund. Ihre Zuckungen hörten augenblicklich wieder auf. Ich weiß nur noch, dass sie mir krĂ€ftig eine scheuerte und dann wachte ich schweißgebadet in meinem Bett auf.
Ich war nach meinen unruhigen TrÀumen am Morgen nicht aufgestanden, sondern gleich wieder eingeschlafen und es war alles nur ein Traum.

Seit meiner jĂŒngsten Kindheit hat sich nicht wirklich viel verĂ€ndert: ich habe ein Dach ĂŒber dem Kopf, genug zu essen und lebe in einer Region ohne Krieg. Und ich könnte lĂ€ngst schon selbst Elternteil sein, jedoch gibt es in meiner Beziehung keine Liebe, ich habe nĂ€mlich keine, genauso wenig wie meine Eltern eine hatten.
So lebe ich mein Leben als Frosch in einem immer kleiner werdenden TĂŒmpel weiter. Mal ehrlich, wer wĂŒrde denn schon einen Frosch kĂŒssen wollen ? Ein Storch könnte etwas verĂ€ndern. Sagt man nicht, dass Störche die Kinder bringen. Wer etwas bringt, kann doch auch wieder etwas mitnehmen, oder ? Störche haben doch Frösche zum Fressen gern !


Version vom 09. 12. 2017 15:21
Version vom 10. 12. 2017 06:28
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Version vom 10. 12. 2017 07:29

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Ralph Ronneberger
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