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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Der ewige Krieger
Eingestellt am 06. 07. 2010 01:51


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Ralf Langer
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Der ewige Krieger

Die Meute hatte sich erhoben.
Das Geschrei: grob.
Worte, die mit Spucke aus dem Mund flogen, mit anderen- zumeist
w├╝tenden Fl├╝chen ÔÇô zusammenstie├čen, und sich in der Nachmittagssonne mit dem Schwei├č der Versammelten und der gluthei├čen Luft zu etwas Monstr├Âsem vereinigten.
Er sah vom H├╝gel auf die Masse herab, hielt eine Hand ├╝ber die Augen um besser sehen zu k├Ânnen, und dachte nur an ein einziges Wort:
Mob!
Der Verurteilte hatte die verwinkelten Gassen der Provinzhauptstadt durchschritten.
Langsam, einen Fu├č vor den anderen setzend, das Gesicht von Folter gezeichnet, und immer langsamer werdend, schritt er, seinen letzten Weg, das Kreuz auf dem gepeinigtem R├╝cken tragend, zu ihm hinauf.
Schon am Vormittag hatten sich die ersten Menschen versammelt.
Jetzt, hier auf der Sch├Ądelst├Ątte au├čerhalb der Stadtmauern, waren sie schlie├člich zu Hunderten zusammengestr├Âmt:
Die Bef├╝rworter der Todesstrafe, angef├╝hrt und aufgewiegelt von wilden Reden der pharis├Ąischen Parteig├Ąnger, und - meist schweigend unter ihnen und zahlenm├Ą├čig unterlegen- kleinere Gruppen des verurteilten Aufwieglers.
Er selbst stand, die r├Âmische Standarte fest in der einen, das Pilum in der anderen Hand, am Fu├če der Hinrichtungsst├Ątte und strahlte das aus, was das Reich von ihm erwartete:
Auctoritas:
sittliche ├ťberlegenheit und das damit verbunden Recht zu herrschen.
Mit seinem geschulten Blick hatte er erkannt, dass einige der Menschen bewaffnet waren.
Hier und da w├Âlbten sich die grobleinenen Kutten der Einheimischen. Ein Indiz f├╝r verborgene St├Âcke. Seiner Erfahrung nach meist mit Eisenspitzen beschlagen, die von einer ge├╝bten Hand geschwungen, schwerste Verletzungen zuf├╝hren konnten.
Andere, mutigere, hielten unverhohlen faustgro├če Steine in ihren H├Ąnden.
Er hatte den Hass gesehen. Aber nicht auf ihn, den R├Âmer.
Es war der Hass auf ihresgleichen, der in ihren Augen gl├╝hte, wie die Mittagsonne ├╝ber dem Sinai.
Sinnlose Mordlust auf einen, der doch schon bald nur noch Fleisch sein w├╝rde.
Er war angewidert von solch nutzloser Brutalit├Ąt.
Der Mann war verurteilt worden.
Er wusste nicht warum. Er musste es nicht wissen.
Die Entscheidung war gefallen. Vielleicht war er ein M├Ârder? Vielleicht ein Staatsfeind?

Ein paar Einheimische trieben es zu bunt in seiner N├Ąhe. Auf einen Wink von ihm l├Âsten sich einige Soldaten aus der Reihe und dr├Ąngten die Schreih├Ąlse zur├╝ck in die Menge. Ein besonders auff├Ąlliger Randalierer erhielt einen schweren Schlag mit dem Knauf eines Schwertes und brach bewusstlos auf den Felsen zusammen.
Er griff zu seinem Trinkschlauch und nahm einen tiefen Zug.
Das Wasser l├Âste den Staub in seiner Kehle. Er spuckte das Gemisch aus Erde und Wasser auf den Boden.
Dieser fremde Boden, der nicht der seine war.
Die Stimme des Statthalters klang in seinen Ohren.
ÔÇ× Sollen sie sich doch gegenseitig die Sch├Ądel einschlagen. Jeder Tote ist eine Sorge weniger f├╝r Rom.ÔÇť
Der Verurteilte hatte den Berg erreicht. Irgendjemand hatte dem armen Hund eine Dornenkrone aufgesetzt. Er blutete f├╝rchterlich. Auf ein weiteres Zeichen von ihm nahmen Mitglieder seiner Kohorte dem Verurteilten das Kreuz ab und befestigten es in der Erde.
Harte Zeiten sind das, dachte er.
Das Rinnsal aus Spucke zu seinen F├╝├čen war verschwunden.
"Genauso wie ich", sagte er leise zu sich selbst.
Erleichterung machte sich in ihm breit.
Ein paar Tage noch, dann war sein Dienst an der Waffe beendet, und er w├╝rde heimkehren:
Heimkehren nach Alba, in seine geliebte wei├če Stadt, auf sein Landgut und Frau und Kinder in den Arm nehmen.
Endlich die gr├╝nen samnitischen Berge eintauschen gegen das schroffe Pal├Ąstina und diesen Ort verlassen, der nur aus Glut und Steinen zu bestehen schien.

Verfluchtes Pal├Ąstina, dachte er. Was machen wir eigentlich hier?
Was will der Senat mit diesem unfruchtbaren Land, wo sich die Menschen gegenseitig die K├Âpfe einschlagen?

Er f├╝hlte eine untragbare Last auf seinen Schultern.
Hier stehe ich, dachte er, der ewige Krieger.
Genau wie Generationen vor mir die Soldaten des Gilgamesch, das untergegangene Uruk in der Fremde besch├╝tzten. Immer auf dem Posten f├╝r eine ungewisse Sache.
Er musste an den gro├čen Makedonen Alexander denken.
Irgendwo, am Ende der bekannten Welt, hatte er an den Pforten des Hindukusch ein neues Reich entdeckt. Nichts mehr da. Nur noch Staub und Mythen.
Wer wei├č, dachte er, in welch fernen Zeiten auch dort wieder Menschen wie ich stehen werden, um etwas zu bewachen, von dem sie nicht viel verstehen.
Ein neues Reich vielleicht? Neue Ideen?
Wer vermochte das zu sagen!
Er hob seinen rechten Arm. Das war das Zeichen. Die Menge verstummte.
Dann wurden die N├Ągel eingeschlagen.

__________________
RL

Version vom 06. 07. 2010 01:51
Version vom 06. 07. 2010 02:07
Version vom 12. 07. 2010 23:00
Version vom 13. 07. 2010 17:28

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Retep
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Morgen Ralf,

die Schreibidee gef├Ąllt mir, macht mich nachdenklich.
Du hast die Situation genau beschrieben, ich konnte mich einf├╝hlen.

Manche Gedankeng├Ąnge des Protagonisten, er ist Bauer, erscheinen mir kaum m├Âglich. Ein einfacher r├Âmischer Bauer hatte damals wenig Ahnung von geschichtlichen Abl├Ąufen.

Kleine Anmerkungen zum Text:

quote:
Worte, die mit Spucke aus dem Mund flogen, mit anderen- zumeist
w├╝tenden Fl├╝chen ÔÇô zusammensto├čen, und sich in der Nachmittagssonne mit dem Schwei├č der Versammelten und der gluthei├čen Luft zu etwas Monstr├Âsem vereinigten.
- Finde ich gut formuliert
zusamenstie├čen ?

quote:
Er sah vom H├╝gel auf die Masse herab, hielt eine Hand ├╝ber die Augen (Komma)um besser sehen zu k├Ânnen,

quote:
Langsam, einen Fu├č vor den anderen setzend, das Gesicht von Folter gezeichnet, und immer langsamer werdend, schritt er, seinen letzten Weg, das Kreuz auf dem gepeinigtem R├╝cken tragend, zu ihm hinauf.
- zu verschachtelte Satzkonstruktion ?

quote:
kleinere Gruppen des verurteilten Aufwieglers.

Wer wei├č, dachte er, in welch fernen Zeiten auch dort wieder Menschen wie ich stehen werden (Komma)um etwas zu bewachen (Komma)von dem sie nicht viel verstehen.

Gerne gelesen.

Gru├č

Retep
__________________
>Die Kritiker nehmen eine Kartoffel, schneiden sie zurecht, bis sie die Form einer Birne haben, dann bei├čen sie hinein und sagen: ÔÇ×Schmeckt gar nicht wie Birne.ÔÇť< (Max Frisch)

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Ralf Langer
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hallo retep,
ich gebe zu das ich den prot nochmal ueberdenkem muss. er ist bauer aber natuerlich auch grossgrundbesitzer.
vielleicht baue ich das so um, das er einen griechen, wie damals ueblich, als
hauslehrer hatte.
das waere wohl glaubwuerdiger.
die idee hierzu hatte ich,als vor ein paar tagen ein bekannter von mir aus afganistan zurueck kehrte.
lg
ralf
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Ralf Langer
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hallo retep,
dann eben Grundbesitzer.
Meines Wissens nach, war es auch zum Anfang der r├Âmischen Kaiserzeit noch ├╝blich, das R├Âmer als Soldaten dem Reich gegen├╝ber f├╝r f├╝nf Jahre verpflichtet waren.
In sofern k├Ânnte der prot als Centurio ( was ungef├Ąhr unseren Dienstgraden einem Unterleutnant entspr├Ąche)gedinet haben.

Ich werds mal ├╝berdenken
Ralf
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Hallo zusammen,
habe den Hinweis auf den " Beruf" des Prot gestrichen.
Ich denke durch das Hervorheben, das der Prot Landbesitzer ist,
egeben sich auch keine Probleme mit seiner Allgemeinbildung.
lg
ralf
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Ralf Langer
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Hallo suzah,
hab dank f├╝r deine ├ťberarbeitung des Textes.
Und dank auch f├╝r deine Bewertung

lg
Ralf
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