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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Der falsche Brief
Eingestellt am 17. 02. 2006 18:35


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Meckie Pilar
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Der falsche Brief

Der eine war von irgendeiner Kundin. Christine kannte den Namen nicht. Der andere Brief kam von ihm.
Der Kaffee dampfte schon in den Tassen. Christine hatte noch eben schnell die Post aus dem Hauskasten neben der TĂŒr geholt und im Vorbeigehen mit dem Brieföffner aufgeschlitzt, der auf dem Garderobentischchen bereit lag. Das machte sie immer so. Beide Briefe waren fĂŒr ihren Mann und sie reichte sie ihm nach einem kurzen Blick auf die Absender. Matthias hatte die weißen UmschlĂ€ge einfach achtlos neben seine Kaffeetasse gelegt.
Sie spĂŒrte, dass ihr Puls schneller geworden war. Wie ihr Herz jubelte! Es war eigentlich ein bisschen kindisch, sich so zu freuen. Bestimmt war es nur irgendein dummer GeschĂ€ftsbrief, denn schließlich hatte Manfred den Brief an ihren Mann adressiert, nicht an sie. Aber es war trotzdem so, als wĂ€re an diesem langweiligen Samstagmorgen an ihrem FrĂŒhstĂŒckstisch plötzlich die Sonne aufgegangen. Einfach, weil dort ein kleiner weißer Umschlag lag, den er noch gestern in seiner Hand gehalten hatte. Mit Sicherheit hatte er an sie gedacht, als er den Umschlag schloss. Ihr war, als ginge von dem Kuvert eine Strahlung aus, die Strahlung seiner Liebe.
Christine lĂ€chelte vor sich hin und rief sich im nĂ€chsten Moment selbst zur Ordnung. Matthias sollte auf keinen Fall etwas merken. Irgendwann wĂŒrden sie es ja sagen mĂŒssen, natĂŒrlich, auf die Dauer könnten sie ihre Liebe nicht verheimlichen, auf die Dauer gab es keine Alternative zu einer Trennung von Matthias. Aber dazu war es noch zu frĂŒh. Jetzt erst einmal sollte kein Schatten auf ihre Liebe fallen, keine Sorge, kein Streit. Noch war sie so neu und so wunderbar, heute und morgen wollte sie diese Liebe nur genießen!
Wie immer am Samstagmorgen saßen Christine und Matthias zusammen beim einem ausgedehnten FrĂŒhstĂŒck. Die Kinder waren um diese Zeit schon unterwegs und sie beide leisteten es sich, ganz gemĂŒtlich in den Tag hinein zu trudeln. So war es zumindest einmal gewesen, das war die Idee. Inzwischen fanden beide dieses Ritual etwas langweilig und abgestanden. Aber bisher hatte keiner gewagt, das vor sich oder gar dem anderen einzugestehen.
„Ich finde, die Brötchen von Herrmanns sind auch nicht mehr das, was sie mal waren“, ließ sich Matthias jetzt hinter der Zeitung vernehmen.
Christine stimmt ihm zu. „Soll ich mal welche von der neuen BĂ€ckerei holen? Vielleicht schmecken die besser?“
„Welche neue BĂ€ckerei meinst du?“, fragte Matthias, ohne sie anzusehen.
„Na, an der Ecke BrĂŒder Grimm Straße ist doch jetzt eine BĂ€ckerei neu eröffnet worden. Frau Henrichensdorf meinte, die Brötchen seien gut, besser jedenfalls als die von Herrmanns. Ich kann nĂ€chste Woche ja mal dorthin gehen.“
„Gut, tu das, Schatz“, kam es hinter der Zeitung hervor. „Ach, könntest du mir wohl noch eine Tasse Kaffee eingießen?“ Matthias hielt seine leere Tasse in ihre Richtung.
Christine Ă€rgerte sich ĂŒber sein Verhalten. Er könnte sie wenigstens ansehen, wenn er sich von ihr bedienen ließ! Aber heute wollte sie keine gereizte Stimmung aufkommen lassen. Wann wĂŒrde er nur endlich Manfreds Brief ansehen. Die beiden Kuverts lagen noch immer unberĂŒhrt vor ihm, mit der beschrifteten Seite nach unten, so wie er sie eben achtlos hingelegt hatte.
Als er die gefĂŒllte Tasse zum Mund hob, fiel sein Blick darauf. Jetzt nahm er den oberen Brief an sich, legte die Zeitung neben sich auf den Tisch und holte den Umschlag mit dem Kuvert.
Christine verfolgte gebannt die Bewegung seiner Augen, als sie ĂŒber die Zeilen flogen. Der Brief war erstaunlich lang. MerkwĂŒrdigerweise wirkte Matthias wie erstarrt, wĂ€hrend er las. Er rĂ€usperte sich einmal. Dann schluckte er. Sein Gesicht verriet nichts. Aber Christine kannte ihren Mann gut genug, um zu sehen, dass ihn etwas erregte.
„Irgendwas Unangenehmes?“, fragte sie vorsichtig. Matthias sah kurz zu ihr hoch und schĂŒttelte missbilligend den Kopf. Ach, nur GeschĂ€ftliches, murmelte er. Ich glaube, ich lese ihn nachher im BĂŒro noch mal richtig.
Christine hatte es nicht auf ihrem Stuhl gehalten. Sie war aufgestanden und ans Fenster getreten, um ein wenig nÀher zu Matthias zu kommen und vielleicht etwas vom Brief erhaschen zu können.
Sie blieb am Fenster stehen und tat so, als wolle sie nach irgendetwas sehen. Er sollte nicht merken, dass sie selbst aufgeregt war. Ob Manfred irgendetwas VerdĂ€chtiges geschrieben hatte? Er war ein alter GeschĂ€ftspartner von Matthias, sie kannten sich schon eine Ewigkeit. Auch sie kannte ihn schon seit langem, aber nur flĂŒchtig. Bis vor vier Wochen. Seit dem kannte sie ihn besser als sich selbst und liebte ihn. Und er liebte sie auch. Es war wie ein Wunder gewesen, ein Wunder, auf das sie schon lange nicht mehr zu hoffen gewagte hatte. ‚Vier Wochen ist das erst her?’, dachte sie irritiert. Laut sagte sie „Boris hat schon wieder vergessen, sein Fahrrad in die Garage zu stellen. Ich hab’s mir doch gedacht.“
„Der Junge will nachher noch zu Ulrich rĂŒber fahren. Wahrscheinlich hat er es deshalb draußen gelassen“, bemerkte Matthias nebenbei und begann damit, sich ein zweites Brötchen mit Butter zu bestreichen und dann Lachsscheiben drauf zu legen.
„Gut möglich.“ Christine tat besĂ€nftigt und dreht sich vom Fenster weg. Sie ging noch ein paar Schritte weiter zu ihm, trat hinter seinen Stuhl, fasste ihn mit zĂ€rtlicher Geste in den Nacken. Matthias zuckte leicht zusammen und machte eine kleine Bewegung, als wolle er sich ihrer BerĂŒhrung entziehen. Er legte seine Servierte ab und griff nach der Kaffeesahne. FĂŒr einen Moment konnte Christine ĂŒber seine Schulter auf den Brief sehen. Er war jetzt fast ganz durch die Serviette verdeckt. Es blieb nur der unterste Teil sichtbar. Ein Postskriptum. Es war mit Computer geschrieben, offenbar mit einer ziemlich kleinen SchriftgrĂ¶ĂŸe. Sie konnte nichts entziffern. Vielleicht war der Brief ja gar nicht der von Manfred, vielleicht war es der andere?
Sie beugte sich noch ein wenig zu Matthias herunter. Jetzt konnte sie das Postskriptum lesen: „P.S. Und herzliche GrĂŒĂŸe an deine Frau“, stand da. Sie musste lĂ€cheln. Manfred hatte wirklich Humor! Er ließ sie grĂŒĂŸen in einem GeschĂ€ftsbrief an ihren Mann. Er wĂŒrde sich köstlich amĂŒsiert haben, als er das Postskriptum anfĂŒgte. Typisch Manfred! Aber ein bisschen unvorsichtig.
„Wieso lĂ€sst Manfred Hartmann mich grĂŒĂŸen?“, fragte sie mit unschuldig erstaunter Stimme.
„Was?“, Matthias war zu ihr herumgefahren. Er sah sie irritiert an. „Wie kommst du auf Manfred Hartmann, Liebes?“, fragte er nervös.
„Ich hab doch seinen Absender eben gesehen, als ich dir den Brief gab. Ist das GeschĂ€ft, das ihr miteinander habt, so heikel, dass er sich schon auf mich besinnt, um dich umzustimmen?“, fragte sie amĂŒsiert weiter. Matthias sah auf den Brief und las das Postskriptum. Er lachte nervös. „Ach ja, natĂŒrlich, das da. Ja, die Leute lassen sich schon was einfallen. Hartmann hat Hoffnungen auf einen gewissen Preisnachlass und jetzt zieht er alle Register.“ Seine Stimme klang trocken. Er warf ihr einen irritierten Blick zu. Wieso interessierte sie sich auf einmal fĂŒr seine Post?
Christine hielt es fĂŒr besser, nicht weiter zu bohren. Sie setzte sich wieder auf ihren Stuhl und goss nun auch sich selber frischen Kaffee ein. Ihr war warm geworden. Sie fĂŒhlte, wie eine verrĂ€terische Röte immer weiter an ihrem Hals nach oben kroch. Sie stand auf, um sich eine hoch geschlossene Jacke zu holen. Sie musste sich fangen, musste sich bewegen, musste ihren Hals verdecken.
In ihrem RĂŒcken fĂŒhlte sie seinen Blick.

Matthias steckte den Brief in seine Jackentasche und versuchte sich zu entspannen. War Enrike denn verrĂŒckt geworden, ihm hierher, nach Hause zu schreiben? Es war doch klar vereinbart, dass es nur eine Möglichkeit fĂŒr Nachrichten gab, postlagernd. Auch emails waren ihm zu heikel, seit seine Kinder am PC rumspielten und auf allerlei dumme Gedanken kamen. Was war nur auf einmal in sie gefahren? Nun ja, es war wohl klar, sie hatte es ja nur zu deutlich geschrieben: Sie war es leid, von ihm vertröstet zu werden. In irgendeinem schwachen Moment vor Monaten hatte er ihr versprochen, sich von seiner Frau scheiden zu lassen. Und nun drĂ€ngelte sie. Es wurde immer ungemĂŒtlicher. Meine GĂŒte, er wollte doch gar nicht weg von Christine, oder doch? Da war das Haus, die Kinder. Es ging hier alles so gut und friedlich ab, warum sollte er das aufgeben? NatĂŒrlich, was Enrike ihm gab, das bekam er zu Hause schon lange nicht mehr, hatte er vielleicht auch nie bekommen. Enrike war einfach unbezahlbar. Kein Wunder, dass er den Verstand verloren hatte. Aber sie war letztlich doch wie alle Frauen. Sie wollte nur heiraten, wollte mehr von ihm haben, wie sie sagte. Dabei war es doch gut so, wie es jetzt war.
Und so ĂŒbel war seine Frau schließlich auch nicht. Er sah sie an, als sie wieder herein kam. Sie hatte sich eine Jacke ĂŒbergezogen. Ihr war es ja stĂ€ndig zu kalt. Die Jacke und die leichte Röte in ihrem Gesicht standen ihr ĂŒberraschend gut.
Irgendetwas irritierte Matthias beim Anblick seiner Frau, irgendwie schien sie verĂ€ndert, irgendwas war mit ihr vorgegangen. Richtig, es war eben schon durch seinen Kopf geblitzt: Was hatte sie da eben gesagt? Sie dachte, dieses Postskriptum sei von Hartmann? Dabei war es nur eine dumme, freche Schlussbemerkung von Enrike. Die fing auf einmal damit an, ihm zu drohen, dass sie selbst mit Christine reden wolle. Sie versuchte, ihm Druck zu machen. Ärgerlich so was! Sie wĂŒrde das wohl möglich fertig bringen. Das war ihm klar.
Und Christine glaubte verrĂŒckter Weise, das sei ein Gruß fĂŒr sie? Von Hartmann, ausgerechnet! LĂ€cherlich! Oder etwa nicht? War da vielleicht etwas, was er nicht wusste?
Matthias sah seine Frau noch einmal an. Er musste sich Christine plötzlich in Hartmanns Armen vorstellen. Er merkte, wie ihm der Schweiß ausbrach. Absurde Idee!
Christine setzte sich wieder und blickte nicht auf, wĂ€hrend sie ihr Ei langsam und umstĂ€ndlich pellte. „Ist irgendwas?“, fragte sie schließlich unsicher, weil sie seinen prĂŒfenden Blick spĂŒrte.
„Du kennst Hartmann doch ĂŒberhaupt nicht, oder?“, sagte er leise und lauernd.
„Deshalb fand ich es ja so lustig“, gab sie etwas ĂŒberstĂŒrzt zurĂŒck und versuchte zu lachen. „Ich wusste gar nicht, dass er Manfred heißt“, fĂŒgte sie schnell hinzu.
‚Könnte das wirklich sein’, dachte er bestĂŒrzt, ‚könnte sie wirklich was mit Hartmann haben? Mit diesem Frauenliebling? Frauen standen auf den, das war allgemein bekannt. Aber seine Frau? Und Hartmann? WĂ€re es vorstellbar, dass Hartmann was an Christine fĂ€nde?’
Wenn er sie so ansah, musste er zugeben, dass sie noch ziemlich gut aussah: nettes Gesicht, freundliche Augen und eine nicht zu verachtende Oberweite und unten rum auch nicht schlecht. Wann hatte er das eigentlich zuletzt bemerkt? VerrĂŒckt, dass ihm das ausgerechnet jetzt auffiel, wo Enrike angefangen hatte, so einen Druck zu machen! Aber wirklich, Christine war nicht ohne und sie war seine Frau. Da sollte Hartmann mal bloß die Finger von lassen!
„Die Leute haben EinfĂ€lle!“, Matthias grinste verĂ€chtlich und versuchte das Thema zu wechseln.
„Hast du eigentlich letzte Woche meine beiden grauen AnzĂŒge zur Reinigung geschafft?“, fragte er unvermittelt.
Christine sah verblĂŒfft auf. „Sie hĂ€ngen doch schon wieder im Schrank“, murmelte sie.
In diesem Moment klingelte das Telefon.
Christine stand auf und nahm ab. Sie war froh, etwas tun zu können.
Am anderen Ende meldete sich niemand. Trotzdem hatte sie das GefĂŒhl, dass jemand in der Leitung sei. Sie zögerte, fragte noch einmal „Wer ist da?“ und legte dann mit leichtem KopfschĂŒtteln wieder auf.
„Wahrscheinlich falsch verbunden“, meinte sie und kĂŒmmerte sich erneut um ihr Ei.
Die Eheleute saßen sich wieder am Tisch gegenĂŒber. Er hatte es sich erneut mit der Zeitung bequem gemacht. Auf den zweiten Brief schien er keine Lust mehr zu haben.
Wieder klingelte das Telefon. Überraschend schnell sprang er auf und ging zur Anrichte, wo das Telefon stand. „Lass mich mal“, warf er Christine zu und nannte seinen Namen, ehe sie ĂŒberhaupt aufgestanden war.
Diesmal schien sich jemand am anderen Ende zu melden. Matthias sagte erst eine Zeitlang nichts.
„Ach, hallo, Herr Ringler, ja ich habe gestern ihren Auftrag erhalten. Warten Sie, dass kann ich von hier aus nicht so einfach beantworten. Ich sitze noch am FrĂŒhstĂŒckstisch mit meiner Frau, wissen Sie.“
Der andere Teilnehmer sagte etwas, vermutlich entschuldigte er sich.
„Am besten gehe ich rĂŒber ins BĂŒro und rufe Sie von da aus zurĂŒck. Ja machen wir es so. Bis gleich.“
Matthias legte auf.
„Ich geh mal eben rĂŒber. Ringler hat noch eine Frage zu seinem Auftrag. Es kann etwas dauern, Schatz. Ich bin mit dem FrĂŒhstĂŒck fertig.“
Er verschwand und schloss die WohnzimmertĂŒr hinter sich. Wenn es um seine GeschĂ€fte ging, hatte er es immer eilig, selbst am Samstagmorgen. Christine seufzte und fing an, das Geschirr abzurĂ€umen. Der Anruf fiel ihr wieder ein, als sich niemand gemeldet hatte.
Als sie beim AbrĂ€umen an seinen Platz kam, nahm sie den Teller, die Tasse, seine Serviette fort und stellte alles aufs Tablett. Nun lag nur noch der zweite Brief dort. Den anderen, den von Manfred hatte Matthias offenbar eingesteckt. Was Manfred wohl geschrieben haben mochte, ĂŒberlegte sie wieder. Hoffentlich hatte er sich nicht verraten! Aber nett war es doch, ihr auf diese Weise einen kleinen Liebesgruß zu schicken!

Christine streifte die KrĂŒmel von der Tischdecke. Sie nahm den zurĂŒckgelassenen Brief hoch. Als sie ihn umdrehte, sah sie den Absender: Es war der Brief von Manfred Hartmann.
Christine musste sich hinsetzten. Irgendetwas war nicht in Ordnung. Aber sie begriff nicht gleich, was es war. Der Gruß war also gar nicht von Manfred gewesen. Aber wer, um alles in der Welt, hatte sie grĂŒĂŸen lassen? Eine Frau, die ihren Mann duzte, von der sie nie gehört hatte. Und warum hatte Matthias ihren Irrtum nicht aufgeklĂ€rt und sie im Glauben gelassen, dass der Brief wirklich von Manfred sei?
Ein Schreck durchfuhr sie: Hatte sie sich jetzt verraten? Matthias hatte sie vorhin sehr merkwĂŒrdig angesehen. Sie fĂŒhlte sich wie in einer Falle. Sie spĂŒrte, wie ihr Herz zu klopfen anfing. Sie saß da und versuchte, sich zu sammeln. Wie sollte sie ihm das bloß erklĂ€ren?
Aber da war noch etwas anderes, was sie erschreckte: Wieso grĂŒĂŸt eine wildfremde Frau in einem GeschĂ€ftsbrief, sie, seine Ehefrau? Sie hat den Namen noch nie gehört. Aber diese Frau duzt ihren Mann. Der Anruf von eben fiel ihr plötzlich ein, sein hastiges Verhalten, und vorher, als er den Brief las, sein merkwĂŒrdiger Unmut.
Mit wem sprach er jetzt?
Wie gebannt starrte Christine auf rote LĂ€mpchen am Telefonapparat. Es leuchtete.

__________________
der Ausbruch aus dem GefÀngnis dauert ein Leben lang ...B. Groult

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Denschie
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hallo meckie pilar,
ich dachte beim lesen deiner geschichte, dass du
mehr daraus machen könntest. hauptsÀchlich, indem du
umstellst oder ein bisschen war kĂŒrzt.

da ist erstens der einstieg. es ist in einer kg nicht
notwendig, zu schildern, wie etwas "immer" ablÀuft. du
kannst theoretisch schreiben, dass christine zwei briefe
aus dem postkasten holt und dann direkt mit dem dialog
einsteigen. eine kleine anmerkung vielleicht, die den
leser neugierig macht, die zeigt, dass mit diesem manfred
"etwas" ist. aber keine detaillierte beschreibung der
beziehung zwischen christine und manfred. idealerweise
ergibt sich das aus den zwischentönen.
gleiches wĂŒrde ich fĂŒr die sache zwischen matthias und
enrike vorschlagen. nicht mit dem holzhammer darauf
hinweisen.
fĂŒr mich ist das thema deiner geschichte, wie mann und
frau am frĂŒhstĂŒckstisch sitzen und an ihre jeweiligen
affairen denken. diese situation muss von der stimmung
leben, von andeutungen, damit die spannung erhalten bleibt.
du zerstörst sie durch abschnitte wie:

quote:
Christine lĂ€chelte vor sich hin und rief sich im nĂ€chsten Moment selbst zur Ordnung. Matthias sollte auf keinen Fall etwas merken. Irgendwann wĂŒrden sie es ja sagen mĂŒssen, natĂŒrlich, auf die Dauer könnten sie ihre Liebe nicht verheimlichen, auf die Dauer gab es keine Alternative zu einer Trennung von Matthias. Aber dazu war es noch zu frĂŒh. Jetzt erst einmal sollte kein Schatten auf ihre Liebe fallen, keine Sorge, kein Streit. Noch war sie so neu und so wunderbar, heute und morgen wollte sie diese Liebe nur genießen!
besser ist folgendes:
quote:
„Ich finde, die Brötchen von Herrmanns sind auch nicht mehr das, was sie mal waren“, ließ sich Matthias jetzt hinter der Zeitung vernehmen.
Christine stimmt ihm zu. „Soll ich mal welche von der neuen BĂ€ckerei holen? Vielleicht schmecken die besser?“
„Welche neue BĂ€ckerei meinst du?“, fragte Matthias, ohne sie anzusehen.
„Na, an der Ecke BrĂŒder Grimm Straße ist doch jetzt eine BĂ€ckerei neu eröffnet worden. Frau Henrichensdorf meinte, die Brötchen seien gut, besser jedenfalls als die von Herrmanns. Ich kann nĂ€chste Woche ja mal dorthin gehen.“
„Gut, tu das, Schatz“, kam es hinter der Zeitung hervor. „Ach, könntest du mir wohl noch eine Tasse Kaffee eingießen?“ Matthias hielt seine leere Tasse in ihre Richtung.
hier spĂŒrt man die alltĂ€glichkeit ganz bedrĂŒckend.
aber dann wirst du wieder zu direkt:
quote:
Christine Ă€rgerte sich ĂŒber sein Verhalten. Er könnte sie wenigstens ansehen, wenn er sich von ihr bedienen ließ! Aber heute wollte sie keine gereizte Stimmung aufkommen lassen. Wann wĂŒrde er nur endlich Manfreds Brief ansehen. Die beiden Kuverts lagen noch immer unberĂŒhrt vor ihm, mit der beschrifteten Seite nach unten, so wie er sie eben achtlos hingelegt hatte.
lasse doch christine eine frische tasse kaffee bringen
und bringe ihre zweischneidige stimmung wÀhrenddessen
durch ein adjektiv zur sprache. ein klitzekleines.

was mir insgesamt nicht ganz klar geworden ist, ist die
sache mit dem absender. warum schreibt diese enrike dem
ehemann ĂŒberhaupt nach hause, wenn sie unerkannst
bleiben will? er ist doch anscheinend geschÀftsmann, sie
hÀtte doch tausend andere möglichkeiten, ihn zu kontaktieren.

das mal so als ersten leseeindruck.
lg, denschie

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Meckie Pilar
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Der falsche Brief

Hallo Denschie,
danke fĂŒr deine Anregungen,
du magst Recht haben, das innere Monologe nichts in Kurzgeschichten zu suchen haben. Ich werde mir das ganze noch mal vornehmen und schauen, was die Geschichte fĂŒr mich verliert, wenn ich sie weglasse.
Zu deiner Frage am Schluss:
Offenbar ist es nicht deutlich geworden: Enrike will ihren Freund provozieren. Sie möchte ja, dass er zu Huase endlich Farbe bekennt. Sie malt sich vermutlich aus, dass er diesen Brief liest, wĂ€hrend sie dabei ist. Deshalb auch der - sonst auch auch im Berief der Geliebten an den Ehemann unverstĂ€ndliche Gruß an die Ehefrau.
Aber dass es nicht deutlich wird, heißt ja, dann mein Text es nicht transportiert.
Ich mache mich also noch mal dran.
Meckie,
danke dir
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Denschie
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hallo meckie,
mir ist schon klar geworden, dass enrike den ehemann
provozieren will. was meiner meinung nach nicht richtig
herauskommt ist, warum sie als absender den geliebten
der ehefrau wĂ€hlt. ist das ein zufall? weiß sie, dass
die ehefrau ihren mann ebenfalls betrĂŒgt?
das ist ja der eigentliche aufhÀnger der geschichte und
ich finde ihn nicht ganz stimmig.
wie gesagt: die provokation wird deutlich! nur die form
nicht so ganz.
lg, denschie

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Meckie Pilar
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Der falsche Brief

hallo denschie,
es ist einigermaßen verrĂŒckt, welche MißverstĂ€ndnisse möglich sind!
Es ist gar nicht der Absender des Freundes drauf.
Der Mann hat zwei Briefe bekommen. Das hat seine Frau gesehen und auch, von wem die sind. Welchen er aufgemacht hat, das weiß sie nicht, vermutet aber wegen der GrĂŒĂŸe darunter, dass es der Brief von ihrem Freund ist.
Na, nichts fĂŒr ungut, ist wohl nicht klar geworden.
Danke fĂŒr den Hinweis
Meckie
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Denschie
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lach, das habe ich wirklich nicht mitbekommen, meckie!
jetzt habe ich mir die stellen noch einmal angesehen:
ich glaube, da stand ich auf der leitung. wenn man erst
mal angefangen hat, eine geschichte aus einer bestimmten
perspektive zu lesen, ist man wohl manchmal blind.
nichts fĂŒr ungut!
lg, denschie

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