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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Der falsche Mann
Eingestellt am 14. 05. 2014 11:53


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Cafard
Routinierter Autor
Registriert: May 2013

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Ein Mann trinkt eine Tasse Kaffee, im GesprÀch mit sich selbst. Der Kaffee schmeckt ihm gut, seine Gedanken schmecken ihm nicht - und jetzt?

Er hat gut geschlafen, die Aufgaben des Tages sind erledigt, nichts stört. Überhaupt eine gute Zeit gerade, vieles lĂ€uft in seine Richtung, fast ein arrogantes GefĂŒhl. Zur Abwechslung mal nicht schlecht. In den letzten Jahren war vieles StĂŒckwerk geblieben. Angefangenes verlor sich, beim Entgegengehen, in der Andeutung.

Spielerisches Probieren mit Attraktionen hier und da. Immer wieder die Chancen des Lebens suchend, um zu spĂŒren, dass es sie gibt. Um sich nicht tot zu fĂŒhlen, sondern lebendiger als das. Immer mehr davon, um ja nicht zu leiden, an irgendeiner Einsamkeit. Ja nicht mutlos sein, sondern mittendrin im Geflitter der Geschlechter, sich liebend stellend.

So sitzt er jetzt da und rĂŒhrt in seinem Kaffee. RĂŒhrt sein Leben um, den Zucker und den anregenden Stoff, der ihn trieb. Am Löffel klebt das, was ihm leid tut. Die unschönen Wiederholungen leichtfertig hergestellter NĂ€he, die Momente fahriger Versprechen. Vage Gebilde scheinbaren FĂŒhlens, Stoffwechsel nur.

Elegant nippt er an der weißen Tasse, mit jedem Schluck ziehen halbversunkene Bilder in seinen Kopf. Die Bilder von den Abschieden in trauriger Schönheit, selbst die gelangen ihm in gekonnter Manier. Keine VorwĂŒrfe an ihn, keine Anklagen. SouverĂ€n schĂ€lte er sich aus der quĂ€lenden Situation, mit wĂŒrdig scheinenden SĂ€tzen, von Angesicht zu Angesicht, selbst dafĂŒr wurde er noch gemocht.

Das Aroma des starken, sĂŒĂŸen Kaffees macht ihn zufrieden. Aber wie falsch und verlogen der Geschmack seiner verkommenen Worte. Er könne dies nicht und das nicht. Wie schade aber auch. Was wollte er denn ĂŒberhaupt bei dem Inneren eines anderen Menschen?

Er kratzt in den krustigen Resten auf dem schmalen Boden der kleinen Tasse herum. Dieser erschlichene Frieden in seinen Beziehungen widerte ihn an. Ist die wahre Schönheit nicht die Konfrontation zwischen den Menschen? Mit klugen Manövern war er nahenden Unwettern ausgewichen. In meisterlicher Voraussicht.

Die Kellnerin rĂ€umt ab. Mit den Fragen an sich selbst lĂ€sst sie ihn gerne allein. Sollte er sich zu sehr bemitleiden, bringt sie ihm was zum Abtöten, einen wirklich guten Wein, auch darin war er geschmackvoll geĂŒbt.

Sie hatte auch was mit ihm, fĂŒr kurze Zeit. Aber lange noch verspĂŒrte sie diese unbestimmte Wut. Gegen seine eklig klugen SĂ€tze, jene perfekt verschleiernden Netze. Erst Tage spĂ€ter zu durchschauen, als immer gleiche Varianten des Versteckens vor der beschissenen Wahrheit. Beschissen, weil er sie genau kannte, weil er sie kunstvoll verhĂŒllte, beschissen, weil man das auch merken könnte.

Das wĂŒrde ihr nicht wieder passieren. Lieber beißt sie sich auf die Lippen, wenn ein Ă€hnlich interessanter Mund sich ihr nĂ€hern wird, lieber schlĂ€gt sie kurz drauf.

Beim Rausgehen schaut er sie an, auch jetzt gelingt ihm ein sicheres LĂ€cheln. Jedoch weiß er nicht mehr, was ihm sicher ist. Er hat nur verloren, nie etwas Bleibendes gewonnen, vielleicht jetzt den brennenden Weg zu sich selbst.

Draußen regnet es, er bleibt stehen, bis er durchnĂ€sst ist, er kann doch so nicht weitergehen.

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MarkoMarko
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Apr 2014

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Hi Cafard,

mir gefĂ€llt dein Text gut. NatĂŒrlich ist er nicht leicht und flĂŒssig zu lesen, aber das muss er nicht sein. Das ist dein Schreibstil und mir gefĂ€llt er. Allerdings muss ich sagen , dass es Stellen gibt, die schwer zu verstehen sind und eine sehr lange Geschichte in diesem Stil etwas mĂŒhsam zu lesen wĂ€re (fĂŒr mich zumindest) - die TextlĂ€nge ist sehr gut so!

Hier einige Sachen, die mir aufgefallen sind:

quote:
Ein Mann trinkt eine Tasse Kaffee, im GesprÀch mit sich selbst. Der Kaffee schmeckt ihm gut, seine Gedanken schmecken ihm nicht - und jetzt?

gefÀllt mir sehr gut als Einleitung, vor allem der Reim.


quote:
Um sich nicht tot zu fĂŒhlen, sondern lebendiger als das

Lebendiger als was? Lebendiger als der Tod? Das macht nicht so viel Sinn fĂŒr mich. ich wĂŒrde deswegen das “als das“ weglassen.

quote:
Vage Gebilde scheinbaren FĂŒhlens, Stoffwechsel nur.

Ich wĂŒrde eventuell das “Stoffwechsel nur“ weglassen. Mich stört es beim Durchlesen weil ich nicht hinter den Sinn komme.

quote:
Was wollte er denn ĂŒberhaupt bei dem Inneren eines anderen Menschen?

Auch diese Formulierung finde ich nicht so gelungen. Man versteht zwar, dass es um Beziehung und Partner geht (oder? ) aber man muss zwei mal nachlesen.

Ich hoffe, ich konnte dir damit helfen oder Anregungen geben. Wie gesagt, dein Text gefÀllt mir gut insgesamt! 7.5/10 Punkten

VG Marko


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Cafard
Routinierter Autor
Registriert: May 2013

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Danke Marko fĂŒr das Interesse, ich weiß schon, dass in dem Text ein paar kryptische Stellen eingewoben sind, aber wenn man dem ErzĂ€hler gegenĂŒber wohlwollend ist, könnte man dies als unterstĂŒtzendes Mittel werten, unterstĂŒtzend bei der Typisierung des Protagonisten, dessen Gedanken und Sprache eben oft so verlĂ€rend sind, andernfalls mĂŒsste man dem ErzĂ€hler mangelnde PrĂ€zision ankreiden, das stimmt schon, nun, es ist Geschmacksache...

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Jo Phantasie
Fast-Bestseller-Autor
Registriert: Jun 2013

Werke: 23
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Kurzgeschichte? Lyrik ja! Der auktoriale ErzĂ€hler weiß nicht viel mehr, als der Protagonist auch, trinkt sozusagen seinen Kaffee.
Einen Höhepunkt, auf den alles zusteuert, sehe ich nicht, man bleibt durchgĂ€ngig mit dem „Sinn seines Lebens“, beschĂ€ftigt. MelancholieanfĂ€lligkeit? Das hat allerdings AtmosphĂ€re! Die geht zwar nicht unter die Haut, trĂ€gt jedoch ein unbestimmtes Potenzial der Fremdvergiftung in sich.

Ja, wieder einmal eine Story, bei dem man froh ist, den Protagonisten auch nicht als Kollegen oder Nachbarn zu haben. Das ist gelungen!
__________________
Phantasie ist wichtiger als Wissen, denn Wissen ist begrenzt.

Albert Einstein

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AliasI
???
Registriert: Apr 2005

Werke: 27
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sehr gut, aber...

die geschichte ist wie ein monolog angelegt. und bis du die kellnerin eingebracht hast, fand ich sie vorzĂŒglich. die kellnerin ist ein bruch, ich wĂŒrde sie enfach weglassen.
vielleicht kann der protagonist in ihrem blick erkennen, dass sie unter seinem verhalten leiden musste. fÀnde ich besser. aber wie gesagt: fein geschrieben, bis auf die kellnerin. ;-)
lieben gruß an dich
__________________
Die Lust ist eine Kunst, aber die Kunst ist nicht immer eine Lust (von mir oder von irgendeinem anderen).

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