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Leselupe.de > Fantasy und M├Ąrchen
Der geangelte Wolf
Eingestellt am 09. 11. 2017 16:53


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Eulensucherin
Schriftsteller-Lehrling
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Unvermittelt wurde Ayana von einer starken Windb├Âe erfasst, die ihr die Kapuze des braunen Umhangs vom Kopf wehte und ihr rotbraunes Lockengewirr dem Wind zum Tanz darbot. Ganz versunken im Pilzpfl├╝cken hatte sie gar nicht bemerkt, dass der Wind hier im dichten Wald stetig zugenommen hatte. Nun wankten alle B├Ąume um sie herum. Aya hatte gro├če M├╝he sich noch auf den Beinen zu halten. Nadeln und kleine ├äste wurden von den B├Ąumen gerissen und durch die Luft geschleudert. Das Rauschen der B├Ąume und das Sausen des Windes verschluckten alle anderen Ger├Ąusche.
Schlagartig hatte sich der Himmel verdunkelt. Eben noch in freundlicher, r├Âtlicher Abendstimmung, war es nun, als w├Ąre die Nacht ohne ├ťbergang hereingebrochen. Ein weiterer gewaltiger Donnerschlag lie├č Aya zusammenzucken. Was f├╝r ein Gewitter braute sich da zusammen? Schnell, schnell, sie musste eine Deckung suchen!

Schon h├Ârte sie das hohe Zischen eines Blitzes. F├╝r einen kurzen Moment war es heller noch als am Tag, dann wieder fast stockfinstere Nacht.
Wumm, Krach! Das Gnomm├Ądchen hatte gar nicht bis drei z├Ąhlen k├Ânnen, da war auch schon der Donner dem Blitz gefolgt. Jetzt durfte sie sich auf keinem Fall mehr unter den B├Ąumen aufhalten!
Sie eilte zu einem hohen Felsen, der sich nach vorne w├Âlbte und so eine kleine ├ťberdachung geschaffen hatte. Dort kauerte sich Aya ganz nah an die Felswand und blicke ├Ąngstlich nach drau├čen. Kein Regen setzte ein, wie sonst oft bei einem Gewitter. Daf├╝r hatte sich der Wind zu einem Sturm ausgewachsen, der erbarmungslos durch den Wald fegte. Es knackte und krachte ├╝berall um den Felsen herum. Um nichts in der Welt h├Ątte Ayana diesen halbwegs sicheren Platz nun verlassen.
Doch irgendwann hatten sich die Kr├Ąfte der Natur ausgetobt. Ayana war, noch immer an der Felswand sitzend, trotz allem Zittern und Bibbern in einen leichten Schlaf gefallen.

Bis zum fr├╝hen Morgengrauen. Aufgeschreckt wurde sie durch etwas, das ihr durch den Schlaf in die Ohren drang. Und ihr sofort in Mark und Gebein fuhr.
Langgezogenes, schauriges Jaulen. Es h├Ârte sich nah an. Es wiederholte sich. Es kam noch n├Ąher! Die W├Âlfe kommen! L├Ąhmende Angst kroch dem Gnomm├Ądchen in die Glieder. Stocksteif sa├č sie da und glaubte sich nicht mehr r├╝hren zu k├Ânnen. H├Ątte sie nur ein Feuer vor sich gehabt. Das einzige, vor dem sich die Todfeinde f├╝rchteten und das sie in Schach halten konnte. Aber in dieser Sturmnacht hatte sie keines entfachen k├Ânnen. Nun war sie schutzlos ausgeliefert!
In ihre Beine und Arme kam wieder Gef├╝hl, doch Zeit hatte sie keine mehr. Immer lauter und deutlicher h├Ârte sie die sich wiederholenden Jaul- und Belllaute. Schon ganz nah mussten sie sein! Sie w├╝rden sie hier riechen und sie finden undÔÇŽ
Weg, weg, nur weg von hier!
Den Rucksack auf den R├╝cken gewuchtet verlie├č Ayana den Felsen und rannte so schnell sie konnte ├╝ber Stock und Stein.
Weit kam sie nicht. Noch in weitem Bogen umrundeten sie die schnellf├╝├čigen J├Ąger und schlossen den Kreis langsam, aber unaufhaltsam enger um sie. Im fahlen grauen Licht des anbrechenden Morgens konnte sie dunkel ihre Umrisse erkennen. In geduckter Haltung, den Kopf leicht nach unten gebeugt hasteten die Raubtiere nun ohne einen Laut zwischen B├Ąume und Felsen.
Auf einen solchen lief Ayana zu. Hoch war er, bereits vom Boden her eben ansteigend, so dass Aya die Hoffnung hatte, hinaufklettern zu k├Ânnen. Auf allen vieren versuchte sie Halt zu finden und krabbelte nach oben. Fletschen und Knurren h├Ârte sie jetzt ganz nah. Auf der Felskuppe angelangt, drehte sie sich um und wagte einen Blick nach unten.
Die W├Âlfe hatten sie eingeholt. Mit im Nacken gestr├Ąubtem Fell umrundeten sie den Felsen und blickten zu ihr hinauf. War sie jetzt in Sicherheit?

Die Hoffnung platzte j├Ąh, als ein besonders gro├čer J├Ąger, ein Weibchen, zum Sprung ansetzte, geschmeidig am Fu├č des Felsens landete und sich anschickte die letzte Distanz zu seiner Beute zu ├╝berbr├╝cken.
Sie nicht aus den Augen lassend, schritt Aya langsam r├╝ckw├Ąrts. Da rutschte ihr Fu├č ab. Sich umwendend und gerade noch aufrecht haltend, bemerkte sie noch rechtzeitig die tief klaffende, ausgedehnte Spalte, die sich mitten im Fels auftat. Das Gnomm├Ądchen handelte schnell. Sie ging in die Hocke, stie├č sich mit aller Kraft ab und landete, Mutter Sonne sei Dank, knapp auf der anderen Seite. Eine dicht stehende Eibe hielt ihr zur Rettung die ├äste ihrer breiten Baumkrone hin. Aya sprang ein weiteres Mal und griff nach einem Ast. An ihrem Bein sp├╝rte sie in diesem Augenblick den warmen Hauch des Raubtierrachens und das Knacken des m├Ąchtigen Kiefers, als der Biss der W├Âlfin ins Leere ging. Um deren kurzes, zorniges Knurren und Fletschen k├╝mmerte sie sich nicht mehr.
Sie hatte all ihre Kraft aufzubringen, um sich mit den H├Ąnden an dem Ast festzuhalten, sich nach oben zu ziehen und die Beine um ihn zu schwingen, um darauf zum Sitzen zu kommen. Es gelang ihr, schon aber beugte er sich gef├Ąhrlich nach unten. Lange konnte er sie nicht tragen, war er doch zu d├╝nn. Durch die St├Ąrke, die einem wohl nur die Todesangst verleiht, gelang es dem Gnomm├Ądchen sich weiter hinauf, auf einen breiteren Ast zu hangeln. Dort klammerte sie sich fest und keuchte schwer. Vor Anstrengung und bestimmt auch vor Angst wurde ihr fast schwarz vor Augen. ÔÇ×Blo├č nicht loslassen, blo├č nicht loslassenÔÇŽÔÇť, wiederholte ihr Kopf immer, immer wieder.
Ihre Verfolgerin hatte mit selbstverst├Ąndlicher Leichtigkeit die Kluft ├╝bersprungen und das Gnomm├Ądchen war ihr auf der Flucht auf den Baum nur um Haaresbreite entkommen.
Leichtf├╝├čig wendete sich ihr massiger, vor Kraft strotzender K├Ârper nach allen Seiten. Sie suchte eine M├Âglichkeit zu ihrer gefl├╝chteten Beute zu gelangen. Die breite Tatze setzte sie auf den ├╝berragenden Ast.

Aya hielt bang die Luft an. Das Ge├Ąst wippte und gab sofort unter dem Gewicht nach.
Die W├Âlfin wusste, dass es f├╝r sie kein Hin├╝berkommen gab. So nah sa├č sie ihrem Fang gegen├╝ber und doch war er unerreichbar. Tief aus ihrer Kehle lie├č sie ein langes dunkles Knurren aufsteigen und fletschte dabei ihr Raubtiergebiss. Dann senkte sie langsam den R├╝cken und lie├č sich auf dem Felsen nieder. Nicht ohne die Entflohene nur einen Wimpernschlag aus den Augen zu lassen. Von stechendem Gelb waren diese Augen, mit dichter schwarzer Umrandung. Sie machten dem Gnomm├Ądchen gr├Â├čere Angst, als die t├Âdlichen Rei├čz├Ąhne. Von diesem Blick wurde sie stark gebannt, als w├╝rde sie gefesselt werden. Das Augenspiel der W├Âlfin war von siegesgewisser ├ťberlegenheit und machte Aya hoffnungslos.
Gib auf, du entkommst mir nicht. Du bist des Todes, schien sie ihr zu sagen. V├Âllig ruhig, lag sie vor ihr. Nur der breite R├╝cken hob und senkte sich. Ein dunkler Streifen schwarzen Fells, von der Nase ├╝ber die Ohren bis zur buschigen Rute durchzog ihn.

├ängstlich lugte Ayana nach unten. Nichts, rein gar nichts war mehr von der Aufregung und dem Stolz ├╝briggeblieben, den sie, je n├Ąher ihr Aufbruch aus der Gemeinschaft der Gnome ger├╝ckt war, wie einen wunderh├╝bschen Umhang getragen hatte.
Schlie├člich hatte nun endlich auch sie das Alter erreicht, um alleine auszuziehen und alle Pr├╝fungen der Wildnis zu bestehen. Nach ihrer Wiederkehr w├╝rde sie in den Kreis der erwachsenen Gnome aufgenommen werden.
Doch nun bekam sie unerbittlich zu sp├╝ren, dass dieses Abenteuer gar nicht harmlos war. Sie kam sich gar nicht mehr fast erwachsen vor, sondern eigentlich klein, hilflos, einsam! Niemand war hier, um sie in ihrer Angst zu tr├Âsten und ihr zu versichern, dass alles gar nicht so schlimm sei. Erbarmungslos und unab├Ąnderlich pr├Ąsentierte sich die Tatsache, dass sich ihr hier keine treusorgende, elterliche Hand entgegenstrecken und sie in die heimelige Sicherheit des Zuhauses retten w├╝rde.
Selbst wenn sie dies hier wie durch ein Wunder ├╝berleben sollte, war es nicht ├╝berstanden. Sie war v├Âllig allein und w├╝rde es auch f├╝r ein paar Monde bleiben.

Die restlichen Rudelmitglieder, sieben an der Zahl, streiften derweil unabl├Ąssig am Fu├če der Eibe herum. Sie sahen ganz unterschiedlich aus. Manche schmal und langf├╝├čig mit beinahe durchgehend hellem Fell. Manche kr├Ąftiger mit st├Ąmmigen Beinen und dunkler F├Ąrbung.
Ayana erschrak, als zwei der Feinde am Stamm hochsprangen und sie wild anbellten. Doch sie war so weit oben, dass sie ihr nichts anhaben konnten. Aya sah, dass es sich bei den beiden um Jungw├Âlfe handeln musste. Sie waren weit um die H├Ąlfte kleiner als die anderen, viel schm├Ąchtiger und ihre Bewegungen noch sehr ungelenk.
In der Tat hatten diese beiden ihre Kinderstube zum ersten Mal verlassen d├╝rfen. Es w├╝rde noch Monde dauern, bis ihnen selbst ein Jagderfolg gl├╝cken w├╝rde, doch sie sollten zusehen und lernen.
Anscheinend betrachteten sie das verschreckte zweibeinige Gesch├Âpf dort droben im Ge├Ąst als Spielzeug, dass sie neckte und reizte. Eins ums andere Mal setzten sie zum Sprung an, kl├Ąfften und jaulten Ayana wild an, bis ein J├Ąger abrupt ├╝ber sie herfiel und sie mit kurzem Knurren und Schnappen zurechtwies.
Dann folgte Stille. Unheimliche, bewegungslose Stille. Weder der gef├Ąhrlich lauernde, w├Âlfische J├Ąger auf dem Felsen, noch seine Begleiter unterhalb des Baums machten irgendetwas. Sie warteten einfach nur ab.

Es blieb dem Gnomm├Ądchen nichts anderes ├╝brig, als es ihnen gleich zu tun.
Diese lauernde Ruhe zerrte an Ayanas Nerven. Endlos lange sa├č sie nun schon hier droben auf der Eibe. In Sicherheit oder in der Falle? Obwohl der Tag bereits begonnen hatte, regte sich um sie herum kein Leben.
Keiner der vierbeinigen Waldbewohner traute sich einen Laut von sich zu geben oder gar aus seinem Versteck hervor zu kommen. Im Angesicht der t├Âdlichen Bedrohung, die die W├Âlfe wie ein unsichtbarer Kreis umgab, mied klugerweise ein jedes Tier dies St├╝ckchen Wald.
Da Aya ja nicht sehr gro├č war, hatte sie auf dem breiten Ast, den sie erklommen hatte, so viel Platz, dass sie sich darauf sogar zusammen kauern konnte. Die Gefahr herunter zu fallen war also recht gering, selbst wenn sie einnicken sollte.
Doch genau darauf schienen die J├Ąger mit unheimlicher Geduld zu warten. Sie stierten das Gnomm├Ądchen unabl├Ąssig an. Besonders von der m├Ąchtigen W├Âlfin auf dem Felsen gegen├╝ber ging ein fast greifbar starker Wille aus.
Wenn Aya hin├╝berschaute und sich ihre Blicke fanden, kroch es ihr eiskalt den R├╝cken hinunter und sie musste sich zusammennehmen, um die Augen abwenden zu k├Ânnen. Die ├ťberlegenheit der W├Âlfin h├Ątte sonst Einlass in Ayas Gem├╝t gefunden und sie so geschw├Ącht, dass sie aufgegeben und vom Baum herunter gepurzelt w├Ąre. Tr├Ąnen liefen ihr ├╝ber die Wangen. Sie konnte ja nicht ewig auf dem Baum bleiben! Sie w├╝rde irgendwann vor Entkr├Ąftung einfach vom Ast kippen und hinunterfallen. Den W├Âlfen zum Fra├č vorgeworfen! Nie wieder w├╝rde sie in ihr Dorf kommen, nie wieder ihre Eltern sehen! ÔÇ×Mutter, VaterÔÇť, schrie es in ihr und ein lautes verzweifeltes Schluchzen konnte Aya nicht mehr verhindern. ÔÇ×Hm, hm, Schnief!ÔÇť
Die W├Âlfin witterte ihre Schw├Ąche, hob den Kopf, richtete sich auf und dachte wohl, sie k├Ânne bald mit ihrer Mahlzeit beginnen.
Obwohl gerade noch v├Âllig verzweifelt, f├Ârderte gerade diese Erkenntnis im Gnomm├Ądchen Trotz und Widerstand zu Tage. ÔÇ×Vertraue stets auf dich, mein Kind. Stark bist du!ÔÇť, hatte ihre Mutter zum Abschied gesagt, als es Zeit war sie f├╝r die viermonatige Reifezeit in die Weiten des gro├čen Waldes zu entlassen. Und ihr Vater hatte ihr sein Messer gegeben, auch f├╝r den Fall, dass sie sich verteidigen musste.
Mochte dies nun eingetreten sein. Endlich sp├╝rte Aya wieder Mut. Auch wenn er von trotziger und verzweifelter Natur war, brachte er doch ein wenig Tatkraft zur├╝ck. Sie fing an im Rucksack zu kramen. Ihr Messer w├╝rde sie in den H├Ąnden halten, sollte sie doch irgendwann vom Baum fallen. Dann w├╝rde sie nicht kampflos aufgeben, sondern ihre Haut teuer verteidigen! ÔÇ×H├Ârst du, du Bestie? Ich gebe nicht auf!ÔÇť, wisperte sie trotzig zum Feind hin├╝ber.

Denn auch sie hatte Geduld und Willensst├Ąrke! Jawohl! Und sie hatte ja zu essen! Im Rucksack befanden sich eine Menge Pilze, die sie schon vor dem Gewitter eingesammelt hatte. Mit neuem Lebensmut machte sich Ayana daran ihre Lage zu verbessern. Sie wickelte sich in ihren Umhang und kostete einen Pilz. ├ťberrascht stellte sie fest, dass er nicht nur w├╝rzig schmeckte, sondern auch sehr viel Feuchtigkeit gespeichert hatte. Damit w├╝rde sie also eine Zeitlang ohne Wasser auskommen. ÔÇ×Mal sehen, wer zuerst vor Hunger und Durst aufgeben mussÔÇŽÔÇť, knurrte nun sie der J├Ągerin herausfordernd hin├╝ber.

Der Wettstreit dauerte nun schon bis zum Sonnenuntergang. Den beiden kleinen W├Âlfen wurde wohl langweilig. Sie hatten begonnen miteinander zu balgen und sich gegenseitig zu jagen.
Dem kleineren der beiden Welpen, einem noch sehr jungen Weibchen, wurde es aber schnell langweilig ihren Bruder in einem gespielten Kampf von hinten anzuspringen und ihm in die Flanken zu bei├čen. Wenn er es sich nicht gefallen lassen wollte, sch├╝ttelte er sie einfach ab. Dass er kr├Ąftiger und gr├Â├čer war, frustrierte die kleine W├Âlfin jedes Mal aufs Neue.
Rund um die Felsen ihrer Geburtsh├Âhle hatten sich die erwachsenen W├Âlfe manchmal erweichen lassen die Rolle williger Beute zu spielen, die sich nicht wehrte, wenn es sie zu rei├čen galt.

Auch heute wollte sie die Älteren dazu auffordern, fing sich jedoch sofort nur neuerliche Schelte ein. Sie konnte nicht verstehen, warum sie ihren Weg nicht fortsetzten. Hatten sie alle nicht bereits lange genug gewartet, dass das Wesen vom Baum herunterkam? Es zu hetzten war wunderbar aufregend gewesen, doch nun wurde ihr die Zeit zu lang.
Also schickte sie sich bald an den Felsen zu erklimmen. Den ersten Absatz zu ├╝berwinden, stellte f├╝r ihre kurzen Beinchen eine Herausforderung dar, die sie erst nach mehreren misslungenen Versuchen gemeistert hatte. Dann pirschte sie zu der auf der Felskuppe liegenden W├Âlfin heran.
Es war ihre Mutter und sie lie├č ihr f├╝r gew├Âhnlich vieles durchgehen, bis sie sie sanft im Nacken niederdr├╝ckte und ihr dann ausgiebig und liebevoll das Fell leckte. Noch trennte sie die Felspalte von einem gelungenen ├ťberraschungsangriff.
Nat├╝rlich hatte ihre Mutter sie schon l├Ąngst bemerkt. Sie wandte den Kopf und beschied ihr mit einem kurzen Grollen kehrt zu machen.
Erst schien es auch so, als wolle das Jungtier dem Befehl Folge leisten. Doch nach einigen Tapsern abw├Ąrts wandte sie sich abermals nach oben, rannte los und setzte zum Sprung an. Doch zu fr├╝h! Ihre Vorderpfoten kamen zwar auf der anderen Seite auf, doch ihre Hinterl├Ąufe fielen ins Leere. F├╝r einen kurzen Augenblick sah es so aus, als k├Ânne sie sich halten. Instinktiv, kaum begreifend was ihr widerfuhr, versuchte sie die Krallen im nackten Fels einzugraben, doch vergebens, der Stein war zu hart.
Die gro├če W├Âlfin sprang hinzu und wollte ihren Nachwuchs am Nacken packen, doch zu sp├Ąt! Mit einem ├╝berraschten Schrei, der fast nach einem Gnomkind klang, st├╝rzte die kleine W├Âlfin hinab in die Tiefe.

Fast schon dachte Ayana die gro├če J├Ągerin wolle hinterher st├╝rzen, soweit beugte sich diese in die Spalte hinab. Ihr hinunter gesandtes, fragendes Bellen hallte an den Steinw├Ąnden wieder, schien sich zu vervielf├Ąltigen und wiederholte sich hektisch selbst.
Schon eilten auch die anderen W├Âlfe herbei. Schnell schienen sie die Situation erfasst zu haben. Zwei der heller Farbenen blieben mit auf der Kuppe, die anderen begaben sich geschwind wieder nach unten und umrundeten den Felsen. Wohl suchten sie dort nach einem Eingang in die Spalte, um an die Kleine heran zu kommen.
Aya hatte von oben eine gute Aussicht und konnte das Geschehen genau beobachten. Sie sah, dass es aus der Spalte keinen Ein- oder Ausgang gab. Die kleine W├Âlfin konnte sie zwar nicht ausmachen, aber sie war gefangen, das war sicher. Ob sie den Absturz ├╝berlebt hatte?
Da drang ein leises Winseln durch die Luft. J├Ąh stoppte jeder Wolf seine Bewegung und lauschte. Das Winseln kam aus dem Felsriss und schwoll zum Jaulen an, das immer wieder von hohem Bellen unterbrochen wurde. Noch h├Ârte es sich eher ungeduldig als verzweifelt an.
Keiner der gef├Ąhrlichen J├Ąger k├╝mmerte sich mehr um das Gnomm├Ądchen auf dem Baum, nun, da einer der ihren in Gefahr war. Die bedrohlichen Raubtiere waren in heller Aufregung. Die Felsspalte wurde immer wieder abgelaufen und hinunter gebellt. Der Fels umrundet und sogar an verschiedenen Stellen am Fu├če des harten Gesteins gegraben. Doch alle Bem├╝hungen der sonst so ├╝berm├Ąchtigen J├Ąger waren vergebens. Das Jungtier war nicht heraus zu holen. Es war verloren. Wohl sp├╝rten dies nun ihre Artgenossen. Nach einer Weile versammelten sie sich droben an der Spalte und hielten in der Nacht gemeinsam Wache ├╝ber der Verungl├╝ckten.
Kein einziger Blick der W├Âlfe streifte mehr die auf den Baum gehetzte Beute. Ayana schien nicht mehr wichtig zu sein. Das Jaulen der kleinen W├Âlfin verhalte nach und nach. Als es nur noch ein trauriges Winseln war, trug es der Nachtwind sacht hinfort.

Im Morgengrauen erhob sich die gro├če W├Âlfin auf dem Felsen. Sie ging ein paar Schritte abw├Ąrts, drehte sich gen Norden, spannte Nacken, R├╝cken und Rute an und verharrte so einen Augenblick. Dann blickte sie hinter auf ihr Rudel und lie├č drei kurze Belllaute erklingen. Ihre Artgenossen hatten den Befehl erhalten in die gezeigte Richtung weiter zu ziehen. Sie befolgten ihn auf der Stelle und zogen lautlos durch die grauen Nebelschwaden des Morgens davon.
Ayana atmete schon auf und rechnete damit nach einer angemessenen Wartezeit der Vorsicht, hinunter klettern zu k├Ânnen und alles ├╝berstanden zu haben. Aber nein, die W├Âlfin hatte ihren Platz am Rand der Schlucht wieder eingenommen und schickte wieder ihr fragendes Bellen hinunter. Ihr kam der Gedanke, dass es wohl die Mutter der kleinen Ungl├╝cklichen sein m├╝sse. Warum sonst war sie nicht mit den anderen davongezogen?
Nur noch eine ersch├Âpfte, kaum zu h├Ârende Antwort erhielt die W├Âlfin zur├╝ck. Sie beugte ihren breiten Kopf in die Spalte, vielleicht konnte sie ihr Junges dort unten liegen sehen.
Aya fragte sich, ob sich die Kleine beim Sturz wohl verletzt hatte? Litt sie Schmerzen? Konnte eine Wolfsmutter das sp├╝ren? Ein Raubtier? ÔÇ×Was geht mich das an?ÔÇť, fragte sich Aya. ÔÇ×Vor kurzem wollten sie mich alle auffressen. Auch die Kleine in der Felsspalte h├Ątte bestimmt ein St├╝ck von mir abbekommen. Geschieht ihnen doch recht!ÔÇť Dies urteilte sie und kniff die moosgr├╝nen Augen zu Schlitzen zusammen, aus denen sie hart und scheinbar unbeteiligt das Trauerspiel beobachtete.

W├Âlfe waren schlie├člich seit jeher die einzigen Feinde der Gnome. Todfeinde. Wenn diese auf ihren regelm├Ą├čigen Streifz├╝gen in die N├Ąhe des Dorfes kamen, fielen sie ├╝ber die Schafe her, rissen sie und fra├čen sie auf. Auch Gnome, die dies zu verhindern versuchten und deshalb bei der Schafsherde wachten, waren schon angegriffen, schwer verletzt und gar get├Âtet worden.
Selbst ihrem Gro├čvater, der inzwischen schon zu Mutter Sonne gegangen war, war solch Schreckliches geschehen.
Tiefe Narben an Armen und Bauch hatten von jener grausamen Nacht Kund getan, die er beinahe nicht ├╝berlebt hatte. Die Dorf├Ąltesten wussten noch davon zu berichten, dass es einmal gelungen war einen Wolf zur Strecke zu bringen. Viele Gnome hatten damals versucht ihre Schafe zu verteidigen und hatten gemeinsam gegen die W├Âlfe gek├Ąmpft, die ihre kostbaren Tiere rei├čen wollten. Bewaffnet mit brennenden Fackeln, spitzen Heugabeln und Messern hatten sie es vollbracht, dass der Feind aufgeben, ohne nennenswerte Beute und ohne einen der ihren weiterziehen musste.
Doch der Sieg nach dem langen erbitterten Kampf hatte sehr bitter geschmeckt. Denn auch ein tapferer Familienvater hatte sein Leben geben m├╝ssen. Sein Tod hatte alle Gnome tief best├╝rzt und die Furcht vor dem Feind im dichten Pelz umgab das Dorf seit dieser Nacht wie ein schwarzes undurchdringbares Band. Dunklen Ha├č hatte sich noch tiefer in die Herzen der Dorfbewohner gegraben und sich dort eingenistet. Den Verlust des eigenen Rudelmitgliedes hatten die W├Âlfe wohl schneller verschmerzt als die Gnome einen der ihren, denn schon bald darauf hatten sie die Schafsjagd wiederaufgenommen.

Die Wolfsmutter lag noch immer flach ausgestreckt neben der Spalte und blickte weiter zu ihrem Jungen nach unten. Sie schnupperte, kl├Ąffte sorgenvoll in hohen abgehackten Lauten, das in lang andauerndes trauervolles Winseln ├╝berging.
Ihre Kleine schickte ihren letzten kraftlosen und herzzerrei├čenden Kummer zu ihrer verzweifelten Mutter hinauf. Doch die Traurigkeit blieb nicht nur bei diesen beiden.
Sie schien auch hinauf in die Eibe zu schweben und kroch dort in des Gnomm├Ądchens Herz. Aya konnte das nicht verhindern und sp├╝rte nun das Ungl├╝ck dieser beiden Wesen.
Da wandte sich die W├Âlfin um und blickte zu ihr hin├╝ber, direkt in des Gnomm├Ądchens Augen.
Kein todbringender Feind schaute sie mehr an.
Ayana sah nur noch eine sorgenvolle Mutter, der das Herz bricht, weil sie ihr eigen Fleisch und Blut verliert. Gef├╝hle sah Aya in den Augen des Wolfes. Die gleiche entsetzliche Pein, die auch eine Gnommutter w├╝rde durchleiden m├╝ssen.
Der Hass in Aya, der aus der Furcht hervorgegangen war, verschwand. Statt seiner breitete sich Mitgef├╝hl in ihr aus. So versenkten sie sich im Blick des anderen. Mitleid antwortete auf Verzweiflung. Ayana schloss in Demut vor dem Leid kurz die Augen. Auch die W├Âlfin tat es ihr als Zeichen des Verstehens gleich, bevor sie sich wieder abwandte.

Unertr├Ąglich langsam verstrich die Zeit und damit auch die Lebenszeichen des kleinen Welpens. Aus der Spalte sollte keine Antwort mehr kommen. Es war wohl vorbei.
In der stillen Abendd├Ąmmerung erhob sich die W├Âlfin langsam. Gebrochen schien ihre Gestalt. In niedergedr├╝ckter Haltung, mit h├Ąngenden Ohren und eingeknickter Rute hob sie den Kopf in den Nacken und lie├č ein langes Jaulen ert├Ânen, das herzzerrei├čend durch den Wald klang. Dann verlie├č sie ihr verungl├╝cktes Junges, das auf den Baum gehetzte Gnomm├Ądchen, den schicksalhaften Felsen und folgte mit h├Ąngendem Kopf den langen Weg ihres Rudels.

Die langen Stunden der Nacht und einen ganzen neuen Lauf der Sonne traute sich Ayana noch nicht von ihrem sicheren Hochsitz hinab. Zu hoch schien ihr das Risiko, dass die W├Âlfin mit ihren Gef├Ąhrten zur├╝ckkommen k├Ânnte. F├╝r einen voreiligen Mut hatte sich die Todesangst zu fest in ihrem Nacken verbissen. Auch am folgenden Tag wartete sie bis die Schatten schon l├Ąnger wurden. Dann erst traute sie sich endlich vom Baum herunter zu steigen. Sie h├Ątte sich gleich beeilen k├Ânnen den R├╝ckweg anzutreten, um den Ort des Schreckens schnell zu verlassen. Doch etwas in ihr dr├Ąngte sie noch einmal auf den Felsen zu klettern und einen Blick in die Spalte zu werfen.
Ob sie die kleine W├Âlfin dort unten w├╝rde liegen sehen? Seltsamer Weise tat ihr deren Schicksal leid. Wie schrecklich, dort unten ohne Hoffnung auf Hilfe sterben zu m├╝ssen? Ob sie schon tot war?
Da lag sie. Eingekeilt zwischen den Steinen, die dort unten zusammen mit altem Laub den Boden bedeckten. Ein B├╝ndel Fell. Aya konnte keine Atembewegung sehen. ÔÇ×Es tut mir leid f├╝r Dich, auch wenn du ein Wolf bistÔÇť, fl├╝sterte sie hinunter und wollte sich gerade erheben und fortgehen, da h├Ârte sie ganz schwach, kaum wahrnehmbar, ein Wimmern. Das Gnomm├Ądchen verharrte und lauschte angestrengt. Hatte sie es sich nur eingebildet? Schon dachte sie dem w├Ąre so, da sah sie wie die Kleine versuchte, den Kopf zu heben, um nach oben zu blicken. Es gelang ihr kaum, die Kraft reichte nicht aus. So sackte sie wieder in sich zusammen.

Doch sie lebte! NochÔÇŽ, aber daran hatte Aya eigentlich gar nicht mehr geglaubt. Nun war sie ratlos. Sollte sie jetzt ihres Weges gehen? Dort unten war der kleinen W├Âlfin der Tod gewiss. Aber Ayana z├Âgerte. Sie konnte sich nicht entschlie├čen ihr den R├╝cken zu kehren und sie ihrem Schicksal zu ├╝berlassen. Sollte sie nicht versuchen der kleinen W├Âlfin zu helfen? In ihrem Inneren focht sie einen Kampf aus. Einem Todfeind helfen? Doch in ihren Ohren klang noch das traurige Jaulen des Wolfswelpen und vor ihren Augen sah sie den verzweifelten, trostlosen Blick der Wolfsmutter.
Dann war es Ayana mit einem Mal klar. Wenn sie ein f├╝hlendes Wesen, wie sie eines war, im Stich lie├če, w├╝rde sie schwere Schuld auf sich laden, die sie f├╝r immer begleiten w├╝rde. ÔÇ×Ich versuche runter zu kommen und dich raus zu holen. Halte aus!ÔÇť, lie├č sie also der Verungl├╝ckten wissen.
Nur wie das anstellen? Wie hinunter und wieder hinaufkommen? ÔÇ×Eine Leiter bauenÔÇť, ├╝berlegte sie. Nein, das dauerte zu lange.
Bis dahin lebte der Wolfswelpe vielleicht nicht mehr. Da schoss ihr durch den Kopf, dass sie in ihrem Rucksack noch etwas hatte, an das sie ├╝berhaupt nicht mehr gedacht hatte. Das Seil! Nun wusste sie, was sie zu tun hatte.

Zuerst musste sie noch einmal ├╝ber die Felsspalte zur Eibe gelangen. Oh je. Hoffentlich ging das gut. Gerade noch rechtzeitig dachte sie daran, in ihrem Rucksack Platz zu schaffen und ihn leichter zu machen, bevor er wieder auf den R├╝cken kam. Der gesamte Inhalt landete auf dem Felsen. Seil und Messer hob sie auf. Das aufgewickelte Seil schlang sie sich um die Schulter, die Klinge nahm sie vorsichtig in den Mund und hielt sie mit den Z├Ąhnen fest. Dann nahm das Gnomm├Ądchen Anlauf, stie├č sich so fest sie konnte ab und kam sicher auf der anderen Seite auf. Geschwind schlang sie das eine Ende des Seiles mehrmals um eine dicke Astgabel und machte zwei Knoten ├╝bereinander hinein, damit es hielt. Das andere Ende wickelte sie sich um den Bauch und zurrte es fest. Langsam, mit viel Bedacht und vor Aufregung rauschenden Ohren lie├č sie sich in die Schlucht hinab.
Sobald sie unten angelangt war, bewaffnete sie sich mit dem Messer und schlich z├Âgerlich auf den Wolf zu. Ihr Herz klopfte und raste, als k├Ânne es sich nicht entscheiden, ob es lieber zerspringen oder weglaufen wolle. ÔÇ×Wenn du mich angreifst, steche ich zu!ÔÇť, wisperte sie dem Tier zu, das da am Boden lag. Sie war bem├╝ht ihre Stimme ├╝berzeugt und wehrhaft klingen zu lassen. Doch das w├Ąre gar nicht n├Âtig gewesen.
Es versuchte seinen Kopf zu heben, aber wohl fehlte alle Kraft dazu. Nur zu ihr hin├╝berblicken konnte die kleine W├Âlfin. Auf dieses Wesen, das aufrecht auf zwei Beinen ging und zu ihr heruntergekommen war. Fremd waren ihr die Laute, die es von sich gab. W├╝rde es sie rei├čen? Panik stieg in ihr hoch, doch l├Ąhmte sie die Ersch├Âpfung und der Schmerz in all ihren Gliedern.
Kurz nachdem sie nach dem Aufprall wieder zu sich gekommen war, hatte sie erwartet, bald den sanften Biss ihrer Mutter im Nacken zu sp├╝ren.

Damit w├Ąre alles wieder gut gewesen. Gerufen und gerufen hatte sie, doch auch keiner der anderen W├Âlfe aus ihrem Rudel war gekommen. Nur geantwortet hatten sie ihr. Erst hatte sie gedacht, dass ihr eigenes ungeduldiges Jaulen die Mutter zu Eile antreiben w├╝rde. Doch die Hoffnung hatte sich nicht erf├╝llt. Zum ersten Mal in ihrem Leben hatte die kleine W├Âlfin Angst versp├╝rt. Angst, die hilflos und einsam macht. Verzweiflung hatte sich in ihren Kopf und in alle schmerzenden Knochen geschlichen, als sie endlich begreifen musste, dass sie hier alleine zur├╝ckbleiben musste. Erst hatte die Anwesenheit der Mutter droben auf dem Felsen ihr noch ein wenig Trost gegeben, doch nachdem sie lange keinen Laut mehr von ihr geh├Ârt hatte, begriff sie, dass dies das Ende war. Sie konnte den nahenden Tod schon wittern. Irgendwann war sie schon zu geschw├Ącht gewesen, um sich gegen ihn auflehnen zu wollen. Sie hatte sich in den gn├Ądigen Schlaf gefl├╝chtet, w├Ąre dort auch bis zum Ende geblieben, h├Ątten sie die fremden Laute nicht hervorgelockt und sie zu dem anstrengenden Kopfheben versucht. Nun lie├č die Furcht vor dem Wesen, dass ihr Rudel auf den Baum gehetzt hatte sie vor Furcht erzittern.

ÔÇ×Nein, nein, hab keine Angst. Ich tue dir nichts, ich will dir doch helfenÔÇť, sprach Aya ihr aber beruhigend zu und streckte die leere Hand nach vorne aus, w├Ąhrend sie sich ihr langsam n├Ąherte. Das Messer behielt sie aber lieber noch in der anderen. Der Nachwuchs des Feindes war zwar kleiner als sie, aber trotzdem recht stattlich. Nur in ihrem Rucksack w├╝rde sie sie nach oben schaffen k├Ânnen. Wenn sie dies aber nicht zulassen w├╝rde, w├Ąre alles Bem├╝hen umsonst.
Aya musste jetzt all ihren Mut zusammennehmen. In bewusst langsamer Bewegung ging sie vor ihr in die Hocke und streckte die freie Hand nach ihr aus. Diese zitterte nicht minder als die Flanken der kleinen W├Âlfin.
Die andere Hand mit dem Messer darin blieb bereit f├╝r eine Verteidigung, falls sie sie doch bei├čen wollte. Es war ja ein Raubtier!
Aya musste sich ├╝berwinden sie zu ber├╝hren. Sie f├╝hlte weiches Fell und zog schnell die Hand zur├╝ck.
Doch au├čer, dass die kleine W├Âlfin ein kaum h├Ârbares Wimmern von sich gab, geschah nichts. Noch einmal wagte das Gnomm├Ądchen eine Ber├╝hrung. Diesmal lie├č sie die Hand kurz auf dem Fell liegen und dr├╝ckte ein wenig dagegen. Wieder keine Gegenwehr. Nur das Zittern der Verungl├╝ckten verst├Ąrkte sich noch. ÔÇśÔÇśDer Wolfswelpe hat wohl mehr Angst vor mir, als ich vor ihm!ÔÇť, dachte sich Ayana. Das gab ihr das n├Âtige Zutrauen f├╝r das, was sie nun als n├Ąchstes w├╝rde tun m├╝ssen.
Ihren Rucksack legte sie am R├╝cken der kleinen W├Âlfin am Boden aus. Nun musste ihre Waffe zur Seite gelegt werden. Dann stellte sich das Gnomm├Ądchen mit gegr├Ątschten Beinen halb ├╝ber das Tier, hob es vorsichtig an und zog und zerrte so lange, bis es mit den Hinterl├Ąufen und dem R├╝cken in den Rucksack gestopft war. Mutter Sonne sei Dank, hatte es alles einfach ├╝ber sich ergehen lassen. Nicht einmal gejault hatte es, daf├╝r aber gezittert wie Espenlaub. Aya hatte sehen k├Ânnen, dass der kleine Wolfswelpe tats├Ąchlich ein kleines Wolfsm├Ądchen war.
Schnell zog Aya die Kordel des Rucksacks so eng wie m├Âglich zu und besah sich ihr Paket. Ein B├╝ndel Wolf! Vorderpfoten, Hals und Kopf ragten heraus, der Rest war sicher verpackt. Fast lustig sah es aus. Zumindest glich der Inhalt keinem Schrecken einfl├Â├čenden Raubtier mehr. Das Gnomm├Ądchen t├Ątschelte verhalten und sehr vorsichtig den Wolfskopf, der sich, scheinbar in sein Schicksal ergeben, mutlos h├Ąngen lie├č und sie aus halb ge├Âffneten Augen anblickte. Hurtig befestigte sie sorgf├Ąltig das in die Schlucht baumelnde Ende des Seiles an den Schlaufen des Rucksackes.

Es brauchte einige Zeit bis Aya wieder nach oben geklettert war. Allein bis hierher war es eine sehr anstrengende Sache gewesen. Gerne h├Ątte sie sich droben am Fels ein wenig ausgeruht.

Aber Eile war geboten, damit sich der kleine Wolf dort drunten nicht aus seinem eingeschn├╝rten Zustand befreite.
So stellte sie sich h├╝ftbreit an den Rand der Schlucht, ging leicht in die Knie, holte tief Luft und begann damit das schwere Wolfsgep├Ąck nach oben zu ziehen. Erst glaubte sie, dies sei einfach eine schier nicht zu ├╝berwindende Aufgabe. Das Seil grub sich so tief in Ayanas H├Ąnde, dass es sehr wehtat. Am liebsten h├Ątten diese ihren Dienst gleich wieder aufgegeben. Auch die Kraft in den Armen wurde aufs ├Ąrgste strapaziert. Im Schneckentempo zog und zog sie und bald zitterten die Arme vor Anstrengung. Die Beine versuchten mitzuhelfen, indem sie sich gegen den Felsen stemmten. Mehr als einmal dachte Aya, dass es nicht zu schaffen sei. Doch endlich war der Rucksack mit seinem w├Âlfischen Inhalt an der Kante angelangt und auf den flachen Fels gezogen. Nach Luft ringend und schwindelig blieb Ayana erst einmal liegen.

Als ihr Atmen wieder gleichm├Ą├čig durch ihre Lungen floss und ihr Blick aufgeh├Ârt hatte vor Schwindel zu flackern, besah sie sich ihr hoffentlich noch lebendiges B├╝ndel. Mehr schlecht als recht sah es noch nach Leben aus. ÔÇ×Kleiner Wolf, bist du noch da?ÔÇť Zaghaft ber├╝hrte sie ihren Kopf. Doch sie bewegte sich nicht mehr. ÔÇ×Bitte halt noch durchÔÇŽ du brauchst bestimmt Wasser. Ich bringe dich dort hin, wo es welches gibtÔÇť, fl├╝sterte sie ganz nah an dem Wolfsohr. ÔÇ×Nicht aufgeben, ja?ÔÇť bat sie sie eindringlich. Nun war aber Eile geboten!
Sie wuchtete sich den mit Wolf gef├╝llten Rucksack auf den R├╝cken. Das Seil, das immer noch am Baum befestigt war, half ihr beim Abstieg vom Fels. Unten angekommen lie├č sie keine kostbare Zeit verstreichen, sondern ging mit vor schwerer Last gebeugten Knien rasch in die Richtung, aus der sie vor der Sturmnacht gekommen war.

Dort schl├Ąngelte sich der Bach durch den Wald. Voll mit dem lebensrettenden Nass, das jedes Lebewesen braucht um nicht elendig zu verdursten. So schnell sie nur konnte schritt sie auf dem Hindernislauf zwischen den rutschigen Felsen aus, erlaubte ihren Beinen nicht schlapp zu machen. Da, endlich! Ein Glucksen und Rauschen, das nur h├╝pfendes und fliehendes Wasser hervorrufen kann, erreichte ihre Ohren und gleich darauf stand sie am Bach.
Hastig kniete sie sich hin, legte den Rucksack mit dem kleinen Wolf ab, sch├Âpfte mit den H├Ąnden Wasser und hielt es der Verdurstenden unter die Schnauze. ÔÇ×Da, schau. Wasser. Du musst es trinken!ÔÇť
Die Augen der Kleinen ├Âffneten sich nicht, sie bewegte sich nicht. Schon war das Wasser durch Ayanas Finger davongelaufen. Schnell sch├Âpfte sie neues. Diesmal hielt sie es so nah an das Maul des Wolfes, dass deren Schnauze hineingetunkt wurde. Da zuckte sie und schnupperte, die Zunge bem├╝hte sich hervorzukommen und ein wenig Nass aufzunehmen. Schon wieder war alles Wasser durch Ayas Finger geronnen. Aber immer und immer wieder wiederholte das Gnomm├Ądchen das Wasserbringen. Ganz zaghaft erst nahm die kleine W├Âlfin das Wasser auf, doch mit jeder neu angebotenen Handvoll schienen ihre Lebensgeister zu erwachen. Sie ├Âffnete sogar die Augen, hob den Kopf und trank bald eine Handvoll nach der anderen.
Aya entfuhr ein Aufatmen, ganz erleichtert war sie. Ihre Angst vor dem Jungen des Todfeindes hatte sie erst einmal vergessen. Die raue Zunge des Vierbeiners schleckte zuletzt jeden verbleibenden Tropfen von ihren Fingern. ÔÇ×Uff, das war wohl Rettung in letzter Sekunde!ÔÇť, murmelte Ayana ersch├Âpft und lie├č sich mit diesen Worten ins sp├Ąrliche Gras am Bachufer sinken.

ÔÇ×Zilp-zalp-zelp, zilp-zalpÔÇť, m├╝hte sich ein kleiner olivgr├╝ner Vogel die Stille der schmalen Bachlichtung zu durchbrechen. Der Bach selbst begleitete die kleine Weise mit seinem tiefen Glucksen und der sanfte Wind lie├č die Tannen dazu rauschen. Friede und Lebendigkeit waren wieder hierher zur├╝ckgekehrt.
Das Wasser des Baches war ein erfrischendes Lebenselixier gewesen. Doch mit dem eigenen Gef├╝hl der absoluten Leere im Bauch war dem Gnomm├Ądchen klar, welch schrecklichen Hunger die kleine W├Âlfin leiden musste.
Auf dem Bauch lag diese, die Hinterl├Ąufe links und rechts gegr├Ątscht von sich gestreckt, den Kopf auf dem lehmigen Boden gedr├╝ckt, die Augen halb geschlossen. Das noch ganz flauschige Fell verriet, dass die kleine W├Âlfin ihre Kinderstube noch nicht allzu lange verlassen hatte. Das wei├če Fell an L├Ąufen, Bauch und Kehle wurde zum R├╝cken hin von schwarzbraunem Fell durchsetzt. Die Schnauze wie die Ohrenspitzen waren tiefschwarz, ganz als h├Ątte man sie in Farbe getunkt. Wenn die kleine W├Âlfin jetzt aufstehen w├╝rde, w├╝rde ihr R├╝cken dem Gnomm├Ądchen wohl bis an deren H├╝fte reichen. Auch wenn das Tier kleiner war als sie, so war es doch der Todfeind der Gnome und wohl auch vieler anderer Waldbewohner. Wer wei├č, was es tun w├╝rde, hatte es sich erst einmal erholt?
Im Moment sah es danach aber nicht aus. Noch nicht. Ersch├Âpft sah der Nachwuchs des Feindes aus, kaum f├Ąhig sich zu bewegen, geschweige denn anzugreifen. Sie musste kurz vor dem Verhungern sein.
Wer wei├č, wann das Rudel sich die letzte Beute geteilt hatte, fragte sich Ayana im Stillen. ÔÇ×Mich habt ihr nicht bekommenÔÇť, murmelte sie mit Stolz in der Brust. Sie war dankbar und froh, wenngleich ihr nicht klar war, wie es nun weitergehen sollte.
F├╝rs erste hatte die kleine W├Âlfin etwas Fl├╝ssigkeit in den Magen bekommen, wobei das Gnomm├Ądchen einen Blick auf die mattwei├čen Z├Ąhne der kleinen W├Âlfin hatte werfen k├Ânnen. Wenn auch noch nicht sehr gro├č, waren die Rei├čz├Ąhne doch schon ganz ansehnlich und vor allem spitz. In diesem Kiefer wuchs bereits ein Raubtiergebiss heran. Ayana erschauderte. Ihr wurde ganz mulmig im Magen. Aber ein gleichm├Ą├čiges Atmen verriet bald, dass die kleine W├Âlfin in tiefen Schlaf gefallen war.
ÔÇ×Vielleicht sollte ich schnell sehen, dass ich verschwindeÔÇť, ├╝berlegte Aya. Ihr Verstand sagte ihr, dass dies das einzig Vern├╝nftige sei und sie sich schnell aufmachen solle. Doch, da meldete sich noch eine andere Stimme zu Wort. Nun, es war ein Gef├╝hl, das aus ihrem Bauch zu kommen schien. Es gab zu bedenken, dass ein in diesem geschw├Ąchten Zustand verlassenes Tier bestimmt nicht ├╝berleben konnte. Mitleid regte sich in der Brust des Gnomm├Ądchens. ÔÇ×Wo ich dich nun aus der Schlucht herausgeholt habe, kann ich dich doch hier nicht verhungern lassen.ÔÇť, fl├╝sterte sie mit Bestimmtheit, sprang auf und begab sich auf die Suche nach irgendetwas, das solch ein Tier fressen k├Ânnte.

Nach geraumer Zeit kam sie wieder zur├╝ck. Vielmehr schlich sie sich zur├╝ck. Dabei hielt sie etwas in beiden H├Ąnden, hielt es so weit es ging von sich gestreckt und r├╝mpfte die Nase. Ein strenger Geruch schraubte sich zu ihrem Gesicht empor. Ein Geruch, den Gnome gar nicht sch├Ątzen. Fischgeruch. Hier musste man schon von Fischgestank sprechen! Das kam davon, dass der Tr├Ąger bestimmt schon einen Tag kein Leben mehr in sich trug. Ayana war auf ihrer Suche nach etwas Essbarem f├╝r den Wolf weiter dem Bach entlanggelaufen, nicht wissend, wonach genau sie eigentlich Ausschau halten sollte, als sie auf etwas Glitschiges getreten und beinahe ausgerutscht w├Ąre.
Aya schlich nun also ganz langsam und mit viel Bedacht zu der Stelle, an der die kleine W├Âlfin unver├Ąndert im tiefen, ersch├Âpften Schlaf lag. Sie warte einen Abstand und legte dort den toten Fisch ab. Von dieser Stelle aus, w├╝rde der Geruch die kleine W├Âlfin nicht sofort wecken. Eine Vorsichtsma├čnahme, die dem Gnomm├Ądchen ganz sinnvoll erschien. So fl├╝sterte sie schnell, aber ganz leise ihre Abschiedsworte: ÔÇ×Lebe wohl, kleine W├Âlfin. Hoffentlich schaffst du esÔÇŽSollten wir uns jemals begegnen, dankst du mir, indem du mich nicht auffrisst, ja?ÔÇť

Und beschw├Ârend setzte sie noch hinzu: ÔÇ×vielleicht begegnen wir uns lieber nie mehr wieder!ÔÇť Dann machte sie sich so leise und so schnell sie konnte davon.

Zuerst lief sie zum schicksalhaften Felsen und packte dort oben all ihre Sachen ein, die sie f├╝r die Rettung der kleinen W├Âlfin neben der Felsspalte aus ihrem Rucksack gesch├╝ttelt hatte. Auch das Seil ihres Vaters band sie eilig von der Eibe los und verstaute es. Gar nicht schnell genug konnte es gehen. In gro├čer Eile, aber immer darauf bedacht, sich nicht zu laut zu verhalten, schlug sie die Richtung ein, aus der sie vor dem Pilzsammeln gekommen war.
Wie viele Tage war das es her gewesen? Ein, zwei? Sie konnte es nicht sagen, doch es erschien ihr wie eine Ewigkeit.

Eine Rast g├Ânnte sich Ayana erst nach geraumer Zeit. Der niedrige Stand der Sonne zeigte an, dass sich der Tag bald zu Ende neigen w├╝rde, doch einen Schlafplatz wollte Aya noch nicht suchen. Nur kurz die Beine ausruhen und dann lieber weiterlaufen. Ersch├Âpft lie├č sie sich auf einem weichen Moosteppich in einer breiten Kuhle zwischen zwei Felsen sinken, st├╝tzte die Ellenbogen ab und betrachtete zwei ganz nah beieinanderstehende Tannen, die ihr gegen├╝berstanden. Schon einige Augenblicke sp├Ąter merkte sie gar nicht mehr, wie ihr die Augen schwer wurden, sie langsam nach hinten ins weiche Moos und in den Schlaf sank.

Indes hatte ein Geruchsfaden seine Wanderschaft ├╝ber feuchte Erde und um kleine Steine herum angetreten. In seinen auf- und abwindenden Bewegungen schl├Ąngelte er sich soweit, bis er die feine Nase einer kleinen W├Âlfin gefunden hatte.

Er lie├č sich mit einem Atemzug aufnehmen und fand den Weg in den ersch├Âpften Schlaf des kleinen Raubtieres. Dort lie├č er ein Traumbild entstehen:
Mit einem k├Âstlich duftenden Fisch als Mitbringsel kommt die Wolfsmutter zum Bau zur├╝ck, legt ihn vor der kleinen W├Âlfin nieder und leckt ihr liebevoll die Ohren. Freudig wedelnd und aufgeregt winselnd macht sich die kleine W├Âlfin ├╝ber den Fisch her, will hineinbei├čen, ÔÇŽ doch da ist nur LuftÔÇŽ

Die kleine W├Âlfin schluckte trocken an dem Nichts, nachdem sie im Schlaf geschnappt hatte und erwachte davon. Doch der k├Âstliche Geruch umwehte noch immer ihre Schnauze und zeigte ihr an aus welcher Richtung er kam. Sie musste nur noch aufstehen, was ihr aber etliche ├ťberwindung kostete, denn alles schmerzte und sie war noch sehr ersch├Âpft. Doch dann tat es ihr einfach unendlich gut in das Fleisch des Fisches zu bei├čen und es hinunter zu schlingen. Dass er nicht mehr ganz so frisch war, machte ihrem m├Ąchtigen Hunger rein gar nichts aus. Sie konnte ihre Pfoten auch dazu bringen, sie bis zum Bach zu tragen. Dort trank sie lange und ausgiebig. Endlich sp├╝rte sie, wie ihre Lebensgeister wiedererwachten und genug Kraft durch ihre Adern str├Âmte, um sich umzusehen.
Wo war das Wesen, das diese seltsamen Laute von sich gab? An den Geruch von dessen Pfoten konnte sie sich erinnern. Er war fremd gewesen, aber in ihrer Erinnerung war er verbunden mit Wasser und er hatte auch an dem Fisch gehangen, den sie gerade hinuntergeschlungen hatte. Die kleine W├Âlfin blickte in alle Richtungen, doch sie war allein. Da legte das kleine Raubtier den Kopf in den Nacken und bellte schwach, einmal, zweimal und ein drittes Mal, bis es in ein lang gezogenes bittendes und sehr mattes Jaulen ├╝berging. Sie rief nach ihrer Mutter. Doch keine Antwort wurde ihr geschickt. Weder von ihrer Mutter noch von einem anderen Wolf.

Nirgendwo konnte die kleine W├Âlfin eine Geruchsspur, keine noch so feine Ahnung ihrer Artgenossen aufnehmen. Sie konnte so lange jaulen wie sie wollte, auch das Wesen, dem der fremde Geruch geh├Ârte, tauchte nicht zwischen den B├Ąumen und Felsen auf. So unertr├Ąglich verlassen und verloren f├╝hlte sich die kleine W├Âlfin.
Die Ohren h├Ąngend und den Schwanz eingezogen, tapste sie einsam ein paar Schritte voran, als ein weiterer, zwar ganz schwacher, aber doch gerade noch wahrnehmbarer Geruchsfaden von ihrer t├╝chtigen kleinen Wolfsschnauze aufgenommen wurde. Der fremde Geruch. Der Geruch, der so sehr zum Gnomm├Ądchen geh├Ârte wie ihre Stimme. Die kleine W├Âlfin folgte ihm und lie├č ihn nicht mehr aus ihrer Nase entkommen.

Schwindelig und mit leichter ├ťbelkeit erwachte das Gnomm├Ądchen aus dem kurzen Schlaf. Wie ger├Ądert f├╝hlte sie sich, setzte sich m├╝hsam auf und blinzelte schlaftrunken in den dunkelroten Schein, den die untergehende Sonne hinter den zwei dicht stehenden Tannen hervorschickte. Die beiden Nadelb├Ąume glichen im Gegenlicht dunklen Schemen, die von r├Âtlichem Dunst eingeh├╝llt waren. Aya rieb sich die Augen, um die M├╝digkeit aus ihnen herauszutreiben. Wieder nach vorn blickend, machte sie pl├Âtzlich eine Bewegung bei den Tannen aus. Einer der unteren Zweige zitterte erst sacht, schwang dann zur Seite und lie├č einen Kopf zum Vorschein kommen, der sich anschickte samt seines dazugeh├Ârenden K├Ârpers ins Freie zu treten. Ein Wolfsk├Ârper.

Die zur├╝ckgelassene kleine W├Âlfin reckte witternd ihre Schnauze und sog die Ger├╝che der saftigen Wiese, der lehmigen Erde, des warmen Mooses und der vor Schreck erstarrten Ayana ein. Aus Freude, die Spur erfolgreich verfolgt zu haben, stie├č sie zwei kurze, kr├Ąftige Belllaute aus, gefolgt von einem kurzen, hohen Jaulen. Einen Satz vorw├Ąrts machte sie und eilte auf tapsigen Pfoten zu dem Gnomm├Ądchen hin.
F├╝r diese geschah dies wie in einem Traum, indem alles ganz von alleine geschieht, man mitspielt und zuschaut in einem, aber nicht die Handlung bestimmen kann. So geschah es f├╝r Aya rasend schnell und trotzdem mit unendlicher Langsamkeit, dass das kleine Raubtier auf halber Strecke innehielt, sich auf den Boden legte, die Wolfsaugen zwinkern lie├č, sich wieder erhob und langsam einen leichten Bogen beschreitend, sich dem Gnomm├Ądchen n├Ąherte. So weit, bis sie direkt vor ihr stand, den Geruch nun endlich gefunden und dessen Tr├Ąger wiedererkannt, der sie vor Hunger und Tod gerettet hatte.
Sachte, ganz vorsichtig stupste die kleine W├Âlfin an das hochgezogene Knie des Gnomm├Ądchens, lie├č sich dann direkt auf Ayanas F├╝├čen nieder, lie├č den Kopf ins weiche Moos sinken und stie├č einen erleichterten Seufzer aus.

Ayana lie├č alles eher verwundert als erschreckt geschehen, es war als w├╝rde sie noch tr├Ąumen. Sie blickte nur auf den jungen Wolfsk├Ârper, der sich nun in gleichm├Ą├čigen Atemz├╝gen hob und senkte. In einem Takt, der sie bald sanft einh├╝llte, sie beruhigend wiegte und damit den Schrecken und die Angst fortschickte. Ihre Hand ber├╝hrte das weiche Fell am Nacken und begann es vorsichtig zu kraulen. Ein warmes Gef├╝hl schl├╝pfte da in ihre Brust. Es fand Ayas Einsamkeit und gab ihm als Geschenk ein St├╝ckchen Zweisamkeit.
Denn zwei hatten sich gefunden, auch wenn sie nach den Gesetzen der Welt, in der sie lebten Feind und Beute waren. So ungleich sie auch waren, war dies hier ein Anfang. Der Beginn von Vertrautheit, Verbundenheit und Freundschaft.
Und schon nahm ein neues Abenteuer seinen Lauf, eines, das nicht mehr einsam, sondern gemeinsam bestritten wirdÔÇŽ

- E N D E (oder auch nichtÔÇŽ) -

__________________
Michaela W.

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