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Leselupe.de > Humor und Satire
Der gute Rat / Anekdote
Eingestellt am 30. 06. 2005 10:43


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MarenS
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Der gute Rat

In einem kleinen ├ľrtchen am Rande des Odenwaldes lebt ein Mann, dessen Schalk im ganzen Ort bekannt ist. Wohl ist er treusorgender Familienvater und Ehemann, doch seine Lausbubenmentalit├Ąt ist ihm immer zu eigen geblieben.
An einem v├Âllig verregneten, tr├╝ben Herbsttag war er mit seinen Hunden im Wald unterwegs und sein Weg f├╝hrte ihn am "Strahlenfeld" vorbei. Nun muss man wissen, dass in dieser Gegend, nahe bei der Ortschaft zu fr├╝heren Zeiten Erz abgebaut wurde und nun findige Menschen auf die fixe Idee kamen, in jenem Waldst├╝ck nahe bei der Erzabbaustelle g├Ąbe es Strahlungen aus der Erde, die eine Lichtung mit heilsamer Energie ausf├╝lle. Dies f├╝hrte dazu, dass eine Zeitlang gutgl├Ąubige Menschen zu dieser Lichtung pilgerten, in der Hoffnung, sich dort durch diese Strahlung Gutes zu tun. Der wundersch├Âne Weg durch den Wald mag ja durchaus positiv auf die Gesundheit dieser Menschen eingewirkt haben, die Strahlungen aber wurden von Experten als v├Âllig unzureichend bezeichnet, um irgendeine Wirkung zu zeigen. Aber wie es so ist, manche Leute wollten dies nicht wahr haben und so ging das Treiben an jener Stelle noch eine ganze Weile weiter.

Eben diese Lichtung querte also unser Freund bei jenem scheu├člichen Wetter und traf dort zu seiner ├ťberraschung auf zwei Menschen, die dort standen. Sie hielten die Augen geschlossen und trugen zum Schutz gegen die Unbilden des Wetters einen aufgespannten Regenschirm in der einen Hand, w├Ąhrend sie die andere - wohl um die Strahlen besser aufnehmen zu k├Ânnen - mit gepreizten Fingern schr├Ąg Richtung Erdboden von sich hielten.
Dieses Bild fesselte unseren wackeren Wanderer und er verweilte ein wenig, um diese beiden zu beobachten. Doch noch w├Ąhrend er die Szene in sich aufnahm stiegen Zweifel in ihm empor, ob die beiden denn die Strahlung auch auf die wirksamste Weise auffingen und, hilfsbereit wie er war, begann er dar├╝ber nachzusinnen was besser zu machen sei.
Es dauerte auch nicht lange, bis er eine z├╝ndende Idee hatte. So sprach er die zwei vorsichtig an, um sie nicht zu erschrecken und teilte ihnen sanft mit, dass seiner Meinung nach durch die aufgespannten Regenschirme die Energie einfach abgeleitet werde. Die beiden schauten gleicherma├čen verbl├╝fft wie ratlos. Nun war die Stunde unseres findigen Freundes gekommen. Mit gewichtigen Worten erkl├Ąrte er den beiden die Funktion einer Satellitensch├╝ssel und hob hervor, sie sei wie eine gro├če Sch├╝ssel den Strahlen entgegen gerichtet, um m├Âglichst viel auffangen zu k├Ânnen. Daraus lie├če sich logischerweise schlie├čen, dass sich Strahlung am ehesten mit umgedrehtem Regenschirm auffangen lie├če. Die Spitze des Regenschirmes m├╝sse dann die geb├╝ndelte Energie in die Hand hinein leiten.
Diese Ausf├╝hrungen ├╝berzeugten die Besucher offensichtlich, denn sie drehten auf der Stelle ihre Regenschirme um, hielten sie an der Spitze fest, stellten sich wieder in Positur und harrten der Strahlung, die ja nun vermeintlich optimal ausgenutzt wurde.

Unser hilfsbereiter Freund aber ging seines Weges und w├Ąhrend er im Vor├╝bergehen den Regentropfen zuschaute, wie sie unabl├Ąssig zu Boden tropften und kleine Rinnsale neben seinem Wege bildeten, l├Ąchelte er zufrieden. Hatte er doch sein Wissen bereitwillig und gro├čz├╝gig anderen mitgeteilt, das war sicher als gute Tat zu werten!
So schritt er munter dem Tal entgegen, den besser konnte ein Sonntag wohl nicht anfangen.

01.05.05
MarenS

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MarenS
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