Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, m├╝ssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5551
Themen:   95247
Momentan online:
275 Gäste und 7 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Kurzgeschichten
Der gute Vorsatz
Eingestellt am 15. 03. 2016 12:29


Autor
Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.
Maribu
???
Registriert: Jun 2012

Werke: 70
Kommentare: 219
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Maribu eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Der gute Vorsatz

Der Regen prasselte gegen die Scheibe. Ein M├Ąrztag, nicht mehr Winter, noch nicht Fr├╝hling, wie geschaffen, um im Bett liegen zu bleiben! - Aber acht Stunden waren genug; sein R├╝cken begann schon zu schmerzen.
W├Ąhrend des Rasierens erinnerte er sich daran, was er sich unter Zeugen vorgenommen hatte. Silvester hatte er mit seiner Freundin bei Freunden gefeiert, mit denen sie sich auch monatlich zu Gesellschaftsspielen trafen. Irgendeiner kam auf die Idee, die guten Vors├Ątze f├╝r das neue Jahr bekannt zu geben. Nach einem Vierteljahr sollte dann ├╝berpr├╝ft werden, wer sie nicht eingehalten hat. Als zus├Ątzliches Druckmittel einigte man sich auf eine "Strafe" von zwanzig Euro f├╝r die Spielkasse, aus der sie einen Ausflug pro Jahr finanzierten.
Die Frauen wollten abnehmen und nahmen sich vor, mehr Sport zu treiben und um S├╝├čigkeiten einen gro├čen Bogen zu machen.
Zwei M├Ąnner wollten ebenfalls ein paar Pfunde verlieren und versprachen, mit Joggen anzufangen. Andere, zu denen er auch geh├Ârte, wollten ab Januar mit dem Rauchen aufh├Âren.
Seine Freundin protestierte: "Du rauchst doch schon seit einigen Wochen nicht mehr!"
"Das ist nur vorbeugend!" beruhigte er. "Du wei├čt doch, wie schwer mir das f├Ąllt! Ich k├Ânnte doch wieder r├╝ckf├Ąllig werden!"
"Nein, das z├Ąhlt nicht! Du hattest dir doch schon lange vorgenommen, den Keller aufzur├Ąumen und zu entr├╝mpeln. Das w├Ąre doch ein guter Vorsatz!"
Sie hat ja Recht! Als er vor einigen Jahren die Wohnung seiner Eltern ├╝bernommen hatte, ist sie nicht nur renoviert, sondern auch komplett neu eingerichtet worden.
Der Keller hat ihn nicht interessiert; der war so zugestellt, dass man kaum die T├╝r ├Âffnen konnte. Da er ihn nicht nutzte, st├Ârte ihn das nicht. Jetzt musste er aber t├Ątig werden. Nicht nur wegen des Vorsatzes - das Vierteljahr war in vierzehn Tagen um -, sondern auch um die Fahrr├Ąder, die sie sich zum Fr├╝hjahr kaufen wollten, unterbringen zu k├Ânnen.
Aufr├Ąumen brachte nichts! Wo sollte er mit dem Ger├╝mpel bleiben? Bis auf die Regale mit den Werkzeugen konnte alles weg! Hier half nur die Sperrm├╝ll-Abfuhr. Dazu musste er eine Aufstellung anfertigen, da die Fahrer die Anweisung hatten, nur das mitzunehmen, was auf der vorher ├╝bersandten Liste stand.
Der meiste Platz wurde von der Kartoffelkiste eingenommen, in der auf dem Boden noch einige verschrumpelte Knollen mit abgestorbenen Keimen lagen. Daneben einige aufgestapelte Bretter und Leisten einer ehemaligen Kohlenkiste.
Davor standen zwei K├╝hlschr├Ąnke, ein Gasherd und ein verrostetes Damenfahrrad ohne Sattel. An einer Wand t├╝rmte sich ein Lattenrost mit einer Matratze. An der anderen Seite waren leere Pappkartons gelagert, die auch noch eine Zinkwanne f├╝llten. Dahinter versteckt eine Art Dielenschrank, den er nie in der elterlichen Wohnung gesehen hatte.
Er schob die Kartons beiseite und untersuchte das M├Âbelst├╝ck.
Es musste neu gut ausgesehen haben, h├Ątte vielleicht mit dem entsprechenden Spiegel sogar in seine Diele gepasst. Aber das Nussbaumfurnier war gerissen, an einigen Stellen ganz abgeplatzt, so dass man die rohe Spanplatte sah. Es hatte zwei Schubladen. In der oberen lagen ein Schuhanzieher, eine Kleiderb├╝rste und - ekelhaft - ein Kamm mit ausgebrochenen Zinken und in den verbliebenen verfilzte, schwarze Haare.
In der unteren konnte er auf den ersten Blick auch nichts Wertvolles entdecken. Es schienen nur ausgeschnittene Werbeanzeigen aus Zeitungen oder Illustrierten zu sein.
Obenauf Ariel-Werbung mit Klementine. Er nahm den Stapel heraus und sah sich die Ausschnitte an.
Sie mussten aus den 60-iger Jahren sein, als man noch Reklame dazu sagte.
Blonde Frauen mit Dauerwellen priesen Penaten-Creme, Nesquik, Lux-Seife und Rotb├Ąckchensaft aus dem Reformhaus an.
Ein Mann mit Sonnenbrille und Strohhut, die Zigarette l├Ąssig im Mundwinkel, warb f├╝r Mercedes. Von dieser Zigarettenmarke hatte er noch nie geh├Ârt. Wahrscheinlich war sie vom Markt verschwunden, weil Daimler-Benz dagegen Einspruch eingelegt hatte.
Ganz unten lag ein dicker brauner Din-A5-Umschlag, und darauf stand in Druckbuchstaben: 'F├╝r Dich!'
Er z├Âgerte und ├╝berlegte. 'F├╝r Dich!' - War er damit gemeint?
Vielleicht von seinen Eltern? Aber warum in Druckbuchstaben? Sie hatten doch eine sch├Âne und leserliche Handschrift!
Er hatte aber eher das Gef├╝hl, dass sie diese Schubladen nie ge├Âffnet hatten; egal, wie das Schr├Ąnkchen in den Keller gekommen war.
Er ├Âffnete den Umschlag und musste einen Schrei der ├ťberraschung unterdr├╝cken. Es war ein B├╝ndel 100-Mark-Scheine darin. Er z├Ąhlte sie. Es waren drei├čig St├╝ck. Sie sahen so neu aus, als w├Ąren sie noch nie in Umlauf gewesen. Aber woher kam das Geld und f├╝r wen sollte es sein?
Er betrachtete einen Schein etwas genauer. Die r├Âtlich-blaue Farbe schien zu stimmen. Auf der Vorderseite Clara Schumann und auf der R├╝ckseite der Konzertfl├╝gel. Wasserzeichen waren auch zu erkennen. Auch der "Papiertest" mit Daumen und Zeigefinger gab ihm das DM-Gef├╝hl zur├╝ck. - Vielleicht waren sie echt! Er k├Ânnte das n├Ąchste Woche testen. Dann bot ein Supermarkt in der N├Ąhe Eink├Ąufe in Deutsche Mark an. Ein Kasten Bier sollte zum Beispiel zwanzig Mark kosten.

Am n├Ąchsten Montag packte er sich den Einkaufswagen voll und stellte sich mit Herzklopfen an die Kasse. Der Hunderter passierte das Kontrollger├Ąt der Kassiererin ohne Beanstandung.
Er bekam sechs Mark und zweiundsiebzig wieder heraus. Besonders ├╝ber das F├╝nf-Mark-St├╝ck freute er sich; hier hatte man wenigstens etwas in der Hand! Was war dagegen ein lappiger F├╝nf-Euro-Schein?!
Nachmittags machte er sich auf den Weg zur Filiale der Deutschen Bundesbank. Zweitausendneunhundert Deutsche Mark w├╝rden ungef├Ąhr eintausendf├╝nfhundert Euro ergeben. Wenn sie f├╝nfhundert dazulegten, bek├Ąmen sie daf├╝r zwei Touring E-Bikes.
Der Schalterbeamte kam zur├╝ck. Aber anstatt ihm die umgetauschten Euro zu geben, bat er ihn ins Besucherzimmer.
Dort erwartete ihn ein anderer Mann und der sagte, bevor er Platz nehmen konnte: "Das ist Falschgeld!"
Nun bekam er doch einen Schreck. Nach dem gelungenen Einkauf am Vormittag hatte er damit nicht gerechnet. Der 'Banker' bat um seinen Ausweis und fragte, woher das Geld stamme.
W├Ąhrend seines Erz├Ąhlens bemerkte er bereits ein ungl├Ąubiges L├Ącheln bei dem Mann, der dann erwiderte: "Das glauben Sie doch selbst nicht! Wir haben da Erfahrung! Was meinen Sie, was uns hier schon alles an haarstr├Ąubenden Geschichten erz├Ąhlt wurde!"
"Das stimmt wirklich!" beteuerte er. "Ich habe heute Morgen schon mit einem Hunderter eingekauft, der an der Kasse nicht beanstandet wurde."
"Interessant! Sie haben heute einhundert gef├Ąlschte Deutsche Mark in Umlauf gebracht?!"
Er nickte. "Ich wusste ja nicht, dass der Schein nicht echt war!"
"Das Geld werden wir konfiszieren. Au├čerdem muss ich die Kriminalpolizei einschalten. Sie sollten sich also bereit halten!" Der Beamte gab ihm die Hand. Bevor er die T├╝r schlie├čen konnte, rief er noch: "Vielleicht sollten Sie sich etwas Plausibleres ├╝berlegen!"
Auf dem Weg nach Haus ├╝berlegte er, ob er das der Polizei glaubhaft machen konnte. Schlie├člich war das die Wahrheit!
Was wusste er, von wem das Geld stammte. Sollte er, wie der Bankmensch meinte, etwas erfinden? Und was meinte der ├╝berhaupt mit 'bereithalten'?
Die konnten ihn doch nicht verhaften und verurteilen, weil er das Geld in diesem verfluchten Keller gefunden hatte! Jedenfalls k├Ânnte er beschw├Âren, dass der Dielenschrank niemals bei seinen Eltern in der Wohnung gestanden hatte. Aber bei dem n├Ąchsten Gedanken stieg ihm das Blut ins Gesicht. Sein verstorbener Vater hatte vor seinem zw├Âlfj├Ąhrigen Rentnerleben als Drucker gearbeitet!

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


3 ausgeblendete Kommentare sind nur f├╝r Mitglieder und nur mit eingeschaltetem Javascript erreichbar.
Zur├╝ck zu:  Kurzgeschichten Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.
Werbung