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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Der kleine Angler
Eingestellt am 10. 05. 2006 16:11


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MĂ€rchentante
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Der kleine Angler

FĂŒr Kinder gibt es kaum etwas schöneres, als auf dem Lande aufwachsen zu können. Gern erinnere ich mich an einige Jahre meiner Kindheit zurĂŒck, die wir im Sauerland wohnen durften.
Die freie Zeit nach den Hausaufgaben verbrachten meine Geschwister und ich leidenschaftlich gerne im Wald. Dort konnte man tolle Verstecke bauen und die Hochsitze erklimmen. Auch das Fangen von Molchen und Kaulquappen war fĂŒr uns Stadtkinder höchst interessant.

Eines schönen Tages kam mein Bruder Klaus-Dieter auf die glorreiche Idee, Forellen aus dem ganz in der NĂ€he vorbei fließenden Bach zu fischen. Unsere Mutter wĂŒrde sich bestimmt darĂŒber freuen und sie zum Abendessen zu bereiten.
„Darf man das denn so einfach?“, fragte ich Klaus-Dieter zweifelnd.
„Egal, ist ja keiner da, der es sieht“, meinte er in seiner unbekĂŒmmerten Art.
Wir schnappten uns einen Plastikeimer und zogen los. Am Ufer des GewĂ€ssers angekommen zog der Bengel Schuhe und StrĂŒmpfe aus, krempelte die Hosenbeine hoch und watete ins kĂŒhle Nass. Als ich zu bedenken gab, dass dies ohne Angel aber ein schwieriges Unterfangen sei, sagte Klaus-Dieter wichtig: „Och, es geht auch ohne. Man muss die Fische mit beiden HĂ€nden unter den Bauch kitzeln, blitzschnell zugreifen und sie an Land werfen.“ Woher er das nur wusste?

Mir oblag die wichtige Aufgabe, die Beute in den mit Wasser gefĂŒllten Eimer zu befördern. Wir wollten sie lebend transportieren, da niemand von uns die Tiere totschlagen konnte. Mutter wĂŒsste sicher Rat. Zu meinem großen Erstaunen hatte mein Bruder ruck zuck die erste Forelle gefangen und kurz darauf die nĂ€chste. Es war fĂŒr mich ziemlich schwierig, den glitschigen Fang in den Eimer zu befördern. Die Fische zappelten wie verrĂŒckt und flutschten mir immer wieder aus den HĂ€nden. Ich fĂŒhrte an Land den reinsten Veitstanz aus. Endlich hatte ich es geschafft. „Komm jetzt, Klaus Dieter, spring in deine Sachen und lass uns zurĂŒckgehen“, rief ich ihm zu, denn es wurde mir langweilig.
„Warte, nur noch einen“, brĂŒllte er mit hochrotem Kopf zurĂŒck, das Jagdfieber hatte wohl von ihm Besitz ergriffen. Es war immer dasselbe mit dem Lausbub. Dass er mir als Ă€ltere Schwester aber auch nie gehorchen konnte. Doch er war damals schon recht halsstarrig.

Mit drei Forellen fĂŒr sieben Leute im Eimer trudelten wir stolz zu Hause ein. Klaus-Dieter ging in die KĂŒche, stellte das BehĂ€ltnis auf einer Herdplatte ab und kam versehentlich an den Schalter. Als es wenig spĂ€ter bestialisch im ganzen Haus stank, war alles zu spĂ€t. Die Herdplatte glĂŒhte, der Eimer war im Begriff sich aufzulösen, das heraustretende Wasser zischte und die Fische waren hin.
Klammheimlich verpieselte sich Klaus-Dieter, weil er mit einem Donnerwetter rechnete, und ich begleitete ihn gerne. Unsere arme Mutter schrubbte noch am Herd herum, als wir am Abend zurĂŒckkamen. Den Ärger hatte sie wohl zum GlĂŒck mit weggescheuert und statt einem Fischmahl servierte sie uns Milchsuppe.


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Josef Knecht
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Der kleine Angler

Hallo MĂ€rchentante,
deine ErzĂ€hlung finde ich ganz nett, es ist wohl ein Erlebnis aus deiner Jugendzeit. Was mir ein bisschen gefehlt hat ist die Spannung, aber vielleicht muss es ja nicht immer sein, dass etwas spektakulĂ€res passiert. Obwohl, ich glaube der verbrannte Eimer und die Fische waren fĂŒr die Mutter spektakulĂ€r genug.
"UnglĂŒcklicherweise kam er, ohne dass er es merkte, aus Versehen an den Schalter", nach meinem SprachgefĂŒhl hast du hier dreimal dasselbe geschrieben, denn "unglĂŒcklicherweise" drĂŒckt eigentlich schon aus, dass er "ohne dass er es merkte" und "aus Versehen" an den Schalter gekommen ist.
Liebe GrĂŒĂŸe
Josef
__________________
GlĂŒck ist die grĂ¶ĂŸte Leistung des Menschen

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MĂ€rchentante
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Der kleine Angler

Lieber Josef,

dankeschön fĂŒr Deine nette Bewertung. Ja, Du hast Recht, die Geschichte ist ein Erlebnis aus meiner Kindheit und hat sich tatsĂ€chlich so zugetragen.Ich finde auch, dass man nicht immer in jeden Text Spannung einbauen muss. Manchmal ist es auch schön, einfach nur mal eine leicht geschriebene, amĂŒsante Geschichte zu lesen.
Nun zu dem "UnglĂŒcklicherweise". Da könntest Du Recht haben. Vielleicht sollte ich schreiben: Klaus-Dieter ging in die KĂŒche, stellte das BehĂ€ltnis auf einer Herdplatte ab und kam unglĂŒcklicherweise dabei an den Schalter. Was meinst Du?
Dies ist ĂŒbrigens meine erste Kurzgeschichte.

Einen lieben FrĂŒhlingsgruß schickt Dir
MĂ€rchentante

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Kelly
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Hallo, liebe MĂ€rchentante!

Ich habe deine Antwort an Josef bereits gelesen, weiß also, das dies hier deine erste Kurzgeschichte ist (nun frag ich mich direkt, was die ganzen anderen BeitrĂ€ge wohl sein mögen, aber ich kann ja mal nachschauen gehen ... )

Geschichten, die aus der Ich-Perspektive heraus erzĂ€hlen lese ich fĂŒr gewöhnlich besonders gern, meistens weiß ich aber, dass es eben eine Geschichte ist - bei dir habe ich zu keiner Zeit daran gezweifelt, dass es sich um eine reale Begebenheit handelt und ich ĂŒberlege gerade selbst, woran das wohl liegen könnte.

Vielleicht habe ich es so empfunden, weil deine Geschichte exakt so bei mir ankam, wie du es selbst gesagt hast: leicht und amĂŒsant. Vielleicht keine Kurzgeschichte im eigentlichen Sinne, aber das war ja scheinbar auch nicht deine Absicht.

Und was deinen Satz hier angeht: "UnglĂŒcklicherweise kam er, ohne dass er es merkte, aus Versehen an den Schalter", ...
wÀre meiner Meinung nach die einfachste und schnellste Lösung: Versehentlich kam er an den Schalter. Was meinst du? Ist nur so ein Gedanke ...

Wie auch immer, ich bin dir gerne fĂŒr einen kurzen Ausflug an den Bach gefolgt und kann voll und ganz verstehen, dass ihr die Forellen lieber nachhause tragen und nicht selbst erschlagen wolltet!

Liebe GrĂŒĂŸe,
Kelly

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MĂ€rchentante
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Liebe Kelly,

es freut mich sehr, dass die Geschichte so gut bei Dir angekommen ist. Du hast, genau wie Josef, mit dem umstĂ€ndlichen Satz Recht. Habe ihn auch schon geĂ€ndert, vielen Dank fĂŒr den Tipp. Ich habe den Text so oft gelesen, und dennoch ist es mir nicht aufgefallen.

Diese Geschichte ist tatsÀchlich nicht frei erfunden, sondern ein Erlebnis aus meiner Kindheit.
Ansonsten schreibe ich MĂ€rchen und Fabeln fĂŒr Kinder, habe aber jetzt auch mit Gedichten angefangen, was mir großen Spaß macht. Warum nicht mal etwas Neues ausprobieren.

Übrigens bin ich auch im MĂ€rchenbasar vertreten, eine sehr schöne Internetseite, die Du Dir mal ansehen solltest, wenn MĂ€rchen magst. Wir schreiben dort gerade mit mehreren Autoren an einem Buch.

Einen schönen Abend noch.
Liebe FrĂŒhlingsgrĂŒĂŸe sendet Dir
MĂ€rchentante

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