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Leselupe.de > Kindergeschichten
Der kleine Feuerteufel
Eingestellt am 31. 12. 2001 00:40


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B.Wahr
???
Registriert: Dec 2001

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Der kleine,
böse Feuerteufel


Es war einmal ein kleiner, frecher Feuerteufel, dem es in der H√∂lle zu langweilig gewesen war. Drum war er dem Oberteufel ausgeb√ľxt, als dieser gerade wieder einmal neue Kohlen auflegte.

So kam der kleine, freche Feuerteufel zu uns auf die Erde. Da fror er aber erst einmal ganz f√ľrchterlich. Schnell suchte er sich deshalb ein warmes Feuerchen.

Das erste Feuer, das er auf der Erde sah, war das Leuchtfeuer von Cuxhaven. Schnell wie ein Funke stob er auf den hellen Feuerschein zu. Aber er wu√üte nat√ľrlich nicht, da√ü ein Leuchtfeuer gar kein richtiges Feuer ist, sondern nur eine gro√üe, starke Leuchtturm-Lampe, die die Schiffe schon von weitem sehen k√∂nnen.

‚ÄúIgittigitt, ist das ein kaltes Feuerchen!‚ÄĚ sagte er, als er auf dem eiskalten Scheinwerferglas des Leuchtturms gelandet war. Vergeblich versuchte er, das Leuchtfeuer anzublasen, damit es st√§rker und w√§rmer w√ľrde. Er pustete und pustete, aber durch das dicke Scheinwerferglas gelangte kein einziger Hauch!

Als ihm schon fast die Puste ausgegangen war und er vor Bibbern und Frieren schon ganz blau geworden war, kam zum Gl√ľck der alte Leuchtturmw√§rter vorbei, dem sprang er schnell in die rechte Jackentasche, denn da ging wenigstens kein eiskalter Nordwestwind.

Aber f√ľr einen richtigen Feuerteufel ist die gem√ľtliche W√§rme einer Jackentasche nat√ľrlich immer noch viel zu kalt. Er f√ľhlt sich erst richtig wohl bei √ľber 100¬į und wenn es richtig zischt und flammt und lodert und funkt und stiebt! Hey, Mann - dann wird er erst richtig lebendig!

Kaum hatte sich der kleine, freche Feuerteufel ein wenig vom kalten Nordwestwind erholt, da mußte er auch schon nach neuen Feuern Ausschau halten. Als er sich an die Dunkelheit der Leuchtturmwärterjackentasche gewöhnt hatte, entdeckte er in der linken unteren Ecke ein kleines Schächtelchen. Da roch es so interessant nach Holz und Schwefel, schnell kroch er hinein.

Inzwischen hatte der Leuchtturmw√§rter nochmals alle Scheinwerfer kontrolliert. Da alles in Ordnung war, stieg er die vielen Treppen des Leuchtturms hinunter und machte sich auf den Heimweg. Jetzt, da er endlich Feierabend hatte, wollte er sich erstmal ein gem√ľtliches Feierabend-Pfeifchen anz√ľnden. Doch dazu kam es nicht.

Denn der kleine, freche Feuerteufel hatte solange an den Z√ľndh√∂lzchen herumgespielt, bis es ‚ÄúZISCH‚ÄĚ machte,

und die ganze Schachtel lichterloh brannte. ‚ÄúZISCH‚ÄĚ, ‚ÄúZISCH‚ÄĚ, ‚ÄúZISCH‚ÄĚmachte es immer wieder, wenn ein neues Z√ľndholz anbrannte, und der kleine, freche Feuerteufel freute sich diebisch!

Mit seinem d√ľnnen Feuerteufel-Stimmlein, das nat√ľrlich der Leuchtturmw√§rter nicht h√∂rte, rief er immer wieder in der Feuerteufelsprache (die der Leuchtturmw√§rter ja auch nicht verstanden h√§tte):

“Juchhee, juch-ho - ich bin so froh,
jetzt brennt bald alles lichterloh!
Juch-ho, juchhee, wie ist das schee, (Feuerteufelsprache: bedeutet schön)
die kleine Schachtel, der Mantel sind he! (FTS: =kaputt)
Juchheißa, juheier, war alles so teuer,
nun wird es zu Asche,
weil ich¬īs z√ľndeln nicht lasse!‚ÄĚ


Und gerade als der alte Leuchtturmw√§rter sein Pfeifchen gestopft hatte und nach der Z√ľndholzschachtel in der Tasche greifen wollte, da roch es so unangenehm brenzzlig. ‚ÄúWas ist den blo√ü mit meinem Pfeifchen los?‚ÄĚ wollte er gerade denken, da durchfuhr ihn auch schon ein brennender Schmerz in der rechten Hand, die er sofort aus der Tasche zur√ľckzog. Zum Gl√ľck. Denn schon kam dicker Rauch aus der Jackentasche heraus und dann eine zischende Stichflamme, die ihm beinahe auch noch den Bart verbrannt h√§tte.


‚ÄúPotztausend!‚ÄĚ sagte er. Und das war schon viel f√ľr einen einsamen Leuchtturmw√§rter, der sonst den ganzen Tag lang nichts sagt! Blitzschnell ri√ü er die Jacke vom K√∂rper und schmi√ü sie in die nasse See (so sagen Leuchtturmw√§rter zum Meer).

‚ÄúPotztausend!‚ÄĚ sagte er nochmals. ‚ÄúDat will mir keiner glauben, dat mir in meem Alter nochmal der Kittel brennt! - ‚ÄúPotztausend, Potztausend!‚ÄĚ Dann sch√ľttelte er dreinmal den Kopf und sagte mindestens noch dreiunddrei√üigmal ‚ÄúPotztausend!‚ÄĚ - so erstaunt war er.

Dann ruderte er los.

Leuchtturmw√§rter machen ihren Heimweg nat√ľrlich nicht mit dem Bus, Zug oder Auto, sondern mit dem Ruderboot. Und das ist gut so, denn sonst h√§tte ja das ganze Auto, der Bus oder der Zug auch noch Feuer gefangen! Das w√§re eine Katastrophe gewesen.

So aber hatte der Leuchtturmw√§rter Gl√ľck im Ungl√ľck gehabt.
Die Jacke war zwar verbrannt und weggeschwommen. Aber mehr ist nicht passiert, das Meer brannte nicht, und eine Jacke konnte man schließlich wieder kaufen.

Der freche, kleine Feuerteufel aber war nicht etwa untergegangen oder mit der Jacke davongeschwommen. Nein, mit dem letzten Funken der brennenden Leuchtturmwärtersjackentasche war er in den dunkelblauen Abendhimmel hinaufgestoben. Von dort oben sah er dicke Rauchschwaden aus einem Kamin steigen. Dorthin zog es ihn...

An Land angekommen war es dem jackenlosen Leuchtturmw√§rter erstmal noch einem hei√üen, hei√üen Grog zum Aufw√§rmen. Also ging er schnurstracks in die erste Seemannskneipe im Hafen. Sie hie√ü ‚ÄúFeuerland‚ÄĚ und war schon fast voll mit lauter Matrosen und Kapit√§nen als er eintrat. Im offenen Kamin brannte ein warmes Feuer.

‚ÄúHey, Leuchtturmw√§rter...‚ÄĚ rief einer der Kapit√§ne, ‚Äúgut hast Du heute geleuchtet, aber sag mir, was sollte das zweite Licht, das aussah wie ein kleines Feuerwerk, denn heute bedeuten? Wir haben erst gedacht, wir h√§tten uns verfahren und w√§ren beinahe wieder umgedreht!‚ÄĚ

‚ÄúJa, rief einer der Matrosen, wir dachten schon, das sei das Nordlicht und lie√üen alle Maschinen stoppen!‚ÄĚ

Da erz√§hlte der Leuchtturmw√§rter seine Geschichte vom brennenden Kittel. Die Seeleute h√∂rten erst mucksm√§uschenstill zu, dann fing einer nach dem andern an, schallend zu lachen. Dann lachten sie alle miteinander. Lachten und lachten, klopften sich auf die Schenkel, lachten weiter, schmissen ihre Seemanns-M√ľtzen und Kappen in die Luft und lachten noch mehr.

Erst als allen die Bäuche weh taten, hörten sie langsam auf, laut zu lachen. Aber leise kichern mußten sie noch lange danach.

‚ÄúSeemannsgarn!‚ÄĚ br√ľllte einer, ‚Äúpures Seemannsgarn‚ÄĚ. Da stand ein alter, braungebrannter Kapit√§n mit schneewei√üen Haaren auf und rief: ‚ÄúIch habe alle Meere der Welt befahren und alle 7 Teufel der Weltmeere erlebt, einem Feuerteufel in einer Streichholzschachtel aber bin ich noch niemals begegnet! In keinem Hafen der Welt givt es dat, warum also soll es das gerade hier in Cuxhaven geben? Nein, lieber Leuchtturmw√§rter, das nehmen wir Dir nicht ab! Das ist zu dick aufgetragen. Das kannst Du Deiner Oma erz√§hlen, uns nicht!‚ÄĚ

‚ÄúJowohl!‚ÄĚ, ‚ÄúGenau!‚ÄĚ, ‚ÄúRichtig!‚ÄĚ und ‚ÄúSo ist es!‚ÄĚ riefen die anderen 47 Seem√§nner und klatschen dem Kapit√§n Beifall. Mit ihren dicken Seemannspranken klatschten sie so fest und lange, da√ü das gem√ľtliche Kaminofenfeuer pl√∂tzlich hell aufloderte.
Alle hörten auf zu klatschen und drehten sich zum Kamin.

Auch der Leuchtturmwärter, der den Seeleuten gerade seine rechte Hand mit der Brandblase zeigen wollte, war erschrocken.
Mit erhobener Hand und offenem Mund stand er da. Seine aufgerissenen blauen Augen waren kerzengerade auf das Kaminfeuer gerichtet.

Da krachte es auch schon: ‚ÄúZISCH und PENG‚ÄĚ machte das Feuer und ‚ÄúZACK‚ÄĚ hatte der graub√§rtige K√§pten einen gl√ľhenden Funken auf der Nase. ‚ÄúAU, AU, AUTSCH‚ÄĚ schrie er auf und hieb sich mit seiner riesigen Kapit√§nspranke so kr√§ftig eins auf seine brennende Kapit√§nsr√ľbe, da√ü sie ihm danach noch wochen- nein, monatelang weh tat.

‚ÄúZISCH und PENG‚ÄĚ machte es gleich wieder, und schon ging es dem n√§chsten Seeb√§r genauso! ‚ÄúZISCH und PENG, ZISCH und PENG, ZISCH und PENG‚ÄĚ - siebenundvierzig mal hintereinander ‚ÄúZISCH und PENG‚ÄĚ - da war was los im ‚ÄúFeuerland‚ÄĚ! Nur der Leuchtturmw√§rter, der Feuerland-Wirt und die Feuerlandkellnerin wurden vom Funkenflug verschont!

Alle andern hatten einen schwarzen Brandfleck auf der Nase und drumherum wurde es blau vom Draufschlagen! Scheu√ülich sah das aus, erst recht als die Brandflecke langsam wei√ü wurden und zu riesengro√üen Brandblasen auswuchsen! W√§ren die Seem√§nner Seefrauen gewesen, so h√§tte man sie jetzt f√ľr Hexen gehalten.

Und wenn einer unter ihnen Feuerteufelstimmchen hören können hätte und die Feuerteufelsprache verstanden hätte, so hätte er vernommen:

“Juchhe, juch-ho - ich bin so froh,
jetzt brennt sie allen: lichterloh!
Juch-ho, juchhe, wie ist das schee,
die gro√üen R√ľben, die Nasen tun weh!
Juchhei√üa, juhase, jeder kriegt eins auf d¬īNase,
weil ich¬īs z√ľndeln nicht lasse!‚ÄĚ

Aber keiner von ihnen hat¬īs geh√∂rt. Und obwohl sie viele Sprachen verstanden, die Feuerteufelsprache h√§tte keiner von ihnen gekonnt. Alle starrten wie gebannt aufs Feuer und hielten sich ihre wehen Nasen.

Dann blickten sie zum Leuchtturmw√§rter, auf seine immer noch erhobene rechte Hand mit der Brandblase, dann wieder zur√ľck zum Feuer, das gerade ganz, ganz unruhig flackerte. So als ob gleich wieder ein neuer Feuerzauber losginge.

Doch soweit kam¬īs nicht!

Nur noch einmal machte es ganz f√ľrchterlich ‚ÄúZISCH und PENG‚ÄĚ und ein dicker, gl√ľhender Funke flog in allen vier Himmelsrichtungen von einer Wand zur anderen. Da fa√üten sich die 47 Seeleute ein Herz und br√ľllten alle gleichzeitig wie aus einem Mund:

‚ÄúZum Teufel - mit dem Feuerteufel!‚ÄĚ

Und da hatten sie ausnahmsweise alle das Richtige getan.
Denn wenn genau 47 kr√§ftige Seem√§nner gleichzeitig und aus voller Kehle ‚ÄúZum Teufel‚ÄĚ br√ľllen, dann hat das eine geheime Wirkung, der sich auch ein frecher Feuerteufel nicht entziehen kann.

Deshalb wurde das Feuer erst ganz bleich,
dann knallrot, dann blau und violett.
Dann loderte es nocheinmal hell auf
und dann ging es mit einem Schlag aus.
Ein fahler Lichtschein verschwand blitzschnell durch den Kamin.
Dann sah man nichts mehr, denn es qualmte f√ľrchterlich.
Und es begann, nach Pech und Schwefelzu stinken,
ganz höllisch!

Sogar die hartgesottensten Seem√§nner, die ja viel Qualm gew√∂hnt sind, rannten hustend und r√§uspernd aus der T√ľr
und ließen ihren Grog Grog sein.
Viele haben das ‚ÄúFeuerland‚ÄĚ daraufhin niemals wieder betreten!
47 Tage mu√üte es k√ľnstlich bel√ľftet werden
und trotzdem riecht es dort sogar bis heute noch
ein wenig nach Pech und Schwefel!

Geh da lieber nicht hin, wenn Du mal nach Cuxhaven kommst,
die Leute sagen, es sei immer noch gefährlich!
Und wenn Du dort im Hafen einen Seeman mit ¬īner dicken
wei√üen Warze auf der Nase siehst, lach¬ī ihn nicht aus.
Du weißt ja jetzt, woher sie kommt,
und daß er sie nie mehr weg bekommt.
Es war der Fluch des kleinen Feuerteufels!

Und wenn Du an ein Feuer, einen Ofen oder an eine Lampe kommst, paß bloß auf.
Denn niemand weiß, ob sich da nicht wieder der kleine, böse Feuerteufel versteckt und auf ein Opfer lauert.
Denn kein Mensch wei√ü, ober er damals wirklich in die H√∂lle zur√ľckgeflogen ist, oder ob er dort inzwischen vielleicht wieder mal abgehauen ist...

Nur wenn Du irgendwo einen Vulkan ausbrechen siehst,
wenn Eure Heizung spinnt,
wenn es am laufenden Band die Sicherungen heraushaut,
wenn Du dauernd Blasen an den F√ľ√üen oder an der Nase hast,
dann kannst Du ziemlich sicher sein:
da hatte der kleine böse Feuerteufel wieder die Hand im Spiel!

Und jetzt: Vor, an und nach Silvester paß ganz besonders gut auf Dich auf.
Was meinst Du, wieviel dumme Spässe, der kleine Wicht da wieder macht!











© B.Wahr

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