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Leselupe.de > Kindergeschichten
Der kleine Geist Kuno
Eingestellt am 01. 01. 2002 15:41


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B.Wahr
???
Registriert: Dec 2001

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Für Frederik, Philipp und Julia - von Opa


Der kleine Geist Kuno

Es war einmal ein lieber kleiner Geist,
der fror immer so, wenn er nachts in seinem dünnen Geisterhemdchen herumspuken mußte.

Auch tat es ihm immer so leid, wenn er Kinder erschrecken mußte, die nicht ins Bett gehen wollten, auch wenn es lange schon dunkel war.
Wenn er zu diesen Kindern dann “Huhu!” oder “Huuhii” machen mußte, dann erschrak er selber fast genauso arg wie die Kinder, die dann heulend davonliefen und ganz schnell und brav unter ihre warme Bettdecke schlüpften. Oder wie die Hunde, die schnell unters Sofa oder
unter Opas Sessel krochen, wenn sie draußen “Huhu!” und “Huuhii” hörten.
Am liebsten hätte er sich zu ihnen gelegt, wenn er nicht auch ein kleines bißchen Angst vor ihnen gehabt hätte...

Eines Tages, draußen war es bitterkalt und längst hatte er alle kleinen und großen Kinder und alle kleinen und großen Hunde mit viel “Huhu!” und “Huuhii”von den Straßen und Gassen der Stadt in die warmen Häuser vertrieben, da fror er ganz fürchterlich und wollte am liebsten kein Geist mehr sein.

Die Kälte kroch ihm so sehr durch sein dünnes Geisterhemdchen,
daß er bibberte und schlotterte und mit den Geisterzähnchen klapperte !

Von diesem vielen Gebibbere, Geschlottere und Geklappere erwachte und erschrak ein älterer Hund namens Pluto, der schlafend im Gebüsch gelegen hatte und rannte jaulend davon!
“Halt doch, Pluto!” rief der kleine Geist - und wollte ihn doch nur ein wenig über das Hundeleben befragen... Doch Pluto rannte und rannte, als ob 10 böse Geister hinter ihm her wären.

Da fiel es unserem kleinen Geist ein, daß er ja schweben konnte.
Und flugs schwebte er hinter Pluto her. Dieser verschwand gerade hinter der Tür eines gemütlich erleuchteten alten Häuschens. Nur am Schwanz konnte ihn unser kleiner verfrorener Geist gerade noch erkennen und deshalb schwebte er ganz schnell hintendrein, kurz bevor die alte Holztür krachend ins Schloß fiel. Geradewegs neben den alten Pluto, der sich hinter einem warmen alten Kanonenofen breit machte.

Dort war es so schön warm und gemütlich, wie es der kleine Geist noch niemals zuvor gesehen oder erlebt hatte. Das Feuer im Ofen prasselte warm und behaglich, Pluto schmatzte, knurrte und schnarchte ganz freundlich.

All das war für den kleinen Geist so schön, daß ihm die Kulleräuglein von ganz alleine zufielen, noch lange bevor die alte Stubenuhr EINS geschlagen hatte...

Der alte Hund Pluto und der kleine Geist KUNO schliefen eng aneinander gekuschelt hinter dem warmen alten Kanonenofen in dem gemütlichen alten Häuschen. Was Pluto, der Hund geträumt hat, wissen wir nicht genau (vielleicht von einem leckeren Hundekuchen ?). Aber KUNO, der kleine Geist träumte von einem wunderwunderschönen Hundeleben und einem riesengroßen Suppersuppenknochen den er sich mit seinem Hundefreund PLUTO teilte und der so riesig war, daß er für beide einen langen Sommer lang langte. Er träumte, daß sie beide den ganzen Tag miteinander draußen herumtollten und die tollsten Abenteuer miteinander hatten. Von morgens früh bis spät am Abend. Ja, selbst die Kälte der Nacht konnte ihnen nichts ausmachen, denn als Hunde hatten sie ja beide ein dickes Fell!

Als es einmal ganz besonders schön draußen war, noch viel, viel schöner als sonst, wenn es ja auch sehr schön war - träumte KUNO weiter - blieben sie ganz besonders lange draußen. Die Sonne war schon längst unter- und der Mond schon lange aufgegangen. Der schöne blaue Mittagshimmel war dunkelblau und dann fast schwarz geworden. In den Häusern und an den Straßenlaternen waren die Lichter erst angegangen, später dann wieder aus: Eins nach dem andern. Jetzt brannten nur noch ganz, ganz wenige und auch kein Auto war mehr unterwegs.

Nur PLUTO und CUNO mit ihrem Suppersuppenknochen rannten noch durch die engen Gassen und Straßen des Städtchens. Sie waren so mit ihren Spielen beschäftigt, daß sie gar nicht gemerkt hatten, daß es schon ganz spät und kalt geworden war und daß jetzt kein einziges der vielen Lichter mehr brannte. Nur der Mond funzelte noch ganz müde ein wenig Licht vom Himmel herunter.

Sie spürten nicht die Kälte und bemerkten die Dunkelheit kaum. Und bestimmt hätten sie noch die ganze Nacht lang herumgetobt, wenn nicht...Ja, wenn nicht das passiert wäre, was wirklich so passiert ist:

Als sie an der alten Stadtkirche vorbeikamen, knarrte der Zeiger der alten Turmuhr. Das Uhrwerk ächzte und stöhnte, ein kurzer Mondschein fiel auf das Zifferblatt und ganz kurz konnten die beiden sehen, wie sich der große Zeiger knarrend über den kleinen legte. Jetzt sahen sie nur noch den großen, dann gar nichts mehr, denn eine dunkle Wolke hatte sich vor den Mond geschoben. Pechschwarz war jetzt die Nacht.

Sie spitzten die Ohren und schauten wie gebannt in Richtung Turmuhr. Da hörten sie ein geheimnisvolles dumpfes Geräusch. Es klang, wie wenn ein ganz dickes Seil an einem schweren Holzblaken reibt und scheuert. “Es könnte das Glockenseil sein..”, wollte Kuno gerade zu Pluto sagen, als plötzlich ein lautes “BIM-BAM!” ertönte. Dann eine kurze Pause und wieder ein markerschütterndes “BIM-BAM!”
Es wiederholte sich und wiederholte sich. Beide hörten wie gebannt zu und zählten mit. Als die alte Turmuhr zwölfmal (12x) “BIM-BAM!” gemacht hatte, gab sie noch einen einzigen Seufzer von sich und dann keinen Ton mehr.

“Oh je, Mitternacht - Geisterstunde! Schnell, wir müssen verschwinden” rief PLUTO und war schon mitten im Satz jaulend davongelaufen! Aber KUNO konnte heute nicht mehr so schnell wie sonst. Schließlich war er ja schon einen ganzen, ganz langen Tag mit Pluto wie ein Wilder im ganzen Städtchen herumgetollt und deshalb etwas müde. Seine vier Beine und Pfoten gerieten ihm jetzt immer wieder durcheinander und er mußte kurz anhalten und von neuem anfangen zu laufen. Einfach hinter Pluto herschweben konnte er nicht, weil er ja im Traum kein kleiner Geist, sondern ein kleiner Hund war!

So war Pluto längst hinter der Straßenecke verschwunden, als KUNO etwas ganz Schauerliches hörte:
“Huhu!” und “Huuhii” machte es da plötzlich! Erst klang es noch weit weg, doch bald kam es ihm immer näher und wurde immer lauter:
“Huhu!” und “Huuhii”!

Erst war KUNO wie gelähmt stehen geblieben, dann - als es näher und näher kam und immer lauter und lauter wurde,
“Huhu!” und “Huuhii”! “Huhu!” und “Huuhii”!
faßte er sich endlich ein Herz, nahm alle seine vier Hundebeine in die Hand und rannte und rannte was das Zeug hergab...

Doch er schaffte es einfach nicht, Pluto einzuholen. Jetzt hatte das “Huhu!” und “Huuhii” ihn eingeholt! Einmal noch hörte er es ganz laut und ganz dicht hinter sich: “Huhu!” und “Huuhii”!




Da wachte er auf!!!

Er fror und hatte eine Gänsehaut.

Ein schwacher Mondstrahl schien durch das Fensterkreuz.
Draußen rief eine Eule.

Der Mond grinste.

Pluto blinzelte mit seinem linken Auge.

KUNO saß stocksteif bei Pluto hinter dem alten Kanonenofen, aber der war inzwischen ganz kalt geworden und machte nicht mehr gemütlich "SCHNARCH".

In der Tür stand seine Mama mit erhobenen Händen und sagte entsetzt: “Aber Kuno, warum liegst Du nicht in Deinem Bett, und wie läufst Du denn herum bei dieser Kälte?

- Los schnell, komm mit in Dein Zimmer, und weil´s heute so kalt ist, kannst Du den Pluto ja mal ausnahmsweise mitnehmen!”

Da sprang Kuno auf, nahm den Pluto am Halsband und war froh, daß er kein Hund und auch kein kleiner Geist mehr war, sondern der kleine Kuno Maier, der schon bald in die große Schule gehen durfte.

So gut, wie den Rest dieser Nacht hatte Kuno noch niemals zuvor geschlafen! Das kannst Du mir gerne glauben.

Und auch Pluto hat noch in keiner Nacht davor oder dahinter von einem größeren und süßeren Hundekuchen geträumt als heute.

Und beide sind seither nie wieder abgehauen und so lange aufgeblieben!

Aber wenn sie mittags draußen sind und gute Laune haben, und die Turmuhr gerade mal wieder 12x BIM-BAM schlägt, dann hört man manchmal, wie sie aus Spaß - aber ganz echt
“Huhu!” und “Huuhii” machen!

Nur, einen kleinen Geist
hat seither niemand mehr gesehen,
jedenfalls nicht im Nachthemd! -







© B.Wahr

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Monika M.
Hobbydichter
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Hallo,

du hast da eine wunderschöne Geschichte geschrieben. Ich habe sie gleich zweimal gelesen. Das der vermeintliche kleine Geist sich am Ende als Junge, der geträumt hat, entpuppt, finde ich echt gelungen. Viele Grüße
Monika
__________________
Der erste Schritt seinen Traum zu verwirklichen ist - aufzuwachen...

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B.Wahr
???
Registriert: Dec 2001

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Hallo Monika, danke für Dein liebes Kompliment.
Ob´s Kindern genauso gefällt? Ich weiß (noch) nicht.
Meine Enkel bevorzugen jedenfalls "die Glotze".
Trotzdem danke nochmals und schönen Abend!
B.Wahr

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Monika M.
Hobbydichter
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Mach dir nichts draus. Meine Kinder sitzen auch lieber vorm Fernsehbildschirm, anstatt zu lesen. Obwohl - noch ist Hoffnung - der Jüngste lernt eben erst in der Schule das Lesen. Er ist auch noch mein fleißigster Zuhörer und will auf seine Gute-Nacht-Geschichte nicht verzichten. Dein Geist Kuno gefiel ihm sehr gut.
Viele Grüße
Monika
__________________
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B.Wahr
???
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Hallo Monika,
das freut mich aber, dass wenigstens Dein Jüngster beim Zuhören nicht davongelaufen ist. Wahrscheinlich liest Du besonders gut? - Trotzdem vielen Dank für Deine Ermutigungen vielleicht doch mal wieder was für echte Kinder zu schreiben...
Liebe Grüße
B.Wahr

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enniaG
Guest
Registriert: Not Yet

Gestöbert und entdeckt

und dann mein Interesse gleich geweckt.

Lieber B. Wahr, ich wusste gar nicht, dass du so heimlich, still und leise und ...fasst unentdeckt -solch' schöne Kindergeschichte hier "versteckt!"

Man sollte immer seine gesamten Reserven einsetzen -trotz dieser Fragezeichenparaden...

Liebe Abendgrüße

ennia

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