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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Der kleine schwarze Engel
Eingestellt am 02. 12. 2014 18:59


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Mitschie
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Nov 2014

Werke: 7
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Ich sitze auf der Holzveranda meiner kleinen HolzhĂŒtte, inmitten irgendeines Sumpfgebietes nahe New Orleans. Die schwĂŒle Hitze lĂ€sst mich bewegungslos in meinem Schaukelstuhl zurĂŒck. Lediglich der Eistee verschafft mir einige Momente der AbkĂŒhlung. Mir fĂ€llt nicht mehr ein, wann ich beschloss, hierher, in dieses Sumpfgebiet, in diese Verabschiedung von jeglicher menschlicher Existenz, zu gehen. Es war vor langer Zeit und ich schliesse meine Augen und versuche mich zu erinnern, als ich plötzlich ein Kratzen höre, ein Kratzen dass mit einigen Unterbrechungen immer lauter wird. Das GerĂ€usch nĂ€hert sich mir und trotz meiner TrĂ€gheit beschliesse ich meine Augen zu öffnen. Und da sehe ich ihn, direkt vor mir, auf dem alten Holztisch stehend, glotzt er mich an. Ein kleiner schwarzer Engel, nicht grösser als mein Glas, steht er vor mir und ich stelle fest, dass dieser Engel eindeutig zu dick ist und an wirklich beachtlichem Übergewicht leidet. Er ist ausser Atem und gibt pfeifende GerĂ€usche von sich, so dass ich ihm anbiete, sich doch hin zusetzen. „Nein Danke alter Mann“ stöhnt der Himmelsbote „Ich habe keine Zeit, denn ich habe heute noch viel zu tun.“ „Was macht denn so ein kleiner schwarzer Engel den ganzen Tag“ frage ich ihn. Hastig antwortet er, und daran merke ich, dass er wirklich unter einer gewissen Zeitnot leidet „Ich verteile Geschenke, meine Aufgabe ist es Geschenke auf der ganzen Welt zu verteilen und Deines steht genau hinter mir.“ Er dreht sich um und zeigt auf ein kleines Paket, nett anzusehen, da es mit buntem Geschenkpapier verpackt ist. Auf dem Einband kleben kleine goldene Sterne, die die Mittagssonne reflektieren. „Oh das ist aber ein schönes Geschenk, von wem ist es denn?“„Das ist ein Geschenk von Gott und er hat gesagt, dass du es gleich auspacken sollst.“ Das liess ich mir nicht ein weiteres Mal sagen und fange sofort an das Papier hastig zu entfernen. Zum Vorschein kommt eine kleine Holzschatulle, deren Inhalt aber durch ein kleines silbernes VorhĂ€ngeschloss gesichert ist. „Hier ist der SchlĂŒssel, spricht der Bote und reicht mir den passenden SchlĂŒssel. Ich staune nicht schlecht, als ich dann endlich den Inhalt meines PrĂ€sentes sehe. In der Box liegen 2 himmelblaue Augen. „Das sind die Augen Gottes, er kann sie nicht mehr tragen, daher hat er heute Morgen beschlossen, dass Du alter Mann sie kĂŒnftig tragen sollst, aber du musst sie sofort anlegen, sie verlieren sehr schnell ihre Sicht. „Ja aber was macht denn jetzt der liebe Gott ohne seine Augen, er kann ja nichts mehr sehen.“ „Gott will nicht mehr sehen.“ Eine merkwĂŒrdige Antwort, trotzdem entscheide ich mich, meine Augen nun aus zu wechseln, denn diese Gelegenheit erachte ich als einmalig. Ich lege meine Augen in die Holzbox und setzte Gottes Augen ein. Dann ĂŒbermannt mich Schwindel und starke Übelkeit, ich falle zu Boden und vor meiner Bewusstlosigkeit sehe ich noch den kleinen schwarzen Engel, die Holzkiste unter dem Arm, davonfliegen. Als ich erwache, sehe ich es so deutlich, wie nie zu vor in meinem Leben. Ich sehe blutgetrĂ€nkte Schlachtfelder, Leichen ĂŒberall, abgetrennte Gliedmassen. Ein grunzender Pfarrer, der sich schwitzend an einem Messdiener vergeht, Tiere in SchlachthĂ€usern, Morde, Verwesung, Untergang, LĂŒge, Betrug und Tod. Die Erde fĂ€rbt sich blutrot, atomare VerwĂŒstung einer lĂ€ngst vergangenen Zivilisation, unbeantwortete Rufe in die Dunkelheit. Und ich fange an zu schreien, schreie um die Erlösung meines ganz eigenen Planeten und in diesem Moment erkenne ich die Bedeutung des Geschenkes, meinen Wunsch der schon seit so langer Zeit sich an meiner Seele nĂ€hrte,ein Wunsch der unerkannt ĂŒber die Jahre wuchs und wuchs, sich um Erlösung bettelnd an mich klammerte. Jetzt ist der Moment der ErfĂŒllung erreicht und endlich kann ich es erkennen, ich sehe und begreife ihn nun, den Sinn, meinen Sinn des Lebens.

__________________
M.F.

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