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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Der leere Stuhl
Eingestellt am 26. 01. 2004 12:56


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Nina Walker
Festzeitungsschreiber
Registriert: Aug 2002

Werke: 8
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Hektisch bin ich, wie so oft in deiner Gegenwart. Klappere mit Tellern, die sauber sind. Alles scheint ruhig, nur nicht ich. Die Sonne lacht durch die Fenster und wĂ€rmt den Raum des Geschehens. Wieso bist du derjenige, der gelassen ist und nicht ich? Ich fĂŒhle mich stets bezwungen in dieser LĂ€ssigkeit. Sie scheint nicht wahr zu sein. Es scheint mir auch nicht die Zeit gelassen zu sein. Ob du ein Glas Wasser möchtest, frage ich dich. Ein ruhiges LĂ€cheln von dir als Antwort, das mich wiederum beschĂ€mt. Warum nicht gelassen sein? Wer bin ich schon? Was sind denn wir? Liebende, die besser daran tĂ€ten sich nicht zu lieben. Ein Paar aus Boshaftigkeit und ehrlicher Liebe in gestohlener Zeit. Nichts besonderes also, denn solche gibt es viele.

Ich liebe diesen Stuhl auf dem du sitzt, zurĂŒckgelehnt, mich ruhig ansehend. In deiner Ruhe ist soviel Spott. Warum trĂ€gst du ihn wie eine Brille? Verunsicherst mich wohl absichtlich. Ich setze mich dir gegenĂŒber an den Tisch.

„Du, warum kommst du nicht zu mir?“ flĂŒsterst du. Dein Gesicht ist nah und vertraut. Ich sehe dich an und das eben Gedachte fliegt davon. Ich möchte dein Gesicht in die HĂ€nde nehmen, jede deiner dunklen Sommersprossen darauf kĂŒssen, deine langen dunklen Wimpern mit den Lippen streichen. Aber ich tue nichts von dem. Meine finsteren Gedanken sind zurĂŒckgekehrt. Ob du ihr Kommen und Gehen wohl in meiner Mimik erkennst?

Ich hole tief Luft, gebe mir einen Ruck, hebe den Kopf und lĂ€chele. Es ist nicht schwer. „Ich trinke dich, esse dich und trage dich in mir“, sage ich leise. Du lĂ€chelst frech und fragst in gleicher leiser Stimme: „Ja? Auch jetzt?“ Ich will fortfahren, dir erklĂ€ren warum ich dir nicht vertrauen, dir nicht glauben kann. Du nimmst meine kalten HĂ€nde in deine. Mein Blick verschwimmt, ich schaue weg. Du streichelst meine Finger, dann meine Handgelenke und meine Arme. Es sieht andĂ€chtig aus. Es fĂŒhlt sich so wahrhaftig an und es ist willkommen. Ich schĂ€tze, das ist der Grund meiner Wut. Die Worte, die ich mir zurecht gedacht habe, bleiben mir im Hals stecken, formen sich zu einem dicken Kloß und zeigen sich in TrĂ€nen. Diese TrĂ€nen sind dir bekannt, die verschluckten Worte auch.

Du stehst auf, hĂ€ltst meine HĂ€nde dabei sehr fest in deinen. Dein Blick verfinstert sich. Aus dem Spott eines frechen Jungen wird EiseskĂ€lte eines verletzten Mannes. „Begreifst du denn nicht? Wir sind klein und unbedeutend, Yvette, ein Teil des großen Ganzen. Nichts ist fĂŒr ewig, es Ă€ndert sich stĂ€ndig und doch bleibt alles gleich.“ Heiser beherrscht sagt er dies und seine Wut blitzt von seinen in meine Augen. „Du bleibst nie und ich gehe jetzt. Ich kastriere mich nicht damit du endlich verstehst.“ Er kniet sich vor mir auf den Boden und flĂŒstert nun ruhig: „Und weil ich gehe, werde ich nun endlich in dir bleiben, in Liebe und Verachtung. Nur der Stuhl bleibt leer, die linke Seite deines Bettes und deine HĂ€nde.“ Damit lĂ€sst er sie aus den seinen gleiten, öffnet die TĂŒr und macht sich nicht einmal die MĂŒhe, sie hinter sich zu schließen. Ich sehe auf den Stuhl, auf dem er eben noch saß, mit nun trockenen Augen. Was mache ich nun mit diesem Stuhl?

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ming
???
Registriert: Nov 2002

Werke: 0
Kommentare: 13
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der titel ist cool, der letzte satz ist cool, das dazwischen ist echt. WEITER SO !!!

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Nina Walker
Festzeitungsschreiber
Registriert: Aug 2002

Werke: 8
Kommentare: 21
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Danke, Ming. Der Text ist etwas Àlter und ich hab ihn mir eben nochmal durchgelesen. Etwas umstÀndlich formuliert, aber wenn man sich durchringt ihn zu lesen, ist alltÀgliche Wahrheit zu finden.
GrĂŒĂŸe, nina

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