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Leselupe.de > Tagebuch - Diary
Der letzte Soldat
Eingestellt am 06. 02. 2019 18:52


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SirApfelbaum
Hobbydichter
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07. August 1944
Meine Mutter hat mich gebeten, dieses Tagebuch zu schreiben. Sie hat es mir vorhin bei meiner Abschiedsfeier geschenkt. Sie meinte, ich soll all die glorreichen Dinge, die ich fĂŒr Japan tue, aufzeichnen. Von meinem Vater bekam ich ein Kurzschwert, welches sich seit Jahrhunderten im Besitz unserer Familie befindet. Dazu umarmte er mich und flĂŒsterte in mein Ohr:
„Benutzt dies, wenn du gefangen genommen wirst. Falle nicht dem Feind in die HĂ€nde. Es ist scharf. Du wirst nicht lange leiden mĂŒssen.“
Sein Geschenk erscheint mir praktischer. Trotzdem werde ich gewissenhaft alles aufschreiben. Morgen werde ich abgeholt, zur Grundausbildung. Ich habe keine Angst. Unsere Sache ist gerecht. Ich kĂ€mpfe fĂŒr meine Familie, fĂŒr meinen Kaiser, fĂŒr Japan. Wir werden nicht verlieren.

25. August 1944
Das Training ist hart. Wir laufen viel. Mehrere Kilometer pro Tag, nur unterbrochen von SchieĂŸĂŒbungen. Abends fallen wir alle völlig ausgelaugt in unsere Betten. Nach nur ein paar Stunden Schlaf geht es weiter und das Tag fĂŒr Tag: Laufen, Schießen, Schlafen. Laufen, Schießen, Schlafen. Laufen, Schießen, Schlafen. GlĂŒcklicherweise ist Shimada mit mir in derselben Einheit. Wir sind schon seit dem Kindergarten unzertrennlich. Zusammen schaffen wir es. Wir mĂŒssen es schaffen. Die Ausbilder sagen uns immer wieder, wie wichtig der Krieg ist. Dass wir auf keinen Fall verlieren dĂŒrfen, sonst wĂŒrde man unsere VĂ€ter töten und unsere MĂŒtter vergewaltigen. Immer wieder schreien sie:
„GEBT NIEMALS AUF !!!! AUFGEBEN IST SCHLIMMER ALS DER TOD !!!! JAPAN WIRD NIEMALS KAPITULIEREN, SELBST WENN ES 1.000 JAHRE DAUERT !!! WIR WERDEN NICHT VERLIEREN !!!! WIR KÄMPFEN BIS ZUM LETZTEN MANN!!!!“

03. November 1944
Endlich geht es los!!! Endlich geht es in den Krieg!!! Shimada und ich wurden der Einheit von Major Taniguchi zugeteilt. Wir werden auf die Philippinen geschickt. Unser Auftrag ist es, das Land einzunehmen. DafĂŒr werden wir uns Insel fĂŒr Insel vorarbeiten und jeden Widerstand erschlagen. Shimada und ich sind schon richtig aufgeregt. Wir können es kaum noch abwarten endlich diese imperialistischen Teufel auszurotten. FÜR JAPAN !!!!!!

12. November 1944
Wir stehen nur noch wenige Stunden von der Hauptstadt entfernt. Es gab heftige WiderstĂ€nde und viele heldenhaften Japaner sind ums Leben gekommen, aber letztendlich hatten sie unserer geballten Macht nichts entgegen zu setzen. Das zeigt einmal mehr zu welchen unglaublichen Leistungen das japanische Volk in der Lage ist, wenn es gemeinsam Seite an Seite fĂŒr ein Ziel einsteht. Wenn wir so weiter machen, haben wir in spĂ€testens morgen frĂŒh die Hauptstadt eingenommen. Kontrollieren wir erst einmal Manila ist der Rest des Landes ein Klacks. Danach kann uns nichts mehr aufhalten. Mit den Philippinen haben wir in SĂŒdostasien die perfekte Operationsbasis. Malaysia und Indonesien sind WĂŒrmer, die nur darauf warten, von uns zerquetscht zu werden. Australien wird als nĂ€chstes fallen, wie ein Dominostein. Unter den philippinischen Gefangen geht zwar das GerĂŒcht um, dass die Amerikaner auf dem Weg hierher sind, aber das kĂŒmmert uns nicht viel.
„Lass die Amerikaner doch kommen! Meine Waffe verlangt nach Yankee-Blut!“ sagt Shimada immer wieder. Ich gebe ihm Recht. Sie können uns nicht aufhalten.

07. Februar 1945
Die Amerikaner sind weitaus stĂ€rker als erwartet. Feiglinge, aber ihre Feuerkraft ist der unseren weit ĂŒberlegen. Sie haben unseren Vorstoß fast völlig zurĂŒck gedrĂ€ngt. Wir befinden uns zur Zeit auf Lubang, die nördlichste Insel des Landes. In seiner weisen Voraussicht hat der Kaiser alle TruppenverbĂ€nde hier versammelt. Von diesem StĂŒtzpunkt aus wir unsere geballte Faust den herannahenden Angriff zerschmettern. Die Amerikaner werden bald hier sein. Ich freue mich auf ihre verĂ€ngstigen Gesichter, wenn sie sehen, welcher gewaltigen MilitĂ€rmacht sie hier gegenĂŒberstehen. In den Gesichtern meiner WaffenbrĂŒder sehe ich keinerlei Furcht. Stattdessen vernehme ich im gesamten Lager eine ausgelassene Stimmung. Sie singen und tanzen, freuen sich auf die bevorstehende Schlacht. Ja, ich bin ganz sicher, dass die Amerikaner nicht die geringste Chance haben werden. Sie werden noch lernen, was es heißt, den japanischen Drachen herauszufordern. Wir werden ihre Leichen bis hinauf in den Himmel stapeln!

11. Februar 1945
Ich weiß immer noch nicht wie, aber irgendwie ist es den weißen Teufeln gelungen, unsere Verteidigungslinien zu durchbrechen. Als das passierte, brach das pure Chaos aus. Überall flogen Kugeln durch die Luft, es gab Explosionen und Feuer. Viele gute MĂ€nner starben. Das Lager ist nicht mehr zu retten. Shimada und ich wurden von unserer Einheit getrennt. Wir sind zwar nur zu zweit, aber das wird uns nicht aufhalten. Unsere Vorgesetzten haben in der ganzen Gegend geheime Lager eingerichtet, damit wir im Notfall kleinere Einheiten versorgen können, die schnell und gezielt zuschlagen können. Unser Ziel ist es nun die amerikanische Angriffstruppe durch den Dschungel zu umrunden und ihr einen tödlichen Schlag in die Seite zu verpassen. Dabei werden wir garantiert auf weitere Japaner stoßen. Wenn diese dummen Amerikaner glauben, es wĂ€re schon vorbei, dann irren sie sich aber gewaltig! Die Schlacht mögen wir zwar verloren haben, aber der Krieg hat gerade erst begonnen. Selbst wenn es 1.000 Jahre dauert, Japan wird gewinnen! Das ist so sicher wie das Aufgehen der Sonne im Osten.

21. April 1945
Wir haben einen weiteren Soldaten gefunden, Akatsu. Er wurde auch von seiner Einheit getrennt und durchstreift seitdem alleine den Dschungel. Zusammen fĂŒhren wir 3 immer wieder Angriffe gegen die Amerikaner. Schnelle, gezielte Aktionen. Akatsu ist nach japanischen MaßstĂ€ben kein guter SchĂŒtze, aber um solch schwache Gegner zu besiegen, wĂŒrde selbst meine fĂŒnfjĂ€hrige Nichte ausreichen. Wir tauchen auf, erschießen 3 oder 4 von ihnen und verschwinden wieder in den Dschungel. Unsere Guerilla Taktik funktioniert. Wir sind wie Geister. Langsam aber sicher, machen wir sie mĂŒrbe. Ich nehme an, dass noch weitere kleine japanische VerbĂ€nde die gleiche Taktik anwenden, obwohl wir sie nie zu Gesicht bekommen. Aber es muss so sein! Japaner ergeben sich niemals!

10. September 1945
Die Amerikaner sind es offenbar leid uns zu bekÀmpfen. Sie haben eine neue Taktik entwickelt. Die ganze Woche hören wir schon Lautsprecherdurchsagen:
„Soldaten des japanischen Kaiserreichs! Kommt aus dem Dschungel! Der Krieg ist vorbei! Japan hat kapituliert! Legt eure Waffen nieder! Ihr könnt nach Hause zu euren Familien!“
Wenn sie glauben, dass wir auf solche plumpen Tricks hereinfallen, sind sie sogar noch dĂŒmmer, als sie aussehen. Japan wĂŒrde NIEMALS kapitulieren. Eher stĂŒrzt der Himmel ein. Und das Schicksal meint es gut mit uns. Heute Vormittag haben wir eine weitere Munitionskiste und 2 Dutzend Handgranaten gefunden. In dieser Nacht greifen wir wieder an.

01. MĂ€rz 1947
Heute gab es wieder Durchsagen, dass der Krieg vorbei sein und wir uns ergeben sollen. Was fĂŒr eine Zeitverschwendung! Was fĂŒr Feiglinge! Statt solche erbĂ€rmlichen Taktiken anzuwenden, sollen uns die Amerikaner lieber offen gegenĂŒber treten. Sie kennen keinerlei Ehre! Da sind mir ihre FlugblĂ€tter schon lieber. RegelmĂ€ĂŸig werfen sie tausende davon ĂŒber dem Dschungel ab. Sie zeigen Bilder der angeblichen japanischen Kapitulation. Alles LĂŒgen selbstverstĂ€ndlich, aber wenigstens geben sie ganz vernĂŒnftiges Toilettenpapier ab. Zu mehr sind diese Dinger auch nicht zu gebrauchen. Shimada und ich lachen regelmĂ€ĂŸig darĂŒber. Aber letztens habe ich Akatsu dabei erwischt, wie er ganz verstohlen eins davon durchgelesen hat und danach wehleidig in die Ferne blickte. Ich sprach ihn darauf an, aber er stritt ab, ihre Propaganda zu glauben. Besser ich behalte ihn im Auge. Wir können in dieser kritischen Phase des Krieges keine SchwĂ€che in unseren Reihen vertragen.

12. Juni 1951
Heute habe ich mich um Akatsu gekĂŒmmert. In letzter Zeit sprach er immer und immer wieder davon, dass der Krieg vielleicht doch vorbei sei. Er schlug vor, den Dschungel zu verlassen und zu erkunden, wie die Lage tatsĂ€chlich ist. Ich stimmte ihm zu. Shimada blieb zurĂŒck, wĂ€hrend wir zwei uns auf den Weg machten. Er wirkte ausgelassen und sang ein altes Kinderlied. Ich summte mit. Nachdem wir mehrere Stunden gegangen waren, zog er sich kurz zurĂŒck um zu pinkeln. Ich zögerte nicht. Vorsichtig schlich ich mich von hinten an ihn heran, packte ihn an den Haaren, riss seinen Kopf nach hinten und rammte ihm mein Kurzschwert in die Kehle. Er zuckte und versuchte mich abzuschĂŒtteln, aber es war zu spĂ€t. Nach einigen Sekunden ließ ich ihn los und er fiel wie ein nasser Sack zu Boden. Es war die einzige Möglichkeit. Ich bin ziemlich sicher, dass er ein amerikanischer Spion war, eingeschleust um dem glorreiche japanischen Reich zu schaden. Vermutlich war er auch fĂŒr unsere Niederlagen 1945 verantwortlich. Einen solchen VerrĂ€ter erwartet nur der sichere Tod. Ich erzĂ€hlte Shimada, dass wir von amerikanischen Truppen angegriffen wurden und Akatsu getötet wurde. Shimada ist mein Ă€ltester und bester Freund. Ich wollte nicht, dass er sich wegen Spionen sorgt.

04. August 1954
Heute Nacht haben wir wieder einen Ausflug gemacht um unsere VorrĂ€te aufzufĂŒllen. Dabei sind wir auf einen Bauernhof gestoßen, den offensichtlich die Amerikaner errichtet haben. In einer gezielten Aktion haben wir den Hof gestĂŒrmt und die anwesenden Agenten gefangen genommen, die sich als philippische Bauernfamilie ausgegeben hat. Widerliche Amerikaner! Sie nehmen sogar Kinder in ihre Reihen auf um als Agenten zu dienen! Gut trainiert heulten und schrien sie, wĂ€hrend mich der Mann auf Knien anbettelte:
„Bitte !!!! Ich flehe euch an !!! Wir sind keine Amerikaner !!!! Die Amerikaner sind lĂ€ngst weg!!! Der Krieg ist seit Jahren vorbei!!!! Schaut euch doch hier mal um!!!! Sieht das hier aus, wie das Hauptquartier einer amerikanischen MilitĂ€reinheit???? Schaut in die Augen meiner Frau und meiner Kinder!!!! Seht ihre Angst!!!! Schaut euch die kleine Maricel an!!!! Sie ist doch erst 5 Jahre alt!!! Wir sind einfache Bauern, keine Agenten!!!! Bitte verschont uns!!!!“
Wir erschossen alle Anwesenden, nahmen uns was wir brauchen konnten und fackelten der Rest ab. Mit solch billigen Tricks werden uns die Amerikaner nicht kleinkriegen.

27. Januar 1961
Die Situation ist angespannt. Shimada und ich streiten uns hĂ€ufig. Wir stehen beide unter enormem Stress. Manchmal wĂŒnschte ich mir, der Krieg wĂ€re tatsĂ€chlich vorbei und wir könnten nach Hause gehen. Mir fehlt meine Familie und Japan. Dieser Dschungel verlangt meine gesamte Kraft von mir. Vor allem nachts, wenn es dunkel ist und wir die Tiere des Waldes hören, ĂŒberkommt mich der Gedanke mich zu ergeben. Aber dann erinnere ich mich an an die RealitĂ€t. Ich stelle mir die enttĂ€uschten Gesichter meiner Eltern vor, wenn sie erfahren wĂŒrden, dass ich kapituliert habe. Das kann und werde ich ihnen nicht antun. Also beiße ich die ZĂ€hne zusammen und kĂ€mpfe weiter. Shimada scheint Ă€hnlich zu denken. Aber ich weiß nicht, ob er auch dieselbe Kraft aufwenden kann wie ich. Ich hoffe instĂ€ndig, dass er nicht so enden muss wie Akatsu.

02. Mai 1966
Shimada ist tot.

03. Mai 1966
Gestern hatte ich einfach nicht die Kraft mehr niederzuschreiben. Mein bester Freund und letzter KampfgefĂ€hrte ist in der Schlacht gefallen. Seit wir Kinder waren, sind wir ĂŒberall zusammen hingegangen. Aber ins letzte große Abenteuer, das Leben nach dem Tode, wird Shimada ohne mich gehen mĂŒssen. Unsere VorrĂ€te waren so gut wie aufgebraucht. Wir ĂŒberlegten einen der amerikanischen Höfe am Rande des Dschungels zu ĂŒberfallen, aber das ist gefĂ€hrlich. Wir haben das in letzter Zeit zu oft getan. Vermutlich sehen sie einen weiteren Angriff vorher. Der Hunger und die Munitionsknappheit ließ uns aber keine andere Wahl. Shimada schlug vor, bis zum Einbruch der Nacht zu warten, aber ich war sicher, dass unsere ĂŒberlegenen FĂ€higkeiten ausreichen wĂŒrden um den Sieg davonzutragen. Warum habe ich nur nicht auf ihn gehört? Als wir uns dem Hof bis auf 30 Meter genĂ€hert hatten, gerieten wir unter Beschuss. Die Amerikaner waren vorbereitet. Eine ganze Gruppe Soldaten erwartete uns. Wir mussten uns zurĂŒckziehen. Dabei wurde Shimada in den RĂŒcken getroffen. Ich schaffte es gerade noch so ihn mir ĂŒber die Schulter zu werfen und in den Dschungel zu fliehen. Stundenlang rannte ich, um die Verfolger abzuschĂŒtteln. Dabei betete ich, dass Shimada so lange durchhalten wĂŒrde. Doch als ich endlich Rast machte, war es schon zu spĂ€t. Ich verbrannte seine Leiche an Ort und Stelle, sie sollte nicht den Amerikanern als TrophĂ€e dienen. Jetzt bin ich ganz alleine, aber ich gebe nicht auf!!!! NIEMALS!!!!

17. Februar 1971
Gestern passierte etwas MerkwĂŒrdiges. Ich war auf einem meiner regelmĂ€ĂŸigen ErkundungsgĂ€nge, als ich auf einen Japaner traf. ZunĂ€chst dachte ich, es wĂ€re ein weiterer Soldat, aber dafĂŒr war er falsch gekleidet. Er trug keine MilitĂ€runiform, sondern einfache Kleidung. Kurze Hose, helles Hemd und Sandalen. Kein Soldat wĂŒrde so durch den Dschungel laufen. Mit gezĂŒckter Waffe sprang ich aus dem GebĂŒsch und rief:
„Wer bist du? Gib dich zu erkennen oder ich werde dich erschießen.“
„Oh Gott.... bitte töten sie mich nicht! ich bin Suzuki Norio, ein einfacher Student aus Tokio.“
„Was willst du hier?“
„Ich suche nach jemandem und ich glaube dass sie derjenige sind, den ich suche.“
„Was glaubst du denn, wer ich bin?“
„Leutnant Hiro Onoda, Soldat der Kaiserlichen Armee von Japan.“
Ich zuckte zusammen. Woher kannte er meinen Namen?
„Woher kennst du diesen Namen?“
„Machen sie Witze? Sie sind eine BerĂŒhmtheit. Sie kĂ€mpfen immer noch, obwohl es schon so lange vorbei ist.“
„Der Krieg ist vorbei??? Wirklich???“
„Ja, ist er. Schon seit vielen Jahren.“
Ich misstraute diesem Fremden, doch nach all den Jahren tat es gut mal wieder mit einem Japaner zu sprechen. Wir gingen in mein Lager und redeten den ganzen Tag. Er erzĂ€hlte mir vom Krieg. Er sagte, die Amerikaner hĂ€tten gewaltige Bomben, sogenannte Atombomben, ĂŒber Hiroshima und Nagasaki abgeworfen. Die StĂ€dte wurden vollstĂ€ndig zerstört. Angesichts der Vernichtungskraft dieser Waffen hat Japan kapituliert. Die nĂ€chsten Jahre waren schwer. Verzicht, Armut und Leid herrschten im ganzen Land. Doch nach einer entbehrungsreichen Zeit folgte der Aufschwung. Die StĂ€dte wurden wieder aufgebaut und die Wirtschaft florierte. Es herrscht ein nie dagewesener Frieden. Seine ErzĂ€hlungen waren traumhaft.
„Aber warum bist du hier?“
„Ich habe einen Zeitungsartikel ĂŒber sie gelesen. Dort hieß es sie kĂ€mpfen weiterhin und dass es weder der Regierung der Philippinen noch unserer eigenen gelingt sie zum Aufgeben zu bewegen. Da musste ich sie einfach kennenlernen.“
„Ein japanischer Soldat ergibt sich nicht. Eher wĂŒrde ich sterben.“
„Ich hoffe, dass ich sie vom Gegenteil ĂŒberzeugen kann.“
„Die einzige Möglichkeit mich zum Aufgeben zu bewegen ist es wenn mein Vorgesetzter in den Dschungel kommt und mir den Befehl dazu gibt.“
„Wie heißt denn ihr Vorgesetzter?“
„Major Taniguchi.“
Am nÀchsten Morgen ging er, aber er versprach wieder zu kommen.
„Ich reise zurĂŒck nach Japan, finde Major Taniguchi und ĂŒberzeuge ihn hierher zu kommen.“

09. MĂ€rz 1974
Ich war so ein Idiot!!!! Wieso habe ich nur diese LĂŒgen des Studenten geglaubt??? Wir ein blutige AnfĂ€nger ließ ich mich von ihm verfĂŒhren und senkte meine Deckung!!!!
Er kam tatsĂ€chlich zurĂŒck, marschierte wieder durch den Dschungel, wieder in diesem lĂ€cherlichen Outfit. Ohne Sorge lief er umher und rief meinen Namen.
„LEUTNANT ONODA !!!! ICH BIN WIEDER DA !!!! ZEIGEN SIE SICH !!!!! ICH HABE DEN MAJOR GEFUNDEN!!!!“
Ich trat aus meinem Versteck.
„Hallo, Suzuki. Schön dich wiederzusehen. Wo ist Major Taniguchi?“
„Am Rande des Dschungels. Er ist sehr alt und seine Gesundheit erlaubte ihm nicht, mir bis hierher zu folgen. Er und einige japanische Delegierte warten auf uns. Gehen wir?“
Ich nahm meine Sachen und folgte Suzuki. Nach einigen Stunden erreichten wir das Ende es Dschungels. In der Ferne konnte ich mehrere Personen ausmachen, einer von ihnen einen alter Mann in einem Rollstuhl. War er es wirklich? Major Taniguchi? Ja, es war es. Er war alt geworden, aber das war eindeutig der Major. Aber wer war der andere? Neben dem Major stand ein großer Mann....definitiv kein Japaner. Was ging hier vor sich?
„Suzuki... Wer ist dieser große Mann neben dem Major?“
„Das ist Jeffrey. Er ist der Altenpfleger des Majors. Ein netter Mann aus New York.“
Ich wusste es!!!! Es ist eine Falle!!!! Ein weiterer Trick der Amerikaner!!!! Major Taniguchi wurde wahrscheinlich dazu gezwungen bei dieser Posse mitzumachen!!! Ohne auch nur eine Sekunde zu zögern, zog ich meine Waffe, erschoss Suzuki und floh in den Dschungel. Ich rannte wie der Teufel. Hinter mir hörte ich Stimmen. Sie folgten mir. Ich war so in Panik, dass ich nicht auf den Weg achtete. Ich passte nur eine Sekunde nicht auf und....WUMM!!! Ich stĂŒrzte ĂŒber einen Stein. Mein Bein verdrehte sich und gab ein widerliches GerĂ€usch von sich, wie zersplitterndes Holz. AHHHH!!!!! Der Schmerz zog mir durch den ganzen Körper. Damit konnte ich nicht mehr rennen. So schnell ich konnte, kroch ich in einen Busch. Hier sitze ich immer noch und höre die Stimmen. Sie suchen nach mir, schreien ihre LĂŒgen in den Wald. Dies sind vermutlich meine letzten Worte. Ich kann nicht mehr! Es ist nur eine Frage der Zeit bis sie mich finden und dann werde ich mich nicht ergeben. Mein treues Kurzschwert liegt neben mir. Ich habe mir auch schon das Hemd ausgezogen, damit ich, wenn sie kommen schnell Selbstmord begehen kann. Lieber wĂ€hle ich den Tod als Gefangenschaft! Ich notiere diese Worte, damit zukĂŒnftige Generationen erfahren, dass ich nicht aufgegeben habe. Ein japanischer Soldat ergibt sich nicht! NIEMALS!!!!

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ENachtigall
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