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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Der letzte Sommer
Eingestellt am 18. 12. 2000 22:37


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Raskolnikov
Festzeitungsschreiber
Registriert: Dec 2000

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Der letzte Sommer


Geboren 4.6.19xx
Name: Julian XXXXX
Geburtsort: irgendwo im Niemandsland
Wohnort: Der kloakische Auswurf einer Gro├čstadt


Ich denke, dass sollte gen├╝gen an Informationen ├╝ber mich, eigentlich ist es auch egal und beliebig zusammensteckbar.

Eins will ich von vorneherein klarstellen, dieses Gehwisch, was ich hier zwangsl├Ąufig zusammenfaseln werde, erhebt in keiner Weise den Anspruch einer heuchlerischen Arbeit. H├Âchstwahrscheinlich wird hier zwar noch mehr M├╝ll anfallen, aber seien sie versichert, falls dies ├╝berhaupt jemand lesen sollte, ich werde es in keiner Weise in buntes Geschenkpapier oder einen wohlschmeckenden Erguss, der die Sinne erfreut servieren, was bei meinem grobschl├Ąchtigen Stil sicher auch verwunderlich w├Ąre. Aber lassen wir den Zirkus drumherum, denn eigentlich m├Âchte ich nur ein paar Punkte, unter den beschlagenen Mikroskop meiner Erinnerungen herausfischen, die eigentlich nicht viel anders als andere sind, mir aber durch Zufall ins Netz gegangen sind.

1. Sommertag

Die Sonne brannte einem den letzten matschigen Klumpen Gehirn aus einen raus, ein Flimmern, der g├Ąrende Gestank von M├╝ll und dahinrottenden Fleisch legte sich ├╝ber alles wie eine lange nicht mehr gewaschene K├Ąseglocke. Im Klartext einfach ein Schei├čtag. Hier in den Peripherien der Stadt oder sagen wir einfach, dem Staubecken f├╝r den Schmutz, den von oben nach uns runtergesp├╝lt wird, wirken alle irgendwie abgestellt, weggeworfen, verbraucht. Blo├č kein falsches Mitleid, es ist schon kein Zufall und wer will hier noch in den Spiegel schauen. Ich habe es mir ├╝brigens abgew├Âhnt, fr├╝her soll ich mal ein h├╝bscher Bursche gewesen sein, aber jetzt verwildert mit Unkraut ├╝bers├Ąht, wen k├╝mmert es. Mich nicht. Nach den sogenannten t├Ąglich l├Ąstigen Pflichten bleibt doch immer noch zu viel Zeit ├╝brig. Da unten stehen ein paar an der Tankstelle, saufen, reden wahrscheinlich ├╝ber Autos oder Pornos und sonst so einen Kram. Oh Gott, was w├╝rde ich geben um so gl├╝cklich zu sein. Schau dir diese beschissen zusammengezimmerten Gestalten nur an, ein jeder versucht den anderen an Unf├Ârmigkeit und Stumpfsinn zu ├╝bertrumpfen. Der fette Peter, schwitzt als w├Ąre er in der Sauna und hebt noch Gewichte dazu, seine Hose klebt nahezu an seinen Arsch. Setz dich besser nicht hin k├Ânntest vielleicht sonst in deinem eigenen Sud ertrinken. Die anderen lohnt erst gar nicht zu erw├Ąhnen, sonst muss ich mich schon jetzt betrinken. Verfluchte Schei├če


2. Am See

Das Wasser ist hier schon abgestanden. Schaut aus wie benutztes Sp├╝lwasser in dem sich schon so allerhand Essensreste verselbst├Ąndigt haben. Bl├Ątter, Federn, Vogelschei├če, ein paar Autoreifen und mit Enten garniert, dass ist dieser herrliche See.
Fr├╝her war er vielleicht mal ganz nett, tja da war ja sowieso immer alles besser. Fr├Âhliche Familien ausgelassen mit ihre Horde von Kindern, die um das Picknick herumturnen, junge Menschen voller Elan, wie sie vergn├╝gt im Wasser planschen, ein verliebtes Paar im letzten Sonnenhauch und all das. Doch f├╝r mich bleibt es die gleiche stinkende Kloake, es ist ja auch o.k. so. Warum auch eine positivere Variante suchen, wenn diese mich zufrieden stellt und auch irgendwie ehrlich erscheint. Manchmal habe hier versucht zu angeln, nach dem kitschig romantischen Vorbild irgendwelcher mit Lebensweisheit triefenden Romane. Still u. bed├Ąchtig, die Ruhe die Mitte in sich finden, ein Band mit der Natur kn├╝pfen, M├Ąnnerfreundschaften begr├╝nden und sonst so ein heiliges Gefasel, ich h├Ątte es glaube interessanter gefunden eine Wasserleiche, dick, fies, verquollen aufzust├Âbern.





3. Abend

Langsam breitete sich Gott sei dank der Abend aus und riss das meiste mit in sein dunkel. Irgendwie finde ich es dann ertr├Ąglich, die Stadt nicht mehr so erb├Ąrmlich nackt mit all ihren Geschw├╝ren u. dem nur schwer zu verdauenden Anblick eines Entstellten. Irgendwann traf ich mich dann mit meinen Quasifreunden, die h├Âchstwahrscheinlich die Situation auch nicht anders einsch├Ątzten als ich, oder sonst zu bl├Âd waren. Man wechselte das ├╝bliche Gew├Ąchs, um ein wenig Fluss hineinzukriegen mit zunehmenden Alkoholkonsum wurde dies auch einfacher und es machte fast schon Spa├č. Der Kopf fing wie ein aufgebl├Ąhtes Etwas, dass in jeden Moment drohte zu platzen, an zu schlingern, die Augen brannten, als h├Ątte ich mir Salz reingekippt und mein Magen st├╝lpte sich von Sekunde zu Sekunde um. Alle hatten rote Gesichter wie Lampions oder rote Ballons, ihre Gesichter gl├Ąnzten fettig im matten Licht und es war warm. Vorne spielte eine abgehalfterte Rockband, die sich nahtlos sch├Ân in diesen Abend einreihte. Ich kann gar nicht glauben wie viel Mist ich an solchen Abenden rede mit Leute, die fast nichts gemeinsam hatten au├čer, dass sie durch ihr erb├Ąrmliches Schicksal wohl auf sich angewiesen waren, denn irgendwo musste es doch Freunde geben. Tja man unterliegt allzu schnell dererlei Gef├╝hlsduseleien, irgendwie erscheinen sie auch verlockend, gl├Ąnzende Bilder, ein H├Ąndepaar, das ├╝berschw├Ąngliche Lachen, ein Gef├╝hl des Normalseins des Richtigmachens und eine Menge anderer ├ťberraschungen, die in dieser Wundert├╝te warten ausgepackt zu werden. Ja, ich nehme sie.


4.

Es dreht sich irgendwie alles im Kreis, eine Karussellfahrt bei der mir andauernd schlecht wird, z├Ąhfl├╝ssige Bewegungen durch Morast, Gedanken die sich selbst denken und wahrlich ich k├Ânnte mir sicherlich am├╝santeres vorstellen, bestimmt.

__________________
Raskolnikov

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Ralph Ronneberger
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Hallo Raskolnikov,

Was du da geschrieben hast ist alles andere als Gew├Ąsch. Und du schreibst verdammt gut. Auch das, wor├╝ber du schreibst, geht voll in Ordnung. Es sind Erinnerungen, die dir "durch Zufall ins Netz gegangen" sind. O.K. Du hast davon also noch jede Menge auf Lager. Scharf geschossene Bilder. Aber mehr leider auch nicht. Wer so schreiben kann wie du, der sollte sich meiner Meinung nach nicht nur auf das Beschreiben eigener oder einem Protagonisten unterstellter Resignation beschr├Ąnken. Warum dieses Verharren im Ist? Wo bleibt der Blick auf m├Âgliche Ver├Ąnderungen? Ein am Leben gescheiterter Mittf├╝nfziger hat vielleicht das Recht zu resignieren. Ein junger Mensch hat die Chance, wenigstens etwas zu versuchen und mu├č nicht gleich alles Schlechte als unab├Ąnderlich darstellen und hinnehmen. Ich wei├č, es ist heute schwerer denn je, gangbare oder auch nur vermeintlich gangbare Wege aufzuzeigen. Aber wer, wenn nicht die jungen Autoren sind zumindest ansatzweise dazu in der Lage. Der Versuch ist es bestimmt wert.

Gru├č Ralph
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Raskolnikov
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Hallo Ralph,

danke erst einmal f├╝r dein Lob, aber auch f├╝r deine Kritik.
Auf dem Feld der Kurzgeschichten bin ich noch recht unbewandert u. sache daher f├╝r mich noch nach einer Form, die weniger bruchst├╝ckhaft ist. Ich denke diese Geschichte gibt keinen Ausblick auf morgen oder gestern, dies sollte sie auch nicht, ich wollte lediglich die Gef├╝hle einer Person mit bestimmten Ansichten f├╝r einen Augenblick festhalten, dies einfach pur und ungefiltert wiedergeben.
Deswegen w├Ąren nach meiner Ansicht idealistische u. belehrende Moral oder Wertvorstellung hier fehl am Platze gewesen.

Gru├č Raskolnikov
__________________
Raskolnikov

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