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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Der liebende Freund
Eingestellt am 08. 09. 2001 21:13


Autor
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Alegra
Hobbydichter
Registriert: Sep 2001

Werke: 2
Kommentare: 4
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Menschen sind freilich vieles, Genies, Akteure, Tiere, Liebende. Menschen sind, wie sie sind und dies in seinem vollen Umfang zu akzeptieren ist ein Proze√ü der so schmerzhaft wie notwendig ist, um das eigene Entsetzen zu √ľberleben und nicht an der K√§lte einer destruierten Gesellschaft zu zerbrechen. Dabei sind sie bei aller Eigenliebe und Pseudovollkommenheit am wenigsten Freunde, was den engeren Sinn des Wortes betrifft. Damit meine ich nicht die g√∂nnerhafte Handschlagfreundschaft egomaner Allerwelts√§rsche, die uns jeden Tag begegnen, in der Hoffnung, einem doch noch das ein oder andere Paar Socken andrehen zu k√∂nnen, die sich gegenseitig die Haare waschen oder Zehenn√§gel lackieren. Was kann das schon wert sein. Ich aber spreche von Selbstaufgabe, Hass-Liebe, der √úberwindung von ureigenen Grenzen, moralischen Prinzipien und Naturgesetzen in einer Form, da√ü das Scheitern der Freundschaft die Gefahr birgt einen Teil der Seele zu verdammen, m√∂glicherweise f√ľr immer. Einst hatte ich einen Freund, den ich liebte und ich sagte es ihm. Doch ich liebte allein psychisch, nicht physisch. Ja, ich liebte diese Freundschaft √ľber alle Ma√üen, weil sie auf so vollkommenem Vertrauen beruhte, da√ü mir der Gedanke er k√∂nne mich je entt√§uschen in stillen, kalten N√§chten Angst machte. Doch entt√§uschen wahre Freunde? Er tat es, weil er mich liebte, was f√ľr mich die Freundschaft haltlos machte, f√ľr ihn jedoch vervollst√§ndigte. Verschwommene Grenzen, zerst√∂rte Tr√§ume, brennende Augenblicke voller Fragen. Da er mich nicht so bekam, wie er wollte, ging er fort von mir. Ohne sich umzudrehen. Ich f√ľhlte Verrat im Herzen, unb√§ndige Wut der Verzweiflung. Was sollte werden ohne den Freund? Wof√ľr konnte ich mich noch aufgeben, wof√ľr sterben? Wie soll man einen Bruch √ľberwinden, der schlimmer als der Tod erscheint? Wie √ľberleben? Die Antwort ist so simpel wie grausam: Einen schrecklichen Tag nach dem anderen.
Als die Jahre vergingen bemerkte ich, da√ü ich die wahre Liebe verloren hatte, wie andere Leute einen Handschuh oder Schirm. Es war als h√§tte ich mich umgedreht und sie ist mir dabei abhanden gekommen, wie Wasser, da√ü durch die Finger rinnt, ganz gleich wie sehr man sich bem√ľht es aufzuhalten. Er hatte nicht mehr Schuld als das Wasser in seiner reinsten Form, denn er hatte erkannt was wesentlich war und mir verborgen blieb.

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Sigfrid
Hobbydichter
Registriert: Sep 2001

Werke: 2
Kommentare: 22
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Du hast sehr viele verschiedene Ansätze, von interessanten Aussagen, in Deiner Kurzgeschichte.
Aber meinst Du nicht, daß Du aus diesem Text noch mehr machen könntest. Erstmal ein wenig Ordnung hineinbringen und ihn somit dem Leser auch näher bringen.
Es wäre bestimmt auch nicht schlecht, wenn Du Deine Gedankengänge noch ein wenig ausbaust.
Denn so ist die Geschichte wenig anr√ľhrend, obwohl sie es bei Deinem Schreibstil doch sein k√∂nnte.


__________________
Ich lerne immer wieder gerne dazu!

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klara
Hobbydichter
Registriert: Aug 2001

Werke: 11
Kommentare: 53
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Die wahre Liebe ist erst im Kommen, wenn man erkennt, dass man (frau) sie nicht verliert wie einen Schirm.

Der liebende Freund erscheint mir der geliebte zu sein.

Der, der gegangen ist (und das "einfach so") √§u√üert mit seinem Weggehen mehr Liebe als der Liebende selbst. Denn er hat die Grenzen des Gegen√ľbers akzeptiert. Und um seine Grenzen nicht zu √ľberschreiten, hat sich f√ľr das Gehen entschieden.
Der Liebender verurteil seine Entscheidung. Da kommt auch eine unterschwellige Schuldzuweisung, die meiner Meinung nach sehr hart ist: Mit der Entscheidung des geliebten Freundes verliert der Liebende die wahre Liebe. Wie ein Schirm. (Als wäre er ein Schirm gewesen.)
Die Geschichte enth√§lt brisante Elemente des Paradoxen im Alltag. K√∂nnte ausf√ľhrlicher, struktruierter sein.
Habe gern gelesen.

__________________
klara

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Intonia
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Jun 2001

Werke: 85
Kommentare: 226
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Hi Alegra!

Auch ich habe diese Geschichte gern gelesen. Sie hat philosophische Ansätze. Sie sucht zu erklären, strebt nach Erkenntnissen. Vieles liegt noch im Dunkeln, aber zum Schluss wird eine wichtige Aussage gemacht. Es gibt keine Schuld. Oder sie wird vergeben.

Suche weiter nach dem Sinn Deines Seins. Mit jeder Erfahrung - es gibt keine negativen, auch wenn es so scheint - kommst Du der Vollkommenheit einen Schritt näher.

Wo Angst war, wird Vertrauen sein, wo Erwartungen und Forderungen waren, wird nur noch bedingungslose Liebe sein.

Liebe Gr√ľsse
Intonia
__________________
"Liebe kostet nichts und ist doch das Teuerste auf der Welt."

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Alegra
Hobbydichter
Registriert: Sep 2001

Werke: 2
Kommentare: 4
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Danke sch√∂n f√ľr die kritischen und zum Teil auch lobenden Anmerkungen. Tats√§chlich ist es so, da√ü dieser Freund mich nicht verletzen wollte und das, indem er ging. Er wu√üte, da√ü diese Freundschaft niemals wieder kehren w√ľrde, zumindest nicht so, wie sie war. Deswegen entschied er, mir und sich den Schmerz zu nehmen,den ich uns zugef√ľgt hatte. Wenn Schuld wirklich nicht so existent ist, wie man es glaubt, wenn aus Angst Vertrauen erw√§chst und aus allem zusammen Liebe, dann sind wir tats√§chlich frei, oder?!

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Intonia
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Jun 2001

Werke: 85
Kommentare: 226
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Hi Alegra!

Ja, wir haben es tats√§chlich in der Hand, frei zu sein. Es geht nicht von heute auf morgen, sondern ist ein l√§ngerer Prozess. Man muss sein Bewusstsein √§ndern, sich neu erschaffen zu dem, was man sein m√∂chte und und nicht mehr so sein, wie andere uns gern h√§tten. Dazu muss man sich selbst kennenlernen und erfahren, was die Seele will. Deine Seele ist Dein Ratgeber und Ma√ü aller Dinge. Nur sie weiss, was gut f√ľr Dich ist. Wir h√∂ren aber meist lieber auf gute Freunde, Eltern, Partner usw. und sind als Folge ungl√ľcklich und in Zw√§ngen verhaftet. Ich w√ľnsche Dir viel Gl√ľck bei der Suche nach der Freiheit.
Liebe Gr√ľsse
Intonia
__________________
"Liebe kostet nichts und ist doch das Teuerste auf der Welt."

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Sigfrid
Hobbydichter
Registriert: Sep 2001

Werke: 2
Kommentare: 22
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Genau meine Meinung, Intonia!
Das beschreibe ich in meiner Kurzgeschichte "Reifeprozeß".
__________________
Ich lerne immer wieder gerne dazu!

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