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Leselupe.de > Essays, Rezensionen, Kolumnen
Der moderne Künstler
Eingestellt am 19. 06. 2010 12:13


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Michael Schmidt
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Der moderne Künstler

Reisen bildet. Und manchmal entdeckt man Parallelen zu eigenen Erfahrungen.
Heute traf ich einen Amerikaner, den ich gestern auf dem Marktplatz in Luang Prabang kennengelernt habe. Nach ein paar schönen Geschichten über einen Hurrikan am Südzipfel Mexikos und einem Monsunregen, der ihn eine Meile vor der thailändischen Küste erwischte, erzählte er mir, dass er ein Buch geschrieben habe. Autoren gibt es halt überall und ich freue mich, einen Gleichgesinnten getroffen zu haben.
Auf meine Frage, wo es denn erschienen wäre, kam die Antwort, dass es noch unveröffentlicht wäre, er aber einen Verlag an der Hand habe. Er müsste nur 10.000 US $ investieren, der Verleger würde selbst die gleiche Summe bereitstellen, um die Unkosten des Buches zu begleichen und es auf den Markt zu bringen, alles natürlich schriftlich fixiert mit erhöhter Tantieme für den Autor. Der Verleger selbst sei mit dem Dalai Lama bekannt (er hat ihn wahrscheinlich einmal getroffen, so vermute ich, frage aber nicht weiter nach).
Weiter erzählt er von einer Dreiteilung des Verlagsgeschäftes: Publikumsverlage, Selbstverleger und in der Mitte solche wie sein Kleinverlag, bei dem er ins Auge gefasst hat, zu veröffentlichen.
Die Situation in Deutschland ist ja ähnlich. Es gibt die großen Verlage wie Heyne, Bastei und Piper. Deren Programm richtet sich zum Grossteil nach dem Bedürfnis der Masse und folgt entweder den aktuellen Bestsellern oder den Kassenschlager der Kinokassen.
Jugendliche Helden a la Harry Potter, Romane über Elfen und Orks, aktuell sind Vampirromanzen der Renner und irgendwann in naher Zukunft folgt die nächste Strömung.
Auf dem Markt tummeln sich mittlerweile auch viele deutsche Autoren, die erfolgreich diesem Trend folgen. Dazu eine Masse an Namenlosen, die dies ebenso erfolglos tun und vergebens auf ihren Durchbruch wartet.
Das sind Lohnschreiber, wie man sie sonst vor allem aus der Heftromanszene kennt. Wenn es die Vorlieben der Autoren trifft, ist das eine schöne Sache. Verkauft er sich nur und ist ihm die Thematik eigentlich zuwider, hat er einen Beruf unter vielen wie den Autoverkäufer oder den Maschinenbauer. Das Motto „Schreiben ist ein Handwerk“ passt da nur zu gut.
Im Erfolgsfall werden aus Lohnschreiber Trendsetter und sie generieren ihre eigenen Strömungen und werden zu etablierten Autoren.
Etablierte deutsche Autoren gibt es mittlerweile einige und sie scheinen sich gut zu verkaufen: Andreas Eschbach, Kai Meyer, Wolfgang Hohlbein, Frank Schätzing oder auch Markus Heitz.
Doch alle müssen sich dem Gesetz des Marktes stellen und aktuellen Strömungen folgen. Zu schnell ist man „Weg vom Fenster“, zu schnell vergessen n unserer schnelllebigen Zeit.
Wer diesen Marktgesetzen nicht folgen will, findet eine aktive Kleinverlagsszene, die sich aber von den Marktgesetzen ebenfalls nicht abkoppelt. Auch sie will Bücher verkaufen und braucht einen Markt, sprich den Leser in ausreichender Zahl.
Doch die Kleinverlagsszene hat einen Vorteil, sie bedient viele Nischen und mit etwas Glück findet man einen Verlag, der dem eigenen Werk entspricht. Das gelingt jedoch selten zu hundert Prozent. Doch sich einfach ins Blinde mit seinem Manuskript zu bewerben, bringt vielfach nur Frustration. Die Absagen sind vielzählig, oft genug erfolgt auch gar keine Rückmeldung.
Und sollte das Werk angenommen werden, es aber nicht zum Leserkreis passen, nützt die ganze Veröffentlichung nichts: Zumeist kommt als Rückmeldung scharfe Kritik und die Zahl der Leser bleibt gering.
Da ist manches Mal Geduld angesagt. Temperament ist nichts, was einem Autoren weiterhilft, Beharrlichkeit dagegen eine wichtige Tugend.
Glaubt man an sein eigenes Werk, findet aber keinen passenden Verlag, bleibt der Weg des Selbstverlegens. Abzuraten ist von Druckkostenzuschussverlagen. Man zahlt ordentlich für die Dienstleistung der Druckvorbereitung und des Druckes, muss sich aber um den Verkauf der Bücher selbst kümmern. Die investierte Summe wird meistens nicht wieder erwirtschaftet. Somit sponsert man diese DKZ-Verlage, was anderes bedeutet so eine Veröffentlichung nicht.
Bleibt der Eigenverlag, in dem man alles selbst übernimmt und die größtmögliche künstlerische Freiheit besitzt.
Generell hat es der moderne Künstler heute einfach. Die Kosten (und auch der Aufwand) sind durch die Digitalisierung relativ niedrig. Das merkt man als Musiker, der keine Schallplatte oder ein Demoband produzieren muss. So auch der Schreiber, der ein gedrucktes Werk schon für Kosten zwischen 150-500 Euro bekommt, wenn er genügend Eigenleistung in Kauf nimmt.
Als Schreiber ist natürlich der günstigste Weg eine Onlineveröffentlichung. Eine eigene Homepage oder ein Blog ist nahezu kostenlos zu haben (wenn man sowieso online ist), außerdem gibt es zahlreiche Veröffentlichungsplattformen wie eZines und Schreibplattformen. Doch dieser kostenlose Weg ist ebenso wie die gedruckte Variante nicht nur Segen sondern auch Fluch. Unzählige Schreiber wählen den gleichen Weg und die ungeheure Flut von Texten macht es schwierig, den passenden Autor zum passenden Leser (und umgekehrt) zu bringen.
Man benötigt also Kontakte.
Es gibt Foren, in denen man Leser, Verleger und Gleichgesinnte findet.
Anthologien und Magazine, deren Leserzahl meist begrenzt bleibt.
eZine, in deren Wust von Texten man meist untergeht (gerade wenn man sich noch keinen Namen gemacht hat).
Zahlreiche Ausschreibungen und Wettbewerbe bieten sich an, ein vorderer Platz im Endergebnis macht sich da gut in der Vita. Ebenso eine Nominierung bei einem der Literaturpreise.
All das formt den Künstler. Absagen von Verlegern, Lektorate und der Vergleich mit den Mitbewerbern ändert die eigene Kunst. Mal zum Vorteil, mal zum Nachteil. Eine ständige Veränderung ist in Gang gesetzt wie überall im Leben.
Manche behaupten, „Schreiben ist ein Handwerk“. Das stimmt im Grundsatz und bildet die Basis für das eigene Schaffen. Aber nur mit Handwerk sticht man weder aus der Masse der Schreibenden heraus, noch hebt man sich vom Lohnschreibertum ab.
Entscheidend sind immer noch der Inhalt und die besondere Weise, wie er dargebracht wird. Der Künstler will und muss eigene Akzente setzen. Doch eigene Akzente treffen selten allgemeine Akzeptanz, weder bei Verlegern, noch bei Lesern, auch wenn von denen immer gerne das Gegenteil behauptet wird.
Wer es trotzdem schafft, mit eigenständiger Kunst die Massen zu begeistern, ist ein wirklicher Künstler, keiner, der einfach nur den Beruf des Autoren ergriffen hat. Hoffen wir, dass der Ruhm nicht wie so oft posthum erworben wird, denn das lehrt uns die Geschichte.
Daher lieber moderner Künstler. Verzage nicht, sondern gehe deinen eigenen Weg. Auch wenn er ein dorniger ist. Den Beharrlichen küsst das Glück. Irgendwann!


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Der ErnstFall Michael Schmidt

Version vom 19. 06. 2010 12:13

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jon
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Der Anfang ist witzig, passt aber überhaupt nicht zum Rest. Weder stilistisch (Erzählung / Ratgeber, Abhandlung) noch inhaltlich (wie sich die Dinge doch gleichen! / Theoretisches über die Praxis, Bücher zu veröffentlichen). Schade. Mach zwei Texte draus, dann "kommen" beide gut (der erste wahrscheinlich besser )

PS: 10.000 Dollar? Mein je! Will der seine Texte mit Blattgold auf die Seiten prägen lassen?
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Es ist nicht wichtig, was man mitbringt, sondern was man dalässt (Klaus Klages)

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Michael Schmidt
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Hallo Ulrike,

Im normalen Borterwerb hat man immer die Situation etwas machen zu müssen, das einem mehr oder minder zuwider ist. Ob das jetzt gut oder schlecht ist, muss jeder für sich selbst entscheiden. Aber natürlich verkauft man "sich" damit auch ein Stück weit.
Und das ist doch genau der Unterschied, den ich in meinem Text aufgezeigen wollte:
Den Unterschied zwischen "Müssen" (Markanforderung) und "Wollen" (in der Form der Selbstverwirklichung). Dabei ist weder das eine, noch das andere in Reinform vorhanden, egal für welchen Fall.

Ich habe den Handwerker nicht abqualifiziert.
Was macht denn ein Handwerker? Du rufst an und er repariert dir den Abfluss. Das macht er mittels seiner Expertise gut (hoffentlich). Muss er es deswegen gerne machen? Handwerker ist doch ein ehrlicher Beruf. Natürlich macht ein Handwerker auch seinen Job gerne (im Idealfall), gleiches habe ich ja beim Lohnschreiber ebenfalls im Text geschrieben:
Zitat:
Wenn es die Vorlieben des Autoren trifft, ist das eine schöne Sache.

Aber er hat nur einen gewissen Freiraum, da sich die Arbeiten an den anstehenden Aufgaben misst, nicht an dem, was er gerne handwerken würde. Gleiches gilt für den Autor: Je mehr Vorgaben, desto unfreier ist er.

Das Handwerk unnötig ist, steht dort nirgendwo und spielt damit niemandem in die Hände. Wer mit der entsprechenden Erwartungshaltung in den Text geht, kann da natürlich vieles herauslesen.
Meines Erachtens sorgt deine Erwartungshaltung für diesen negativen Eindruck gegenüber Lohnschreibern. Anhand deines Beispieles kann ich dies nicht erkennen.

Ob mehr Kunst auch bessere Texte hervorbringt, sagt meine Kolumne auch überhaupt nicht.
Nach einer Vielzahl an vorhersehbaren Geschichten sollte ein Aufruf nach ein wenig mehr Kreativität und vor allem mehr Mut Gehör finden.
Der Ausdruck "moderner Künstler" bezieht sich auf den Titel der Kolumne. Mehr nicht.

Bis bald,
Michael
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Hallo Michael,

wir kennen uns gut genug, denk ich, dass ich das schon richtig eingeschätzt habe: Es war sicher nicht deine Absicht, hier irgendwas abzuqualifizieren, es geschah "aus Versehen", durch "unglückliche Formulierungen". Auf die wollte ich aufmerksam machen, nicht mehr.


"Das Handwerk unnötig ist, steht dort nirgendwo und spielt damit niemandem in die Hände. Wer mit der entsprechenden Erwartungshaltung in den Text geht, kann da natürlich vieles herauslesen. "
… das zum Beispiel. Nein, du hast es in der Tat nicht wörtlich so reingeschrieben, aber auch nicht das Geringste versucht, dass man es (wenn man halbwegs seriös rangeht) auch nicht rauslesen kann. Im Gegenteil, der Tenor schwingt (formulierungsbedingt) eher in diese als in die andere Richtung. Da gehört dann auch gar nicht viel Erwartungshaltung dazu, es so zu interpretieren …

"Nach einer Vielzahl an vorhersehbaren Geschichten sollte ein Aufruf nach ein wenig mehr Kreativität und vor allem mehr Mut Gehör finden."
… das unterschreib ich gern. Wobei ich persönlich schon froh über jeden Text bin, der handwerklich gut gemacht ist. Der Anteil an neuen Idee ist bei den handwerklich schlecht gemachten Texten (an die ich so gerate) übrigens NICHT höher als bei den gut gemachten – eher umgekehrt. Auch deshalb bin ich nicht so begeistert vom Ruf nach Kunst. Klar gibt es Leute, die gute Ideen shclecht verpackt abliefern, aber das ist viiiiiiel seltener der Fall, als vor allem jene Leute annehmen (oder glauben machen wollen), die von sich denken, sie hätte die ultimative Idee abgeliefert.

"Der Ausdruck "moderner Künstler" bezieht sich auf den Titel der Kolumne. Mehr nicht."
Entschuldige, das ist mir zu wenig. Gerade so exponiert gesagte Dinge müssen einen "Sinn" haben – das Thema zusammenfassen, eine Art Pointe oder ein "Extra-Bonbon" sein … Irgend sowas, was zum "Mitnehmen" taugt, als Schlagwort, bei dem einem später die Aussagen des Textes wieder einfallen …
Du musst doch auch bei der Wahl der Überschrift einen Grund gehabt haben, von "modernen" und nicht einfach nur Künstlern zu sprechen …
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Michael Schmidt
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Hallo Ulrike,

das Zitat müsste eigentlich so aussehen:
Wenn es die Vorlieben der Autoren trifft, ist das eine schöne Sache. Verkauft er sich nur und ist ihm die Thematik eigentlich zuwider, hat er einen Beruf unter vielen wie den Autoverkäufer oder den Maschinenbauer. Das Motto „Schreiben ist ein Handwerk“ passt da nur zu gut.

Da ist nichts zweifelhaftes dran. Da steht genau im Zusammenhang, wie es gemeint ist. Und da ist auch nichts "aus Versehen" oder eine "unglückliche Formulierung". Unglücklich war es, im Zitat den ersten Satz wegzulassen.

Der moderne Künstler: Das modern bezieht sich dabei auf die Gegenwart.

Zitat:
Generell hat es der moderne Künstler heute einfach. Die Kosten (und auch der Aufwand) sind durch die Digitalisierung relativ niedrig.


Bis bald,
Michael



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Ich merk schon, wir reden aneinander vorbei. Meine Kritik hat nichts mit dem Gegensatz "Lieblingsthema" – "Kein Lieblingsthema" zu tun, sondern damit, dass es einen WERTUNGsunterschied macht, ob ich schreibe "Thema, das einem nicht am Herzen liegt" oder "Thema, das einen anwidert", ob ich schreibe "Das Motto „Schreiben ist ein Handwerk“ passt da nur zu gut." oder "Das Motto „Schreiben ist ein Handwerk“ passt da gut.", oder "Verkauft er sich" oder "Verkauft er seine Leistung"

… ganz ähnlich alle anderen "Streitpunkte": Du verweist auf den Inhalt, den du meinst, ich weise darauf hin, dass der Text mit seinem Klang (Formulierungen, Schwerpunkte …) diesen Inhalt nicht oder nicht zuverlässig transportiert.

PS: Ob es der heutige Künstler (zumindet einiger Sparten) einfacher hat, ist streitbar. Es ist leichter, sein "Zeug" zu präsentieren, sicher. Ob es deshalb besser, schneller oder intensiver wahrgenommen wird und vor allem ob es deshalb eher die ihm "zustehende" Würdigung erfährt …? Vom Verdienen ganz zu schweigen. (In deinem Text stehen ja all die Für- und Gegen-Argumente.)
Das hat aber auch wieder nichts damit zu tun, dass es bei dem Text am Handwerk hapert: dass z. B. "modern" und "heutig"/"in der Gegenwart" nicht dasselbe sind und exponierte Formulierungen (mit Blick auf Wirkung / "Güte" des Textes) eine besondere Rolle spielen.
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