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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Der neue Job
Eingestellt am 10. 05. 2002 14:51


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anemone
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Sep 2001

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Der neue Job

Ich verlor meinen Job; es war nicht weiter schlimm. Es musste mal so kommen. Es machte mir nur die Hälfte aus und als geborener Optimist begab ich mich daran, die Zeitung nach Stellen zu durchforsten. Natürlich, das war es! Ich wollte mich auf diese Anzeige bewerben. Es wurde ein Aushilfs-Taxifahrer gesucht. Mit meinen Unterlagen begab ich mich sogleich dorthin, denn ich wollte schließlich sehen, mit wem ich es dort zu tun hätte. Der Inhaber schaute mich erstaunt an: „Aber ich hatte ausdrücklich nach einem Fahrer annonciert!“ und enttäuscht betrachtete er meine Figur, die dem gewünschten Arbeitnehmer nicht entsprach. Ob das nicht gleich sei, wollte ich von ihm wissen, worauf seine Frage zurückkam, ob ich denn bereit sei, auch Nachtfahrten zu tätigen. „Natürlich!“ kam es wie aus der Pistole geschossen von mir zurück. Nun erhellte sich seine Miene, während er immer noch misstrauisch meinem gesprochenen Wort hinterher lauschte. „Sie werden auf gar keinen Fall während der Fahrt auch nur einen Tropfen Alkohol anrühren!“ sah er mir skeptisch entgegen.
„Auf gar keinen Fall!“ versicherte ich ihm. „Dann rechnen Sie ab heute mit meinem Auftrag!“
entschied er kurz und knapp.

Laut pfeifend machte ich mich auf dem Weg nach Hause, wobei er mich nachdenklich beobachtete. Doch ich musste nicht lange auf seinen Anruf warten, Natürlich gleich am Abend war es soweit. Eine Nachtfahrt war angesagt. Stolz nahm ich die Schlüssel des Mercedes entgegen. So einen tollen Wagen hatte ich noch nie gefahren und jetzt sollte ich mich ihm anvertrauen. Ich betätschelte ihn wie ein Pferd und wünschte uns viel Glück.


Der Fahrgast wartete in der Sirius-Straße auf mich. Oha, wo befand sich diese? Ich ließ mir von meinem neuen Arbeitgeber eine Straßenkarte geben, die ich auch dringend benötigte, wie sich noch herausstellen sollte. Ich hatte ja überhaupt keine Ahnung, wusste gerade mal, wo sich der Bahnhof befand und die drei wichtigsten Kirchen der Stadt. Nach langem Studieren der Straßenkarte hatte ich sie dann entdeckt, die Siriusstraße und nach noch zweimaligem Fragen dann auch gefunden; der Fahrgast stand bereits ungeduldig wartend und immer wieder auf die Armbanduhr schauend am Straßenrand, stieg schnellstens ein und sagte nur noch ein Wort: „Flughafen!“ Ich meinte Verärgerung aus seiner Stimme zu vernehmen und drückte sogleich auf die Taxiuhr um loszufahren. „Und mein Gepäck?“ zischte er jetzt unfreundlich durch seine Zähne mir entgegen, wobei er mürrisch auf die tickende Taxiuhr blickte.

Ich ließ mich von seiner schlechten Laune nicht beirren und flitzte um den Wagen, um seine Koffer und Taschen in den Kofferraum zu verstauen. Danach machte ich mich auf den Weg nach Frankfurt und freute mich schon über den schönen weiten Weg, der mir in dieser Nacht sicher so einiges einbringen würde. Ich vermied es, diesen Miesepeter noch einmal anzusprechen, denn sein Gesicht wurde immer länger, besonders als wir nach einer Viertelstunde noch nicht am Flughafen waren. Er studierte seine Unterlagen während der Fahrt und warf mir entgegen:
„Wie lange dauert das denn noch?“ „Oh,“ sagte ich: „So schnell geht das nicht!“ und trat den Gashebel fast bis zum Anschlag durch.

Wieder blickte mein Fahrgast auf die Uhr und meinte „Mein Flieger geht in einer Viertelstunde, das wird allerdings knapp.“ Ich empfahl ihm schon gleich zu zahlen, ich würde ihn dann schnellstens am Flughafen aus dem Wagen lassen. Das hat dann auch prima geklappt. Ich weiß zwar nicht so recht, warum er noch so freundlich hinter mir herwinkte, nachdem ich ihn am Flughafen in Frankfurt herausließ, aber eines fiel mir gleich auf: Mein Optimismus hatte ihn angesteckt. Er blickte inzwischen sehr viel freundlicher hinter mir her.

Die Taxiuhr stand wieder auf Null, als ich den Weg zurück fuhr. Ich schaltete jetzt das Radio ein, es konnte ja keinen stören. Gerade kamen die Nachrichten: „Düsseldorf: In der Stadt findet heute eine Demonstration der Kleingärtner statt.“ Ich weiß auch nicht so recht, warum es mir bei dem Wort so siedendheiß den Rücken herunterlief, oder doch? War das nicht der nächste Flughafen? Hatte der Mann mir zugewinkt, weil er nach Düsseldorf und nicht nach Frankfurt wollte? War das der Grund, weshalb er sich über die erhöhten Preise beschwert hatte. Jetzt war es sowieso zu spät. Ich war ihn los, nicht jedoch sein Gepäck, ich fand es wieder, als ich in der Taxizentrale den Kofferraum öffnete um dem Wagen ein letztes mal zu danken und mich von ihm zu verabschieden, denn ich erhielt meine Papiere zurück. Das Protokoll von 100 € für zu schnelles Fahren wurde mir vom Verdienst abgezogen. Schade!
Es hatte die Taxizentrale erreicht, bevor ich wieder zurück war. Ich ließ ihnen die Koffer und Taschen als Andenken zurück, schlenderte müde nach Hause und erholte mich eine ganze Woche von dem schrecklichen Stress.

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