Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, m√ľssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5684
Themen:   98402
Momentan online:
617 Gäste und 16 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Fantasy und Märchen
Der neue Weltalmanach1853
Eingestellt am 28. 06. 2019 01:38


Autor
Ein neues Thema ver√∂ffentlichen.     Antwort ver√∂ffentlichen.
Aerath
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Apr 2019

Werke: 11
Kommentare: 91
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Aerath eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Er(n)ste Warnung vor dem Lesen
Lieber Leser,
sch√∂n, dass du dich entschieden hast, dich auf das Abenteuer einzulassen, eine ganz neue Welt kennen zu lernen. Ich denke, so manches in dieser Welt wird dir gar nicht so unbekannt vorkommen, aber Vorsicht! Sei nicht zu schnell mit deinen Schlussfolgerungen. Gibt es denn eigentlich all die L√§nder, Kontinent, K√∂nige und Pr√§sidenten, die dir in diesem Buch begegnen? Naja, sagen wir mal so: K√∂nnte sein, warum denn auch nicht! Nein, schau jetzt bitte weder in einen Atlas noch in ein Geschichtsbuch, denn da findest du weder die Luchta noch Aerath. Aber schon 1957 hat Hugh Everett seine ‚ÄěViele-Welten-Theorie‚Äú zur Erkl√§rung der Quantenmechanik vorgelegt. Keine Sorge ‚Äď ich sehe n√§mlich schon panisch schreiende Leser ‚ÄěWas?? Physiiiik??? Um Gottes Willen!‚Äú ‚Äď es folgt jetzt kein Exkurs zur Quantenmechanik. Unsere Realit√§t ist vielleicht aber nur eine von ganz vielen, parallelen oder nicht so parallelen Welten. Da ist alles denkbar. Da k√∂nnten noch die R√∂mer herrschen, ein Zimmermann mit hochfliegenden Tr√§ume k√∂nnte statt einer Weltreligion das erste M√∂belhaus Israels gegr√ľndet haben, es k√∂nnte aber auch sein, dass Deutschland den Zweiten Weltkrieg gewonnen hat, das ist ja in der Science-Fiction ein √∂fter mal ausgepackter Gedanke. Sagen wir einfach, jedes ‚ÄěWas w√§re wenn‚Äú kann auch ein ‚ÄěUnd auch‚Äú sein. Kein Universum ‚Äď ein Multiversum. Aber es kann auch so ein, dass es in einem Multiversum nicht nur parallele Welten gibt, sondern andere Welten, Gegenwelten, Spiegelwelten, Welten in Welten. Denken wir nur an Terry Pratchett, den gro√üen Schriftsteller und Sch√∂pfer der Scheibenwelt. Wenn das so ist, dann gibt es vielleicht die hier beschriebene Welt. Wer wei√ü, vielleicht bin ich ja auch nur ein Besucher aus dieser anderen Welt und pr√§sentiere euch hier meine Heimat, vielleicht hab ich auch nur befreundete Schriftsteller gefragt, ob sie ihre L√§nder darstellen k√∂nnen. Ich finde, das klingt gut. Jetzt fehlt nur noch ein kleines Etwas: Ihr m√ľsst daran glauben. Glauben ist eine gro√üe, m√§chtige Kraft. Das wussten schon Terry Pratchett und Neil Gaiman. Wenn man nur fest an etwas glaubt, dann existiert es. G√∂tter, Mythen, M√§rchen, das alles kann wahr sein, wenn man nur daran glaubt. Also: Glaubt an die Existenz meiner Welt und falls sie bisher noch nicht existierte, dann tut sie es schon ein bisschen, weil ich an sie glaube, und wenn ihr an sie glaubt, dann kann sie wahr sein. Dann ist sie eine echte Welt, mit echter Geschichte, Kunst und Kultur. Aber, Vorsicht!! Walter Moers hat mal behauptet, es gebe gef√§hrliche B√ľcher. Das ist nat√ľrlich totaler Unsinn. Es gibt keine gef√§hrlichen B√ľcher, aber es gibt gef√§hrliche Leser, gef√§hrliche Autoren (oooh ja!) und gef√§hrliche Filmstudios. Ihr k√∂nntet gef√§hrliche Leser sein, denn auf euren Schultern ruht eine enorme Verantwortung. Durch euren Glauben entsteht die Welt und durch eure Vorstellungskraft nimmt sie Gestalt an. Ihr gebt den Menschen dieser Welt ein Gesicht. Ihr bewertet ihre Motive und habt ein Bild von ihnen im Kopf. Ihr macht sie real. Seid also vorsichtig bei euren Bewertungen und kontrolliert eure Phantasie! Ihr seid beteiligt daran, dass eine Welt entsteht, das ist eine gro√üe Verantwortung.


Vorwort des Autors

Ich habe schon immer viel gelesen. Ziemlich viel sogar. Ich habe da so eine Angewohnheit, die manchmal sehr l√§stig sein kann: Ich habe Endsucht. Dass ist eine ziemlich schlimme Erkrankung des zentralen Literatursystems, bei dem man ein einmal angefangenes Buch zwingend zu Ende lesen muss. Das betrifft (fast) alle B√ľcher, die ich jemals in die Hand genommen habe. (Auf private Nachfrage w√ľrde ich verraten, dass es sich bei dem einen Buch, dass ich niemals bew√§ltigt habe um ‚ÄěDas Halsband der Taube‚Äú gehandelt hat). Egal wie mies die Geschichte auch war, egal wie schlecht geschrieben das Zeug war, ich hab‚Äė es tapfer bis zum Ende gelesen. Das gilt √ľbrigens auch f√ľr B√ľcher wie die Bibel, den Koran oder Don Qujiote (und der hat zwei B√§nde!). Besonders dumm ist Endsucht, wenn man vergessen hat, wie schlecht ein Buch war, man ihm eine zweite Chance geben wollte, und auch beim zweiten Lesen leider feststellen muss: Gott, das war ja furchtbar! Man sollte meinen, dass einem das nicht so oft passiert, aber doch, es kommt vor. Manchmal kommt es aber auch nur mir so vor, als h√§tte ich den gleichen Unsinn schon einmal gelesen. Das ist leider besonders oft bei Fantasy-B√ľchern der Fall. Gut, jetzt haben sie mich erwischt. Ich lese nicht nur Kant, Goethe und Cervantes, sondern auch Agatha Christie (mit gro√üem Genuss auch gerne dreimal), Stephen King, Frank Sch√§tzing, historische Romane √ľber das Alte √Ągypten (was bei einer Kombination aus Endsucht und der Tatsache, dass ich √Ągyptologe bin, an Masochismus grenzt) und Fantasy. Meine Einstiegsdroge in dieses Metier war keiner der gro√üen Meister, kein Tolkien, Herbert, LeGuin, nicht einmal ein kleiner Meister wie Zimmer Bradley sondern der deutsche Wolfgang Hohlbein. Mein Interesse an seinen B√ľchern wurde vor allem geweckt, weil er sich damals mit dem Thema √Ągypten besch√§ftigte, und das war schon immer mein eigentliches Steckenpferd. √úberhaupt ist mein Fantasy-Interesse immer eher sekund√§r gewesen, wenn ich nun so dar√ľber nachdenke. Mich faszinierten schon immer K√∂nige, Kaiser, F√ľrsten, Burgen, Schl√∂sser und Pal√§ste, die besten davon gibt es eben in der Fantasy. Ich mochte schon immer Religion, Mythen und Sagen und die werden in der Fantasy eben belebt, da gibt es dann wirklich G√∂tter und g√∂ttliche Herrscher. Mein Interesse an Elfen, Zauberern und dunklen Lords war dagegen schon immer eher gering ausgepr√§gt ‚Äď sieht man einmal vom Star Wars Imperator ab, auf dessen Seite ich immer tapfer stand. Das mag aber wohl eher damit zusammenh√§ngen, dass ich eben einfach Kaiser mag‚Ķ
Wenn man jetzt aus verschiedenen Gr√ľnden immer wieder auch zur Fantasyliteratur greift ‚Äď und sei es nur, weil gerade im Grabungshaus nichts anderes da ist ‚Äď und man die B√ľcher immer zu Ende lesen muss, dann bemerkt man, dass Fantasy nicht ganz zu Unrecht in der Literaturwissenschaft eher der Pop- als auch der Hochkultur zugerechnet wird. Man findet enorm viel Tolkien-Aufguss, manchmal so nah am Original (inhaltlich, nicht sprachlich‚Ķ), dass die Sache schon sehr hart am geistigen Diebstahl vorbeischrammt. Immer gibt es Hell und Dunkel, Gut und B√∂se. Das B√∂se ist durchschaubar b√∂se aber meist v√∂llig irrational. Naja, wenn das B√∂se das Nichts aus der Unendlichen Geschichte ist, dann mag man ihm ja zugestehen, dass sein Ziel die endg√ľltige Vernichtung ist, wenn es sich aber um einen Dunklen Lord handelt, dann frage ich mich zumindest immer, was der eigentlichen noch beherrschen will, wenn er alles niedergerissen hat, alle Leute umgebracht hat. Das habe ich mich schon beim Herrn der Ringe gefragt: Was passiert mit all den armen Orks, die jetzt in diesem trostlosen Land rumsitzen? Werden die etwa alle verhungern? Ich habe mich allerdings auch immer gefragt, wie ein Halbgott wie Sauron so saurobl√∂d (entschuldigung, das war n√∂tig) sein kann, den einzigen Ort, an dem man ihn vernichten kann, v√∂llig unbewacht in der Gegen rumliegen zu lassen. Lassen wir das aber jetzt.
Kurz gesagt, bei Tolkien war die Geschichte noch neu, sie wird aber nicht besser, wenn der 100000. Autor mit mäßigem Talent sie nacherzählt.
Ich habe immer gedacht: Das m√ľsste man doch eigentlich besser machen k√∂nnen. Und dann hat man sich mal kleine Geschichten im Kopf zusammengebastelt. Soweit, so nett. Aber man merkt schnell, dass man mehr tun muss, als den Prinzen Xardyx aus Buldria gegen den Drachen Grgag k√§mpfen zu lassen, damit er Prinzessin Fulda freigibt, die er ihrem Vater Grundelhart entrissen hatte.
Denn wer ist eigentlich dieser Prinz? Wo kommt der her? Aus welcher Familie stammt er. Wieso spricht er die gleiche Sprache wie K√∂nig Grundelhart vom Blauen Berg, obwohl er aus Buldria stammt. Wo ist dieser Blaue Berg eigentlich? Warum ist der Blau? Und Buldria, keine Ahnung wo genau das jetzt liegt‚Ķ Wenn der K√∂nig nur eine Tochter hat, wieso bekommt ihr Retter dann nur das halbe K√∂nigreich, wo er nach einer Ehe doch das ganze sowieso erbt? Oder gibt es etwa gar kein Recht auf Erbschaft f√ľr Frauen? Hat die Prinzessin eigentlich gar kein Mitspracherecht bei dieser Ehegeschichte? Hat jemand mal die Prinzessin gefragt, ob sie gerettet werden will? Was will der Drache √ľberhaupt mit einer Prinzessin?? Und wieso fehlt ein Vokal in seinem Namen? Also habe ich das alles aufgeschrieben‚Ķ wo die K√∂nigreiche liegen, wie ihre Hauptst√§dte hei√üen, dazu Stammb√§ume, Ideen zur politischen Verfasstheit der Staaten. Nichts davon braucht man f√ľr eine Kurzgeschichte, aber ich brauchte es. Ich brauchte erst die Welt, dann die Geschichten. Zwei Autoren haben dann den Ansto√ü dazu gegeben, dass ich mich hingesetzt habe, um diese Welt zu erschaffen: Terry Pratchett und George R. R. Martin.
Terry Pratchett war in meinen Augen der gr√∂√üte Fantasy-Autor des 20. und 21. Jahrhunderts. Sein Werk, das manchmal der Comedy-Fantasy zugerechnet wird, wird von vielen Fantasy-Fans gelesen als das, was vordergr√ľndig ist: Am√ľsante, rasante Fantasy inklusive Zauberern, Hexen, Drachen und G√∂ttern, die auf einem Berg wohnen. Aber die B√ľcher von Pratchett sind so viel mehr als das, sie sind Satire, Gesellschaftskritik und ein (Zerr-)Spiegel unserer Welt. Das macht seine B√ľcher so besonders, die Fantasywelt ist die Folie, auf der er seine Kritik an der Welt anbringt. Sie ist nicht ein (vermeintliches) Ideal wie bei Tolkien oder vielen anderen, keine perfekte Welt, sondern ein Chaos wie unsere, voller Staaten, die sich gegenseitig misstrauisch be√§ugen. Es ist eine Welt, in der ein Patrizier als absoluter Herrscher √ľber eine im Chaos versinkende Stadt herrscht, gleich nebenan aber auch Monarchien bl√ľhen, es gibt Demokratien und vor allem ‚Äď und das ist das Besondere ‚Äď spielt das alles keine wirkliche Rolle. Im Mittelpunkt stehen die B√ľrger seiner Welt, die er genau beobachtet, genau beschreibt. So erh√§lt man tiefe Einblicke in die verschiedenen Kulturen seiner Welt, selbst wenn es um L√§nder geht, die von der Kernhandlung so gut wie nie gestreift wird. Und die B√ľrger sagen, was sie denken. Sie √§u√üern Kritik am Staat, der Polizei, der Infrastruktur, einfach an allem. Sie sind nicht nur die jubelnde Menge vor dem Palast, das gelenkte Kollektiv oder die kollektiven Opfer.
Martin nun stellt wieder das klassische Personal in den Mittelpunkt, fast witzig √ľbrigens wie sich bei Pratchett und Martin die aristotelische Unterscheidung zwischen der Kom√∂die und der Trag√∂die aufzeigen: Pratchett bedient sich der unteren sozialen Schichten als Hauptakteure und durchbricht zugleich die St√§ndeklausel, Martins Trag√∂die setzt dagegen gr√∂√ütenteils auf die Edlen und Gro√üen als Charaktere. Hier zeigt sich dann auch ein unterschiedliches Geschichtsverst√§ndnis der beiden Autoren:
Pratchett l√§sst technische Revolutionen und gro√üe Ereignisse im Volk ihren Ausgang nehmen und macht sich √ľber gro√üspurige Feldherren und selbstherrliche Herrscher durchweg lustig.
Bei Martin gehen alle großen Ereignisse von den adligen Charakteren aus. Das Volk tritt nur als Nebenakteur auf.
Martin bedient meine Lust auf epische Schlachten, royalen Glanz, Drama und Konflikt. Wie sch√∂n es manchmal w√§re, einfach seine Widersacher mit Wild Fire in die Luft zu sprengen wie eine Cirsei Lannister. Das macht Martin aber noch nicht besonders. Was ihn f√ľr mich so anders macht ist die Tatsache, dass er es geschafft hat, echte Charaktere mit Tiefe zu erschaffen. Bei ihm gelten die klassischen Ma√üst√§be von ‚Äědie Guten‚Äú und die ‚ÄěB√∂sen‚Äú √ľber weite Strecken nicht, selbst in den miesesten Personen flammen oft Z√ľge auf, die sie pl√∂tzlich menschlich machen, verletzlich und ihre Motive nachvollziehbar. Da mutet der Night King schon fast langweilig an. Zudem ist Martin herrlich gnadenlos mit seinem Personal. Da denkt man, ach guck, den mag er wohl, dem wird schon nichts passieren ‚Äď und zack, Kopp ab.
Mein schon lange heimlich gehegter Plan, auch ein Buch zu schreiben nahm immer festere Konturen an und Geschichten hatte ich auch schon im Kopf. Ganz unterschiedlich, mal eher witzig wie bei Pratchett, manchmal eher episch wie bei Martin, manchmal auch beides. Das Problem war also nicht, dass mir nichts eingefallen ist, ganz im Gegenteil ist mir eigentlich immer zu viel eingefallen ‚Äď und das gleichzeitig. Ich habe dann angefangen mal kleinere Schnipsel davon aufzuschreiben, aber jedes Mal, wenn ich mich an den Schreibtisch gesetzt habe, mit dem Vorsatz, zu schreiben, da ging es nicht. (Also, um Missverst√§ndnissen vorzubeugen, ich habe sogar schon mehr als ein Buch geschrieben, rein technisch wei√ü ich also schon wie das geht, nur noch eben keinen Roman).
Da war wieder das alte Problem, ich brauchte erst eine Welt, dann die Geschichte. Aber was sollte das f√ľr eine Welt sein? Und wollte ich eigentlich wirklich einen Fantasy-Roman schreiben? Nicht doch einen Historien-Roman? Oder beides‚Ķ Da kam mir die Idee, dass es wohl auf eine gewisse Art doch Fantasy sein sollte.
Doch was ist Fantasy √ľberhaupt? Hilft uns eine literaturwissenschaftliche Einordnung? F√ľr den Menschen in seinem Alltag tut es das meist √ľbrigens nicht‚Ķ.
Literaturwissenschaftlich ist Fantasy ein (Sub-)Genre des Phantastischen. Nach Uwe Durst kann man das Phantastische maximalistisch oder minimalistisch beschreiben.
Nach einer maximalistischen Definition sind nun alle erzählenden Texte dann phantastisch, wenn in ihrer beschriebenen Welt die Naturgesetzte verletzt werden.
Bei Durst sind dann historische Texte, wie antike Epen, ahistorische Varianten des Phantastischen, da ja das Phantastische in der den jeweiligen historischen Epochen durchaus als real empfunden worden ist. Historische Variationen des Phantastischen sind dagegen erst seit dem Anfang des 18. Jahrhunderts denkbar und zwar durch die Entstehung einer realistischen Literaturkonvention.
Minimalistisch betrachtet liegt das Phantastische dann vor, wenn es auch innerhalb der erz√§hlten Welt Zweifel an den phantastischen Ereignissen gibt, ja bisweilen auch der Leser nicht wei√ü, ob die Wunder und seltsamen Erlebnisse in der Handlung tats√§chlich einen √ľbernat√ľrlichen Grund haben oder nur imaginiert oder durch Manipulation und Betrug inszeniert wurden.
Das Phantastische kann in dieser Definition also auch z.B. einer Geisteskrankheit oder Drogensucht des Protagonisten entstehen.
Hat uns das jetzt weitergeholfen? Irgendwie nicht, hat man das Gef√ľhl. Typischerweise verst√∂√üt Fantasy gegen die Regeln unserer Welt, daher ist sie meist in einer eigenen Welt angesiedelt. Und wenn man als Autor schon mal dabei ist, eine ganz neue Welt zu erschaffen, wenn man die Chance hat, als Sch√∂pfergott ein neues Universum zu erschaffen, warum dann nicht auch eines mit Magie, Drachen, Elfen, Zwergen und anderem √úbernat√ľrlichem. Das scheint ja auch irgendwie in unseren Genen zu liegen, denn schon immer hat man sich ja solche Geschichten erz√§hlt.
Ich m√∂chte Fantasy dennoch nicht √ľber den Aspekt des Magischen definieren, sondern √ľber den Aspekt der Sch√∂pfung einer neuen Welt, so nah oder fern sie auch unserer Welt sein soll. Wenn ganze Welten imaginiert werden, mit V√∂lkern, Geschichte und Sprache, dann liegt Fantasy vor.
Aber betrachtet man die gängige Fantasy-Literatur, egal ob nun High-Fantasy à la Tolkien, LeGuin oder Herbert oder die Massenware, die in jeder Buchhandlung schon am Cover als Fantasy erkennbar ist, so fallen drei Aspekte meines Erachtens ins Auge:
1. Die Handlung ist im Grunde immer in einer Zeit angesetzt, die in etwa der Antike, h√§ufiger aber dem Mittelalter oder der Renaissance Europas entspricht. Die Staatsformen sind auch entsprechend dieser Vorgaben gestaltet, oft feudalistisch, fast immer monarchisch oder oligarchisch. Europa in den entsprechenden Epochen, oder zumindest die g√§ngigen Klischees dar√ľber, ist auch hier fast immer das Vorbild.
2. Die imaginierten Welt sind in fast allen F√§llen sehr klein. Das bezieht sich nicht auf r√§umliche Distanzen, die in der erdachten Welt zur√ľckgelegt werden m√ľssen, sondern zum einen auf die Anzahl der in ihnen agierenden Staaten, zum anderen in Hinblick auf das tats√§chlich Imaginierte. Tolkiens Mittelerde mag noch so gro√ü sein, beschrieben wird nur der Westen. √úber die Ideologien, die Geschichte und Kulturen der V√∂lker im S√ľden und Osten erfahren wir nichts, im Osten l√§uft die Karte in Mordor praktischerweise ins Nichts. Die Gesellschaft des Westens ist von einer Leitkultur gepr√§gt, auch wenn es regionale Unterschiede geben mag. Gleiches l√§sst sich f√ľr viele der Fantasy-Welten festhalten, wenige Ausnahmen sind aber nat√ľrlich zu finden, so im Fall von Game of Thrones, einer durchaus differenzierten Welt, auch wenn dem Autor bei vielen Aspekten die Puste ausgegangen zu sein scheint, so bei den Religionen, die doch sehr schemenhaft wirken. Ganz anders ist die Situation in meinen Augen nur bei Terry Pratchett und seiner Scheibenwelt. Hier gibt es tats√§chlich dutzende Staaten, es gibt verschiedene Sprachen, Religionen, V√∂lker und Regierungsformen, eine echte Welt eben.

3. Die Welt der meisten Fantasy-Autoren verharrt in einer Geschichtsepoche, uralte St√§dte sehen genauso aus wie moderne, wenn man denn √ľberhaupt noch baut. Das uralte Wissen garantiert Weisheit auch in der Zukunft und gr√∂√üere technische Probleme werden durch Magie gel√∂st ‚Äď oder ignoriert. Selbst wenn von Epochen und langen Zeitaltern die Rede ist, so sind diese doch in ihren Beschreibungen der Jetzt-Zeit in den B√ľchern verd√§chtig √§hnlich, selbst wenn Jahrtausende zwischen den Ereignissen liegen. Fortschritt ist in den allerwenigsten Fantasy-Welten ein w√ľnschenswerter Vorgang, Ver√§nderung ist fast immer mit dem B√∂sen verkn√ľpft, dem Tyrannen, der alles anders machen will. Industrie und Technik geh√∂ren ebenso zum Dunklen, man denke nur an die Urukhai-Fabriken des Saruman im Herrn der Ringe, der, ganz der B√∂se, auch noch den edlen Wald abholzen l√§sst. Dadurch entwickeln sich auch die Gesellschaften nicht, K√∂nigsgeschlechter, die 900 Jahre verschwunden waren k√∂nnen so leicht einfach wieder installiert werden ‚Äď und alle sind gl√ľcklich. Auch hier ist die Scheibenwelt eine der ganz, ganz seltenen Ausnahmen, hier gibt es Wandel, Fortschritt, Technik, gesellschaftliche Umbr√ľche und Revolutionen.
4. Schon oben wurde auf einen Euro-Zentrismus der Fantasy verwiesen. Nat√ľrlich gibt es auch asiatische Fantasy, Lateinamerikanische usw., aber die gro√üen Welterfolge wie GoT, der Herr der Ringe und noch mehr die Werke von Zimmer Bradley, basieren doch im Gro√üen und Ganzen auf europ√§ischen Mythen und Legenden und bedienen sich der europ√§ischen Folie. Es gibt vielleicht ein paar Barbaren, die irgendwie asiatisch oder arabisch wirken, aber das sind nur Randerscheinungen. Damit verbunden ist auch ein latenter Rassismus in vielen Fantasy-Werken, hier die edle Rasse, da die Feinde, die schlecht geboren und damit zum schlechten Handeln verdammt sind, die edlen Adligen, die reinrassigen Elben, die Zwerge, die ihre Blutlinie 1000 Jahre zur√ľckverfolgen k√∂nnen, da die Bauern und Untertanen, noch schlimmer die anderen Leute, die Ausl√§nder, am besten in einem fiesen Imperium zusammengeschlossen, die nur Vernichtung und Zerst√∂rung wollen. Oder man spielt ein anderes altes Lied: da die dekadente Zivilisation, hier die edlen Wilden, da die Fortschrittler, hier die alten Weisen.
Daraus erwachsen meiner Meinung nach Fragen und M√∂glichkeiten. Stellen wir uns nun einmal vor, die Uhr w√ľrde nicht stehen bleiben in einer Fantasy-Welt, was w√ľrde dann passieren? Nun, bleiben wir bei unserem alten Freund Tolkien: Am Ende des Herrn der Ringe packen die meisten Elben ihre Sachen und verschwinden zusammen mit dem letzten Zauberer auf Schiffen gen Westen. Nat√ľrlich, latent bleibt die Magie in der Welt, faktisch sind die Inseln im Westen aber schon das Jenseits oder die Anders-Welt. Zur√ľckbleiben also einige wenige magische Wesen in dunklen W√§ldern, ein paar Zwerge in einem Berg, ein paar Hobbits in einem Tal ‚Äď und ansonsten Menschen. Die haben jetzt einen neuen K√∂nig in Gondor. Aber verharrt die Welt auf diesem Stand? Oder gibt es B√ľrgerkriege, weil die Untertanen die neue Zentralmacht gar nicht wollen? Wer sorgt eigentlich f√ľr die Felder in Rohan, wo so ziemlich jeder Mann an den Kriegen teilgenommen hat? Gibt es einen Mangel an M√§nnern? Wie hat sich Mittelerde in den letzten 120 Jahren entwickelt?
Meine Welt hat eine lange Geschichte, nicht so lang wie viele andere Welten, aber immerhin ein paar Tausend Jahre gibt es auch auf dieser Welt schon menschliche Zivilisationen. Ja, manche Institutionen konnten sich √ľber Jahrhunderte erhalten, so das Kaisertum in Shi-ie-La oder das m√§chtige Imperium von Aerath, aber sie haben sich ver√§ndert und angepasst, um in einer sich st√§ndig wandelnden Welt zu behaupten. Andere Staaten sind untergegangen, neue entstanden ‚Äď die Welt dreht sich trotzdem weiter. Es gibt Fortschritt in dieser Welt, gesellschaftlichen, philosophischen, wissenschaftlichen und wirtschaftlichen. Gerade eben wurde die Dampfmaschine erfunden, wer wei√ü, was es in zwanzig Jahren geben mag. Vielleicht werden wir noch Zeuge, wie der Verbrennungsmotor erfunden wird, das Telefon oder die Fotografie. Vielleicht werden diese Dinge aber auch niemals erfunden, daf√ľr aber ganz andere. Meine Welt steht gerade in ihrem 19. Jahrhundert, aber es ist nicht das 19. Jahrhundert unserer Welt.
Meine Welt ist zudem eine echte Welt: Die Karte endet nicht im Osten und nicht im Westen, nicht im Norden oder S√ľden, denn meine Welt ist eine Kugel und ich habe auf diesem Globus Kontinente erschaffen und an die 100 Staaten, fast alle Staaten haben eigene politische Systeme, Sprachen, Kulturen und Religionen, aber auch andere Formen des menschlichen Miteinander, des Entwicklungsstandes und der Sicht auf die Welt. Sie werden sicherlich bemerken, dass es Staaten gibt, die ihnen sehr vertraut vorkommen, aber Vorsicht, der Schein kann tr√ľgen.
Meine Welt steht ganz eng neben unserer Welt, sie ist eine Welt, so wie unsere sein kann, sein könnte, hätte sein können, hätte sein sollen oder nicht sein darf. Es gibt in meiner Welt Rassismus, aber die Welt ist nicht rassistisch. Es gibt Weise Männer, aber ihre Weisheit gilt nicht in der ganzen Welt, es gibt Gottkönige, Diktatoren, irre Imperatoren und aggressive Staaten, aber es gibt auch Demokratien, freie Presse, Verfassungen und sogar sozialistische Experimente.
So und was ist das jetzt f√ľr ein Buch hier?
Dieses Buch hat ein Freund einmal das Umgekehrte Silmarillion genannt. Ein anderer meinte halb im Spa√ü ‚ÄěAch, dass ist wie das Merchandising zu all diesem Fantasy-Kram. Irgendwer schreibt ein Buch, und dann denken sich hunderte Autoren eine ganze Welt drumherum aus, damit sie B√ľcher mit Karten verkaufen und Spin-Offs schreiben k√∂nnen!‚Äú Beides ist gar nicht mal so falsch: Das Silmarillon erz√§hlt die Mythologie von Mittelerde. Der geniale Schachzug daran: Das Buch ist selbst Teil der Fiktion, quasi seine eigene Meta-Fiktion. Aber wir erfahren aus dem Silmarillion nur etwas √ľber die Urgeschichte und die Religion und Mythologie von Mittelerde.
Meine Idee ist anders: Ich m√∂chte eine Welt pr√§sentieren, in all ihren Einzelheiten. Diese Welt bietet dann die B√ľhne f√ľr Geschichten ‚Äď und in denen kann es durchaus Magie geben. Ich kann Ihnen historische Romane anbieten, die in irgendeinem Staat angesiedelt zu irgendeiner Zeit ‚Äď und der Roman kann dann eine prosaische Beschreibung von Ereignissen sein, die sie in den historischen Kapiteln dieses Buches nachlesen k√∂nnen, es k√∂nnen aber auch historische Romane sein, die eine Gestalt aus meiner Welt geschrieben hat, wie der ber√ľhmte Romanschriftsteller Drzk Vulcic aus Tzra, der sich auf historische Krimis in der Zeit des Handelsimperiums spezialisiert hat, der es aber manchmal mit den historischen Fakten nicht ganz so genau nimmt.
Und wie hei√üt die Welt jetzt? Das ist ja auch so ein Problem in vielen B√ľchern. Die Welt tr√§gt einen Namen, der aus einer alten oder edlen oder sonst √ľberlegenen Sprache stammt, Mittelerde hei√üt dann z.B. Arda. Meine Welt hat so viele Namen wie sie V√∂lker hat ‚Äď und das sind eine Menge. In Aerath hei√üt meine Welt schlicht Ta, die Erde, in Shi-ie-La Sh√¨ji√®, bei den Luchta in den Westk√∂nigreichen Verden oder V√§rld usw.
Sie haben aber bald auch die Möglichkeit, die authentischen heiligen Texte der Luchta-Religion nachzulesen oder Reiseberichte, die gerade in einem Sammelband an der Universität Tzra zusammengestellt werden.
Und ich kann jeden Autor einladen, selbst Geschichten in meiner Welt anzusiedeln, egal ob er √ľber die Welt schreiben m√∂chte, oder in ihr, denn jeder von Ihnen ist herzlich eingeladen, sich auf meiner Welt niederzulassen.
Dieses Buch nun ist eine Weltinventur, ein Almanach zum Nachschlagen der Kerndaten aller Staaten, wie Hauptstadt, Gr√∂√üe, Lage, Wirtschaftskraft und so weiter. Die Texte wurden dabei von verschiedenen Autoren verfasst, die zwar alle Experten f√ľr die von ihnen beschrienen Staaten und V√∂lker sind, die aber aus ganz unterschiedlichen wissenschaftlichen Richtungen kommen. So ergibt sich der Umstand, dass die Texte im inhaltlich verschiedene Schwerpunkte legen ‚Äď manche Autoren legen gro√üen Wert auf die Religionen der von ihnen beschrieben V√∂lker, andere auf die modernen politischen Systeme, wieder andere eher auf die Geschichte.
Das Buch hier ist also ein Auftakt zu noch ziemlich vielen Ideen, die da kommen werden. In einer ganzen Welt kann es auch alle möglichen Zeugnisse von Literatur geben, ich glaube wir können gespannt sein.
Ich hoffe nat√ľrlich auch, dass Sie nicht unter Endsucht leiden und mein Buch trotz seines eher dezenten Umfangs freiwillig bis zum Ende lesen werden. Und noch mehr hoffe ich, dass es Ihnen nach dem Lesen so geht, wie mir nach dem, ach was beim Schreiben: Dass Sie Lust bekommen haben, mehr √ľber die Propheten der Luchta zu erfahren, dass Sie auch unbedingt die spannenden Reiseberichte aus verschiedenen Jahrhunderten lesen wollen, von denen einige hier in Ausschnitten abgedruckt sind, dass Sie mehr erfahren wollen von der K√ľche der Khishim-Staaten und am Besten wollen Sie so wie ich am Ende Urlaub machen an den traumhaften Str√§nden von Ller√≠da.
Ob das Fantasy ist, weiß ich ehrlich gesagt nicht. Vielleicht. Vielleicht nicht. Egal, denn eines ist es auf jeden Fall: Weltliteratur.

P.S. √Ąhnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen historischen Personen und Sachverhalten sind ausdr√ľcklich erw√ľnscht.

P.P.S. Bei der Produktion dieses Weltalmanachs kamen nur kleine Tiere zu Schaden.
Vorworte
Vorworte
Das Hochkönigreich Luchtahinna
Vereinigtes Königreich der Westinseln
Königreich Dikamik
K√∂nigreich N√łrskim
K√∂nigreich ҆eringen
Gemeinsamkeiten der drei luchtenischen Westkönigreiche
Literatur zu den Luchta und Autoren des Kapitels
Die Puhua-Staaten: Königreich Norodur
Die Puhua-Staaten: Das Königreich Suamin
Die Puhua-Staaten: Das Großherzogtum Hägimi
Literatur zu den Puhua-Staaten und Autoren des Kapitels
Das Zentralland - ein √úberblick
Die sabrakroabosniakilbanischen Staatenwelt
F√ľrstentum Krkl
Priesterf√ľrstentum Tztzs
Republik Tsch
Republik Tzra
Königreich Schrk
Literatur und Autoren des Kapitels
Die Vadannischen Staaten - ein erster √úberblick
Bundesrepublik Van
Königreich Dan
Literatur zu den vadannischen Staaten und Autor des Kapitels
Kaiserreich von BaŇütu
Autor des Kapitels
Die Anadol√ľ-Staaten - ein erster √úberblick

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


Zur√ľck zu:  Fantasy und M√§rchen Ein neues Thema ver√∂ffentlichen.     Antwort ver√∂ffentlichen.
Werbung