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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Der obligatorische Obdachlose
Eingestellt am 09. 07. 2003 17:54


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Galimathias
Manchmal gelesener Autor
Registriert: Jul 2003

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Die FußgĂ€ngerzone kocht. Menschen wie Ameisen. Nur eine Person verharrt regungslos an ihrem Platz.
Der obligatorische Obdachlose mit seinem obligatorischen Schild. „Ich brauche Geld“, steht mit krakeliger Schrift darauf. Aber das interessiert keinen. Nicht eine Ameise. Alle schauen beschĂ€ftigt weg. Nur einer nicht.
Der GeschĂ€ftsmann – mit obligatorischem Schlips und Sitzfalten in der Leinenhose.
Er kommt nĂ€her und liest die Worte auf dem Schild laut vor: “Ich brauche Geld“. Dann lacht er und ruft noch lauter: “Ich brauche keins“, und geht weiter.
Sein AutoschlĂŒssel klimpert, als er ihn aus der verknitterten Hosentasche zieht. WĂ€hrenddessen schweift sein Blick ĂŒber den Parkplatz und bleibt auf einer Stelle hĂ€ngen. Sie ist leer. Sein Auto fehlt dort. Mit seinen Wertsachen, seiner Brieftasche, seinen Kreditkarten und seinem, dummerweise vergessenen Handy. Der GeschĂ€ftsmann flucht. Ihm ist klar, dass er schnell handeln muss. Er muss telefonieren, muss Termine Ă€ndern, muss Konten sperren. Aber ihm fehlt das Kleingeld zum telefonieren. Lausige 20 Cent! Er irrt jetzt verzweifelt auf dem Parkplatz umher.
Da hört er das schallende Lachen. Es ist der obligatorische Obdachlose. Und er weiß Bescheid. „Sie brauchen Geld?“, ruft er lauter als er mĂŒsste. Der GeschĂ€ftsmann sagt ja, aber schnell hinterher: “Es ist ein Notfall!“
„Das dachte ich mir,“ sagt der Obdachlose und greift in seinen obligatorischen MĂŒnzbecher. Dann fischt er eine ganze EuromĂŒnze heraus und reicht sie dem GeschĂ€ftsmann grinsend herĂŒber. Und sagt die obligatorischen Worte: “Aber nicht alles versaufen!“

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kaffeehausintellektuelle
Guest
Registriert: Not Yet

lieber galimathias

ja, irgendwie fand ich die geschichte nicht schlecht, und irgendwie aber auch wieder nicht gut.
das wort obligatorisch ist mir - obwohl stilmittel, schon klar - viel zu oft verwendet und verliert dadurch seine wirkung.
du zeichnest klischees. der geschĂ€ftsmann, der ĂŒberheblich und zynisch ist.
und eigentlich ist von anfang an klar, wie die geschichte ausgehen wird.
und manche sachen, die klar werden sollten, werden ĂŒberhaupt nicht klar.
woher weiß z.b. der obdachlose, dass der mann kein geld hat? hat er ihm das auto geklaut? hat er es gesehen? aber wie geht das? in der fußgĂ€ngerzone dĂŒrfen autos doch nicht fahren und der obdachlose ist regungslos.
dann schreibst du, dass das keinen interessiert,w as auf der tafel steht. aber dann kommt raus, dass das so nicht stimmt, weil es den geschÀftsmann ja schon interessiert.
der blick bleibt AUF einer stelle hÀngen, schreibst du ... das klingt nicht wirklich schön. und dass er das handy dummerweise drin vergessen hat, das merkt man auch, wenn du es einfach nach den kreditkarten erwÀhnst.
termine Àndern ... da wÀre wohl absagen und verschieben schöner als Àndern.

die pointe, die find ich eigentlich wieder schön, also "nicht alles versaufen".
schade nur, dass man schon am anfang weiß, wie die geschichte ausgeht. zu viel erhobener zeigefinger ist mir das, zu viel moral von der geschicht. zu wenig ĂŒberraschend.

aber das klingt jetzt alles schlimm, so schlecht war sie gar nicht. immerhin hat sie mich bewogen, eine kritik zu formulieren, das mach ich nicht bei geschichten, die mich gar nicht interessieren.

freundlichst, die k.

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Galimathias
Manchmal gelesener Autor
Registriert: Jul 2003

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Hallo K (zu langer nick...,

eine inhaltvolle Kritik ist mir immer lieber als ein halbherziges "gut gemacht".
Da sehe ich ja auch den Sinn dieses Forums und beschĂ€ftige mich gerne mit den angesprochenen SchwĂ€chen (die mir teilweise schon klar sind). Ich sehe es so, daß ich hier Texte, die vielleicht noch nicht "rund" sind auf solche Sachen abklopfen lassen kann. In diesem Fall ist deine Kritik genau das, was ich hier erwarte. Klar die SchwĂ€chen aufzeigen und auch die StĂ€rken erwĂ€hnen. Ich denke ich habe hier einen Text bei dem ich mich noch nicht richtig in den Leser versetzt habe was den Ablauf des Geschehens angeht.
Die Klischees waren eigentlich mit Absicht so gezeichnet, wobei der Zeigefinger nicht so hoch geplant war.
Dann werde ich mal "feilen"...

Besten Dank
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Otto Lenk
Routinierter Autor
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Mir gefÀllt die Geschichte....mir gefÀllt der Kommentar....
und mir gefÀllt die Antwort auf den Kommentar....Die Pointe ist wirklich gut lG Otto

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lilly
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Oct 2002

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ich finde die idee wirklich gut...auch wenn klischees bedient werden. aber irgendwie fehlt der story so ein gewisses etwas. ich kann es nicht mit worten beschreiben. es fehlt ein funke witz...naja, dennoch...mach' weiter so!!!

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kaffeehausintellektuelle
Guest
Registriert: Not Yet

lieber g..... (zu lang *g*)

deine reaktion auf meinen kommentar fand ich wunderbar. endlich mal jemand der sagt, ich bin hier, um geschichten noch besser zu machen und die meinung der leserInnen ernst zu nehmen und zu schauen, was ich davon brauchen kann.
endlich mal ein neuer, der nicht schreit: aber die geschichte war ganz genauso wie ich es erzĂ€hlt hab und ich schreib nur zum spaß und ĂŒberhaupt meine familie liebt meine geschichten.

so macht nĂ€mlich auch kommentieren spaß.

noch ein kleiner zusatz. es war nicht so sehr das klischee, das mich gestört hat, das find ich schon ok, ein bisschen zu ĂŒbertreiben. aber wenn man so im klischee ist, dann find ich, das klischee gehört irgendwie aufgelöst. da fehlt eine ĂŒberraschende wendung zum schluss.
nĂ€mlich dass der bettler in den mercedes steigt oder sich der geschĂ€ftsmann letztendlich als total netter typ rausstellt oder dass sie draufkommen, dass sie vertauschte zwillingsbrĂŒder sind oder oder oder ...
weißt du, was ich meine?
ich mag gern, wenn der leser am ende ĂŒberrascht ist.
eine neue perspektive gewinnt. oder sich verrennt und ausgetrickst wird. re-framing nennt man das in der systemischen therapie, aber das tut hier nichts zur sache.

liebe grĂŒĂŸe

die k.

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