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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Der perfekte Tag
Eingestellt am 27. 05. 2016 21:31


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JcPosch
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Jan 2016

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Ein einziger Tag, denke ich mir. Ein einziger Tag, an dem die Welt für mich gerecht ist, an dem ich tun und lassen kann, was ich will. An dem das gesagt werden kann, was gesagt werden muss und an dem das getan wird, was getan werden muss. Es könnte ganz einfach sein. Ich stelle es mir vor: Ich wache auf – es ist vielleicht neun oder zehn – und ich bin nicht müde. Das wäre schonmal was. Ich steige ausgeschlafen aus dem Bett, schalte das Radio an und Johnny Cash läuft im Radio. Es ist eine Spezialsendung, in der sie das ganze »Live At Folsom Prison« Album spielen. Ich höre den Moderator nur noch sagen: »Ich frage mich, warum wir diese Platte nicht immer spielen. Hier ist das beste Live Album, das es je gab und je gegeben haben wird.« Und er hat Recht. Dann: Applaudieren, gefolgt von einer dunklen Stimme die verkündet: »Hello, I’m Johnny Cash.« Zwei Mal wird die A-Saite, die im zweiten Bund gegriffen wird angespielt, dann einmal die D-Saite im ersten Bund und zuletzt die leere E-Saite, die nach Links geschoben und schlagartig losgelassen wird. So würde ich es jedenfalls machen. Und so geht es los.
Ich mache mir einen Kaffee. Schwarz. Nicht, weil ich müde bin und ihn brauche, sondern weil er mir schmeckt. Auf dem Tisch liegt eine Musikzeitschrift, dessen Name vor Belanglosigkeit ausgeblichen ist – das Cover durch den geistig kräftigen Robert Allen Zimmermann beschmückt, seine Artrose geheilt, er wieder alleine auftritt und eine neue Platte im Stil der magischen Trilogie veröffentlicht hat. Zudem wird man später in einem vierseitigen Artikel verkünden, dass er unsterblich zu sein scheint. Otis Redding, John Lee Hooker und Woody Guthrie sind wieder auferstanden. Außerdem wird auf den letzten Seiten des Magazins schmerzlos erwähnt, dass bei der letzten großen Musikpreisverleihung – ist mir egal welche – eine Bombe alle »Künstler« mit ihren Saxophonisten, die den Ruf eines heiligen Instrumentes wie diesem mit ihrer musikalischen Unterstützung vergewaltigen, ohne Umwege in die Hölle geschickt hat. Apropos: Miles Davis lebt auch wieder.
Ich ziehe mich an, während sich mein Geschirr von alleine wäscht und wieder zurück in den Schrank fliegt. Ich putze mir nicht die Zähne. Warum auch? Sie sind natürlich gepflegt und außerdem interessiert es niemanden. Noch in meiner Wohnung zünde ich mir meine Zigarette an, gehe damit durch den Flur nach unten und stehe nun vor dem Hauseingang. Zigaretten sind immer noch schädlich, schätze ich. Zum einen, weil die ganzen Gesundheitsfreaks, die eigentlich schon eine Gehirnwäsche hinter sich haben und von nun an tun und lassen, wonach ihnen ist, immer noch nicht rauchen würden und zum anderen, weil’s mir auch irgendwie egal ist. Am Büdchen hole ich mir einen Scotch-To-Go, zu dem ich in ein edles Kristallglas mit dazubekommen habe – weil es nunmal so ist –, den auf dem Weg in die Innenstadt genieße. Tesla hat den gesamten, weltweiten Automarkt übernommen, sodass Benzin- oder Diesel betriebene Kraftfahrzeuge nicht mehr existieren. Nur für mich wurde die Karosserie eines Chevy Chevelle SS der Sechzigerjahre mit einem Elektromotor perfektioniert, den ich heute mein Eigen nennen darf; perfekt gepflegter Zustand und rosten wird er auch nie. Kein Kabrio. Trinken am Steuer ist zwar nicht erlaubt, aber weil alle Polizisten wissen, dass es mein erster Scotch ist und ich damit ganz gut zurecht komme, sagt der Beamte auch nichts, als ich an der Ampel das Glas hochhalte und »Cheers« wünsche. Er nickt freundlich und eskortiert mich mit Blaulicht an dem Stau vorbei. Sogar ein Auto lässt er für mich abschleppen, damit ich an einem angenehmen Platz im Schatten parken kann.
Die Sonne scheint, es ist angenehm warm und keiner sieht mich blöd an. Weder, weil ich um halb zwölf Uhr morgens trinke, noch wegen des viel zu teuren Glases, welches ich einfach in den nächsten Mülleimer werfe. Auf dem Weg zum Café, das ich mir vorgenommen habe zu besuchen, komme ich an all den lokal geführten Geschäften vorbei, da große Ketten dem Erdboden gleichgemacht wurden. Trotzdem hat sich wohl ein Typ in seinem Geschmack verirrt und verlässt eines der Lokale mit einem durch Süßstoffe und andere Chemikalien verunreinigtes Heißgetränk. »Kürbis Frappé« steht in großen Buchstaben auf seinem Becher, vermutlich, um ihn gegenüber dem gewöhnlichen Volk erkenntlich zu machen. Ohne etwas zu sagen, gehe ich zu ihm hinüber und schlage ihm so fest ich kann in sein Gesicht. Er fällt zu Boden, sein Getränk unter ihm ausgelaufen und er steht nicht mehr auf. Ich will ihn ja nicht umbringen, ich will niemanden umbringen. Obwohl? Naja, vielleicht doch. Nazis; Terroristen; Kinderschänder (ganz langsam und qualvoll); Menschen, die die Legalisierung der Homoehe verhindern wollen (Warum, zur Hölle?); Vergewaltiger; jeden Vollidioten, der dich anrempelt und dich dafür anmacht und dieses Arschloch aus dem Radio, das immer »Cheerleader« singt. Wahrscheinlich kommen auch noch andere dazu, allerdings will ich das hier nicht weiter ausführen. Jedenfalls will ich, dass dieser Typen, der nun vor mir, durchnässt von seinem eigenen Milch-Kaffee-Kürbis-was-auch-immer-Mischmasch liegt, weiß, dass er einfach nur ätzend ist. Und dass er weiß, dass ich ihn hasse.
Ich will gerade weitergehen, als ein Polizist auf mich zu gerannt kommt, einen Fünfziger aus seiner Brieftasche zückt und ihn mir in die Hand drückt. »Danke, dass Sie das Leben der Bürger unserer Stadt angenehmer gemacht haben. Ein Störenfried weniger«, bedankt er sich bei mir. Ich nehme das Geld, stecke es ein und setze meinen Weg nach einem kurzen Nicken fort. Das gleiche passiert mir noch etwa fünf oder sechs Mal. Als ich schließlich am Café ankomme, steht die Kellnerin, eine bildhübsche Blondine schon bereit, um meine Bestellung aufzunehmen. Sie wiederholt: »Einen großen Kaffee mit Schuss. Kommt sofort.« Als sie weggeht, greife ich in die Brusttasche meines Hemdes und entzücke ihr eine weiße Schachtel auf der zwei große Dreiecke zu sehen sind. Sie stehen aufrecht hintereinander und das vordere – Farbnazis werden sich jetzt streiten – sieht für mich rot aus. Das hintere ist gelb. Ein göttlicher Anblick. Zwei große Buchstaben finden sich im Zentrum dieser bunten Vereinigung wieder. Ein H. Und ein B. Ich nehme mir eine Zigarette heraus und zünde sie an. Dabei fällt mir auf, dass an dem Stück Karton, das ich in der Hand halte, irgendetwas anders ist. Ungewohnt. Nach meinem zweiten Zug fällt es mir auf: Kein verbaler Versuch, mich vom Genuss dieser Köstlichkeit zu hindern. Keine Moralpredigt darüber, wie groß der Stock – oder sollte ich Baumstamm sagen –, der aus dem Arsch derer grinsend herausguckt, die diese nervigen kleinen Parolen verfasst haben. Euch kann ich auch nicht leiden. Aber ich erhole mich wieder von meinem introvertierten, emotionalen Höhenflug, da mir noch etwas klar wird: diese kleinen Teufelsstängel – noch genau zwanzig sind davon in meiner Packung; keine Ahnung, wie das funktioniert – werden nicht verboten. Nie. Die Kultmarke, die schon meinen Großvater das Leben gekostet hat; sie lebt weiter. Hier bei uns. Gott sei Dank. Ich sei Dank, meine ich.
Die Kellnerin kommt wieder, den Kaffee auf einem Tablett, zusammen mit einer Tageszeitung. Sie stellt beides auf den kleinen Tisch vor mir ab, lächelt noch einmal und geht dann wieder. So schön. Ich nehme einen Schluck und erfreue mich an der perfekten Temperatur meines Heißgetränks. Dann schlage ich die Zeitung auf. Dick gedruckt steht auf der ersten Seite: »Die erste und letzte Tageszeitung, die nicht manipuliert wird und ausschließlich interessante Themen behandelt und gut recherchiert könne wir auch. Motherfucker.« Ich schätze, dies ist der Name. Etwas lang, aber mir gefällt’s. Die erste Überschrift ist »Weltfrieden!«. Nein; Spaß beiseite. Es ist: »Korrektur des Strafmaßes«. Nachfolgend wird ausführlich erklärt, dass die Todesstrafe für Pädophile, Vergewaltiger und so mancher, der Nutella mit Marmelade zu Frühstück isst, wieder eingeführt wird. Nicht unbedingt auch für alle Mörder. Die, die zum Beispiel die Erde von Zugehörigen der gerade aufgelisteten Randgruppen befreien, sollten sogar dafür belohnt werden. Genauso wie der Vater, der seine kleine Tochter rächt, die von irgendeinem Arschloch überfahren wurde und jetzt nur noch aus einem strohhalb essen kann. Wenn sie Glück hat. Oder nicht. Scheiße, keine Ahnung. Was ich sagen wollte ist, dass der Europäische Gerichtshof dies beschlossen hat. Ach was, die ganze Welt hat das beschlossen. Weitere Themen: »Welt von Geschlechtskrankheiten befreit!« Und direkt darunter: »Etliche Verhütungsmittel-Konzerne vor dem Bankrott«; »Facebook stellt die Funktion »posten« ein«; »Oskar Gröning wird doch freigesprochen!«; »Country-Musik von Interpreten, dessen Karrieren im einundzwanzigsten Jahrhundert begonnen haben, kommt auf den Index«; und zuletzt: »Endlich! Metallica veröffentlicht neue Platte.« Es sind noch so viele Artikel, ich kann sie gar nicht alle aufzählen. Erst jetzt bemerke ich, wie dick diese Tageszeitung ist. Da muss sich ja ganz schön was in der Welt getan haben. Ich trinke aus, muss nicht bezahlen und gehe wieder zurück zum Auto. Dann, in Erwartung auf noch viel mehr, was diesen einen Tag für mich perfekt machen könnte, wache ich plötzlich aus meinem Tagtraum auf, sitze in einem Büro, in dem ich wohl arbeite – oder zumindest so tue – und mein Vorgesetzter steht vor mir. Schreit mich an: »Herr Gott, schlafen Sie etwa gerade?«
Als er merkt, dass ich nicht antworte, obwohl ich ihn durchaus wahrnehme, fährt er fort: »Die Kolumne für heute; in zwanzig Minuten auf meinem Schreibtisch!« Er geht. Ausdruckslos fahre ich meinen Laptop hoch und öffne den TextEditor. Und während du das hier liest, ist die Kolumne, an dessen Ende du fast angelangt bist schon seit vier Minuten überfällig und ich klicke auf »Speichern«, dann auf »Drucken«, warte bis der große graue Kasten aus dem Nachbarraum verstummt, lege es dem Arschloch, der vor – mittlerweile – sechsundzwanzig Minuten vor meinem Schreibtisch stand auf seine Schwanzverlängerung von einem Pult und gehe nach Hause, ohne mich bei irgendwem zu verabschieden.

Version vom 27. 05. 2016 21:31
Version vom 30. 05. 2016 20:56

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Blumenberg
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Lieber JcPosch,

ich muss gestehen ich weiß nicht so recht, was ich von deinem Beitrag halten soll. Einerseits enthält er zahlreiche moralisierende Elemente, die aber in dem Kontext in dem du sie verwendest nicht so recht Sinn ergeben wollen.

quote:
Ein einziger Tag, denke ich mir. Ein einziger Tag, an dem die Welt gerecht ist, an dem ich tun und lassen kann, was ich will.

Hier stellst du die große ethische Forderung nach einer gerechten Welt. Das Ethik, aber auch Gerechtigkeit, sich vor allem durch den Anspruch auf Allgemeingültigkeit auszeichnen scheint dir nicht so recht klar zu sein. Daher ergibt der Nachsatz, "an dem ich tun und lassen kann was ich will" keinerlei Sinn, oder ist das tatsächlich deine Vorstellung einer gerechten Welt, das jeder tun und lassen kann was er will? Auch innerhalb des Textes macht diese Agumentation keinen Sinn, da du sie im ersten Abschnitt deines Textes als positiv konotiert verwendest und ein paar Abschnitte später als Vorwurf gegen eine andere Gruppe, die dir nicht zu passen scheint. Das scheint mir nichts mit Gerechtigkeit sondern eher mit der willkürlichen Setzung durch dich als Autor zu tun zu haben, was du pershönlich für erstrebenswert hälst und was nicht.


Daneben enthält der Text zahlreiche Rechtschreib- bzw. Ausrucksfehler. Um einige Beispiele herauszugreifen:

quote:
Nicht, weil ich mĂĽde bin und ich brauche, sondern weil er mir schmeckt.

An dieser Stelle meinst du wohl ihn

quote:
Am BĂĽdchen hole ich mir einen Scotch-To-Go, den ich in einem edlen Kristallglas dazubekommen habe

Hier fehlt ein mit

quote:
Nachdem ich durch das Rolling Stone Magazine geblättert habe, dessen Cover Bob Dylan schmückt, dessen Artrose geheilt ist, wieder alleine Auftritt und eine neue Folk Platte rausgebracht hat – wie später in einem vierseitigen Artike verkündet wird, wird ebenfalls seine Unsterblichkeit erwähnt.

quote:
die den Ruf eines heiligen Instrumentes wie diesem, durch ihrer musikalische UnterstĂĽtzung
vergewaltigen,

quote:
Zum einen, weil die ganzen Fitness- und Gesundheitsfreaks, die eigentlich schon eine Gehirnwäsche hinter sich haben und nun tun und lassen, wonach ihnen ist und nicht mehr Abhängig sind von irgendeinem zweifelhaften Wahn, immer noch nicht rauchen würden und zum anderen, weil’s mir auch irgendwie egal ist.

usw.

Du solltest den Text dringend noch einmal Korrekturlesen, da er leider im Moment eher eine Baustelle als ein in sich runder Text ist.

Ich hoffe die Kritik trifft dich nicht zu hart, sondern hilft den Text zu verbessern!

Beste GrĂĽĂźe

Blumenberg

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