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Leselupe.de > Tagebuch - Diary
Der richtige Moment
Eingestellt am 05. 04. 2004 12:55


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arle
Routinierter Autor
Registriert: Feb 2004

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„Vielleicht ist jetzt der richtige Moment, aufzugeben.“ - Der Satz klingt nach.

Aber was aufgeben? Den Kampf? Die Zuversicht? Das Leben?

Wenn es immer denkt in dir und denkt und nicht aufhört zu denken, dann verhungert irgendwann die Seele. Wenn du keine Zeit hast, dich von Verlusten und Kränkungen zu erholen, dann streikt irgendwann dein Herz. Wenn Grundbedürfnisse wie Essen, Trinken, Schlafen nicht mehr erfüllt werden, steuerst du geradewegs dem Abgrund zu.

Das alles weiß ich; und trotzdem fehlt mir die Kraft, es aufzuhalten. Ich werde gelebt. Alles geschieht ohne meine Zustimmung, ohne mein Einwirken. Kaum den Ansatz einer Lösung in Händen, schon entgleitet er mir wieder, schon stürzt wieder alles in sich zusammen.

Nimm doch nicht immer alles so persönlich! Gut gesagt. Ich bin es doch, die verletzt wird. Es geht doch um mich. Ich habe doch Angst. Mir tut es doch weh. Mir ganz persönlich.

Ja, du hast Recht: Ich war zu großzügig. Mit vollen Händen habe ich meine Liebe, mein Geld, meine Wärme, meinen Stolz verschwendet. Nie gefragt, ob es sich rechnet. Selber schuld selber schuld. Hättest du auch nur den Funken einer Krämerseele in dir, würdest du jetzt nicht so da stehen. Hast dir doch immer so viel eingebildet auf deine Menschenkenntnis. Selber schuld. Hast doch immer gesagt, ich schaff das ich schaff das.

Ja, das habe ich gesagt. Aber jetzt möchte ich eigentlich nichts weiter als meinen Koffer packen und mich davon schleichen. Das haben doch alle gemacht, die mir wichtig waren. Warum also nicht ich?

Oder verrückt werden? Das wär’s doch. Nicht mehr ankämpfen gegen die Gefahr, dass in meinem Hirn etwas verrutschen könnte, sondern mich ergeben. Und dann still und zufrieden den Rest meines Lebens verdämmern. Ja, vielleicht wäre jetzt der richtige Moment, zu kapitulieren.

Aber lass mir noch eine Minute Zeit. Ich muss noch etwas erledigen, was ich schon viel zu lange aufgeschoben habe. Lass mich noch einmal zu ihm hingehen und mich an seinem erschrockenen Gesicht weiden. Gib mir die Zeit, ihm meine ganze Wut und Verachtung mitten auf den Schreibtisch zu kotzen. Dafür wäre jetzt genau der richtige Moment.

__________________
Am jüngsten Tag, wenn die Posaunen schallen und alles aus ist mit dem Erdeleben, sind wir verpflichtet, Rechenschaft zu geben von jedem Wort, das unnütz uns entfallen. - J.W. Goethe -

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heike von glockenklang
One-Hit-Wonder-Autor
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hallo liebe arle ich war der festen ünerzeugung dir schon mal geschrieben zu haben nun staune ich das ich meinen kommentar nicht wieder finde. ich begrüße dich mit dem wiedermal gelungenem werk...auf zu neuen ufern. sicher war es der richtige moment.
l.g. heike
__________________
Wenn das Leben dir einen Kinnhaken gibt, kühle dein Kinn und lass dich auf deinem Weg nicht beirren.
H Keuper-g /13.07.06

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arle
Routinierter Autor
Registriert: Feb 2004

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Liebe Heike,

ja, das hast du.

Aber ich hatte den Text, der ja eigentlich nur ins Tagebuch passt, versehentlich in Sonstige Prosa geschoben.

Vielen Dank noch mal für dein Lob.
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AlexanderrednaxelA
Routinierter Autor
Registriert: Mar 2004

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Das ist ein sehr interessanter, ergreifender Text, der mit jedem erneuten Lesen etwas tiefer dringt.
Er vermittelt eine große Ratlosigkeit, die besonders im letzten Absatz deutlich wird.
Auf Grund seines persönlich gefärbten Tones und der Einstellung ins Tagebuch-Forum tue ich mich schwer damit, den Text mit einer Zahl zu bewerten. Also lass ichs.

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