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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Der schwarze Hund
Eingestellt am 04. 08. 2004 12:28


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MDSpinoza
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Der schwarze Hund

Du bist da drau├čen, Trucker, aber ich sehe dich. Du bist stolz, ein Ritter der Highways, der Kapit├Ąn der Landstra├če und der Traum manch jungen M├Ądels. Die Kraft von 500 Pferden tr├Ągt dich durch die Nacht, das Gebr├╝ll des Diesels unter deinem Hintern ist die sch├Ânste Musik f├╝r dich. Vielleicht hast du sogar schon von mir geh├Ârt. Nein? Dann achte auf mich. Nachts, wenn deine Augen rot und die Kehle trocken sind. Wenn die Autobahn endlos vor dir liegt, du aber nichts mehr erkennst im weichen Nebel, dann warte ich auf dich. Ein schwarzer Schatten im Nebel kann ich sein, das hast du bestimmt schon gesehen in den endlosen N├Ąchten auf dem Bock, wenn der Kaffee kalt in der Thermosflasche schwappt und nicht besser schmeckt als die Pisse, die dich in der Blase dr├╝ckt. Pa├č auf, wenn der Nebel f├Ąllt. Wenn die Nacht sich immer enger um deine Pupillen schlingt, wenn du im Radio nicht mehr zwischen Charley Pride und Roy Black unterscheiden kannst, dann warte ich auf dich.
Ich bin ein Gesch├Âpf der Finsternis, auch wenn ich ab und zu am Tage die Ernte der Nacht einfahre.
Wenige von denen, die mich gesehen und erkannt haben, k├Ânnen noch davon erz├Ąhlen. Der Chef macht dir die H├Âlle hei├č, wenn du nicht p├╝nktlich ankommst. 40 Tonnen Stahl, Aluminium, Diesel, und ein Container mit Fl├╝ssiggas hinten drauf. Vielleicht auch nur Sand oder M├Âbel? Egal. Mir jedenfalls. Was ich will bist du. Dein Gesichtsausdruck, wenn du mich erkennst. Wenn ich mir nehme, was du glaubst da├č es dir geh├Ârt. Dein Leben, deine Seele, deine Liebsten.
Du h├Ârst im Radio da├č es wieder einen erwischt hat. Mit dem Zug in einen Stau reingerauscht. Von der Fahrbahn abgekommen mit dem Bus. Die offene Zugbr├╝cke bei Antwerpen.
Ich kriege dich. Ich warte vielleicht schon hinter der n├Ąchsten Biegung auf dich. Ein schwarzer Hund mit gro├čen, glutroten Augen, so schildern mich die wenigen, die die Begegnung mit mir ├╝berlebt haben. Ich warte schon seit ewigen Zeiten auf dich. Zuerst habe ich mich mit Reitern begn├╝gen m├╝ssen, die nicht da waren wo sie h├Ątten sein sollen. Wenige haben damals berichten k├Ânnen, was ihnen widerfahren ist. Meist wurden die W├Âlfe beschuldigt, sich einen Reiter gerissen zu haben. Diejenigen, die es besser wissen m├╝ssen, k├Ânnen es nicht mehr berichten. Das war eine geruhsame Zeit im Vergleich zu jetzt. Heute lebe ich zu meiner wahren Bestimmung auf. Ich reise mit euch, auf jeder Fahrt bin ich dabei. Du kannst mich sehen, wenn du wei├čt, worauf du achten solltest: eine unscheinbare Bewegung am Rande deines Blickfeldes, die dir mit Sicherheit entgeht, dann vielleicht ein Schatten im Nebel, dann solltest du dich umsehen, dann bin ich hinter dir her. Siehst du mich erst auf dich zuspringen ist es zu sp├Ąt. Meine Augen sehen die wenigsten. Wenn ich meinen Hunger an dir gestillt habe, bist du nicht mehr das, was du noch ein paar Sekunden vorher warst. Dein Haus? Hab ich gefressen. Deine Familie? Hab ich gefressen. Deine Habe? Mein Nachtisch. Die Menschen, die du t├Âtest, w├Ąhrend du mit mir k├Ąmpfst? Hab ich gefressen. 80 bei dem Nebel? Morgenstund hat Tod im Mund. 04:45 Uhr morgens und du f├Ąhrst seit sechzehn Stunden? Wart ein wenig, hinter dem n├Ąchsten H├╝gel, da wo die Autobahn eine Biegung macht habe ich etwas Eis auf die Stra├če gespr├╝ht, eigentlich nur Reif, aber deine Reifen sind blank und du bist hundem├╝de.
Ich sitze schon auf der Leitplanke und blecke die Z├Ąhne. Meine roten Augen leuchten durch den Nebel, weil ich ├╝ber die Stra├če renne denkst du, es seien R├╝cklichter die sich entfernen. Ich setze zum Sprung an und mit einem eleganten Satz bin ich auf deinem Lenkrad. Du trittst auf die Bremse dein H├Ąnger ├╝berholt dich du krachst in den Camper vor dir dein H├Ąnger kippt der Tank auf dem Sattelzug birst und das Benzin ergie├čt sich auf die Stra├če ÔÇô Dann siehst du meine Augen leuchten, meine Zunge ├╝ber meine wei├čen Z├Ąhne lecken bevor sie sich in dein Hirn bohren in dem Augenblick da ich dich fresse. Vielleicht siehst du noch den Feuerball, in dem du vergehst, vielleicht auch nicht. Du wirst es niemandem erz├Ąhlen...

K├Âln (dpa) In den fr├╝hen Morgenstunden kam auf der BAB 1 kurz vor Euskirchen ein mit 22 Tonnen Leichtbenzin beladener Lastzug von der Fahrbahn ab und durchbrach die Leitplanke. Er geriet in den Gegenverkehr und raste in ein entgegenkommendes Wohnmobil...

Den gro├čen schwarzen Hund der sich, die Lefzen leckend, von der Unfallstelle entfernte hat niemand gesehen...

__________________
Lieber ein verf├╝hrter Verbraucher als ein verbrauchter Verf├╝hrer...

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Rainer
???
Registriert: Jul 2002

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Hallo MDSpinoza,

dein Text hat mir gefallen, auch wenn ich das Ende schon sehr zeitig geahnt habe - aber das macht ja nichts.
Sch├Ân fand ich vor allem einige bisher noch nicht gelesen Formulierungen und Bilder; leider verf├Ąllst du an manchen Stellen dagegen in sehr ausgekatschte Phrasen; versuche doch einfach (kleiner Scherz) so zu schreiben, wie noch niemand vor dir.

Mir ganz pers├Ânlich sind die letzten beiden Abs├Ątze zu viel des Guten; ich w├╝rde den Text nach den drei P├╝nktchen enden lassen...


Viele Gr├╝├če

Rainer


__________________
ist meine, und damit nur EINE Meinung

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Michael Schmidt
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Registriert: Jan 2002

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Hallo MDSpinoza,

ich sehe es ├Ąhnlich. Entweder die Nachrichtenmeldung oder den D├Ąmon, verk├Ârpert durch den schwarzen Hund, im letzteren Falle w├╝rde ich dem aber mehr Raum einr├Ąumen. Beides zusammen bei├čt sich meiner Meinung nach ein wenig.

Bis bald,
Michael
__________________
Der ErnstFall Michael Schmidt

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herb
???
Registriert: Jul 2002

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Hallo MDSpinoza,

mir gef├Ąllt die Idee der Story aus dem Truckerleben und -sterben gut.
Aber sie ist nach meiner Ansicht nicht gelungen an den Stellen, in denen sich der Hund selbst beschreibt. Vielleicht k├Ânntest du einfach die Perspektive wechseln in verschieden Abschnitten, eventuell ein Dialog in einer Rastst├Ątte ├╝ber diesen geheimnisvollen Hund, wie er aussieht, was er anstellt.
und dann eben der Monolog der Bestie.

Gru├č

herb
__________________
hier Es gibt nichts Gutes, au├čer man tut es. K├Ąstner

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