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Leselupe.de > Science Fiction
Der schwarze Panther auf der Suche nach den Grenzen der Realität
Eingestellt am 18. 12. 2015 17:23


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Rhondaly DaCosta
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Prolog
Dada hatte im Laufe seiner Existenzen eine Menge Fehler begangen. Er hatte auch viele Dinge richtig gemacht auf dem Weg zur Erfüllung seines Daseins. Das SEIN gab ihm die Gelegenheit zu einem Durchmarsch.

Die Aufgabe gestaltete sich diesmal schwieriger als in allen vorherigen Lebens-Stufen. Parallel-Universen waren für einige Wesen begehbar geworden. Epochen und ihre jeweiligen Technologien verschachtelten sich in überlappenden zeitlichen und räumlichen Dimensionen. Damit waren auch die Ablenkungen, die eine Seele vom Weg zur Erleuchtung abbringen konnten, vielschichtiger geworden.
Dada stimmte der Geburt in eine neue Existenz zu. Er wollte als Raumfahrer mit einem Jaguarkörper wiedergeboren werden. Als Transportmittel wünschte er sich ein in oktagonaler Form gebautes Raumschiff mit gegenläufigem MerkaBa Antrieb. Außerdem wollte er einem weiblichen Pendant mit einer Regenbogen Iris begegnen. Dada grinste in sich hinein, als er diese Wünsche zur Wiedergeburt an das SEIN schickte.
Und er wurde wiedergeboren. Allerdings hatte die Schöpfung auf dem Weg zur Befreiung ein paar Workarounds vorgesehen …

Aufgewicht
Langsam öffneten sich die beiden Steinplatten über ihm und gaben eine kreisrunde Öffnung frei. Vom rechten Rand der Sperrvorrichtung rieselte etwas Erde auf sein Fell herab. Dada schüttelte sich und sprang mit einem kräftigen Satz aus dem Erdloch.
Vor ihm öffnete sich eine Winterlandschaft, die sich in eine weite, muldenförmige Ebene erstreckte. Nach rechts bemerkte er einen leicht geschlängelten Flusslauf, auf dem einzelne Eisschollen schwammen. Auf der anderen Seite wurde die Ebene von einer langgezogenen Hügellinie eingefasst. Keine Erhebungen unterbrachen die abwärts geschwungene Formation. Es sah eher so aus, als ob die Anhöhe in der Form eines umgefallenen Kegels aus einem metallenen Werkstück gefertigt war.
Verwundert blickte Dada an sich herunter. So hatte er sich sein Leben nicht vorgestellt. Er setzte sich in den Schnee und überlegte, ob er die Lebensoption nicht gleich wieder zurückgeben wollte. Eine Rückkehr in die Erdhöhle würde ihn nicht von dieser Existenz befreien, das war ihm klar. Er hatte das Spiel des Lebens angenommen und musste, wohl oder übel, die Partie zu Ende spielen. Dada fauchte vor Zorn aus sich heraus und machte sich auf den Weg.
Mit kräftigen Sprüngen machte er sich auf dem Weg hinunter in das Tal. Der schwarze Pantherkörper fühlte sich angenehm an. Die Muskeln, Bänder und Sehnen gaben ihm ein ausgezeichnetes Gefühl von kontrollierter Kraft. Die Pfoten federten die Unebenheiten der Erdoberfläche sehr gut ab. Genießerisch sog Dada die frische Luft durch seine Nasenöffnungen. Nach der langen Zeit dort unten taten ihm die kräftigen Sätze in der Landschaft sehr gut.

Mitgefühl
Als er sich dem Fluss näherte, erblickte er ein hölzernes Pferdefuhrwerk. Der Anblick erinnerte ihn an eine mittelalterliche Szene, die er schon einmal in einem seiner früheren Leben erfahren hatte. Der Wagen war nicht beladen. Dada stellte verwundert fest, dass das Gefährt auf zwei langen Baumstämmen durch den Schnee glitt anstatt auf Rädern oder auf Kufen. Zu seiner Überraschung waren die Baumstämme nicht zur Fahrtrichtung quer angebracht, sondern sie trugen den Wagen längsseitig. Dadurch wurden am vorderen Ende der Stämme immer wieder kleine Schneehügel aufgeworfen. Das Pferd musste schwer arbeiten, um ständig die durch den Wagen geschaffenen Hindernisse aus aufgeworfenem Schnee zu überwinden.

Das Pferd tat ihm leid. Dada wollte ihm helfen, ihm die unvernünftig auferlegte Last erleichtern.
Er ließ seinen Akasha-Körper heraustreten. Wie ein Schatten legte sich diese unsichtbare Membran um die Erscheinung des Panthers. Dadas Seele gab der Form einen Befehl zur Mitose. Daraufhin entstand eine zweite Gestalt, der sich parallel zum Ursprungselement anordnete. Die neu entstandene Struktur teilte sich, und die beiden Komponenten verdoppelten sich erneut. Der ursprüngliche Akashakörper vereinigte sich wieder mit dem Panther.
Die vier neu entstandenen Schemen positionierten sich an den jeweiligen Ecken des Wagens. Jede dieser transparenten Gestalten nahm seine Position unterhalb der Kufen ein. Darauf synchronisierten die Körper ihre Gangart, sodass sie unisono mit dem Galopp des Zugpferdes einhergingen.
Dada nahm einen dankbaren Blick des Zugtieres auf. Der Kutscher schaute auch kurz hoch. Dann wendete der Fuhrmann ohne eine weitere Reaktion den Blick wieder nach vorn und fuhr grußlos weiter.
Er hatte eine neue, bisher für ihn unbekannte Erfahrung gemacht. Dankbarkeit, die aus Mitgefühl entstanden war. Es tat ihm gut, und er war auf eine besondere Art neugierig, was ihm die nächste Station in seinem Panther-dasein bringen mochte.

Intuition
Nach einigen Minuten erreichte der Panther die Abrisskante in der Ebene. Sie zog sich kilometerweit am Ende des Tals entlang. Dada wusste, dass er in diese Richtung weiterlaufen musste. Allerdings war ihm intuitiv klar, dass er auch mit dem kräftigsten Sprung die gegenüberliegende Seite der Schlucht nicht erreichen würde. Dennoch sprang er furchtlos in die Schlucht hinein.
Leicht abfedernd landete er mit den Vorderläufen auf dem Dach des fliegenden Wagens. Das Oberteil des Gefährts wurde von einer gläsernen Platte gebildet. Dada schaute durch das Glas hindurch nach unten. Im Wagen saß ein zweiunddreißigjähriger Mann mit rotblonden Haaren. Neben ihm, auf dem Beifahrersitz, hatte dieser eine Golftasche verstaut. Dada wusste spontan, dass Frank eine gut bezahlte Stellung als Angestellter hatte, und dass dieser sich am Wochenende sehr gern auf dem Golfplatz aufhielt. Der fliegende Golfwagen hatte durch den Aufsprung des Tieres zu schaukeln begonnen. Der Fahrer glich diese Bewegung mit einem gekonnten Gegensteuern aus. Morgen würde Frank mit seinem vierjährigen Sohn in ein Museum gehen und diesem den Blauen Reiter erklären. Beide, Frank und sein Sohn, würden ihren Weg in diesem Leben erfolgreich gehen. Dada registrierte dankbar seine zunehmenden transzendenten Einsichten. Zufrieden streckte er sich auf dem Glasdach aus und schloss für kurze Zeit die Augen.
Der Wagen wurde tiefer gesteuert. Dada erwachte durch die veränderten Bewegungen. Sie waren nun in ein grünes Tal hineingeflogen. Der Mischwald erinnerte ihn an ein mitteleuropäisches Szenario, das er schon mehrmals erlebt hatte. Die Erinnerungen aus seinen früheren Existenzen kehrten, wenn auch bruchstückartig, in Dadas Bewusstsein zurück.
Kurz vor einer Flussbiegung sprang er von dem Dach herunter und landete sicher auf dem Plateau. Frank flog weiter in Richtung des Golfplatzes, der sich in einiger Entfernung andeutete.

Der Wegweiser
Das reliefartige Steinplateau zeigte eine frappierende Ähnlichkeit mit dem steinernen Sonnenrad des Sonnengottes Tonatiuh, der in alten Zeiten im Nationalmuseum in Mexico-Stadt aufgestellt war. Dada war seinerzeit begeistert von den astronomischen Kenntnissen der Menschen dieser Epoche. Er erkannte auf Anhieb die Gottheit mit der ausgestreckten Zunge wieder. Schnell suchten Dadas Augen die vier Jaguare am unteren Rand der Scheibe. Sie waren ebenfalls in der Bodenplatte dargestellt.
Dada überlegte kurz, warum er in diesem Leben als schwarzer Panther und nicht als Jaguar wiedergeboren war, da ihn die Jaguar-Darstellungen doch sosehr fasziniert hatten. Schnell verwarf er die grüblerischen Gedanken. Er musste sich auf seine Aufgabe konzentrieren. Seine ganze Energie musste er in den vorgezeichneten Ablauf in dieser Existenz investieren, denn sonst waren alle Bemühungen verloren. Er wollte auf keinen Fall noch einmal auf diesem Level anfangen
Vom Relief aus führte ihn ein kurzer Weg in eine unterirdische Halle. Jäh stiegen die Wände zu einem domartigen Gewölbe an. Dada schätzte, dass der sich öffnende Raum sicherlich fünfzig Meter hoch war. Die Bodenplatten waren ebenso wie die Wände aus glatt geschliffenem, rotem Sandstein hergestellt. Es war nicht die kleinste Unebenheit zu entdecken. Die Fugen zwischen den riesenhaften Platten waren sehr sorgfältig mit einem weißlich schimmernden Material abgedichtet worden. Hier mussten Götter oder götterähnliche Wesen am Werke gewesen sein. Dada war auf dem richtigen Weg.
Mutig schritt er voran. Der Gang schien von selbst in sanft irisierenden Farben zu leuchten.Das Licht reichte ihm, um den Weg zu verfolgen. Nach einigen Metern blieb Dada vor einer Statue stehen. Vor sich sah er ein Standbild von Abraham Lincoln. Dada erinnerte sich sehr genau an dieses Denkmal. Sein Gehirn hatte in der kurzen Zeit seiner Neu-Existenz einen Quantensprung an Wissenszuwachs erfahren.
Neugierig betrachtet er den Kopf der Steinfigur mit dem bemerkenswerten, rechteckigen Bart. Das Standbild strahlte für ihn, wie früher schon, eine beeindruckende Atmosphäre von Ruhe und Bestimmtheit aus, die Dada sosehr schätzte. Er ging auf seinen kräftigen Pfoten etwas zur linken Seite der Statue. Seltsamerweise zeigte es sich, dass diese aus zwei grundverschiedenen Materialien gefertigt war. Die rechte Seite bestand offensichtlich aus weißem Marmor, den ein begnadeter Bildhauer nahezu lebensecht bearbeitet hatte. Die linke, leicht nach hinten versetzte Seite war allerdings aus sechseckigen Basaltquadern gefertigt. Dada hätte sich gern noch länger mit diesem Geheimnis beschäftigt. Aber er musste weiter, denn seine innere Uhr gab ihm einen disziplinierten Takt vor. Es war besser, wenn er sich an seine Order hielt.

Tunnelerlebnis
In diesem Moment bemerkte er in der linken Wand eine achteckige Pforte. Dada ging mit einem leicht unwilligen Gefühl auf den geöffneten Felsen zu. Er „wusste“, was jetzt auf ihn zukam. Mit einem wahren Panthersprung tauchte er in die Öffnung im Felsen – und er fiel schier endlos. Dada mochte diesen langen Fall in die Schwärze nicht. Sooft war er diesen Weg schon gegangen - in jeder einzelnen Existenz, die er bisher durchwandert hatte. Seine Fähigkeiten zur Retrokognition wurden jedenfalls zunehmend aktiviert.
Nach unendlichen Zeiten machte die dunkle Röhre eine leichte Biegung in die Waagerechte. Mit dem kommenden Bogen erschien ein leichtes Licht. Dada atmete erleichtert auf. Nun ging die Reise in seiner Vorstellung sehr viel schneller voran. Das Licht am Ende des Tunnels wurde zusehends heller. Dada nahm zahlreiche Rillen in den Tunnelwänden wahr. Der Tunnel selbst schien sich in einer Spiralform zu seinem Ende hin zu öffnen. In früheren Leben hatte Dada in solchen Situationen auch Bilder an den Wänden wahrgenommen, Bilder aus seinem damaligen Leben. Doch diesmal erschienen keine solchen Szenen. Was mochte ihn noch Neues erwarten? Warum hatte die Schöpfung ihm diesmal ein verändertes Szenario vorgegeben?
In einer grotesken Haltung rutschte der schwarze Panther aus der Tunnelöffnung in das anschließende Universum, so wie ein Kind von der Wasserrutsche in ein Schwimmbecken hineinplumpst. Dada schaute sich um. Das Weltall erschien ihm nicht vollständig aus Schwärze zu bestehen. Jedenfalls war es in seine Augen nicht so schwarz wie sein Fell. Im mittleren Bereich nahm Dada mehrere hell leuchtende Sterne wahr. Etwas rechts davon erstreckte sich ein buntes Sternenfeld in statu nascendi. Gern hätte Dada den wunderschönen Anblick noch länger in sich hinein gesogen. Aber er musste zu der Doppelsonne am rechten Rand streben. Dada bewegte seine Pantherbeine wie ein Landtier, das im Wasser schwimmt und ruderte auf die beiden Sonnen zu. Dann nahm er noch den kräftigen Schwanz seines Pantherkörpers hinzu und peitschte das Tempo zusätzlich hoch. Dada freute sich wie ein Kind über diese Schwimmbewegungen in „seinem“ All.

Versuchung
Schließlich besann er sich wieder auf seine Aufgabe. Der große Taktgeber hatte ihm unwiederbringlich so viele Zeiteinheiten genehmigt, wie zur Bewältigung der Aufgabe notwendig waren. Dies sagte ihm seine Intuition, und ihr diszipliniert zu folgen war ein wesentlicher Teil der Aufgabe. Dada nahm seine mentale Energie zusammen und konzentriert seine Bewegungen in Richtung auf den anvisierten Quadranten.

Plötzlich stutzte er. Auf seinem galaktischen Weg erschien wie aus dem Nichts eine Raumstation. Sie wurde angetrieben von – vier gegenläufigen oktagonalen MerKaBa Turbinen. Dada hätte am liebsten laut aufgelacht, wenn ihm das in seiner Panther-Wesenheit möglich gewesen wäre.
Neugierig näherte er sich dem Gebilde. Wie gern hätte er dieses technische Wunderwerk in Besitz genommen. Wie sehr trieb ihn doch diese aufbegehrende innere Neugier dorthin. In einem Cockpit sitzen und über die Schaltknüppel instant zwischen den Räumen wechseln, das wäre etwas für ihn. Die Relativität der Gleichzeitigkeit bewegen können, es war sein größter Wunsch in der vorigen, unerfüllten Existenz gewesen. Er wollte die Sternennebel auf sich zufliegen sehen, immer und immer wieder. Er sehnte sich danach in einer undenkbaren Raumzeit Kapriolen schlagen und sieben Existenzen gleichzeitig erleben dürfen - das müsste so schön sein.
Dada spürte förmlich, wie die Neuronen in seinem Frontallappen auf- und abtanzten, und wie das Gehirn seine Serotonin-Bomben gleichsam in einer inneren Ekstase ausschütteten.
Die Beherrschung der Gesetze des Weltalls, seine ultimate satisfaction stand in Reichweite vor ihm. In einem Ringen zwischen den Verlockungen der äußeren Welt und dem immanenten Befehl seines Bewusstseins behielt die Disziplin die Oberhand. Ein rotes Blinklicht in seinem Kopf befahl ihm weiter auf die Doppelsonne Sternwolke zusteuern. Mit einem tiefen Stöhnen entlud Dada die Spannung seiner unerfüllten Sehnsucht. Dann strebte er mit kraftvollen Bewegungen der Sternenwolke zu.

Aber er kam nicht weit. Kaum hatte er den Ort der Begegnung mit dem Raumschiff hinter sich gelassen, da befand er sich direkt vor einem Gebäude, das wie der Buckingham Palast aussah. Die sich explosionsartig ausbreitenden Neuronen in seinem Pantherhirn erinnerten ihn daran, dass er in seiner letzten Existenz kurz vor seinem damaligen Ableben einen Artikel über dieses Gebäude gelesen hatte. Sechsundfünfzig Gästezimmer sollten sich in dem Palast befunden haben. Wie gern hätte er damals dort während einer Städtereise für einen oder zwei Tage dort gewohnt.

Über dem Palastportal schaltete sich nun eine Leuchtschrift ein. „Now Is The Time“ verkündete ihm die mysteriöse Botschaft.
Dada fiel auf, dass der Schriftzug selbst in einem rhombus-ähnlichen Rahmen eingelassen war. Das ganze Gebilde erinnerte ihn an die Werbetafel am Eingang zur Spielerstadt Las Vegas.
Dada musste unwillkürlich grinsen. Seine blendend weißen Eckzähne reflektierten das Lichtgewitter der Werbetafel.
Now ist he time, jetzt ist die rechte Zeit. Das SEIN hatte seinen eigenen Humor. Über Raum und Zeit, über viele verschachtelte Ausprägungen seiner universalen Schöpfung, wurde ihm die entscheidende Botschaft zugestellt. Das Spiel des Leben – veda lila. Hier ist eine Chance. Greife zu – jetzt.

Mit einem leisen Fauchen glitt er auf die blitzblank geputzten Platten vor dem Hauptportal. Das Tor öffnet sich ihm bereitwillig. In der Eingangshalle ging Dada an einem Bild mit einem Königspaar vorbei. Er konnte die dargestellten Personen keiner Erinnerung zuordnen. Die Figuren wirkten seltsam in die Höhe gezogen, wie merkwürdige Felszeichnungen eines prähistorischen Volkes. Mit leicht schwingendem Gang glitt Dada in seinem Pantherkörper durch den langen Flur, der ins Innere des Palastes führte.

Iris
Plötzlich, für ihn gänzlich unvermutet, stand eine Frau vor ihm. Sie drehte ihm den Rücken zu. Ihre Füße steckten in hochhackigen silbernen Schuhen, die mit glänzenden Perlmuttplatten besetzt waren. Eine goldene Brosche hielt ein leichtes Baumwollkleid über der rechten Schulter fest. Dada hätte der Frau zu gern in die Augen gesehen. Er levitierte seinen Pantherkörper in Höhe des Kopfes der Frauengestalt, als diese sich unvermutet bewegte und einige Schritte nach vorn ging. Dada hielt sich in einem genau bemessenen Winkel von 45 Grad in Kopfhöhe hinter ihr. Die Frau streifte jetzt die Schuhe ab und öffnete die Brosche auf ihrer Schulter. Das Kleid glitt von ihrem Körper herab. So wie Gott sie schuf ging die Gestalt auf eine schwere Holztür zu. Zedernholz, dies ist Zedernholz aus dem sagenhaften Land Libanon, ging es Dada durch den Kopf. Auch hier öffnete sich die Tür selbsttätig vor der Frau, so wie es ihm selbst am Eingang zum Palast geschehen war. Die Frau betrat einen großen, ovalen Saal. Dada folgte ihr schwebend, nun in einiger Entfernung.
Es schien sich um einen alten Konzertsaal zu handeln, der jedoch vollkommen leer war. Der Fußboden war aus dunkel gefärbten Parkett gefertigt. Wieder war, wie im ganzen Gebäude, kein Staub und kein Schmutzrest auf dem Boden zu erkennen. Die Frau ging bestimmt auf eine Empore in hinteren Teil des de Saales zu. Dort bemerkte Dada ein schwarz lackiertes Klavier mit einem unscheinbaren Drehstuhl davor. Es waren genau drei Stufen, die zu dieser Empore führten. Dada hatte insgeheim mitgezählt. Numerologie musste ihn früher einmal sehr interessiert haben, weil er jetzt auf ein solches Detail achtete.
Dada sprang mit einem anmutigen Satz direkt zu dem Konzertflügel und ließ sich mit seinem wunderbar weichen Pantherfell darauf nieder. Er achtete beflissen darauf, die Lackoberfläche nicht zu beschädigen. Und doch geschah ihm ein Malheur. Mit einer seiner Krallen zog er einen leichten Kratzer in die Oberfläche. Die Frau auf dem Stuhl schaute ihm kurz und eindringlich in die Augen. Jetzt hatte er den Blickkontakt bekommen, den er zuvor gesucht hatte.

Die Brücke
Die Augen der Frau zierte eine Regenbogen Iris. Zufrieden schnurrte der schwarze Panther vor sich hin und schloss die Augen. Regenbogen. Er hatte dieses geliebte Symbol einmal in seiner Existenz erlebt. Nun war er sicher, dass es für ihn einen endgültigen Übergang von seinem körperlichen Dasein hinüber in die ersehnte Himmelswelt geben würde. Noch einmal gingen seine Gedanken zurück zu dem Raumschiff, das ihn quer durch das Universum in unendliche Weiten und in neue Erfahrungen bringen sollte. Dann schloss er innerlich ab mit diesem Traum. Etwas Größeres sollte auf ihn warten, ein unendlicher Horizont ohne die Begrenzungen der Raumzeit. Dessen war er ganz sicher. Er fühlte die Nähe des Unendlichen bei sich.

Die Frau begann die Melodie von „pour Elise“ zu spielen. Dada hatte im Moment noch nicht viele Erinnerungen an die damalige klassische Musik, aber diese Melodie war ihm schon wohlbekannt. Der Panther ließ sich von den Klängen tragen. Er transzendierte sein Bewusstsein in eine Welt jenseits des Konzertsaales und vergaß die Zeit. Dann wurde er jäh wach. Das Klavierspiel war beendet. Die Frau sang nun die Melodie mit einer seltsam vibrierenden Stimme in eigenartigen Zwischentönen. Dada meinte darin eine Art von märchenhaftem Klang, möglicherweise wie Obertonmusik, zu erkennen.
Während der Klang die Luft erfüllte bemerkte Dada, wie sein Tierkörper sich ausdehnte. Die Moleküle seines Körpers schienen mit dem Klavier und mit dem Boden, ja selbst mit den Luftelementen im Raum, zu interagieren. Die äußere Erscheinungsform des schwarzen Panthers löste sich zunehmend auf. Seine Lebensenergie formte ein Lichtplasma, das in allen Regenbogenfarben die Umgebung erfüllte. Nur die Klauen und einige schwarze Fellhaare blieben vom tierischen Leib auf der Oberfläche des Konzertflügels zurück. Dadas Bewusstsein verschmolz mit der Welt. So erfüllte sich seine Bestimmung.

Epilog
Dada schaut ruhig von seinem Elysium auf die Erde hinunter. In einer weißen Schneelandschaft öffnet sich ein kreisrundes Loch im Erdboden, und zwei gefleckte Jaguarkatzen springen heraus.

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jon
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Ich muss mich Sturmbluth anschließen. Abgesehen davon, dass ich nicht verstehe, worum es geht, ist die Story auch ohne "inneren Zug" geschrieben. Ich meine damit dieses "Dada macht das, Dada macht das", dem alles Weitere fehlt: Man erfährt nichts zum Beweggrund, nichts über Entscheidungen (es gibt kein "Problem", nichtmal eine vage Wahlmöglichkeit), nichts über die Einbettung (Spiel?, Traum?) oder – bis auf ein seltsames nahezu durchgehendes Wohlfühlen (ist er high?) – Gefühle und Gedanken. Z. B.: Was bedeuten ihm die plötzlichen Wissenszuwächse? Was würde es bedeuten, wenn er das Programm nicht abspult? – Kurz und gut: Es ist nicht spannend, das fehlende "was soll das sein?" ist nur das zweite Problem. Logikstolperer sind ein weiteres, ein Detailproblem.


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Rhondaly DaCosta
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Ich freue mich über Euer Interesse.
Die Idee: eine Seele wird wiedergeboren. Nach und nach erinnert sie sich an Kenntnisse und Fähigkeiten aus ihren früheren Leben. Sie hat „früher“ bereits telekinetische Kräfte erworben (das Fuhrwerk anheben), sie kann Menschen intuitiv erkennen (den Golfcart Fahrer), und sie hat u.a. ein tiefes, unerfülltes Interesse am Phänomen der Zeit (die Kalenderscheibe).
Die Seele spürt, dass sie in dieser Existenz den Kreislauf der Wiedergeburten verlassen kann. Sie muss allerdings diszipliniert und vertrauensvoll ihren Eingebungen folgen. Sie geht dorthin, wohin ihr 6. Sinn sie führt.
Auf den Stationen ihres Weges haben die „Bausteine der Realität“ (1) ihre Begrenzung verloren. Im Weltall verschwimmen die Dimensionen ihres Erlebens als Überlagerungen in Parallel-Universen aus unerfüllten Wünschen. Schließlich findet die Seele ihre Bestimmung, indem sie ihre Lebensenergie als Regenbogenkörper (2) der Welt spendiert.
Ich habe eine Reihe von Allegorien in die surrealistische Reise des „Dada“ (3) eingebaut. Zu phantastisch? Es hat mich gereizt die Genres Fantasy und Fiction zu vermischen. Ich bin gespannt, ob noch weitere Kommentare zu dieser Geschichte hinzukommen.

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jon
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Verstehe. Sowas extrem Allegorisches, das zugleich mit so Konkretem (z. B. ist das Wagenheben wohl wirklich nur ein Wagenheben) gemischt wird, ist im Mainstream (und die LL bewegt sich ja vor allem da) schwer zu "verkaufen". Im Kontext mit anderen Beiträgen – z. B. einer Zeitschrift, die Seele und/oder Wiedergeburt zum Thema hat, wäre das wahrscheinlich einfacher.

Trotzdem überlege ich, ob das Ganze nicht auch spannender zu machen geht. Der Konflikt für die Figur fällt ja weitgehend raus – sie folgt ohne Hinterfragung ihrem Instinkt. Vielleicht muss man den Konflikt nach außen verlagern, dem Leser anhängen sozusagen. Ich denke da an sowas: Die Figur kommt in eine Situation, die der Leser als knifflig empfindet (die Figur aber nicht), oder der Leser erwartet eine bestimmte Reaktion, die Figur macht aber was ganz anderes.

Was man definitiv noch ausbauen kann, ist die Lebendigkeit der Figur. Am Anfang wäre das Moment der Suche nach sich/Sinn hilfreich, damit die erwähnte Entscheidung mehr Gewicht bekommt. Überhaupt heißt "dem Instinkt vertrauen" ja nicht, sich von A bis Z nur treiben zu lassen - ein Wahrnehmen der Optionen würde der Story guttun. Und vor allem auch eine spürbare Reifung, eine spürbare Zielnäherung - also eine emotionale Entwicklung.
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Sturmbluth
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Verstehe den Inhalt nun. Problem ist halt, was willst du erreichen? Ich glaube, die meisten Leser haben es schwer, auf deine Interpretation zu kommen und stehen erstmal ratlos da, so wie wir.

Evtl. hilft es, wenn du am Anfang eine Einleitung oder am Ende eine Auflösung einfügst.

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Rhondaly DaCosta
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Hallo ihr Lieben,

ich habe Eure Tipps gern angenommen und in die Version-2 der Panther Story eingebaut.
Vorneweg habe ich einen Epilog zur Verdeutlichung der Ausgangssituation gestellt. Im Text habe ich einzelne Stationen von Dadas Reise deutlicher ausgestaltet.
Ich knappse noch an der Umgestaltung der Idee des Dadaismus in eine verständliche Storyline. Der Dada als Kunstrichtung verleugnet ja gerade die „Was will ich erreichen“-Idee. Er bricht bewusst mit Konventionen. Viele Situationen in der Geschichte sollen Raum für die eigenen Vorstellungen de Lesers offen lassen.
Ich bin gespannt, ob noch weiteren Kommentare hinzukommen werden. Ich stelle mir vor, dass Leser die Geschichte mit ihren Kommentaren weiterschreiben können, wenn sie wollen. Öfter mal was Neues.

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