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Leselupe.de > Anonymus
Der schwarze Sperling
Eingestellt am 31. 01. 2003 10:57


Autor
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Anonymous
Unbekannter Verfasser
Registriert: irgendwann

Nachdenklich stehe ich am Fenster und schaue hinaus. Sommerliche WÀrme lÀsst den Asphalt flimmern und jauchzendes Kindergeschrei drÀngt sich an mein Ohr. Unweigerlich muss ich lÀcheln.
Die KastanienbĂ€ume in unserem Hinterhof stehen in voller BlĂŒte, und ein Meer aus weißen BlĂ€ttern bedeckt die kleine grĂŒne RasenflĂ€che.
Zwei MÀdchen sitzen auf den Schaukeln und unterhalten sich. Sie lachen unbeschwert, sind fröhlich und mir scheint es, als wollten sie mit der Schaukel in den weiten Horizont entfliehen. Immer weiter, immer höher.
Dann entdecke ich auf der gegenĂŒberliegenden Seite einen kleinen hölzernen KĂ€fig. Ein weißes Tuch liegt zur HĂ€lfte ĂŒber dem Vogelhaus. Nur zur Hofseite hin ist dem schwarzen Sperling die Sicht gewĂ€hrt.
Seine Augen glÀnzen, seine Stimme trÀllert und sein Gefieder leuchtet in einem satten schwarz. Angetan von seiner Stimme, seiner Herrlichkeit und seinen Augen höre ich seinem Gesang zu. Die Traurigkeit in seiner Stimme lÀsst mich nur erahnen unter welchen Qualen er in seinem GefÀngnis dahin fristete. Die Melancholie seines Liedes steckt mich an.
Er nimmt mich durch seinen Gesang gefangen – zieht mich in seinen Bann.
Das Rauschen des Windes, das Lachen der Kinder und selbst dass Schaukelschwingen höre ich nicht mehr. Der schwarze Sperling ĂŒbertönt mit seiner klaren Stimme alles um mich herum.

Jeden Tag sehe ich nach meinem kleinen Freund.
Jeden Tag singt er fĂŒr mich.
Jeden Tag berĂŒhrt er mich mehr und mehr.
Und seine Traurigkeit wird fĂŒr mich unertrĂ€glich.

Als der Herbst in unseren Hinterhof Einzug hÀlt, sehe ich in seinen Augen die Sehnsucht nach seiner Freiheit. Seine Melodien werden trauriger und sein Gefieder verliert an Leuchtkraft.
Mit seinen Augen verfolgt er die andern Vögel, weiß er doch, dass er niemals aus seinem GefĂ€ngnis entfliehen kann.
Er ergreift mein Herz und eine ungewöhnliche Schwermut kann ich in seinen Augen erkennen.

Tag fĂŒr Tag lĂ€sst er sein Futter unberĂŒhrt.
Tag fĂŒr Tag wird sein Gesang dunkler.
Tag fĂŒr Tag wird der schwarze Sperling schwĂ€cher.
Und Tag fĂŒr Tag liebe ich ihn mehr.

Die strahlende Schneedecke blendet meine Augen. Mit MĂŒhe kann ich den schwarzen Sperling nur erkennen. Er sitzt auf meinem Fenstersims und trĂ€llert sein schönstes Lied fĂŒr mich.
In seinen Augen kann ich wieder das Leben entdecken, in seiner Stimme höre ich seine Freiheit und in seinem Gefieder glĂ€nzt die Wintersonne und zaubert fĂŒr mich einen Regenbogen.
Vorsichtig halte ich ihm meine offene Hand entgegen, mit der gleichen Vorsicht nimmt er mein Geschenk an und schmiegt sich an meine Wange.
Prachtvoll breitet er seine kleinen FlĂŒgel aus und stĂŒrzt sich in seine neue Freiheit.
Seine Kreise zieht er immer enger und schraubt sich hinauf, der Sonne entgegen.
Am Fenster stehend, den kalten Wind unter meiner Haut spĂŒrend, sehe ich meinem schwarzen Freund hinterher und wĂŒnsche mir, die Freiheit mit ihm zu genießen.

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Chakram
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Registriert: Aug 2002

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Eine wunderschöne Geschichte die mir irgendwie die Sprache verschlÀgt. Darum fehlen mir die Worte.

Danke, daß ich sie lesen durfte.

LG, Chak

__________________
Die TrĂ€ne ist die Sprache der Seele und die Stimme des GefĂŒhls.
(Filippo Pananti)

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hoover
Guest
Registriert: Not Yet

Unglaublich. Echt *gg* das ist gut, verdammt gut, da fehlen einem wirklich die Worte.

hoover

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sternchen700
Guest
Registriert: Not Yet

Also...

dem kann ich mich nur anschliessen!!!
Wunderbar zu lesen!
Liebe GrĂŒĂŸe Nicole.

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Phantom
Guest
Registriert: Not Yet

Der Autor war wohl gestern im Lupe-Chat, eine Textstelle, die ich dort anprangerte, wurde sofort ausgebĂŒgelt

OK, zur Story: Nette Geschichte, doch steckt da ein Widerspruch drin, den ich mir nicht erklÀren kann...

Der Vogel macht eine Verwandlung in seinem KÀfig durch... vom Geschöpf der Freiheit zum traurigen SÀnger, dessen Gefieder an "Leuchtkraft" verliert (das mit der Leuchtkraft könnte man Àndern, erinnert mich zu sehr an "Mr. Propper", besser: "Das Gefieder verliert an Farbe")...

Jetzt könntest du das ausbauen, immer dunklerer, dĂŒsterer, doch dann folgt: "Er sitzt auf meinem Fenstersims und trĂ€llert sein schönstes Lied fĂŒr mich." Wie kann er das, wenn er vorher noch der traurige SĂ€nger war... usw.? Macht das nur die Wintersonne? Bekanntlich steht der Winter eher fĂŒr den Tod... wenn der letzte Absatz eine "Traumsequenz" darstellen soll, dann fehlt mir noch ein Schluß, ein paar knappe Worte zum Ende hin, so wirkt die Geschichte irgendwie "unfertig", z.B.:"Ich öffne die Augen, der Mann auf der gegenĂŒberliegenden Seite putzt den VogelkĂ€fig, ich bĂŒcke mich vor um meinen traurigen Freund zu erkennen. Der kleine Sperling ist nicht mehr da - wird nie wieder sein", oder so Ă€hnlich (dann wĂŒrde auch diese "Traumsequenz" am Ende besser rĂŒberkommen).

Gruß Phantom

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black sparrow
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an Phantom und den Verfasser

Vielleicht ist er einfach aus seinem KĂ€fig ausgebrochen,
und hat sich fĂŒr die Freiheit entschieden!
So etwas geht meist sehr schnell! Denn wenn die KĂ€figtĂŒre
offen ist, muss man sich nur entscheiden...
Die Geschichte macht wirklich sprachlos!

black sparrow

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