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Leselupe.de > Kindergeschichten
Der traurige Schneemann
Eingestellt am 19. 07. 2003 11:54


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kritzelasch
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Der traurige Schneemann

Ach, was war der Schneemann so traurig! Nicht einfach nur traurig, wie wenn man traurig ist, wenn die beste Freundin nicht mehr mit einem spricht, sondern richtig traurig-traurig! Der Schneemann konnte sich gar nicht vorstellen , dass irgendjemand noch trauriger sein k├Ânnte. Er war so furchtbar traurig, dass ihm dicke Eistr├Ąnen aus den Kohle-Augen kullerten und zu seinen F├╝├čen einen kleinen ├╝berfrorenen See bildeten. Ja, aber warum war er denn so schrecklich traurig? Hatte er Hunger? Oder war ihm vielleicht kalt? Oder f├╝hlte er sich etwa einsam? Nein, nein, nein, das war es alles nicht! Na ja, kalt war es schon ziemlich, aber das machte dem Schneemann nichts aus und Gesellschaft hatte er jede Menge. Oh ja, jeden Tag spielten Kinder um ihn herum und er kannte alle Tiere aus dem nahen Wald. Also einsam f├╝hlte er sich nicht – was war es aber dann?
„Warum bist du denn nun so traurig?“, fragte ihn das Eichh├Ârnchen zum bestimmt 100sten Mal.
„Ach, ich bin so furchtbar traurig,“ jammerte der Schneemann wieder. „Sieh mich doch an! Mit so einer Nase w├Ąrest du auch traurig!“
Nun war es also heraus – wegen seiner Nase schaute der dicke Schneemann schon seit Tagen so grie├čgr├Ąmig drein. Na, ehrlich gesagt, besonders h├╝bsch sah sie wirklich nicht aus. Oder k├Ânntet ihr euch vorstellen, mit einem Pfeifenputzer als Nase herumzulaufen? Nat├╝rlich nicht. Der kleine Luis hatte sie ihm ins Gesicht gesetzt. Gl├╝cklich war er damit nicht gewesen – nee, wirklich nicht. Ewig hatte er die Wohnung nach etwas Geeignetem durchsucht, bis sein Opa ihm den alten Pfeifenputzer gegeben hatte.
„Wir w├Ąren fr├╝her froh gewesen, wenn wir unserem Schneemann ├╝berhaupt eine Nase h├Ątten geben k├Ânnen!“, brummte er, als er Luis‘ entt├Ąuschtes Gesicht sah. Seine Mutter hatte kein Geld, um ihm eine M├Âhre zu kaufen. Sie war am Monatsende immer sehr knapp bei Kasse. Also war Luis mit dem Pfeifenputzer zum Schneemann getrottet. Er war froh, dass ihn niemand sah und als er dem Schneemann seine Nase ansetzte, entschuldigte er sich sogar leise bei ihm. Das hatte dem Schneemann die erste Zeit ├╝ber seine Scham hinweggeholfen, doch als dann immer mehr Kinder ├╝ber seine Nase lachten, wurde er immer trauriger. Zu allem ├ťbel kam noch hinzu, dass der Pfeifenputzer leuchtend pink war und sich durch die N├Ąsse immer weiter nach unten bog, das sah schon ziemlich l├Ącherlich aus – armer Schneemann! Doch ganz allein war er mit seiner Trauer nicht, denn der kleine Luis stand immer in seiner N├Ąhe und sah nicht weniger bedr├╝ckt aus. Also klagte er dem Eichh├Ârnchen sein Leid.
„Da kann ich dir helfen“, piepste es und flitzte davon in den Wald. Lange musste der Schneemann nicht auf seine R├╝ckkehr warten. Das Eichh├Ârnchen hatte einen langen Fichtenzapfen zwischen den Z├Ąhnen. \"Woll’n doch mal sehen, ob dir die besser gef├Ąllt.“ Und schon hatte es ihm den Pfeifenputzer vom Gesicht geschnappt und den Zapfen an seine Stelle gesetzt. Stolz betrachtete es sein Werk. „Na, wie findest du’s?“
Der Schneemann sah auf seine Nase neue hinunter und erneut quollen ihm dicke Tr├Ąnen aus den Augen. „Die ist so schrecklich dick!“, klagte er und schniefte.
In dieser Nacht musste das kleine Eichh├Ârnchen mehrmals zwischen dem Wald und dem Schneemann hin und her laufen. Neugierig kamen auch noch andere Tiere dazu und als sie von dem Problem des Schneemannes h├Ârten, wollten sie auch helfen. Immer neue Nasen musste der dicke Schneemann ausprobieren: N├╝sse, Tannenzweige, Baumrinden, Wurzeln, ├äste – doch keine gefiel ihm. Ein Hase hatte aus einem Garten ein St├╝ck Schlauch stibitzt, doch da jammerte der Schneemann nur noch mehr. Ein Hirsch bot ihm ein St├╝ck seines Geweihes an, doch der Schneemann schaute nur traurig und sch├╝ttelte den kugelrunden Kopf. Schlie├člich standen alle ersch├Âpft um den Schneemann herum, der einen gefundenen Schl├╝ssel als Nase trug. Alle blickten traurig und der Schneemann schaute am allertraurigsten.
„Ihr habt euch alle so viel M├╝he gegeben“, schluchzte er. „Doch f├╝r mich gibt es wohl keine sch├Âne Nase. Ich werde mich schon damit abfinden. Trotzdem danke!“
Als die Sonne langsam aufging, trotteten die Tiere bedr├╝ckt zur├╝ck in den Wald und lie├čen den Schneemann alleine. Sie hatten wirklich alles versucht – daf├╝r darf man ihnen nicht b├Âse sein. Vielleicht war der Schneemann einfach zu eitel!
Da stand er, mit einem alten rostigen Schl├╝ssel als Nase und lie├č verzweifelt den Kopf h├Ąngen. Er bemerkte gar nicht, dass Luis diesmal viel fr├Âhlicher als sonst auf ihn zugelaufen kam. Der Junge strahlte wie noch nie und wedelte mit einer T├╝te durch die Luft. Einen Moment lang verga├č der Schneemann seine Trauer. Er wurde sehr neugierig, was Luis da wohl hatte. Als der Junge vor ihm stand, packte er strahlend eine dicke gelbe Karotte aus. Stolz hielt er sie hoch.
„Hier, das ist deine neue Nase!“, verk├╝ndete er. „Die Nachbarin hat sie mir geschenkt!“ Luis‘ Blick blieb einen Moment lang an dem Schl├╝ssel h├Ąngen. Er runzelte die Stirn, als m├╝sste er ganz fest ├╝ber etwas nachdenken, dann nahm er den Schl├╝ssel weg und steckte dem Schneemann die Mohrr├╝be ins Gesicht. Der Junge trat einen Schritt zur├╝ck, musterte den Schneemann und strahlte wieder ├╝ber das ganze Gesicht. „Perfekt!“ Dann drehte er sich um und rannte davon.
Der Schneemann sah ihm einen Moment lang verdutzt nach, dann lie├č er seinen Blick langsam auf seine neue Nase wandern.
Uih, die war aber sch├Ân! Viel sch├Âner als die anderen! Der Schneemann musste lange auf seine tolle Nase schielen, bis er das Wunder endlich glauben konnte. Das erste Mal f├╝hlte er sich richtig gl├╝cklich! Und, was war das? War das etwa ein Tr├Ąnchen? Tats├Ąchlich! Aber diesmal weinte der Schneemann nur ein kleines bisschen und auch nur, weil er so schrecklich gl├╝cklich war! So eine sch├Âne Nase!
Vom Wald aus beobachtete das Eichh├Ârnchen den Schneemann. Auch es freute sich, dass sein gro├čer Freund nun endlich zufrieden war. Aber es ├Ąrgerte sich auch ein bisschen, dass ihm die Idee mit der Mohrr├╝be nicht gekommen war!
Also, wenn ihr das n├Ąchste Mal einen Schneemann baut, dann denkt daran, dass Schneem├Ąnner von Natur aus sehr eitel und nicht mit jeder Nase zufrieden sind. Eine Karotte sollte es also mindestens sein. Ihr wollt doch keinen traurigen Schneemann – oder!?

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Charlene
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Registriert: Jul 2002

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Hi kritzelasch!

Is ja wirklich s├╝├č, deine Geschichte vom traurigen Schneemann! Ehrlich gesagt, f├Ąllt mir eigentlich gar nichts ein, was ich an der Story nicht mag. Was mir gef├Ąllt ist, dass die Geschichte irgendwie zeitlos ist, sie k├Ânnte heute spielen, oder vor f├╝nfzig Jahren oder noch fr├╝her. Auch der Schluss, indem du dich direkt an den Leser wendest passt gut dazu. Was nicht zusammenpasst ist eine Schneemanngeschichte bei 37┬░ zu lesen, aber das liegt ja nicht gerade an dir ^.-

Charlene
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"You live to make trouble, don't you?"
"Life is nothing without a little chaos to make it interesting."

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kritzelasch
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Hallo!

Danke f├╝r deine Antwort! Sorry, dass ich erst jetzt schreibe, aber ich war l├Ąngere Zeit au├čer Lande und au├čer Reichweite von Internet-Anschl├╝ssen. Sch├Ân, dass die Geschichte dir gefallen hat! Ich schreibe gerne Geschichten zu den Jahreszeiten oder solche, die irgendwie in den Jahreskreis hineinpassen.

Liebe Gr├╝├če, Kritzelasch

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