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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Der verdammt haarige Seitensprung
Eingestellt am 18. 02. 2003 16:34


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tinta
Manchmal gelesener Autor
Registriert: Jun 2002

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Ich bin ihm untreu geworden. Eigentlich wollte ich ja blo├č hin, weil meinem Kurzen die Haare zu lang geworden waren. Aber als ich dann da hockte und alle um mich herum so sch├Ân aussahen, betrachtete ich nachdenklich die sauerkraut├Ąhnlichen Zotteln auf meinem Kopf. Und ich wusste, ich musste was tun.

„Ich h├Ątte auch gern die Haare etwas k├╝rzer“, begann ich z├Âgerlich. Andreas w├╝rde toben! Aber ich war schon mittendrin: „Ich bin Bridschitt“, sagte sie und begann ihr Werk. Schnipp-Schnapp landete eine Str├Ąhne nach der anderen auf dem Boden. Neben mir schnitten sie dem Kurzen das w├╝ste Haar. Der nahm es gelassen und spielte mit seinem Gameboy. Ich hingegen rutschte unruhig auf meinem Stuhl. Um mich zu beruhigen, lie├č ich meinen Blick durch den Salon schweifen. Vorsintflutlich anmutende Trockenhauben hangelten sich von der Decke herunter. Warum waren die mir nicht schon vorher aufgefallen? Und dieses Schild "Waschen, legen, trocknen." Legen. Jetzt wusste ich, was sie damit meinten.

Oder waren die Hauben f├╝r Dauerwellen? Wie auch immer, das war ich jedenfalls gar nicht mehr gew├Âhnt! Andreas weigert sich seit Jahren standhaft, Dauerwellen zu machen.
„Schamhaarlocken“, zischte er entsetzt, als ich ihm einmal mit diesen Ansinnen kam. Bridschitt holte mich unsanft in die Wirklichkeit zur├╝ck. Sie zog mit der Harke an meinem Haar, als wollte sie es auf nat├╝rliche Weise verl├Ąngern.

Als sie mir um die 15 Rundb├╝rsten ins Haar flocht, dachte ich: „Jetzt ist das Desaster perfekt. Die kriegt sie nie im Leben wieder raus. Am Ende schneidet sie sie mir streichh├Âlzerkurz!“ Rundhaarb├╝rsten! Andreas bek├Ąme einen Lachkrampf. Na bravo! Das Geschrei beim Herausziehen w├╝rde ihnen ein f├╝r allemal s├Ąmtliche Kunden vergraulen. Die w├╝rde sie nicht ohne Probleme wieder herausfriemeln k├Ânnen, keine Frage.

Verbittert schloss ich die Augen und nahm mir mir, sie erst an der Kasse wieder zu ├Âffnen. M├╝ssten sie mich eben hinf├╝hren. Ich wei├č nicht genau wie sie die Sache mit den Rundb├╝rsten gemanagt hat, am Ende schaffte es Bridschitt jedenfalls doch. Tja, und dann siegte meine Neugier. Sie ├╝berrumpelte mich blindlings. Ich wagte einen Blick in den Spiegel. Was ich sah, raubte mir schier die Sprache. Stattdessen entfuhr mir ein spitzer Schrei. Andreas h├Ątte es noch zu ein paar Oktaven mehr gebracht. Ich sah so aus, wie ich es nie im meinem ganzen Leben gewollt hatte: Mindestens 10 Jahre ├Ąlter. Mit einem braven Hausfrauenschnitt.

Toupierend fuhrwerkte mir Bridschitt ein paar Str├Ąhnen hinters Ohr. „Sieht flotter aus“, tr├Ąllerte sie fr├Âhlich. Ich war nicht imstande, etwas Originelles darauf zu erwidern.

An der Kasse dr├╝ckte sie mir ihre Visitenkarte in die Hand. „Brigitte“, stand darauf.
„Die brauche ich nicht“, l├Ąchelte ich h├Âflich.
„Wir werden uns n├Ąmlich nie wiedersehen.“

Andreas, oh Andreas! Ich schwor ihm stillschweigend die Treue. Von jetzt an bis ans Ende meiner Tage.

Den Kurzen hatten sie ├╝brigens pr├Ąchtig hergerichtet.
„Ich sehe cool aus“, stellte er fest.
Und: „Aber Du leider nicht.“

__________________
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Kerensa
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Haarige Angelegenheiten

Liebe Tinta,
habe herzhaft gelacht, ich erinnere mich noch an manche eigenen Friseurversuche. Nach vielen Friseurstudiohhhhhhhs habe ich endlich was passables erwischt. F├╝r mich ist dieses Erwachen nach dem Schnitt ├╝brigens besonders schlimm, weil ich so kurzsichtig bin - und wenn ich keine Brille aufhabe - o weh.
Du solltest Deinen Beitrag in Humor/Satire setzen!
LG
Kerensa
__________________
"Alles wirkliche Leben ist Begegnung." (Martin Buber)

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tinta
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der verdammt haarige Seitensprung

Herrlich... das Erwachen nach dem Aufsetzen der Brille kann ich mir lebhaft vorstellen. Herzlichen Dank f├╝r Deinen Kommentar - habe mich sehr gefreut! Tinta
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