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Leselupe.de > Essays, Rezensionen, Kolumnen
Der verdammte Werther
Eingestellt am 01. 06. 2010 08:40


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Hedwig Storch
Routinierter Autor
Registriert: Nov 2005

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Als Achim von Arnim seinen Roman-Erstling Hollin's Liebeleben im Sommer 1801 auf dem Gut der Gro├čeltern in Zernikow schrieb, war er gerade mal zwanzig Jahre alt. Gedruckt erschien der Erstling ein Jahr darauf. Er wurde 1803 von der Literaturkritik als "Machwerk", als "Hollin's Jammerleben" disqualifiziert und fortan totgeschwiegen. Bis heute ist das mit diesem "wertherisierenden Werkchen" - wie es Werner Vordtriede abtat - so geblieben.
Nach dem Erscheinen des kleinen romantischen Entwicklungsromans schrieb Arnim im Herbst 1802: "Der verdammte Werther und meine falsche Verehrung der G├Âthischen Formen hat mich damals verf├╝hrt, das Beste aus dem Hollin wegzuschneiden."
"Die Leiden des jungen Werther" waren 1774 erschienen. Goethe ist im Sommer 1802 inzwischen dreiundf├╝nfzig geworden und der Fr├╝hromantiker Arnim ├Ąrgert sich ├╝ber seine Nach├Ąfferei. Dabei ist das Werkchen Romantik pur.
Hollin ├Ąu├čerst sich in Briefen ├╝ber seine erste Liebe. Das ist Maria. Er schw├Ąngert sie am Ufer der quicklebendigen Bode unterhalb der Ro├čtrappe w├Ąhrend einer Harzreise. Dann wei├č Hollin nicht aus noch ein. Bergrat mu├č er werden, um heiraten zu k├Ânnen. Als er das fast geworden ist und mit der Botschaft von seiner bevorstehenden Ernennung freudig vor die werdende Mutter Maria hintritt, wird er der Untreue bezichtigt und bringt sich um, der dumme Kerl.
Die Folge der Briefe ergibt f├╝r den armen Leser ein wirres Bild. Ein gewisser Herr Frank, den Arnim gleichsam als Deus ex machina zu guter Letzt aus der Westentasche zieht, macht das Gestr├╝pp ein wenig durchschaubarer.
Klar, der Briefeschreiber Hollin erkrankt, wird wahnsinnig und ermordet sich. Aus der Feder eines Geisteskranken kann man also, nach dem Textende hin, nichts Gescheites verlangen. So sehen diese Textpassagen denn auch schlimm aus. Vordtriede und der Rezensent anno 1803 m├Âgen ver├Ąrgert gewesen sein.
Ich finde jedoch, der Text hat es in sich. Hm, es g├Ąbe in der Tat so viel zu bem├Ąngeln. Anfangs fehlen Fakten. Das ├Ąndert sich erst w├Ąhrend der o.g. Harzreise. Dann geht dem Leser aus dem 21. Jh. der Enthusiasmus des Briefeschreibers Hollin auf den Nerv. Zudem hat Armin, Kind seiner Zeit, den Sex ausgespart oder sagen wir, bem├Ąntelt. Jedenfalls, der Leser mu├č nach der Lekt├╝re paarmal vor- und zur├╝ckbl├Ąttern, um ├╝berhaupt mitzubekommen, was gespielt wurde.
Alles kalter Kaffee, was ich soeben gejammert habe. Warum schreibe ich denn hier ├╝ber den Studenten Hollin? Es gibt nur einen Grund. Der hat nichts mit fr├╝hromantischem Wirrwarr zu tun. Es ist das, was die ersten Texte eines gro├čen Autors, hei├če er nun Johann Wolfgang von oder Achim von Arnim, so lesenswert macht: Das Ph├Ąnomen der ersten Liebe wird dargeboten - so wie wir Sterblichen es nimmer darbieten k├Ânnten.

Achim von Arnim wurde am 26. Januar 1781 in Berlin geboren und starb am 21. Januar 1831 auf Schlo├č Wiepersdorf/Fl├Ąming.

Der Text im Projekt Gutenberg.DE

s.a.
Achim von Arnim: Hollin's Liebeleben. Roman. S. 9-99 in Paul Michael L├╝tzeler (Hrsg.): Achim von Arnim. Hollin's Liebeleben. Gr├Ąfin Dolores. Bd. 1 in: Achim von Arnim. Werke in sechs B├Ąnden. Deutscher Klassiker Verlag Frankfurt am Main 1989 (1. Aufl.), ISBN 3-618-60010-0

__________________
Hedwig

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