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Leselupe.de > Fantasy und MĂ€rchen
Der verzauberte Prinz
Eingestellt am 13. 10. 2012 20:14


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Ruedipferd
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Es war einmal eine Prinzessin, die hatte zwei BrĂŒder und lebte mit ihren Eltern in einem schönen Palast nahe Bagdad. Die Prinzessin hieß Yasira und besaß alles, was sich ein junges MĂ€dchen nur wĂŒnschen konnte. Auch ein eigenes Pferd hatte ihr der Vater, Kalif Omar, zum sechzehnten Geburtstag geschenkt. Am liebsten ritt Yasira denn auch auf ihrem Schimmel durch die fruchtbaren TĂ€ler, die sich am Flussufer des Tigris entlang zogen. Aber die Prinzessin Yasira fĂŒhlte sich unglĂŒcklich und hĂŒtete ein Geheimnis, von dem niemand etwas wissen durfte. Sie war seit sie denken konnte traurig darĂŒber, dass sie als MĂ€dchen leben musste. Deshalb schlich sie sich auch immer wieder heimlich mit ihrem Schimmel aus dem Palast und zog in einer halbverfallenen HĂŒtte am Fluss mĂ€nnliche Kleidung an. Dann gĂŒrtete sie ihren KrummsĂ€bel und galoppierte wild wie ein Junge ĂŒber Stock und Stein.
Eines Tages hatte sich Yasira, die sich fremden Reisenden gegenĂŒber als Prinz Yasir vorstellte, soweit vom vĂ€terlichen Palast entfernt, dass sie den RĂŒckweg vor Einbruch der Nacht nicht mehr antreten konnte. Plötzlich erblickte sie in der Ferne ein Licht. Die Oase al-Karbala lag am Wegesrand und lautes MĂ€nnergebrĂŒll drang aus einem Gasthaus nach draußen. Yasira stieg von ihrem Pferd und betrat das ihr unbekannte Haus, welches sie in der Oase noch nie bei ihren frĂŒheren Ausritten zusammen mit ihrem Vater, gesehen hatte. Als nun der vermeintliche JĂŒngling die TĂŒr aufstieß, wurde es in der Gaststube augenblicklich ganz still. Neugierige Augenpaare musterten den Neuankömmling. Es saßen allesamt Krieger mit ihren Dienern in der Gaststube. Sie befanden sich auf dem Weg ins Heilige Land und in die Stadt Jerusalem, um diese gegen die Christen zu verteidigen. Yasira bestellte sich einen Krug mit Wasser und bat um ein Zimmer fĂŒr die Nacht. Der Wirt gab ihr auch alsbald das Wasser, jedoch hatte er bereits alle RĂ€ume vermietet. Ein junger Maure mit schönem Antlitz trat auf Yasira zu. „Du kannst bei mir nĂ€chtigen, Knabe. Wer bist du?“
Yasira schluckte und log. „Ich heiße Yasir und bin ein Prinz. Meinem Vater gehört das Kalifat, in dem du dich gerade aufhĂ€ltst“, antwortete sie schnell, um sich nicht zu verraten. Die MĂ€nner lachten. Auch der hochgewachsene Krieger schmunzelte geheimnisvoll. „Ich glaube nicht, dass dies hier zum Reiche deines Vaters gehört, Prinzessin!“ Yasira erschrak heftig bei diesem Wort. „Woher weißt du, dass
?“, stammelte sie und hĂ€tte fast ihren Krug fallen lassen. „Du bist in einer Zauberoase, Yasira. Sie heißt in der Welt der WĂŒnsche und Sehnsucht „Muna“ und zeigt sich nur den Menschen, die reinen Herzens sind und sich sehnsĂŒchtig etwas wĂŒnschen. Ich wusste schon als du geboren wurdest, dass du eines Tages hierher kommen wirst. Wir alle sind nicht die, die wir zu sein scheinen. Alle Krieger, die du hier siehst, sind nicht als MĂ€nner geboren worden. Aber weil unser Wunsch, als solche zu leben, so stark war, dass er die Welt Munas berĂŒhrte, fanden wir jeder den Weg in diesen Funduk (Gasthaus) und tranken dann alle von dem Wasser, welches uns der Wirt reichte.“ Yasira, die gerade einen krĂ€ftigen Zug aus ihrem Krug genommen hatte, verschluckte sich. „Es ist verzaubertes Wasser, Yasir. Du wirst gleich die ersten VerĂ€nderungen an dir spĂŒren. Dein Herzenswunsch erfĂŒllt sich nun. Aber alles hat seinen Preis.“ „Welchen?“, fragte die Prinzessin, die tatsĂ€chlich merkte, wie sich ihr Körper krĂ€ftigte und ĂŒberrascht sah, dass sich auch an ihren Armen bereits nach so kurzer Zeit Muskeln bildeten. „Nun, du musst uns ins Heilige Land begleiten und mit uns kĂ€mpfen. Es kann dich dein Leben kosten, junger Prinz. Aber das wolltest du ja. Als Mann musst du bereit sein im Kampf zu sterben!“ „Das macht mir nichts aus“, antwortete Yasira, der der hĂŒbsche Reiter sehr gefiel. „Aber muss ich denn fĂŒr immer ein Mann bleiben? Was werden meine Eltern sagen und meine BrĂŒder?“ Der Sarazene sah sie nachdenklich an. „Sie werden dich nicht mehr erkennen, Yasir. Du wirst nie mehr nach Hause zurĂŒckkommen. Bedenke, du bist jetzt in einer Zauberwelt!" Nach diesen Worten verließ Yasira den Funduk mit dem Vorwand nach ihrem Pferd sehen zu wollen.
„Was soll ich jetzt tun?“, fragte sie den Schimmel. Der scharrte unruhig mit den Hufen. „Wir sind wirklich in einer magischen Welt, Yasira, Herrin, denn auch ich kann nun zu dir sprechen. Und ich sage dir Tochter des Kalifen, verlasse diesen Ort schnell. Er bringt großes UnglĂŒck!“, antwortete der krĂ€ftige Hengst und prustete aufgeregt aus seinen NĂŒstern. Yasira nickte dankbar und begann rasch, das Pferd wieder zu satteln, jedoch einer der MĂ€nner war ihr gefolgt. Sein Dolch blitzte kurz auf. Dann ging alles sehr schnell. Sie rangen miteinander, Yasira fiel auf den Boden und der RĂ€uber lag ĂŒber ihr. Noch hatte sich ihr Körper nicht endgĂŒltig verwandeln und mĂ€nnlich werden können, so tat er ihr Gewalt an und ließ sie dann halb tot im Stroh zurĂŒck. Aber auch die junge Wirtstochter Latifa war den beiden gefolgt. Wie eine Schwester trat sie zu Yasira und half ihr.
„Ich kann leider den Zauber nicht lösen, du musst mit den MĂ€nnern reiten. Ich selbst bin auch hier gefangen. Ich war einst ein Knabe und wĂŒnschte mir nichts sehnlicher als ein MĂ€dchen zu sein. In der Nacht kam ich hier vorbei und eine alte Hexe lud mich zu sich ein. Sie gab mir diese weibliche Gestalt und verwandelte sich dann selbst plötzlich in den Wirt, der mich mit der Peitsche zwang, als seine Tochter bei ihm zu bleiben und fĂŒr ihn zu arbeiten. Doch nun Yasira, höre gut zu. Ich gebe dir einige Samen mit. Verwahre sie sorgfĂ€ltig. Nur die Liebe zu einem nahen Verwandten kann dich erlösen und dir deine alte Gestalt zurĂŒckgeben. Aber du musst bereit sein, fĂŒr diese Person deinen Traum aufzugeben. Wenn du das willst, so esse diese drei Samen und du wirst wieder fĂŒr immer ein MĂ€dchen sein“, sprach die junge Frau leise. Dann richtete sie Yasiras Kleidung und fĂŒhrte sie in das Gasthaus zurĂŒck.
„Ich bin einverstanden“, erwiderte Yasira dem schwarzgelockten Krieger. Sie empfand plötzlich sehr merkwĂŒrdige GefĂŒhle fĂŒr den schönen maurischen Reiter und wollte auf seine Gegenwart nicht mehr verzichten.

In der Nacht lag sie neben ihm und spĂŒrte den Drang ihn zu berĂŒhren. Doch er drehte sich zur Seite und schlief ein. Am nĂ€chsten Tag verließ die Gruppe sehr frĂŒh die Oase. Einige Wochen spĂ€ter erreichten sie Jerusalem. Yasira hatte sich an das raue Leben mit den MĂ€nnern gewöhnt, doch irgendetwas war anders mit ihr. Sie sah Ă€ußerlich nun wie ein Mann aus und kĂ€mpfte gut mit den anderen gegen das christliche Kreuzfahrerheer des englischen Königs Richard Löwenherz. Schon zwei Wochen nach ihrer Ankunft hatten die Sarazenen die Heilige Stadt endgĂŒltig fĂŒr den Sultan Saladin erobert. Yasira war nun Yasir und auch ihr neues Leben gefiel ihr gut. Der schöne Ritter hieß Kamal und wurde in der Zwischenzeit ihr Waffenbruder und vertrauter Freund. Doch Kamal liebte die Frauen und nahm sich jede, die er bekommen konnte. Yasir fĂŒhlte sich wohl als Mann, aber er spĂŒrte jedesmal einen Stich im Herzen, wenn Kamal wieder mit einer arabischen Schönheit in seinem Zelt verschwand. Eines Tages, als die Freunde ĂŒber den Bazar wanderten, den die arabischen HĂ€ndler vor der Stadt aufgebaut hatten, trat eine alte Frau auf die beiden jungen MĂ€nner zu.
„Kommt zu mir, schöne Herren, ich werde euch weissagen“, kicherte die Greisin unter ihrem schwarzen Tschador. Kamal lachte nur und wandte sich aus den HĂ€nden der Hexe fort. Yasir jedoch verschwand mit der Alten im Zelt. Dort weinte er und erzĂ€hlte, was ihn bedrĂŒckte. „Du willst ein Mann bleiben und gleichzeitig den Mauren haben, das ist schwer. Er mag nur Frauen! Außerdem ist die Liebe zwischen MĂ€nnern im Islam strengstens verboten und wird mit dem Tode bestraft“, sagte die Frau. „Aber es gibt vielleicht eine Lösung. Ich gebe dir ein FlĂ€schchen mit Zaubertrank mit. Es ist sehr gefĂ€hrlich. Wenn er es nicht zur rechten Zeit einnimmt, verlierst du deine Seele und musst sterben. Allah wird dich furchtbar strafen. Aber auch wenn es gelingt, so darfst du niemals jemand etwas von dem Betrug erzĂ€hlen, sonst verschwindet der Zauber im Nu.“ Dann erklĂ€rte sie Yasir, was er zu tun hatte.
Kamal mĂŒsse die Tropfen in seinem Wasser vermischt, eine Stunde nach Mitternacht in der Heiligen Nacht der Geburt des Christengottes, die in zwei Tagen wĂ€re, zu sich nehmen. Am nĂ€chsten Morgen wĂŒrde er den ersten Menschen, den er nach dem Aufwachen erblickte, in sein Herz schließen und lieben. Yasir war ĂŒberglĂŒcklich. Am Tage des 24. Dezember blieben er und Kamal zusammen und auch am Abend nach dem Gebet in der Moschee saßen sie vor ihrem Zelt. Kamal hatte diesmal keine Frau gefunden, aber mit Yasir ein ĂŒppiges Mahl gegessen und war sehr mĂŒde geworden. PĂŒnktlich eine Stunde nach Mitternacht trank er seinen Becher leer, in welchen Yasir vorher die Zaubertropfen hinein geschĂŒttet hatte. Einen Augenblick spĂ€ter schlief der Krieger tief und fest. Auch Yasir legte sich froh gelaunt zur Ruhe. Alles war so leicht gewesen. Dann schlief auch er ein.
Kamal stand am nĂ€chsten Morgen als erster auf und trat an Yasirs Schlafstatt. Er stieß ihn derb mit dem Fuß an. Yasir erwachte. Als Kamal ihn ansah, verliebte er sich sofort in den Freund. Ihrer beider Lippen fanden rasch zueinander und eine verbotene Liebe nahm den vorbestimmten verhĂ€ngnisvollen Lauf.

In der Kampftruppe munkelte man bereits bald ĂŒber sie. Yasir aber ignorierte alle Warnungen der Freunde, er und Kamal sollten besser voneinander lassen. Eines Tages dann kamen die Soldaten des Sultans und nahmen Yasir und Kamal gefangen. Sie wurden in den Kerker geworfen und sollten am nĂ€chsten Tag gemeinsam unter dem Schwert sterben. Im GefĂ€ngnis erwartete Yasir sodann eine Überraschung. Seine BrĂŒder waren ebenfalls unter den Gefangenen. Er sprach zu ihnen, doch sie erkannten ihn zunĂ€chst nicht. Als er aber immer mehr Einzelheiten aus ihrer gemeinsamen Kindheit erzĂ€hlte, fingen sie an, ihm zu glauben. Ihnen wurde vorgeworfen, VerrĂ€ter zu sein und mit den Christen gemeinsame Sache gemacht zu haben, denn sie waren mit einer weißen Fahne in das christliche Lager geritten und hatten mit König Richard Löwenherz im Auftrage ihres Vaters ĂŒber einen Frieden verhandelt. Yasir war so voller GlĂŒck, wenigstens seine BrĂŒder wieder zu sehen, dass er Kamal auch von dem Zaubertrank erzĂ€hlte. Erschrocken dachte er sogleich an die Worte der alten Hexe auf dem Bazar. Er berĂŒhrte freundlich Kamals Schulter und wurde sofort von diesem zurĂŒck gestoßen. Der Zauber war vorbei. Yasir weinte bitterlich. Aber seine BrĂŒder schalten ihn dafĂŒr. Sie hĂ€tten keine Zeit und mĂŒssten sich ĂŒberlegen, wie sie fliehen könnten. Yasir verstand. Er hatte durch seine eigene Schuld seine große Liebe verloren und nun wĂŒrde er nicht einmal seinen BrĂŒdern mehr helfen können. Als er sich traurig zur Ruhe legte, spĂŒrte er die drei Samen Latifa's in seinem Beinkleide drĂŒcken. Er sah nur einmal kurz zu seinen BrĂŒdern hinĂŒber. Dann nahm er die Samen, steckte sie in den Mund und aß sie auf. Alsbald bildete sich seine Gestalt zurĂŒck und Yasir wurde wieder eine junge wunderschöne Frau. Niemand hatte etwas bemerkt, denn alle MĂ€nner schliefen bereits. Yasira stand auf und schlich sich zur TĂŒr. Sie sprach die Wache davor an. Der Mann erschrak sehr und eilte zum Sultan.
Einen Augenblick spĂ€ter brachte man Yasira vor den Herrscher. Der staunte nicht schlecht und begehrte das junge schöne MĂ€dchen sofort. Yasira willigte ein, wenn er ihre BrĂŒder und auch Kamal frei ließe. Ihr Liebreiz und ihre TrĂ€nen rĂŒhrten den Sultan zutiefst und er mochte ihr die Bitte nicht abschlagen. Die MĂ€nner wurden aus dem Kerker entlassen und mussten Abschied von Yasira nehmen. Ihr Herz aber war nun sehr leicht geworden, denn sie hatte ihren Betrug wieder gut machen können und dann auch den BrĂŒdern mit ihrer schwesterlichen Liebe das Leben gerettet. Sie blieb bei Sultan Saladin, der sie zur Frau nahm, aber einige Zeit spĂ€ter im Kampf getötet wurde. Yasira durfte daraufhin zu ihrem Vater zurĂŒckkehren und traf zu Hause auch Kamal wieder, der nun im Dienste des Kalifen stand. Sie heirateten und lebten glĂŒcklich und zufrieden bis an ihr Lebensende und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute.

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