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Leselupe.de > Kurzprosa
Detektivbüro Schwarz
Eingestellt am 29. 09. 2001 13:38


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anemone
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Sep 2001

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Ich sah gelassen in die Runde. Was hatten sie damit gemeint? „Sind Sie dieser Aufgabe denn auch gewachsen?“ Ich hatte immerhin ein renommiertes Detektivbüro und für solche Arbeiten einige Leute eingestellt. Sie wussten worauf es ankam: Diskretion stand für uns alle an oberster Stelle.

Was bezweckten meine Auftraggeber mit dieser Frage? War es Misstrauen? Sie schienen auf ihre Frage hin keine Antwort von mir zu erwarten. Ich ließ sie also im Unglauben darüber, ob ich der Aufgabe gewachsen sei, schaute auf meine Armbanduhr und meinte: „Meine Herren, lassen Sie sich überraschen. Es wird Zeit für mich, ich muss jetzt los.

Eines kam mir bei dem Auftrag wirklich sonderbar vor: Es wurde im Voraus bezahlt und es wurde gut bezahlt.

Meine Auftraggeber waren allesamt Araber. Typen, mit schwarzen Bärten, die der deutschen Sprache mächtig waren und einen verwegenen Eindruck hinterließen. Sie waren undurchschaubar. In ihren dunklen Augen konnte man keine Regung irgendeiner Art erkennen.

Warum hatten sie gerade mich ausgewählt?

Fragen, die mir zu schaffen machten. Fragen, die mich quälten. Es handelte sich um Personenbeschattung. Um Leute, die weder in der Politik, noch im öffentlichen Leben irgendeine Rolle spielten. Oh nein, das stimmte nicht ganz: Im öffentlichen Leben standen sie schon! Es waren Priester.

Ich teilte meine Beobachter ein: Sie waren bei mir nummeriert. 002 zuständig für 608 (Pastor der Gemeinde Pfaffenhofen), 003 zuständig für 712 (Kaplan des Bezirkes Trontheim), 004 509 (Pater in Pfronten zur Aushilfe für besondere Anlässe).

Was wollte die Delegation mit diesen Leuten? Sollte ich den Auftrag wahrheitsgemäß ausführen? Wem schadete ich damit? Es wurmte mich. Ich musste ja so einen Auftrag nicht annehmen! Na, gut, ein dicker Auftrag weniger, der dann einer anderen Detektei zufiele.

Es war mir nicht geheuer bei der Sache, denn was bezweckten Araber waren es nicht Mohammedaner? mit Christen? Ich dachte dabei an Islam. Ich nahm mir vor, diese Sache ganz besonders gut zu überwachen und bat mir von meinen Leuten aus, mir auch die allerkleinste noch so unwichtige Beobachtung mitzuteilen.

Meine Auftraggeber erwarteten die ersten Ergebnisse von mir in 2 Tagen. Ich wollte mir die Priester und Ordensleute selbst ansehen.

Zunächst war da der Pastor von Pfaffenhofen. Ein ruhiger sympathischer Mann. Sein Tagesablauf an diesem Mittwoch: In der Früh, um 8.00 Uhr: Eine Messe, in der nur alte Leute anwesend waren. Um 14 Uhr eine Beerdigung, 2 Messner, 48 Trauergäste. Nichts an dem Mann kam mir irgendwie verdächtig vor.

Ich fühlte mich beruhigt und trug meine Beobachtungen wahrheitsgemäß ein.

Der nächste Fall: Priester in Trontheim. Ein unauffälliger junger Mann. Noch nicht sehr lange in der Kirchengemeinde tätig. Beschäftigt in erster Linie mit der Jugendarbeit der Gemeinde und zusätzlich Beichtvater am Donnerstag Nachmittag.
B e i c h t v a t e r!
Meine Unruhe ließ nach. Waren sie nicht zum Schweigen verpflichtet? Hatte ich nicht die Möglichkeit ihn zu warnen? Was auch immer diese Araber mit ihnen vorhatten, ich besaß die Möglichkeit diese Vertreter der Kirche zu warnen.

Ich vereinbarte einen Termin mit dem Priester und er ermöglichte es mir, uns ungestört in der Sakristei unterhalten zu können. Kein Mensch erfuhr etwas von diesem Treffen und der Priester versicherte mir, an sein Beichtgeheimnis gebunden zu sein. Es tat mir leid, ihn beunruhigen zu müssen, doch es erleichterte mich sehr, ihn in die Angelegenheit einweihen zu können.

004, der den Pater in Pfronten zu observieren hatte, machte noch eine außergewöhnliche Entdeckung: Es sollte in Kürze Erwachsenentaufen geben, jedoch ohne Aufsehen. Anonym, nach vorausgegangenen Beichten.

Nachdem ich ebenso in Pfaffenhofen und Pfronten meine Warnungen loswerden konnte (Keiner wusste von dem anderen) konnte ich getrost die Personenbeschattung an die Auftraggeber weiter geben.

:

Die Araber erschienen wie vereinbart und erhielten wahrheitsgemäß die kompletten Tagesabläufe schriftlich festgelegt von mir und meinen Mitarbeitern. Sie zeigten sich mit dem Ergebnis zufrieden und verabschiedeten sich sogleich. Ich habe nie mehr etwas von ihnen gehört oder gelesen. Doch interessierte mich sehr, ob es diesen Vertretern der Kirche noch gut geht.

Sie waren allesamt noch in Amt und Würden.

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