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Leselupe.de > Essays, Rezensionen, Kolumnen
Deutscher Fußball, deutsche Sportreporter - alles Sch.....?
Eingestellt am 07. 09. 2003 13:54


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LuMen
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Deutscher Fußball, deutsche Sportreporter –
alles Sch.....?


eine Nachschau zum Spiel der deutschen Nationalmannschaft
gegen Island am 06. September 2003


Armer Waldemar Hartmann, er konnte seine drei "Weizen", die er sich laut Rudi Völler während des Spiels reingezogen hatte, nicht voll genießen! (Dabei trinkt der Mann gar kein Weizenbier...)
Unser Vize-Nationalheld Rudi ist gestern Abend ganz im Gegensatz zu seiner Mannschaft so richtig aus sich herausgegangen! So kennt man "Tante Käthe" ja gar nicht! Ich fürchte nur, er hat sich die Falschen als Prügelknaben ausgesucht. Mag die Medienkritik fast unvermeidlich manchmal über das Ziel hinausschießen – selbst der wohlmeinendste Reporter konnte gestern das Spiel der deutschen Nationalmannschaft nicht anders als schlecht bewerten. Und wollte man bei der Notengebung noch weiter differenzieren, so war auf der Skala sicher der Tiefpunkt erreicht. Was soll eigentlich Rudis zornige Äußerung bedeuten, er werde sich das nicht länger gefallen lassen? Falls seinem gestern verständlicherweise etwas getrübtem Blick eine Art "Verleumdungsklage" vorschwebt, so hätte die Gegenseite leichtes Spiel, durch die vorliegende schlichte Aufzeichnung des Spektakels den Beweis ihrer Behauptungen zu führen.
Wo liegt der Hase (bzw. der Ball) im Pfeffer, liebe Fußballfreunde? Ich glaube, der von Rudi geschmähte Günter Netzer, Deutschlands Oberlehrer in – kostenloser – Fußballnachhilfe, sieht es richtig und predigt es, leider erfolglos, schon seit Jahren: Fußballspiele gewinnt man nur durch Tore und, aufgepaßt, Ihr Nationalspieler, das gegnerische Tor liegt auf der anderen Seite! Wer Euer Hin- und Her- und Rück-Geschiebe sieht, könnte meinen, daß Ihr diesen obersten fußballerischen Grundsatz nicht kennt oder über dem Geldzählen vergessen habt. Ich will aber nicht zu hart mit Euch ins Gericht gehen, denn der wahrhaft Schuldige ist wie so oft natürlich der elende Zeitgeist. Er tritt in jedweder Verkleidung, auch als Fußballer, auf und wendet die Dinge zum Schlechteren. Da heutzutage alle Fußballspiele, jedenfalls in den oberen Klassen, untrennbar mit Geldwert verbunden sind, will kein Spieler es riskieren, Verantwortung zu übernehmen und möglicherweise zum Verlust eines Spiels und damit zur Beeinträchtigung finanzieller Interessen, eigener oder des Vereins, beizutragen. Also gibt er die Verantwortung lieber an den nächsten weiter – durch Quer- oder Rückpaß. Unter diesen Umständen ist es schon eine als besonders mutig zu preisende Ausnahme, wenn jemand, vielleicht in Erinnerung an die unbeschwerten Zeiten als jugendlicher Straßenkicker, den Ball plötzlich in Richtung gegnerisches Tor spielt! So laufen, wenn man genau hinsieht, auch die meisten Bundesligaspiele. Nur finanziell besonders gut situierte Vereine wie z. B. Bayern München leisten sich manchmal das Risiko offensiven Spiels, aber deren Spieler verdienen selbst auf der Reservebank das Vielfache des Profi-Durchschnitts und können sich gegenüber den erstaunlich hartnäckig zu ihren Vereinen stehenden Fans großzügig zeigen.

Warum nun bekommen die meisten Trainer einschließlich des Sympathieträgers Rudi dieses Problem nicht in den Griff? Entweder haben sie selber über dem ständigen Spiel mit den Millionengagen und –ablösesummen das fußballerische Grundwissen vergessen, oder es gelingt ihnen nicht, es den Spielern zu vermitteln und sich dabei durchzusetzen. Wenn dem so wäre, dann wäre auch die Vizeweltmeisterschaft kein Freibrief für den Poltergeist Völler, zumal, wenn man sich erinnert, auf welchen mit zweifelhaften Glücksfällen gepflasterten Wegen das Endspiel erreicht wurde.
Vielleicht wäre Rudi mit folgendem Vorschlag gedient (vorausgesetzt, daß er ihn nicht a priori als Sch..... abtut):
Wie wäre es, die Spieler für jeden unnötigen, d. h. aus unbedrängter Situation gespielten, Rück- oder Querpaß mit einem "Strafgeld" zu belegen? Wenn dies in auch für sie fühlbarer Höhe geschähe, wäre vielleicht der Anfang einer Rückkehr zu den schönen alten Zeiten unterhaltsamen Offensivfußballs gemacht und Rudi brauchte Gerhard Delling nicht der besseren Unterhaltung halber auf Gottschalk und sein "Wetten, daß..." zu verweisen.

In diesem Sinne beste Genesungswünsche an die Nationalmannschaft und auch, was seinen gestrigen An- oder Ausfall angeht, an ihren Trainer!

LuMen


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Michael Schmidt
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Hallo LuMen,

ich gebe zu, mir das samstägliche Spiel nicht angeschaut zu haben, da mir klar war, wie das Spiel läuft.
Eine junge, nach dem Spiel gegen Italien hochgelobte Mannschaft, die gegen einen absolut defensiv ausgerichteten Gegner ihre Schwierigkeiten hat. Daher ist der Spielverlauf nicht sonderlich überraschend. Man darf nur nicht verkennen : Es gab solche Probleme schon immer, zu Zeiten eines Rud Völlers, und ich denke auch, vorher. Daher ist der Verweis auf die fehlende Risikobereitschaft auf Grund des wirschaftlichen Hintergrundes nicht ganz richtig, da auch früher, als weniger Geld im Spiel war, des Nationalspielers Beine schwer und wackelig waren.

Man sollte bedenken : Ein Fußballer ist so gut, wie er auf Grund von Talent und Fleiß ist. Mehr oder weniger Geld macht ihn weder schlechter noch besser.

Man darf bei aller Kritik nicht vergessen, diese Mannschaft ist jung und hat Potential, aber keine erfahrenen Recken, die Verantwortung übernehmen können.

Bayern leistet sich überaus selten ein risikoreiches Spiel, in der Regel sind sie dem Gegner ( zumindest letzte Saison ) dermaßen überlegen, dass sie einfach nur ihren unattraktiven Stiefel herunter spielen.
Risiko und ein damit verbundenes attraktives Spiel leisten sich doch gerade die Vereine, die nicht so wohl situiert sind, siehe HSV oder Stuttgart, aber auch nur solange, bis eine neue Saison anfängt und diese ihre Überraschungserfolge bestätigen müssen.

Bis bald,
Michael

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jon
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…wer es schafft, mich in einem Text über Fußball festzuhalten, der hat schon was drauf.
Der Ärger kommt gut rüber ohne dass es wie Schlammschlacht wirkt – gut.

Ob Geld wirklich das Motiv ist, wage ich fast zu bezweifeln. Ich könnte mir vorstellen, dass die (Medien- weil Konsumenten-)Manie, Sündeböcke zu finden, e wenigstens ebenso abschreckt, verantwortung zu übernehmen: Wer als der "identifieziert" wird, der's vergeigt hat, bekommt gwöhnlich so mörderlich eins drauf (ist jedenfalls meine Eindruck von Fußball-„Rezension“), dass es schon einer sehr sehr starker Persönlichkeite bedarf, das nicht nur auszuhalten (wenn's passiert) sondern (als Risiko) in Kauf zu nehmen.
__________________
Es ist nicht wichtig, was man mitbringt, sondern was man dalässt (Klaus Klages)

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LuMen
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Fußballfieber

Hallo Michael und jon,

vielen Dank für Eure Zuschriften! Es freut mich besonders, daß ich eine Frau, wenn auch nicht für, aber durch (kommentierten) Fußball habe einnehmen können.

Meine Schau der Dinge ist zwangsläufig thematisch verengt, um die Pointe besser zu setzen. In Wirklichkeit hat dieser "Schmalkost-Fußball" wahrscheinlich mehrere Ursachen. Den negativen Einfluß des zunehmend hektischer werdenden Tanzes um das goldene Kalb wird man aber schwerlich leugnen können. Hinzu kommen dann zweifelhafte Defensiv-Strategien der Trainer wie die "Vierer- oder Fünferketten", die den Spielfluß zusätzlich einschnüren. Übrigens haben die Isländer gar nicht so defensiv gespielt. Sie brauchten es nicht. Trotz deutscher "Elferkette" im Strafraum haben sie zeitweilig aus vollen Rohren auf unser Tor geballert, und nur der uns besonders gnädig gesinnte Fußballgott hat Schlimmeres verhindert.
Aber noch einmal zum schnöden Mammon. Ich verfolge seit Jahrzehnten aufmerksam die Entwicklung des deutschen Fußballs. Trügt mich meine Erinnerung nicht, so begann es unter der Ägide des trainerscheinlosen 1. Teamchefs, des verehrten Kaisers Franz, so richtig mit dem fatalen Rückwärts-Fußball. Das war Ende der Achtziger, wo auch die Spielergehälter langsam die Grenze des Vertretbaren überschritten. Ich kann das in etwa belegen durch ein Gedicht, das ich anläßlich der WM 1990 verfaßt habe und hier einmal spaßeshalber zitiere:

Fußballweisheit 1990

Man merke sich, der Ball ist rund,
so tat es einst ein Lehrer* kund.
Das Fußballspielen war sein Fach.
Er lehrte es noch mit Gemach,
bezog dafür Normalgehalt
und wurde obendrein noch alt.

Die schönen Zeiten sind vorbei!
Zwar ward der Ball noch nicht zum Ei,
doch mit Quer-, Rück- und Torwartpaß
verdirbt man uns den Fußballspaß -
auch wenn dies Spiel ein ”Kaiser”** lenkt
mit Meisterbrief, der ihm geschenkt.

Doch soll es uns nicht bange machen,
jetzt gibt es öfters was zu lachen,
und lachen können auch die Kicker,
wenn laut ertönt das Geldgeklicker.
Rollt auch der Ball nicht mehr so richtig,
der Rubel rollt - nur das ist wichtig!


*Sepp Herberger, 1. deutscher Bundestrainer
**Teamchef Franz Beckenbauer ohne Trainerschein

P.S.
Zwar hat es Deutschland noch geschafft
und holte sich die Meisterschaft,
besiegte wieder mal die Welt
und war zumindest Tagesheld!
Doch wenn der Spielwitz unterliegt,
was nützt es dann noch, daß man siegt?
Das Endspiel machte keinen Spaß
und bot nur trübes Mittelmaß!

Beste Grüße, und bis demnächst!
LuMen







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Michael Schmidt
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Hallo LuMen,

die thematische Verengung zur Erreichung einer Pointe ist das Hauptproblem der meisten solcher Texte, die ich irgendwo - auch in einer Tageszeitung oder Zeitschrift - lese. Aber nun gut.

Beckenbauer ließ entgegen seinem Vorgänger wieder offensiver spielen. Jupp Derwall war derjenige, der die längste Siegesserie hatte, indem er den damals üblichen Taktikfussball ohne Risiko spielen ließ. Der unrühmliche Höhepunkt war das 1:0 gegen Österreich ( wobei die Össies da munter auf das deutsche Spiel eingingen ), ein 80minütiges Ballgeschiebe, bei dem ich nah dran war, den Fernseher aus dem Fenster zu befördern.

Ich spiele selbst Fußball, wenn auch auf niedrigem Niveau. Aber selbst da sieht man einen Unterschied, wie wichtig das Spiel im Vorfeld genommen wird, dementsprechend groß ist der Druck. Und das ohne Geld. Ich wage zu behaupten, dass diese "schwere Beine" ein Beweis wider deines Geldargumentes ist, denn Geld dürfte die Nationalspieler wohl nur sekundär motivieren.

Warum sollte ein Andreas Möller zurück zur Frankfurter Eintracht gehen? Er hat doch Geld genug, wenn es ihm nur um die Gelder ginge, könnte er auch zu einem reicheren Verein wechseln.
Dazu kommt doch, dass mehr direktes Geld im Verein verdient werden, trotzdem mühen sich viele in der Nationalelf. Siehe doch den Kahn. Es ist wohl eher die Suche nach dem Ruhm als nach klingender Münze.

Dieses ganze Geldargument ist meiner Meinung nach sehr fadenscheinig.

Bis bald,
Michael

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LuMen
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Lieber Michael,

Deine Bemühungen um die "Ehrenrettung" des Fußballs finde ich zwar anerkennenswert, kann dem aber weitgehend nicht folgen. Zunächst besteht m. E. ein grundlegender Unterschied zwischen dem Profi- und dem Amateurfußball. Ich habe selbst bis vor einigen Jahren noch Hallenfußball in einer Sportgemeinschaft gespielt und weiß, wieviel Idealisten es dort noch gibt. Andererseits beginnt die Geldfalle, sogar auf diesem Sektor schon zuzuschnappen. Ich glaubte meinen Ohren nicht zu trauen, als ich vor kurzem zufällig Zeuge eines Gesprächs über Geldzuwendungen und Transfersummen in dem kleinen Bezirksliga-Verein meines Wohnortes wurde!
Bei dem Spiel gegen Österreich hast Du noch vergessen zu erwähnen, daß es, wie heute feststeht, "verschaukelt" worden ist. Nur Horst Hrubesch hatte das anscheinend nicht kapiert oder wollte es nicht mitmachen und ging immer wieder, leider vergeblich, allein mit dem Ball Richtung gegnerisches Tor (wir meinen doch wohl dasselbe Spiel bei der WM 1982?)
Auch die von Dir beispielhaft genannten Profi-Spieler überzeugen mich nicht. Die haben beide schon längst ihre Schäfchen im Trockenen und können sich das leisten (was sie möglicherweise früher auch schon lieber getan hätten).

Herzlichen Gruß
LuMen

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