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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Dialog mit einer Entfremdeten
Eingestellt am 25. 10. 2000 01:44


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kio
AutorenanwÀrter
Registriert: Oct 2000

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SIE steht vor dem Spiegel, stylt sich auf, fĂ€hrt sich mit den Fingern durchs Haar, möchte noch klĂŒger, noch besser (noch besser?), noch.....werden. Nein, SIE möchte es schon sein. Die Ungeduld ist ihr stĂ€ndiger Begleiter. SIE hat soviel Power, daß SIE schon manchmal mit IHR nicht mehr Schritt halten kann. Das Tempo ist gewaltig. Wo lĂ€uft SIE hin? SIE flieht vor sich selbst, doch wohin, nach nirgendwohin? Nein, SIE weiß es genau, SIE hat Ziele, Vorstellungen, eine exakte Definition von Erfolg.. will im globalen Wettlauf mitlaufen, gewinnen, noch schneller laufen, im Geschlechterkampf bestehen. SIE ist eine KĂ€mpfernatur, SIE kĂ€mpft tĂ€glich, qualvoll gegen mich.....

code:
ICH will das gar nicht
ICH will
mein Kuschelkissen
Kafka, viel Kafka
Beethoven, noch besser Wagner
einen grauen Novembertag
eine warme Ecke
die Traurigkeit spĂŒren
von der "Pont neuf" trÀumen
die Sehnsucht fĂŒhlen

SIE frÀgt mich "Was willst du mit deiner stÀndigen Weltuntergangsstimmung? Kannst du nicht mal happy sein, was
lustiges schreiben? Deinen Körper hochbringen, ihm geilen
sound einflösen, die Vibration spĂŒren, das Tempo, den Kick?

Nein, ICH finde alles so sinnlos, bin im leeren Raum, der stĂ€ndige Kampf macht mich mĂŒde. Ich will Ehrlichkeit, tiefe GefĂŒhle, diskutieren, lange NĂ€chte mit Freunden. Ich trĂ€ume vom nĂ€chsten Sommer...meine Freundin und ich wollen nach Paris, ihre Tochter studiert an der Sorbonne, die Wohnung wird frei..den halben August...ich trĂ€ume von Paris, vom Louvre- diesmal muß es der Louvre sein- von stillen Tagen in Clichy, vom Meer, vom Wind, von Monet,
von .....vergangenem und zukĂŒnftigen, von blauen MĂ€nneraugen, von zĂ€rtlichen HĂ€nden auf meinem Körper,von....

Hey, wach' doch mal auf. Spar dir die stories. SIE will Erfolg, SIE will weiter, immer weiter, jeden Tag - noch weiter? Ja, noch viel weiter. TrĂ€ume sind ex und hopp. Versteh' doch endlich das Leben, es ist cool, doch SIE ist cooler, keine Zeit fĂŒr TrĂ€ume, verschwendete Zeit. Warum trĂ€umt ICH gerade jetzt, es ist kein Platz dafĂŒr vorhanden. Die Aktienkurse fallen, das ist Bewegung, das ist cash, da kann man schwermĂŒtig werden....

Nein, ICH möchte aber diese HĂ€nde spĂŒren....in Indien, es ist schwĂŒl, ICH liebe schwĂŒle NĂ€chte..., es ist schön...

SIE ist entsetzt, langsam reißt der Geduldsfaden "Spinnst du? Vergiß deine TrĂ€ume. Die grauen Herren sind ĂŒberall und haben deine TrĂ€ume schon lĂ€ngst mit ihrer Zigarre aufgeraucht."

"Aber MOMO hat sie besiegt"

"Wer? Mir langt's fĂŒr heute. Nur Spinnereien"

"Kennst du Jean Coucteau? Manray?"

"Nein, ist mir egal....vergiß deine TrĂ€ume. Das Leben ist hart. No cash, no live, ok ? Konzentrier' dich auf das wesentliche: Junk-bonds, cash-flow, ROI, Macht, Marktanteile, Gewinnmaximierung..... That's live, das ist geil...Macht macht geil, alles klar?"

"ICH haße Dich" "SIE Dich auch"

ICH frage mich, wer SIE so entfremdet hat.








__________________
so einfach, wie möglich, aber nicht einfacher. A. Einstein

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micl
Hobbydichter
Registriert: Sep 2000

Werke: 5
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Ganz eigene, dynamische und kompositorische Art. Abgesehn vom ŽfrÀgtŽ gefÀllt Žs mir gut.

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