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Leselupe.de > Rund um den Literaturbetrieb
Die 7 goldenen Städte von Cibola - Ein Romanstoff
Eingestellt am 16. 11. 2002 11:55


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Gilmon
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Die 7 goldenen Städte von Cibola

Allen Autoren, die nach einer Idee für einen längeren (historischen) Roman suchen, sei hier ein interessanter Stoff präsentiert, der meiner Kenntnis nach noch in keinen „bedeutenden“ Roman verarbeitet wurde. Ich stieß auf die Geschichte der 7 goldenen Städte von Cibola, als ich mich mit Kolonialgeschichte beschäftigte. Der Stoff sei nun vor dem geneigten Leser ausgebreitet, begeben wir uns in die Mitte des 16. Jahrhunderts.

Der Chronist Pedro de Cantaňeda schreibt nieder, was er von einem Indianer gehört hat:

„ Dieser Indianer sagte, er sei der Sohn eines verstorbenen Händlers. Als er noch ein kleines Kind gewesen sei, habe sein Vater die Indianer des Hinterlandes mit feinen Federn als Schmuck beliefert und sei mit großen Mengen von Gold und Silber zurückgekommen, wovon es in jenem Land viel gebe. Er sei ein- oder zweimal mit ihm dorthin gegangen, und er habe einige sehr große Städte gesehen, die sich mit Mexiko-Stadt und seinen Vorstädten vergleichen ließen. Er habe sieben sehr große Städte gesehen mit Straßenzügen, die von Silberschmieden bewohnt seinen. Man brauche vierzig Tage, um in diese Gegend zu gelangen, durch eine Einöde in der nichts gedeihe außer einigen wenigen sehr kleinen Pflanzen von einer Spanne Höhe. Der Weg, den sie gegangen seinen, führe durch ein Land zwischen zwei Meeren...“(1)

Die Spanier hellhörig durch die Geschichte und bedingt durch die Erfahrungen mit Goldschätzen in Süd- und Mittelamerika schickten eine Expedition los. Unter Führung von Hernando de Soto, einem ehrwürdiger Konquistador, traf das Expeditionsheer im Mai des Jahres 1539 in Florida ein. Die Gefolgschaft Sotos bestand aus 600 Soldaten, 200 Pferden, einem Heer von angeketteten Indianern, die Lasten trugen und einer Menge von Schweinen, welche die Versorgung sichern sollten.
Die Reise dauerte 4 Jahre, nichts sollte sich von den 7 Städten zeigen. Die Hälfte der Soldaten starb durch Krankheit und Pfeilgift der Indianer, die Pferde wurden aufgegessen. Soto selbst starb am 21. Mai 1542, seine Überreste wurden heimlich dem Mississippi übergeben, um nicht den Glauben der Indianer an die Unsterblichkeit des weißen Anführers zu erschüttern. Der Nachfolger von Soto, Luis de Moscoso, verlor jedes Interesse an den 7 Städten. 1543 kam er völlig am Ende und mit leeren Händen in Neu-Spanien an.

Nur Monate nach der Landung von Soto in Florida schickte man fast zeitgleich eine zweite Expedition los, um die 7 goldene Städte zu suchen. Sollte diese erfolgreicher sein? Nun, wir werden sehen. Die Expedition wurde von dem Franziskaner Marcos de Niza angeführt. War Soto von Kuba aus aufgebrochen, brach de Niza vom Festland nach Norden auf. Nun drang man bis in den Westen von Neu-Mexiko vor und glaubte dort die 7 Städte von Cibola gefunden zu haben.

Marcos schreibt:

„ Mit meinen Indianern und den Dolmetschern folgte ich meinen Weg, bis wir in die Sichtweite von Cibola kamen, das am Abhang des eines runden Hügels in der Ebene liegt. Die Siedlung machte einen guten Eindruck und war die stattlichste, die ich jenen Gegenden gesehen habe. Alle Häuser sind, wie mir die Indianer erzählt haben aus Stein, mit Stockwerken und flachen Dächern. [...].
Die Leute sind ziemlich weiß, sind bekleidet, schlafen in Betten, und ihre Waffen sind Bogen. Sie sind im Besitz von Smaragden und anderen Edelsteinen, schätzen aber nichts so sehr wie die Türkise, mit denen sie die Mauern und Eingänge ihrer Häuser, ihrer Kleider und Gefäße verzieren und die sie anstelle von Geld im ganzen Land benutzen. Ihre Kleidung besteht aus Baumwolle und Ochsenhäuten, und dies sind die ausgezeichnetsten und ehrenwertesten Gewänder. Sie benutzen Gefäße von Gold und Silber, denn sie verfügen über kein anders Metall, und sie gebrauchen diese häufiger und in größere Zahl, als dies in Peru der Fall ist...“(2)

Hatte Marcos die sieben Städten gefunden? Es waren sieben Städte, aber waren es auch die goldenen Städte von Cibola? Der Bericht erweckte hohe Erwartungen, man schickte eine dritte Expedition los. 1540, als Sotos Leute bereits wie Fliegen starben, brach Francisco Vásquez de Coronado auf, um mit einer vergleichbaren Streitmacht wie Soto die Städte zu erobern, auch Marcos de Niza war wieder mit von der Partie. Bald hat man das vielgerühmte Cibola erreicht. Der Berichterstatter Cantaňeda schreibt enttäuscht:

„ Es ist ein kleines überbevölkertes Dorf, ganz im Zerfall begriffen. Es gibt Bauernhäuser in Neu Spanien, die auf Distanz besser aussehen.“(3)

Marcos kam in arge Erklärungsnöte und hatte einige Freunde weniger. Cantaňeda schreibt:

„ So schlimm lauteten die Verwünschungen die einige dem Bruder Marcos entgegenschleuderten, daß ich Gott anflehte, er möge ihn vor diesen in Schutz nehmen. [...], hatte sich doch sein Rapport als vollkommen falsch erwiesen, weil weder die Königreiche, von denen er gesprochen hatte, noch die kostbaren Steine, noch die feinen Gewänder und andere Dinge aufgefunden werden konnten, von denen er von der Kanzel herab gesprochen hatte.“(4)

Enttäuscht zog man weiter. Auch der Hinweis eines Indianers, der von einem anderen großen Königreich Quivira im Osten erzählte, ging man nach. Ebenso ohne Erfolg, man fand zwar eine Siedlung mit diesem Namen, aber auch die hielt nicht, was man versprochen hatte. Mit etwa hundert Überlebenden kam Coronado 1542 in Neu-Mexiko an, er starb im Jahre 1554 als Mann ohne Ansehen.
Mit den Misserfolgen bei der Suche nach den 7 goldenen Städten von Cibola wurde das Ende der Konquistadorentradition eingeläutet, ebenso verlor man für eine gewisse Zeit das Interesse am Norden von Neu-Spanien.

Was Marcos auch immer glaubte gesehen zu haben, es entsprach offenbar nicht der Realität. Warum er zur zweiten Reise mit aufbrach, ist ebenso fraglich. Kannte er nicht die Realität? Konnte er sich nicht denken, dass er zwangsläufig den Zorn auf sich ziehen musste, wenn man die Städte erreicht?
Die Spanier verstanden es nie, die Aussagen der Indianer richtigen zu deuten. Es lag den Indianern fern, die Europäer auf Schätze aufmerksam zu machen, man hatte nur den Wunsch, die Fremdlinge los zu werden. Die Spanier waren ermuntert durch die großen Funde und Eroberungen in Mittel- und Südamerika. Man hoffte, das Gleiche in Nordamerika zu finden und zu erobern. Die Geschichte sollte sich wiederholen, aber wie sagte einst ein großer, roter „Häuptling“:

Alle großen weltgeschichtlichen Tatsachen wiederholen sich, das erste Mal als Tragödie, das zweite Mal als Farce.

Wer an weiterführender Literatur zur der Thematik interessiert ist, wende sich per Mail an mich.

(1) Bitterli, Urs: Die Entdeckung Amerikas. Von Kolumbus bis Alexander von Humboldt. München 1991. S.337
(2) Bitterli. Die Entdeckung Amerikas S.344
(3) Bitterli: Die Entdeckung Amerikas S.345
(4) Bitterli: Die Entdeckung Amerikas S.345

Marius Pieruschka

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