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Leselupe.de > Horror und Psycho
Die Annonce
Eingestellt am 08. 10. 2013 14:25


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Maribu
???
Registriert: Jun 2012

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Die Annonce

Obwohl erst vor zwei Stunden aufgestanden, war er schon wieder m├╝de und konnte nur m├╝hsam das G├Ąhnen unterdr├╝cken.
Wahrscheinlich lag das am Zwielicht. Vor seinem Wohnzimmerfenster waberten Nebelschwaden und lie├čen nur wenig Helligkeit herein, so dass er nur mit Unterst├╝tzung der Leselampe die Buchstaben erkennen konnte. Ein typischer, garstiger Novembertag, um im Bett zu bleiben oder das Fenster zu ├Âffnen, um...
Es stand heute auch nichts Aufregendes in der Zeitung, das seinen Kreislauf in Schwung bringen k├Ânnte. Kein Mord, keine Vergewaltigung, nicht mal eine Entf├╝hrung! Dass in Bagdad wieder ein Selbstmord-Attent├Ąter zweiundvierzig Menschen mit in den Tod gerissen hatte, wurde gestern Abend bereits in der Tagesschau berichtet. Der Beitrag kam zum Schluss vor dem Wetterbericht. W├Ąren es hundert Tote gewesen, h├Ątte der Bericht vielleicht die Chance gehabt, als Aufmacher gesendet zu werden!
Auch in der Zeitung erschien der Artikel erst auf Seite vier. Die Schlagzeile war: BECKER UND POCHER NOCH IMMER IM CLINCH
Eigentlich interessierte ihn diese Boulevard-Schei├če nicht, aber da das Blatt heute wenig zu bieten hatte, war der Artikel von ihm ├╝berflogen worden. Angeblich soll der eine dem andern die hochschwangere Freundin ausgespannt haben. Einen Vaterschaftstest sollen beide abgelehnt haben. Man munkelt, dass da noch ein dritter Mann im Spiel sein soll.
Heute gab es sogar f├╝nf Seiten mit Todesanzeigen. Er hatte das Gef├╝hl, dass im Herbst mehr gestorben wurde als zu anderen Jahreszeiten.
Bevor er sie durchsah, schenkte er sich wieder ein, es war schon sein drittes Glas Weinbrand.
Seit seine Frau vor zwei Jahren gestorben war, brauchte er ihn, wie andere Zigaretten.
Er hatte schon so manchen Namen ehemaliger Nachbarn, Arbeitskollegen oder Schulfreunden gefunden. So leid es ihm tat, freute er sich, dass er sie ├╝berlebt hatte, obwohl er sich sehr einsam f├╝hlte.
Die Texte wiederholten sich; es kam ihm so vor, als w├╝rden nur die Namen ausgetauscht. 'WIR BETRAUERN DEN TOD UNSERER LIEBEN OMA, DIE MIT 92 JAHREN SANFT ENTSCHLIEF'
'MITTEN AUS DEM LEBEN GERISSEN WURDE UNSER LIEBER BRUDER IM 39 LEBENSJAHR' Einige waren mit Spr├╝chen versehen: 'TOT IST NUR DER, DER VERGESSEN WIRD! 'DER TOD IST ABWESENHEIT VOM LEBEN' Oder: 'WARUM? WIR HATTEN NOCH SO VIEL VOR!'
Pl├Âtzlich hatte er seinen Namen vor Augen. Er erschrak. Hatte der Alkohol seinen Geist vernebelt? Nein, da stand er schwarz auf wei├č! Der Vorname mit 'th' und der Nachname, was selten vorkam wie bei ihm, mit 'r' und nachfolgendem 'z' in der Mitte. Er lachte hysterisch. Welch seltsame Namensgleichheit! Aber als er das Geburtsdatum wahrnahm, fing sein Herz an zu rasen. Bevor er weiter las, leerte er sein Glas und f├╝llte es wieder auf. 'NACH EINEM ERF├ťLLTEN LEBEN IST ER PL├ľTZLICH UND UNERWARTET VON UNS GEGANGEN.DIE URNENBEISETZUNG ERFOLGTE BEREITS IM ENGSTEN FAMILIENKREIS.
HAMBURG, IM OKTOBER 2013 IM AUFTRAG DER HINTERBLIEBENEN:
KLAUS BLACKMONEY
Den kannte er nicht. Wer hat so einen seltsamen Namen? Ein englisch-klingender Nachname mit einem biederen, unmodernen Vornamen?
Er wischte sich ├╝ber die Augen. Das konnte doch nicht wahr sein! Er kippte den Schnaps in einem Zug hinunter. Seine Ehe war kinderlos und nahe Verwandte hatte er nicht mehr!
Er las den Text ein zweites Mal. Jetzt fiel ihm auf, dass der Todestag identisch war mit dem Sterbetag seiner Frau: Es war der 8. Oktober.
Er griff zum Telefon und verlangte die Anzeigenabteilung der Zeitung. "Eigentlich d├╝rfen wir Ihnen telefonisch keine Auskunft geben!" sagte eine weibliche Stimme. "In welchem Verh├Ąltnis stehen Sie zu dem Verblichenen? Wie ist Ihr Name?"
Er nannte ihn.
"Ach so, Sie sind verwandt mit dem Toten."
"Nein, ich bin es selbst!"
"Wie bitte? Das ist makaber! Sie sollten sich sch├Ąmen! Damit macht man keine Scherze!" Und nach einem Luftholen: "Der Auftrag kam aus der Schweiz. Mehr darf und will ich Ihnen nicht sagen. Auf Wiederh├Âren!"
Aus der Schweiz? Er schenkte sich noch nach, nippte aber nur, weil ihm pl├Âtzlich schwindlig wurde und die Buchstaben von der Anzeige, von der er nicht lassen konnte, vor seinen Augen verschwammen. Aus der Schweiz? wiederholte er. Da kannte er nur die Bank, die sein Nummernkonto verwaltete. Ihm wurde hei├č, sein Herz klopfte wie ein Zweitakter. Wollte die an sein Geld? Ja, jetzt verstand er den Hinweis. Der Name war das Schl├╝sselwort! 'Black-money = Schwarzgeld. Und der Vorname war auch ein Zeichen: KLAUS = Klaus Zumwinkel, ein ehemaliger Vorstandsvorsitzender der Deutschen Post. Der hatte mehrere Millionen Schwarzgeld nicht versteuert. Dagegen war er ja nur ein kleiner Fisch! Aber jetzt kannten sie offenbar kein Pardon, wollten sogar die "Kleinen" schnappen. Als er vor f├╝nf Jahren seine Lebensversicherung ausbezahlt bekommen hatte, buchte er f├╝r sich und seine Frau ein paar Urlaubstage in Z├╝rich und hatten es dort gleich angelegt. Sie wollten sich, wenn es soweit war, eine altengerechte Wohnung kaufen. Nun war ja leider alles anders geworden.
Vielleicht war das jetzt die neueste Methode, weitere Banken zu retten und sogar unter strikter Geheimhaltung von den Europ├Ąischen Regierungen angeordnet?!
Herztod durch Schock - Getarnt als sozialvertr├Ągliches Ableben!
Klar, das w├Ąre vollkommen risikolos f├╝r alle Beteiligten. Die wussten genau, niemand w├╝rde es wagen, wegen erfolgter Steuerhinterziehung auf Schwarzgeld oder Zinsertr├Ąge irgendwo eine Strafanzeige zu stellen!
Obwohl er noch einen Rest im Glas hatte, schenkte er es bis zum Rand voll und st├╝rzte den Fusel hinunter. "Die Politiker sind Gangster und die Bankmanager sind Bangster!" schimpfte er und schlug mit der Faust auf die Tischplatte. "Aber nicht mit mir! Da m├╝sst ihr fr├╝her aufstehen!
Woher hatten die ├╝berhaupt seine Personalien? Nummernkonten sollten doch anonym sein! Musste er seine pers├Ânlichen Daten damals bei der Er├Âffnung angeben? Er konnte sich nicht erinnern. Aber er wollte der Sache sofort auf den Grund gehen, musste sofort den Vertrag einsehen. Er stand abrupt auf und taumelte zum Schreibtisch. Er f├╝hlte sich auf einmal kotz├╝bel.
Er versuchte die Schublade zu ├Âffnen. Sie klemmte. Er zog mit beiden H├Ąnden. Sie gab nach und er fiel r├╝ckw├Ąrts, vorher mit dem Hinterkopf den Couchtisch treffend, zu Boden. Die Schublade lag auf seinem Bauch und herausgeschleuderte Akten und Papiere bedeckten seinen K├Ârper. Bevor er das Bewusstsein verlor, murmelte er noch: "Totgesagte leben l├Ąnger!"

Version vom 08. 10. 2013 14:25

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Ciconia
Routinierter Autor
Registriert: Jul 2012

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Hallo Maribu,

mal wieder eine gute Kurzgeschichte von Dir - aber Horror und Psycho? Dazu finde ich sie nicht gruselig genug.

Was mich ein wenig st├Ârt, sind die vielen Gro├čbuchstaben. Ich w├╝rde so etwas immer lieber kursiv setzen.

Ein "s" solltest du noch einf├╝gen

quote:
Dass in Bagdad wieder ein Selbstmord-Attent├Ąter

Ansonsten keine Einw├Ąnde!

Gru├č Ciconia

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Maribu
???
Registriert: Jun 2012

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Liebe Ciconia,

danke f├╝r Deine konstruktive Kritik!
"s" habe ich eingef├╝gt.

In meinem Manuskript habe ich den entsprechenden Text kursiv geschrieben. Kenne mich in dem LL-System nicht aus, so dass
ich auf Gro├čschreibung gegangen bin. - Aber das ist ja nur eine optische Sache,die am Verst├Ąndnis nichts ├Ąndert.

Freundliche Gr├╝├če
Maribu

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