Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, m├╝ssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5438
Themen:   92250
Momentan online:
76 Gäste und 1 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Kurzgeschichten
Die Assel
Eingestellt am 24. 07. 1999 00:00


Autor
Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.
Frank Zimmermann
Junior Mitglied
Wird mal Schriftsteller

Registriert: Jan 1999

Werke: 41
Kommentare: 273
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Frank Zimmermann eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

DIE KELLERASSEL
Es war einer dieser typischen Wintermorgen, noch dazu ein Montag. Der Radiowecker qu├Ąckte um 6:30 Uhr den Rest eines Popsongs, bevor der Nachrichtensprecher mit seiner sonoren Stimme Hiobsbotschaften verbreitete, von der politischen Weltlage, ├╝ber den Wetterbericht, bis zu den Verkehrsmeldungen, alles Schei├če! Sven huschte ins Bad: Heizung aufdrehen, Wasser lassen, zur├╝ck ins Bett. Dann blieb er noch ein Weilchen unter der Decke liegen, die ihn vor der unerbittlichen K├Ąlte des januarmorgendlichen Schlafzimmers sch├╝tzte. Doch die Zeit blieb nicht stehen und er hatte abzuw├Ągen was schlimmer war, ein neuer Morgen in Hektik oder das rechtzeitige verlassen der Bettstatt. Er entschied sich f├╝r zweiteres und ging erneut ins Badezimmer, wo nun die Eisblumen am Fenster mit der aufwallenden W├Ąrme der Heizung k├Ąmpften. Es war noch einer von diesen alten Gu├čeisenk├Ârpern, viel zu gro├č f├╝r den Raum und mit einem enormen Verbrauch, aber in diesem Winter, in dem die Spatzen erfroren von den B├Ąumen fielen, liebte Sven diesen enormen W├Ąrmespender. Er zog den Duschvorhang zu und drehte das hei├če Wasser auf. Er erschrak ├╝ber das grau-schwarze Etwas, das versuchte vor den anschwellenden Wassermassen zu fliehen: eine Kellerassel. Wahrscheinlich war auch sie vor der K├Ąlte geflohen und dabei in Svens Badewanne gelandet. Nackt, na├č und verschlafen wirkte dieses kleine Tier absto├čend und bedrohlich auf Sven und er hatte nicht das geringste Interesse daran, das Tier, das nun den Badewannenrand hochkrabbelte, gleich an seinem Bein zu haben. Er lie├č das hei├če Wasser in seinen H├Ąnden zusammenflie├čen und warf diese Wasserbombe dann unmittelbar ├╝ber der Assel ab. Diese konnte sich nicht halten, wurde vom Wasser zur├╝ck in die Wanne gesp├╝lt, trieb auf den Fluten und krallte sich dann am Haarsieb des Gullis fest. Von dort aus startete sie einen erneuten Versuch, den rettenden Badewannenrand zu erreichen. Sven versch├Ąrfte nun seine Attacke, indem er statt Wasser sein Shampoo benutzte, um die Assel zu bombadieren. Diese schien auch wirklich im Shampoo-Sumpf zu verenden, denn das Shampoo verklebte ihre emsigen Beinchen, wodurch ihr Fluchtversuch in einem hilflosen Zappeln endete. Sven seines Triumphes sicher ging in die Hocke, um den Todeskampf seines Opfers aus der N├Ąhe zu betrachten, um sich damit tr├Âsten zu lassen, f├╝r all das Unrecht, das die Welt ihm antat. Endlich hatte er das nach unten weitergeben k├Ânnen. Entsprechend drastisch wurde seine Reaktion, als dieses verdammte, gepanzerte Gesch├Âpf sich noch einmal zu erholen schien. Er nahm den Verschlu├č der Shampoo-Flasche, setzte den Rand auf dem R├╝cken der Assel an, und zerteilte sie langsam aber zielstrebig ziemlich genau in der Mitte. Der Chitinpanzer knirschte angemessen laut und das Gezappel der Assel ebbte ab. Die beiden Leichenteile taumelten zur├╝ck in die Badewannenfluten und wurden vom Gullistrudel auf den Boden des Haarsiebs gezogen. Sven richtete sich befriedigt auf und sah dann, dem knisternden Ger├Ąusch folgend, erschrocken an die Decke. Das letzte was er in seinem Leben sah, war eine schwarz-graue, kribbelnde-krabbelnde Masse, die auf ihn niederst├╝rzte.


(├ťbernommen aus der 'Alten Leselupe'.
Kommentare und Aufrufz├Ąhler beginnen wieder mit NULL.)

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


Zur├╝ck zu:  Kurzgeschichten Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.


Leselupe-Bücher



Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!