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Leselupe.de > Gereimtes
Die Attrappe
Eingestellt am 04. 03. 2004 09:31


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Colonita
Festzeitungsschreiber
Registriert: Mar 2003

Werke: 1
Kommentare: 3
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Die Attrappe

Gerlinde schwärmte “Ach wie fein,
würd’ doch ein Diamantring sein,
zur Zier an meiner schönen Hand,
das wär’ doch hübsch und elegant”.
So stand sie dort mit strammen Beinen,
im Stall vor ihren dreizehn Schweinen.

Der Bauer Franz ganz heimlich dachte,
dass er sein Weib eh nie betrachte,
und konnte gar nicht recht verstehen,
dass er sie sollt’ mit Schmuck versehen.
So dacht’ er lange hin und her,
sie zu beschenken viel ihm schwer.

Was tut man nicht fürs eig’ne Weibe,
auf das sie immer freundlich bleibe?
Auch wenn ein Weibsbild ihrer Klasse,
nicht stimuliert des Mannes Rasse.
So reiste er ins Nachbarland,
wo einst schon Rubens Schönheit fand.

Dort angekommen um halb vier,
als Bauer Franz beim Juwelier
erblickte Mademoiselle Babette,
fand er sie reizvoll und kokett.
Und weil sie wußt’ ihn zu entzücken,
wollt’ Franz jetzt ihren Finger schmücken

Spontan lud er die Mademoiselle,
zum Dinner ein ins Ritz Hotel.
Nur Eines hatte er vergessen,
er war nur Landwirt aus Nordhessen.
Sie sagte: “Danke, aber nein”,
und stieg in einen Porsche ein.

Des Bauern Geldbeutel war leer,
und tief gekränkt in seiner Ehr’,
konnt’ unser Franz der sonst so schlau,
gar nichts mehr kaufen seiner Frau.
Drum wieder hin und her er dachte,
bis er vor Bosheit wieder lachte.

ZurĂĽck in seinem Heimatland,
er schnell im Nebenhaus verschwand.
Sein Nachbar sammelte aus Automaten
Dosen, Bonbons, Blechpiraten.
Ein RingverschluĂź war schnell entdeckt,
mit Lutschbonbon als Stein, perfekt!

Gerlinde die war nicht mehr jung,
auch ihrer Sehkraft fehlte Schwung.
Ein Dosenring war elegant,
man zahlte schlieĂźlich Dosenpfand.
Doch jetzt war’s Zeit nach Haus zu gehen,
um nach dem ganzen Vieh zu sehen.

Unter der Mütz’ verschwand das Stück,
als er zum Kuhstall ging zurĂĽck.
Begann zu melken ganz in Ruh,
Gerlindes feiste Lieblingskuh.
Die wartete schon lang genug,
aus Wut ihr Schwanz den Bauern schlug!

Und schwuppdiwupp des Bauern MĂĽtze
flog durch den Stall in eine PfĂĽtze!
Der Bauer schreckte sogleich hoch,
wo war der Ring, wo war er doch?
Dann rief Gerlinde in den Stall,
und bat um Milch zum Abendmahl.

Der Bauer der im Strohe wĂĽhlte,
sich doch ganz plötzlich panisch fühlte!
Er suchte selbst im Schweinedreck,
doch die Attrappe, die war weg!
Der Franz geriet richtig in Fahrt,
und fluchte auf gemeinste Art.

Doch auf die Frage nach der Reise,
murmelte der Franz nur leise,
dass er das SchmuckstĂĽck nicht mehr fand.
Ob seine Frau das wohl verstand?
Zu Tische dann mit kräftigem Schluck
trank er die Milch in einem Zug.

“Ja mußt Du denn so hastig saufen?
Du fängst ja an blau anzulaufen!”
Der Franz versuchte hochzuspringen,
und gleichzeitig nach Luft zu ringen,
bis er plötzlich nicht mehr zuckte.
Woran er sich da wohl verschluckte?

Drum wusstet ihr auch klingt es öd’
Kühe sind gar nicht so blöd.
Und wird der Gattin nichts zuteil,
dann ist auch Geiz nicht immer geil.
Denn hat die GroĂźzĂĽgigkeit LĂĽcken,
kann man ganz plötzlich dran ersticken.

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alfi
???
Registriert: Dec 2003

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Colonita

diese Art von Humor gefällt mir außerordentlich gut,
auch handwerklich sehr schön gemacht. Das einzige was ich bemängeln möchte: für meine Begriffe zu lang.
Mach weiter so.
__________________
alles was sich reimt ist nicht-
automatisch ein Gedicht. (alfi)

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Udogi-Sela

Häufig gelesener Autor

Registriert: May 2003

Werke: 61
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Also, es treibt mich geradezu an die Tastatur, denn ich muss was zu diesem Gedicht schreiben. Ich finde dieses Werk passt von der Thematik her ausgezeichnet in dieses Forum.

Da ist z. B. Gerlinde, die in Ermangelung anderer Zuhörer zu ihren dreizehn Schweinen sprechen muss!

quote:
Gerlinde schwärmte “Ach wie fein,
würd’ doch ein Diamantring sein,
zur Zier an meiner schönen Hand,
das wär’ doch hübsch und elegant”.
So stand sie dort mit strammen Beinen,
im Stall vor ihren dreizehn Schweinen.

Und wer stramme Beine hat kann durchaus auch schöne Hände haben, die zu verzieren sich lohnen!

quote:
Der Bauer Franz ganz heimlich dachte,
dass er sein Weib eh nie betrachte,
und konnte gar nicht recht verstehen,
dass er sie sollt’ mit Schmuck versehen.
So dacht’ er lange hin und her,
sie zu beschenken viel ihm schwer.



Der Bauer (Franz), Tag für Tag von allerhand groben Viehzeug umgeben, nimmt seine Frau auch nicht mehr anders wahr, und wer hängt einer Kuh schon einen Diamant an den Huf? Das tät' ich auch nicht!
Und bei „sie zu beschenken viel ihm schwer.“ muss viel fiel heißen.
Es sei denn „sie zu beschenken viel ihm sehr schwer“, also sinngemäß: „viel schwer“.

quote:
Was tut man nicht fürs eig’ne Weibe,
auf das sie immer freundlich bleibe?
Auch wenn ein Weibsbild ihrer Klasse,
nicht stimuliert des Mannes Rasse.
So reiste er ins Nachbarland,
wo einst schon Rubens Schönheit fand.

So ist es doch verwunderlich, dass er trotzdem ins Nachbarland (wegen Rubens vermutlich Belgien) reist und genau bis halb vier braucht! Er geht also im Ausland! zu einem Juwelier! um „einfach so“!, denn weder Geburtstag, Hochzeitstag oder ein Jubiläum drohen, um für seine unattraktive Frau, der nur noch Schweine zuhören, edles Geschmeide, womöglich gar Diamanten zu kaufen! Also, da stimmt was nicht! Nur damit die Olle dem Alten gut gesinnt ist? Dat kann ich mir nit vüürstelle!

quote:
Dort angekommen um halb vier,
als Bauer Franz beim Juwelier
erblickte Mademoiselle Babette,
fand er sie reizvoll und kokett.
Und weil sie wußt’ ihn zu entzücken,
wollt’ Franz jetzt ihren Finger schmücken

Ich hatte Recht: Belgien! Denn wo sonst gibt es Mademoisellcher? (Ja, gut, Frankreich!)
Jede andere Frau wird dem Franz wahrscheinlich schöner als die eigene Alte sein, und wer dazu noch ein bisschen flötet und tschilpt wie dat Babettsche hier, hat so einen Bauern, dazu noch männlich, schnell um den Finger gewickelt.

quote:
Spontan lud er die Mademoiselle,
zum Dinner ein ins Ritz Hotel.
Nur Eines hatte er vergessen,
er war nur Landwirt aus Nordhessen.
Sie sagte: “Danke, aber nein”,
und stieg in einen Porsche ein.

Jetzt wird es wieder etwas unklar: Ist sie seiner Einladung zum Essen gefolgt, nachdem er ihr den Ring geschenkt hatte, der eigentlich fĂĽr seine Alte bestimmt war?

Das Ritz Hotel kann sie nur vorgeschlagen haben. (Wer wĂĽrde der Einladung einer Frau zum Ritz-Besuch nicht folgen!)

Böse Babette! Womit hat sie sich nur den Porsche erarbeitet? Bestimmt nicht als Verkäuferin beim Juwelier. Da müssen eben dumme Bauern dran glauben.

Stutz! Nordhessen?
Bad-Hersfeld, Frankenberg, Eschwege und Kassel und dann „Nachbarland“ Belgien?

quote:
Des Bauern Geldbeutel war leer,
und tief gekränkt in seiner Ehr’,
konnt’ unser Franz der sonst so schlau,
gar nichts mehr kaufen seiner Frau.
Drum wieder hin und her er dachte,
bis er vor Bosheit wieder lachte.

Der Bauer ist pleite und so wie dem Deppen Franz ist es schon vielen Männern ergangen. Auf junge hübsche Frauen scharf und das Hirn schaltet ab. Wo das Blut bei solchen Gelegenheiten hinläuft kann man sich denken.
Dann kann Franz wieder denken (hin und her) und ist tief gekränkt; das mag richtig sein, aber weshalb lacht er vor Bosheit? Wenn ihm was gegen dat Babettsche eingefallen wäre, könnte man das verstehn.

quote:
ZurĂĽck in seinem Heimatland,
er schnell im Nebenhaus verschwand.
Sein Nachbar sammelte aus Automaten
Dosen, Bonbons, Blechpiraten.
Ein RingverschluĂź war schnell entdeckt,
mit Lutschbonbon als Stein, perfekt!

Hat der Franz seiner Alten eigentlich erzählt, dass er ihr einen Ring kaufen will? Nur so wäre verständlich, dass er jetzt überlegt, wo er einen Ersatzring herbekommt.
Ach das Gute liegt so nah! Der Nachbar (Jäger und Sammler!) hat’s!
Blechpiraten?
Ringverschluss mit Lutschbonbon!
Der Mann ist kreativ!

quote:
Gerlinde die war nicht mehr jung,
auch ihrer Sehkraft fehlte Schwung.
Ein Dosenring war elegant,
man zahlte schlieĂźlich Dosenpfand.
Doch jetzt war’s Zeit nach Haus zu gehen,
um nach dem ganzen Vieh zu sehen.

Ohjeh! Jetzt ist uns Gerlinde entkommen, einfach abgenippelt!
Sie war nicht mehr jung. Sehkraft ohne Schwung! Hatte keinen Schwung in den Augen! Alles vorbei: Gerlinde war einmal.

quote:
Unter der Mütz’ verschwand das Stück,
als er zum Kuhstall ging zurĂĽck.
Begann zu melken ganz in Ruh,
Gerlindes feiste Lieblingskuh.
Die wartete schon lang genug,
aus Wut ihr Schwanz den Bauern schlug!

Wenn der Bauer zum Stall zurĂĽckgeht, muss er vorher schon mal dort gewesen sein. Hat er extra Gerlindes Lieblingskuh bei seinem ersten Stallbesuch nicht gemolken?
Ist es Gerlindes Lieblingskuh, weil sie so feist ist?
Warum melkt er sie und nicht sie sie? Ist die Kuh deshalb sauer? Vielleicht auch die Milch?

quote:
Und schwuppdiwupp des Bauern MĂĽtze
flog durch den Stall in eine PfĂĽtze!
Der Bauer schreckte sogleich hoch,
wo war der Ring, wo war er doch?
Dann rief Gerlinde in den Stall,
und bat um Milch zum Abendmahl.

Der Bauer der im Strohe wĂĽhlte,
sich doch ganz plötzlich panisch fühlte!
Er suchte selbst im Schweinedreck,
doch die Attrappe, die war weg!
Der Franz geriet richtig in Fahrt,
und fluchte auf gemeinste Art.

Nanu? Gerlinde ist von den Toten auferstanden und bittet zum Abendmahl. Das kenne ich irgendwie andersrum.

Die MĂĽtze in einer PfĂĽtze! Pfui! Was mag das fĂĽr eine PfĂĽtze sein? Mit Stroh wird das zu Mist.

quote:
Doch auf die Frage nach der Reise,
murmelte der Franz nur leise,
dass er das SchmuckstĂĽck nicht mehr fand.
Ob seine Frau das wohl verstand?
Zu Tische dann mit kräftigem Schluck
trank er die Milch in einem Zug.

Also doch: Gerlinde hat ihn geschickt!

Wenn Bauer Franz murmelt, das kann keiner verstehen, auch seine Frau nicht.

Und wieso sitzt er plötzlich milchtrinkend und Zug fahrend am Tisch?

quote:
“Ja mußt Du denn so hastig saufen?
Du fängst ja an blau anzulaufen!”
Der Franz versuchte hochzuspringen,
und gleichzeitig nach Luft zu ringen,
bis er plötzlich nicht mehr zuckte.
Woran er sich da wohl verschluckte?

Ganz schön dick die Milch! Man ist versucht zu glauben, dass der Ring im Hals des Bauern Franz steckt. Doch wenn es so wäre, wäre er doch gar nicht erstickt! Denn der Ring hat ein Loch, durch das man noch gut Luft bekommt.
Ich glaube, die Milch war nur einfach zu dick!

quote:
Drum wusstet ihr auch klingt es öd’
Kühe sind gar nicht so blöd.
Und wird der Gattin nichts zuteil,
dann ist auch Geiz nicht immer geil.
Denn hat die GroĂźzĂĽgigkeit LĂĽcken,
kann man ganz plötzlich dran ersticken.

Obwohl, da steht ja auch, man kann an Lücken ersticken. Dann könnte es doch sein, dass man an einem Ringloch erstickt.



Also ich muss sagen, ein Werk, dass mich so sehr zum Nachdenken gebracht hat wie dieses, hatten wir schon lange nicht mehr hier!




Aber ganz im Ernst: Die Geschichte gefällt mir ausgesprochen gut, nur an der Umsetzung in der logischen Abfolge hapert es etwas. Der Rhythmus ist o.k., einige Reimpaare finde ich auch gut, z.B.: „Auch wenn ein Weibsbild ihrer Klasse, nicht stimuliert des Mannes Rasse.“ oder „Und wird der Gattin nichts zuteil, dann ist auch Geiz nicht immer geil.“, aber an anderen Stellen gibt es einige unnötige Wortwiederholungen.


Ich hoffe Du merkst: Alles nicht so ganz ernst gemeint!

vom Udo

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Dieses ganze Schreiben ist nichts als die Fahne des Robinson auf dem höchsten Punkt der Insel. (Kafka)

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Herr MĂĽller
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Hallo Colonita,

erstmal herzlich willkommen in der Leselupe. Ich finde auch, in Deinem Gedicht stecken wahnsinnig viele witzige Ideen drin. Weiter so, vielleicht bringt Dir die Leselupe ja was zusätzlich.

Herzliche GrĂĽĂźe
Herr MĂĽller

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Wer das Wort sucht, wird den Reim ernten.

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alfi
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udogi

ich finde es einfach toll dass du dich dieses Werkes so ausführlich angenommen hast.Alleine Dein Zeitaufwand hat sich meines Erachtens gelohnt. Ich frage mich nur warum ich als Neuling diese Runde eröffnen musste? Mein Problem ist die Zeit. Fand es jammerschade dass es so alleine unbeobachtet dastand. Das hatte es nicht verdient.
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Udogi-Sela

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Gratulation zum 100. des Herrn MĂĽller

Herr Müller: Zunächst mal Gratulation zum 100. Nein, nicht Geburtstag, sondern Werk: „Schreibaufgabe Fehlsprung“.

Ein Fehlsprung gab’s auch im Auge des Herrn Müller: Colonita ist genauso lang in der LL wie selbiger!

stellt fest der
Udo

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Dieses ganze Schreiben ist nichts als die Fahne des Robinson auf dem höchsten Punkt der Insel. (Kafka)

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