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Leselupe.de > Horror und Psycho
Die Augen des Killers
Eingestellt am 17. 10. 2005 18:23


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Silvervox
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Oct 2005

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Der Wind versuchte mit seinem lauten Schlachtlied die letzten einsamen Seelen in dieser kalten Herbstnacht von den Straßen zu jagen, während der Regen sein Bestes tat, um den Wind in seinem Tun zu unterstützen. Die Schwarzgewandete Gestalt, die eher langsam durch die Straßen schritt, nahm gar keine Notiz von alldem. Er hatte seinen grauen Mantel tief ins Gesicht gezogen und ebenso tief war er auch in seinen Gedanken versunken. Schon seit zehn Jahren arbeitete er bei der Polizei und in dieser Zeit hatte er eine rasante Kariere gemacht von der viele andere nur träumen würden. Man hatte ihm sehr oft gesagt, dass er über eine begnadete Phantasie verfügen würde, die es ihm ermöglichte sich in den Geist eines Killers zu versetzen. Dieser Eigenschaft hatte er es zu verdanken, dass er bislang jeden Fall lösen konnte mit dem man ihn beauftragt hatte. Doch all diesen Erfolgen zum Trotz stand er nun vor einem Rätsel. Seit einem Monat trieb ein Mörder in der Stadt sein Unwesen, der jeden Abend unaufhörlich seinen düsteren Gelüsten nachging. Die Opfer waren bislang ausschließlich Frauen gewesen, doch ein wirkliches Motiv war nicht zu erkennen und Spuren hatte er auch keine hinterlassen. Jim war wirklich verzweifelt… er musste langsam vorankommen, oder es würde sich wirklich nicht gut für ihn entwickeln. Die Presse zerriss sich bereits das Maul und nur allzu oft viel der Satz… „Jack is back! – Jack the ripper“ ist wieder da. Nicht unbedingt unpassend, wenn man bedenkt, dass alle Frauen regelrecht ausgeweidet wurden. Er schüttelte die schwarzen Gedanken von sich ab und stellte nach einer Weile fest, dass er bereits vor seiner Haustür stand. Er zog seinen Schlüssel und machte sich daran die Tür zu öffnen, doch als er sie berührte schwang sie langsam knirschend auf und er betrat den Flur. Es war stockdunkel und eine erdrückende Stille machte sich schlagartig breit, nachdem er die Tür leise geschlossen hatte. Irgendwie hatte er das Gefühl, das Gefühl das etwas nicht stimmte, dass etwas ganz und gar nicht stimmte. Es war eigentlich eher eine Art Gefahreninstinkt und bislang tat er immer gut daran auf ihn zu hören. Vorsichtig zog er seine Pistole aus der Jacke und schlich leise den Korridor entlang. Es war stockdunkel, jedoch hatte er ein klares Bild seiner Wohnung vor Augen und hätte diesen Weg auch im Schlaf gehen können. Behutsam öffnete er die Küchentür, um bloß keinen Laut zu erzeugen. Er wusste, dass irgendwas nicht stimmen konnte… Sarah müsste längst hier sein und sie hätte sich gemeldet, wenn sie noch mal hätte wegfahren müssen, daher war der plötzliche metallische Geruch für ihn nicht wirklich eine Überraschung und doch überkam ihn Panik, so dass er schnell auf den Lichtschalter schlug und dann mit gezogener Waffe von der einen zur anderen Seite des Raums blickte. Das Bild, das sich ihm bot… hätte aus einem schlechten Horrorfilm stammen können! Seine Küche glich eher einer ziemlich heruntergekommenen Metzgerei! Überall waren Blutspritzer und kleine Pfützen! An den Wänden waren blutige Handabdrücke zu sehen. Der abgerissene blutige Nagel sagte ihm, dass sie zu Sarahs Hand gehörten. Auf dem Küchentisch stand sein Werkzeugkoffer und eine kleine Handsäge lag in einer Blutpfütze daneben. Auf dem Tisch waren auch überall kleine Fleischstücke und Spritzer von gelblicher Flüssigkeit, vermutlich Eiter. Er musste zwanghaft mit sich ringen, um einen Brechreiz zu unterdrücken. Jim sah das alles genau vor sich, konnte sich vorstellen wie es sich zu getragen hatte. Wie Sarah vor dem Killer davon kroch und dieser immer und immer wieder mit einem Vorschlaghammer auf ihren Rücken ein drosch und zwar solang bis sie sich nicht mehr bewegen konnte, dann hatte er sie zum Tisch getragen und ganz langsam damit begonnen sie mit der Säge zu verstümmeln, jedoch erst nachdem er ihr die Zunge herausgeschnitten und ihr die Stimmbänder durchtrennt hatte. Als Jim sich wieder umblickte, entdeckte er eine Blutspur von etwas großem, das über die Fliesen in Richtung Wohnzimmer gezogen worden war. Schritt für Schritt ging er in diese Richtung und ein Blick genügte schon, dass er den Brechreiz nicht mehr unterdrücken konnte. An einem Fleischerhaken hing Sarahs Rumpf am Wohnzimmerschrank. Ihre gesamten Gliedmaßen lagen in einer transparenten Plastiktüte neben einem Sessel. Jim rannte zur Toilette und übergab sich über der Kloschüssel. Als er wieder hochkam taumelte er zum Waschbecken und wusch sich durchs Gesicht. Er fühle sich gleich viel besser, jedenfalls solange bis er in den Spiegel blickte, denn in Höhe seines Gesichts waren die Ohren und die Zunge seiner Geliebten angenagelt, so dass er sich erneut übergeben musste. Ihm war so elend zumute und am liebsten wäre er im Erdboden versunken. Doch dann horchte er auf… ein Wimmern, … Ben’s Wimmern! Das Zimmer ihres einjährigen Sprösslings lag in der nächsten Etage und Jim machte sich auf der Stelle auf den Weg. Er eilte zur Treppe und nahm mit jedem Schritt zwei Stufen auf einmal und doch kam es ihm so vor als würde die Treppe niemals enden wollen. All das schien so unwirklich! Er wollte und konnte nicht glauben, dass das alles Wirklichkeit sein sollte, dass seine geliebte Sarah wirklich ein Opfer dieses Verrückten geworden war! Es war bekannt, dass er die Ermittlungen in diesem Fall leitete und offenbar war der Killer irgendwie an seine Personalien gelangt. Oh ja, er hatte sich immer für so schlau und unbesiegbar gehalten, doch nun musste er sich eingestehen, dass er die Gefahren seiner Arbeit bei Weitem unterschätzt hatte! Wie in Trance glitt er wie im Zeitraffer die letzten Stufen empor und erreichte die Tür des Kinderzimmers. Jim hielt den Atem an, hob die Waffe und durchschritt die Tür. Es war stockdunkel, doch er hörte eine nervöse Stimme. »Gutschi gutschi, na Du.«
Jim schaltete das Licht ein und erblickte einen Mann in schwarzer Lederkluft der mit dem Rücken zu ihm saß. Er hatte lange silbrige Haare und seine Kleidung ließ darauf schließen, dass er der Gothicszene angehörte. Er war über Bens Krippe gebeugt und nun sah Jim auch das Blut was an den weißen Laken heruntertröpfelte… er konnte nur auf das Blut schauen. Der Killer stand auf und drehte sich zu ihm um. In seiner Hand hielt er einen Hammer von dem ebenfalls Blut tröpfelte. Jims Augen füllten sich mit Tränen und er richtete die Waffe zitternd auf diesen Schlächter, der ihm alles genommen hatte. Der Killer warf etwas vor seine Füße, dass mit einem klatschenden Geräusch auf den Boden aufschlug.
»Hier hast Du Deinen Bastard! Er ist ja so süß!«, lachte der irre Mörder.
Jim schluckte und richtete seinen Blick wieder auf den Mann, der sein Leben zerstört hatte und mittlerweile fast vor ihm stand. Gerade als er schießen wollte, spuckte der Killer ihn an und irgendwas klebte an seiner Wange. Als er es mit seiner Hand wegwischte, da musste er feststellen, dass es ein zerkauter Augapfel war und er schüttelte sich vor Ekel. Erst im allerletzten Moment erkannte er seinen Fehler, doch da war es bereits zu spät… er spürte nur noch wie der kalte Stahl des Hammers seinen Kopf wie einen Amboss traf und sein Bewusstsein in eine Dunkelheit verbannte aus der ein Entkommen einfach unmöglich war.

Drei Wochen dauerte es bis er wieder im Stande war das Krankenhaus zu verlassen. Seine Wunden waren größtenteils verheilt, selbst an die beiden neuen Schneidezähne würde er sich mit der Zeit wohl gewöhnen können, aber die tieferen Wunden, die Wunden, die seine Seele erlitten hatte, würden wohl nicht so leicht in Vergessenheit geraten. Irgendwie herrschte nur noch eine klaffende Leere in ihm… er fühlte nichts mehr und er glaubte auch, dass das gut war, denn andernfalls hätte er wohl Schmerzen über sich ergehen lassen müssen, die zuviel für einen einzelnen Menschen waren. Jim war nur noch ein Schatten seiner selbst und das wussten auch seine Kollegen. Man hatte ihm den Fall entzogen… ihm… Jim, den Unbesiegbaren! Das Leben war wahrhaft kein Zuckerschlecken! Nun saß er hier im Stau und wartete darauf, dass dieser verfluchte Zug endlich kommen würde. Er war ohnehin gereizt und dieses Warten steigerte seine innere Anspannung nur noch zusätzlich, so dass er begann mit seinen Fingern auf dem Armaturenbrett zu trommeln. Langsam ließ er seinen Blick über die anderen wartenden Autos neben sich schweifen und dann entdeckte er zwei Wagen vor sich einen blutroten eleganten Ferrari und als er einen Blick auf den Fahrer warf, da traute er seinen Augen kaum. Er konnte den Fahrer zwar nur von hinten sehen, aber dieser hatte lange silbrige Haare… silbrige Haare waren nicht unbedingt eine Farbe, die sehr verbreitet war. Er sprang aus dem Wagen und schrie in Richtung des Ferraris. »Hey Silberlocke!«
Der Fahrer drehte sich langsam um und grinste. Es war in der Tat der Mann, der all diese schrecklichen Morde begangen hatte, der Mann, der Sarah und Ben auf solch bestialische Art und Weise geschlachtet hatte und nun saĂź er da in einem roten Ferrari und grinste ihn frech von der Seite an.
Jim griff in seine Jacke und zog seine Desert Eagle. Ein sauberer Treffer sollte genügen! , dachte er sich. Der Killer sprang aus dem Wagen und rannte los, immer zwischen den wartenden Autos hin und her. Jim hatte keine klare Schusslinie und nahm die Verfolgung auf. Der silberhaarige Typ sprang auf den Kofferraum eines Autos und lief fortan über die Dächer weiter. Jim tat es ihm nach und viele der Autofahrer protestierten lautstark, aber Jims Antwort war ein einfacher Wink mit seinem Revolver, der das Gemüt der meisten Autofahrer auf der Stelle wieder abkühlte. Auf einmal war es soweit… der Killer war zwar weit vor ihm… aber er hatte eine klare Schusslinie, er hob die Pistole und drückte den Arm ganz durch und dann ließ er der Kugel ihren Lauf. Die Desert Eagle gab einen ohrenbetäubenden Knall von sich, als sich der Schuss löste und den Killer offenbar knapp verfehlte. Dieser wurde jedoch nicht im Geringsten langsamer und so schoss Jim ein zweites Mal – wieder daneben! Die Leute in den Wagen schauten verängstigt zu ihm auf. Er fluchte und steckte die Pistole wieder ein und jagte dann weiter hinter seinem Peiniger her. Dieser war schon am letzten Auto der Schlange angelangt und schaute zurück. Erneut grinste er nur höhnisch. Jim war außer sich und rannte weiter.
Na wohin willst Du Arschloch jetzt? Nun dachte er sich, dass er treffen würde und so zielte er wieder auf den Killer, doch dann kam plötzlich wie aus heiterem Himmel der Zug vorbei und der Killer sprang an einen Wagon, an dem er sich festklammerte. Jim lief nun schnell über die restlichen Autodächer, während der Zug weiterraste. Er wollte diesen Hund nicht schon wieder verlieren und so gab er alles, um den Zug zu erreichen und genau in dem Moment als der Zug im Begriff war an ihm vorbei zu fahren, sprang er los und er fasste ganz knapp die Kopplung des letzten Wagons… es kam ihm wieder alles so unwirklich vor, als seine Finger sich um die Öse schlossen, doch im nächsten Augenblick klatschte sein Körper auf die Schienen auf, doch er ließ nicht los. Er ließ auch nicht los, als er mitgezogen wurde und seine Beine durch den Schotter aufgerissen wurden und sich höllische Schmerzen in ihnen breit machten. Jim biss einfach die Zähne zusammen und zog sich Stück für Stück hoch und ergriff die Klinke zum Innenraum der Kabine. Die Fahrgäste schauten ihn völlig entgeistert an, doch niemand wagte etwas zu sagen. Langsam setzte er sich auf einen freien Platz und kramte nach seinem Handy. Er wählte die Nummer seines Kollegen.
»Frank? … Hey Frank ich bins Jimmy. Ja, ja! Ja, ich weiß! Nein, ich sitze gerade im Zug Richtung Hauptbahnhof! Nein… nein, kann ich Dir jetzt nicht erklären. Verdammt… jetzt höre mir endlich mal zu. Hier im Zug ist der Ripper! Ich werde ihn jetzt weiter verfolgen, aber siehe zu, dass eine Einheit am Hauptbahnhof bereit steht! Dann bereiten wir diesem Bastard einen heißen Empfang, den er so schnell nicht vergessen wird! Ja, versucht so in einer halben Stunde da zu sein. Ich sehe weiter, was ich machen kann! Also bis dann! Ja, ich werde auf mich aufpassen!« Jim stand abrupt auf und griff nach seiner Waffe, aber sie war nicht da. Verdammt!, er musste sie verloren haben, als er über die Schienen geschliffen wurde. Er ließ sich davon jedoch nicht aufhalten, der Killer musste gestoppt werden und zwar noch heute, ansonsten wäre jedes weitere Opfer nur auf seine eigene Unfähigkeit zurück zu führen. Er wollte und konnte das nicht akzeptieren. Zielstrebig bewegte er sich durch die einzelnen Wagons und fragte, die Leute ob sie einen Mann mit silbernen Haaren gesehen hätten, doch niemand hatte ihn angeblich gesehen, so dass es nur einen Schluss geben konnte. Der Killer musste auf dem Zug sein. Er begann ein Fenster zu öffnen und schob langsam seinen Oberkörper heraus, doch plötzlich wurde er festgehalten, er drehte sich zu dem Hindernis um und entdeckte das Gesicht eines jungen Schaffners, der ziemlich nervös zu sein schien.
»Lass mich auf der Stelle los, Junge!«, fauchte er den jungen Mann an.
»Aber ich darf sie nicht aus dem Zug springen lassen… es gibt doch bestimmt für jedes Problem eine Lösung! Ist es wegen einer Frau? Vielleicht…«, mehr Worte bekam er nicht mehr heraus, nachdem er Jims rechten Fuß ins Gesicht bekam und ohnmächtig zu Boden stürzte. Nein, das hätte er einfach nicht fragen sollen! – Jim hasste aufdringliche Menschen. Geschickt kletterte er auf den Zug und blickte sich um, ungefähr in der Mitte des Zuges sah er sein Ziel… der silberhaarige Killer… er wollte sich gerade auf ihn zu bewegen, da nahm dieser Anlauf und sprang von dem Zug auf einen parkenden PKW und von dort aus ohne langsamer zu werden auf die Straße, wo er sofort weiter rannte. Jim schüttelte mit dem Kopf und nahm ebenfalls Anlauf und sprang, er schlug hart auf dem Asphalt auf und rollte sich ab. Seine aufgerissenen Knie fingen augenblicklich erneut an zu bluten, doch er durfte einfach nicht schlapp machen. Zögerlich raffte er sich hoch und humpelte die Straße entlang. Schon nach ein paar hundert Metern entdeckte er eine gewaltige Menschentraube. Jahrmarkt - er hatte den verfluchten Jahrmarkt vergessen! Hektisch blickte er sich um und er wollte gerade fluchen als er plötzlich die silbernen Haare in der Menge ausmachte. Er rannte, er rannte so schnell er konnte, doch der Killer glitt wie eine Schlange durch die Menge und er stand schon kurz davor schlapp zu machen. Er schrie die Leute vor sich an. »Haltet den Mann mit den silbernen Haaren! Haltet ihn! Er ist der Ripper!«
Die Leute wichen jedoch nur vor ihm zurück, offenbar verstört durch seine zerlumpte Aufmachung. Jim wurde durch dieses Verhalten jedoch nur wütender. »Verschwindet ihr Hunde und geht mir aus den Augen! Fahrt doch alle zur Hölle!«, schrie er ihnen aufgebracht entgegen, dann humpelte er weiter und blickte sich dann wieder um. Der Ripper schien schon wieder verschwunden zu sein. Nach ein paar weiteren Schritten entdeckte er ihn wie er in ein Spiegellabyrinth hineinging und Jim rannte so schnell er konnte hinter ihm her. Er schob eine schwarze Matte beiseite und durchtrat die Barriere ins Innere. Es war ziemlich düster und überall waren Spiegel, doch er hatte keine Zeit für diesen Unsinn und ging weiter. Als er nach einigen Minuten aus versehen gegen eine Wand lief hörte er von rechts, wo sich der richtige Gang befand, ein irres Lachen und so eilte er in den Gang hinein. Nach wenigen Schritten erblickte er diesen Verrückten, der vor ihm stand und ihn wie von Sinnen angrinste. Er hielt ein kleines blasses Mädchen mit rabenschwarzen Haaren an der Schulter fest und zog sie nach hinten und Jim entdeckte ein kleines Klappmesser, dass er ihr an die Kehle hielt.
»Noch einen Schritt und sie ist tot, Du Narr!«
Der Killer verspottete ihn ganz offensichtlich und das steigerte die Wut in ihm immens, aber er konnte das Leben des Mädchens nicht in Gefahr bringen. »Lass sie los! Sie hat mit der Sache doch nichts zu tun! Das betrifft doch nur Dich und mich!«
Der Killer grinste ihn wieder an. »Siehst Du dieses Messer hier?«, bei diesen Worten ließ er es in seiner Hand hin und her schwenken. »Damit habe ich Deiner Frau den Kopf abgeschnitten, aber andererseits… Du hast Recht! Das ist eine Sache, die nur uns beide betrifft«, daraufhin fing er aufs Neue an irre zu lachen. Das Mädchen wimmerte und zitterte am ganzen Leib. »Hör auf zu jammern, oder ich schneide Dir die Zunge heraus und esse Deine Augen… glaub mir, das werde ich wirklich machen! Frag ruhig den Mann!«
Jim musterte den Killer eingehend, irgendwas stimmte an ihm nicht. Er konnte es nur nicht beim Namen nennen, ob es nun sein Verhalten, oder die Art war wie er sich bewegte. Es war einfach nicht greifbar. Dann fiel sein Blick auf die Haare, er hatte sie noch nie aus dieser Nähe gesehen. Sie waren so unglaublich silbern und sie spiegelten die Umgebung wieder. Nein, nicht die Umgebung. Es ist was anderes! Da war ein Gesicht… Sarah? Sie lächelte ihn an und er musste ebenfalls lächeln, doch dann verzerrte es sich und sie sagte etwas, etwas, dass sie schon einmal zu ihm gesagt hatte. »Jim, Du bist ein Loser und zwar in jeder Beziehung! Unsere Ehe ist schon seit geraumer Zeit ein Fiasko, doch Du bist nur fixiert auf Deine Arbeit und bekommst überhaupt nichts mit! Ich wollte es Dir schon lange sagen, aber bislang habe ich versucht einfach drüber hinweg zu sehen, doch nun geht es nicht mehr… ich hab jemand anders kennen gelernt, jemand, der mich wirklich liebt. Sein Name ist Silver und er wird mit mir und Ben eine wirkliche Familie gründen. Der Junge braucht einen Vater! Ich meine einen richtigen Vater! Du weißt ja nicht einmal was es bedeutet Vater zu sein! Nächsten Monat Jim, nächsten Monat werde ich Dich verlassen! Er sah sich selbst völlig ausdruckslos dasitzen, dann strömte eine Unmenge von Bildern vor seinem geistigen Auge auf und er sah viele angstverzerrte Frauengesichter. Sie waren alle keinen Deut besser als Sarah! Ja, diese Schlampen sollten alle elendig krepieren! Er würde ihnen schon zeigen, was man mit ihnen machen sollte! … Wieder neue Bilder, die sich vor ihm abspielten, …dann sah er Sarah, wie sie vor ihm stand und ihn fragte, was der Werkzeugkoffer auf dem Tisch zu suchen hätte und er grinste nur und holte einen Vorschlaghammer hervor, den er neben den Küchenschrank angelehnt hatte. »Jim, was hast Du vor?«, fragte sie ihn, doch die Antwort erhielt sie schneller als ihr lieb war. Erbarmungslos hieb er mit dem Vorschlaghammer auf ihr ein. Immer und immer wieder. Sie schrie, sie schrie wie am Spieß, doch Jim war längst fernab jeglicher Vernunft und war für Appelle, die sich an seine Menschlichkeit richteten nicht mehr zugänglich. Alles spielte sich wie in einem Film vor ihm ab und er sah auch wie er seinen eigenen Sohn mit einem Hammer den Schädel einschlug und den leblosen Körper anschließend auf sich selbst warf und sich dann mit dem Hammer beinahe den Schädel zertrümmerte. Daraufhin folgte die Hatz über den Zug bis hin zu dem Spiegelkabinett und nun stand er hier und spürte wie sich Sarah, die Hure zwischen seinen Fingern wand… er überlegte nicht eine Sekunde und dann spürte er auch schon wie ihr roter Saft über seine Hand lief und seine Kleidung besudelte, doch das reichte ihm noch lange nicht und er stach noch ein duzend mal in den erschlafften Körper ein, dann ließ er Sarah…, nein es war nicht Sarah, es war dieses Mädchen, wie auch immer, er ließ sie zu Boden sinken. Auch sie wäre nicht besser geworden wie diese Schlampe! Er hatte nur jemand anders sein eigenes Leid damit erspart! – Es war nur eine gute Tat!
Jim blickte auf und doch war er nicht Jim, er war Jack und als Jack in den Spiegel vor sich schaute, da sah er Jim wie er weinend am Boden neben dem getöteten Mädchen kniete und Gott um Gnade anflehte. Jim, der das alles doch nicht gewollt hatte blickte hasserfüllt durch den Spiegel zu Jack und verfluchte ihn für das was er selbst war.
Dann verlieĂź Jack irre kichernd das Spiegellabyrinth im Wissen, dass er heute Nacht wieder Gutes tun wĂĽrde.

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"Die Jugend liebt heutzutage den Luxus. Sie hat schlechte Manieren,
verachtet die Autorität, hat keinen Respekt vor älteren Leuten und
schwatzt, wo sie arbeiten soll. Die jungen Leute stehen nicht mehr auf,

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Black
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Registriert: Oct 2004

Werke: 14
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Hi Silvervox,

zunächst mal : gute Idee und anschaulich umgesetzt,Du verwendest viele passende (und einige unpassende) Bilder.
Die Schlachteszenen wĂĽrden Stephen King erblassen lassen ;-)
Auch wenn es wie ein Standardsatz klingt : ich wĂĽrde hier auf jeden Fall noch kĂĽrzen, keine so ausfĂĽhrliche Verfolgungsjagd und die Kollegen im Hauptbahnhof ganz weglassen. Wie Du ja selbst schreibst : es geht nur um die zwei, weitere Personen sollten sparsam eingesetzt werden.
FĂĽr den Start mal eine 6 von mir - guter Horror, etwas zu lang.
GrĂĽĂźe
Black
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tomorrow never knows

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