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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Die Ausfahrt
Eingestellt am 10. 04. 2007 23:23


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Marot
Festzeitungsschreiber
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Ein junger Mann, Mitte zwanzig, f├Ąhrt z├╝gig von einer Autobahn auf die N├Ąchste und ger├Ąt noch auf dem Zubringer zur Zweiten in einen Stau. Das Auto vor ihm, ein gr├╝ner Pick Up mit Anh├Ąnger, ein Traktor ist darauf mit gelben Seilen festgebunden, wird erst stetig langsamer und kommt dann g├Ąnzlich zum Stehen. Hinter dem Golf des jungen Protagonisten quietschen die Reifen eines blauen Sportwagens, der kurz nach links, dann nach rechts zuckt, als suche er einem Weg vorbei zu huschen, sich dann aber doch eines besseren besinnt und, statt im wilden Ausfall ├╝ber den Standstreifen an der sich bildenden Schlange vorbeizuziehen, brav an deren Ende zum Stehen kommt. Im R├╝ckspiegel sieht der junge Mann in der Mitte, den wir der Alternativen halber Thomas nennen wollen, die sich zornig straffenden Wangenknochen eines Herren mittleren Alters, mit schwarzen Kinnbart, Sonnenbrille und elegantem Kurzhaarschnitt. Das tadellos wei├če Hemd ist aufgekn├Âpft, das Nadelstreifenjacket liegt mit einiger Sicherheit, des ungew├Âhnliches warmen Fr├╝hlings wegen auf dem Beifahrersitz, die Rollex versteckt sich hinter dem Sportlenkrad.
Thomas schaut wieder nach vorne. Es will nicht voran. Drei Minuten nicht. Die Motoren verstummen.
├ärgerlich, denkt der Protagonist. Die Ausfahrt kann keine zwei Kilometer voran sein. Zu dieser Anstauung h├Ątte es wei├č Gott auch ein paar Minuten sp├Ąter kommen k├Ânnen.
Thomas dreht das Radio an. Seichtes, wirres Gedudelt schl├Ągt ihm entgegen. Irgend eine dieser deutschpop Bands vor denen man sich die letzten Jahre kaum retten konnte. Was die Frau aus dem Lautsprecher genau singt bleibt ein R├Ątsel. Die Sprache ist verst├Ąndlich, der Sinn bleibt doch verborgen. Ein Druck auf die Suchfunktion, erweckt einen italienischen Tenor zum Leben, ein weiterer Druck erw├╝rgt ihn schleunigst. Ihn ersetzt eine Diskussion ├╝ber Zusatzstoffe in Lebensmitteln. Prinzipiell interessiert sich unsere Hauptfigur f├╝r derlei Unterhaltung, doch heute sucht er nach einem Service, der ihn sonst nur reichlich wenig zu fesseln vermag .Wie es die Chaostheorie will ist ausgerechnet an diesem Tag auf keinem Sender eine Verkehrsmeldung zu finden.
Aus dem Pickup steigt ein st├Ąmmiger Mann mit blauem Overall heraus, um die Seile des Traktors zu ├╝berpr├╝fen.
Thomas reckt seinen Hals zur Seite um an dem Traktor vorbei nach vorne schauen zu k├Ânnen, aussteigen mag er nicht, es k├Ânnte ja durchaus gleich weiter gehen und dann m├╝sste er wie der Pick Up Fahrer ins Auto hechten. So etwas ist nicht seine Art. Das Ausma├č des Staues zu erfassen ist vom Fahrersitz aus allerdings eine recht schwierige Angelegenheit. Die Autobahnauffahrt macht eine Kurve nach links, so das Thomas von seiner Position aus h├Âchstens f├╝nf bis sechs Autos erkennen kann. Zur Linken erstreckt sich ein Waldst├╝ckchen hinter welchem sich irgendwo die eigentliche Autobahn befinden m├╝sste.
Gleich die n├Ąchste Ausfahrt h├Ątte er nehmen m├╝ssen, dann nur noch wenige Kilometer Landstra├če zum Flughafen.
Gerade heute kann er so etwas nicht gebrauchen, gerade heute z├Ąhlt doch jede Minute.
Immer noch vermeldet das Radio nichts. Dass l├Ąsst darauf schlie├čen, dass der Unfall oder was auch immer hier verantwortlich zeichnet, noch jung sein muss. Was das hei├čt ist allerdings Spekulation. Ist die Stra├če ganz gesperrt oder kann man vielleicht noch hindurchhuschen bevor die Polizei kommt?
Der Pick-Up-Fahrer z├╝ndet sich eine Zigarette an, der Mann im R├╝ckspiegel telephoniert.
Die Minuten verstreichen. Thomas lauscht nun doch der Diskussion ├╝ber Lebensmittel und erf├Ąhrt, dass in so ziemlich jedem Fertiggericht sch├Ądliche Zusatzstoffe enthalten sind.
Zitronens├Ąure zum Beispiel, welche die Z├Ąhne kaputt macht. Frosta verzichtet auf Zusatzstoffe und macht Werbung damit. Toll!
Der Lauscher dreht das Radio aus und schaut aus der Frontscheibe. Fast scheint es als h├Ątte sich der Pick Up ein wenig nach vorne bewegt. Geht es etwa weiter? Thomas richtet sich auf, dreht den Z├╝ndschl├╝ssel um und wartet, die H├Ąnde am Lenkrad. Ein stetiges Dahinkriechen w├Ąre ja schon genug, er muss ja nur die wenigen Kilometer.
Der Motor tuckert lauernd vor sich hin.
Pl├Âtzlich sieht der Protagonist den Pick-Up-Fahrer vor dessen Auto einher spazieren. Er isst ein Sandwitch. Falscher Alarm also. Thomas macht den Motor aus und sinkt zur├╝ck in den Sitz.
Seit Jahren war er nicht mehr in einem solchen Stau. 15 Minuten bewegt sich mittler Weile schon nichts mehr. Der Sportwagenfahrer ist auch ausgestiegen und unterh├Ąlt sich mit einer jungen Frau, die wohl hinter ihm in der Reihe steht. Sie hat langes blondes Haar, eine kecke runde Brille, ist im allgemeinen Attraktiv und durchaus gut gebaut. Apfelf├Ârmige Br├╝ste verstecken sich unter einen gr├╝nen eng anliegenden Bluse, blaue Jenas ummanteln wohlgeformte lange Beine die in braunen Damenstiefeln enden.
Der Lackaffe und sie scheinen sich pr├Ąchtig zu am├╝sieren. Sie lacht schallend ├╝ber irgend einen Scherz, er grinst zufrieden.
Das hier ist ein Stau keine Disco, denkt Thomas ver├Ąrgert und neidisch.
Ihm fiele so etwas niemals ein. ├ťberhaupt jemandem hier im Staubetrieb anzusprechen erscheint ihm h├Âchst Unangenehm und eine Frau sowieso nicht. Bei der m├╝sste man dann ja auch noch einigerma├čen gut ankommen, so verschwitzt und gestresst wie man ist, da nunmehr fast eine halbe Stunde vergangen ist.
Eine halbe Stunde, zum Gl├╝ck ist er so fr├╝h los gefahren.
In diesem Moment wird ihm bewusst, dass er bis jetzt noch nicht einmal das Fenster ge├Âffnet hat, so sehr war er auf seine missliche Lage konzentriert. Ein kurzes Kurbeln und warme aber frische Fr├╝hlingsluft, zersetzt mit einer Spur Kohlenmonoxid weht ihm in die Nase.
Eigentlich kein schlechter Tag, denkt er, nur im Stau mag man ihn nicht verbringen, erst recht nicht wenn man es eilig hat. Noch einmal verbiegt sich Thomas um am Traktor vorbei schauen zu k├Ânnen. Nichts, nicht mal die Illusion von Bewegung. Wenn man doch wenigsten mal auf die Autobahn rollen w├╝rde. Geistesabwesend greift er auf den Beifahrersitz nach einer Flasche Wasser, doch da liegt nichts. Hat er nicht vorhin eine Flasche an der Tankstelle gekauft? Er meint schon.
Vielleicht ist sie beim Bremsen unter den Sitz gerollt, aber auf diese Idee kommt er nicht. Viel wahrscheinlicher scheint es ihm sie erworben, aber dann in der Tankstelle vergessen zu haben. Wie ├Ąrgerlich. Ausgerechnet heute. Sonst denkt er stets daran sich etwas Fl├╝ssigkeit mit ins Auto zu nehmen, sein Gaumen wird so schnell trocken. Vielleicht sollte er doch hinaus um jemanden nach einem Schluck Wasser zu fragen.
Der halbe Stau steht mittlerweile auf der Autobahnzufahrt herum, pafft Zigarette, fabuliert lautstark ├╝ber die Ursachen oder uriniert am Stra├čenrand.
Ein Herr um die F├╝nfzig, etwas rundlich und mit Halbglatze stapft gerade hinter einem Busch hervor, zieht sich den Hosenstall zu und klettert beh├Ąbig ├╝ber die Leitplanke zur├╝ck auf die Fahrbahn. Er bemerkt Thomas Blick und l├Ąchelt, dann steigt er in einen blauen Mercedes vor dem Pick Up
Auf die Toilette gehen, daran hat unser junger Held noch gar nicht gedacht. Er muss schon ein wenig, aber wird es noch eine Weile halten k├Ânnen. Was aber wenn er das irgendwann nicht mehr kann? Wenn der Stau noch viel Stunden lang anh├Ąlt? Viele Stunden, daran darf man kaum denken.
Dann wird er gehen m├╝ssen, das gebietet die Logik so wie die Natur. Genervt wischt er sich den Schwei├č von der Stirn und kurbelt das Fenster noch ein wenig herunter.
Wenn er nun also so dringlich muss, dass er es nicht mehr bei sich behalten kann und in Folge dessen den Entschluss fasst, das Auto zu verlassen, ├╝ber die Absperrung zu klettern und hinter dem Busch sich des Druckes zu entledigen, in diesem Moment aber die Autos weiterfahren und er somit verantwortlich f├╝r eine weitere unn├Âtige Stauung gemacht werden kann, was dann?
Ja, was dann? Dieses Gedankenspiel k├Ânnte in der Gestallt weitergesponnen werden, dass er in diesem Fall vor Schreck die eigenen K├Ârperfl├╝ssigkeiten unplanm├Ą├čig auf seiner Hose verteilt um dann, panisch und eilig, mit besprenkelter Buchse, zum eigenen stauproduzierenden Auto hechten zu m├╝ssen.
Zumindest, tr├Âstet er sich, wird er mit diesem Problem noch lange nicht konfrontiert werden, hat er doch so oder so nichts was seine Blase in der n├Ąchsten Zeit f├╝llen k├Ânnte.
Es ist schon gut, dass er die Wasserflasche vergessen hat.
Eine Stunde ist vergangen, die Uhr l├╝gt nicht und ist auch nicht bestechlich. Den Roman weiter zu lesen, mit dem er seit Wochen nur z├Ąh vorankommt, hat das Warten zwar erleichtert, der Druck der stetig verrinnenden Zeit wird davon aber kaum geringer.
Zum Gl├╝ck ist er so fr├╝h losgefahren. Er geht gerne auf Nummer Sicher und das beschert ihm heute ein Zeitfenster von zwei weiteren Stunden, dann geht der Flug. Einchecken muss er noch , das ist ihm klar, aber wenn er in einer Stunde ankommt, m├╝sste das locker reichen.
Oder nicht?
Jetzt r├Ącht es sich das Handy zuhause gelassen zu haben. Er dachte, es w├╝rde nicht ben├Âtigt und auf der Reise nur st├Âren. Das es dabei helfen k├Ânnte die Reise ├╝berhaupt m├Âglich zu machen darauf kam er nicht. Ein kurzer Anruf bei der Fluggesellschaft und die w├╝ssten Bescheid. So ist das mit diesen mobilen Telefonen: brauch man sie nicht klingeln sie st├Ąndig und nerven die Mitmenschen, werden sie aber wichtig ist der Akku leer oder man hat sie vergessen.
Na ja, noch ist ja eine ganze Stunde Zeit, so lange kann das hier ja nicht mehr dauern.
Der gestresste und zugleich gelangweilte Protagonist wischt sich abermals den Schwei├č von der Stirn und macht sich dann daran seine Reiseunterlagen noch einmal zu Pr├╝fen:
Checkinticket, Geld, Pass, Auslandversicherung, alles da. Eine Telefonnummer der Airline hat er nicht dabei. Normaler Weise stehen diese Nummer immer auf dem Umschlag, in diesem Fall aber nicht. Hat er tats├Ąchlich vergessen eine Nummer der Airlinezu notieren? Nein, er dachte er brauche sie nicht, so schnell kommt er ja nicht wieder, au├čerdem hat er ja sowieso kein Handy hier. Egal, sind ja noch 50 Minuten Zeit.
Die Mitwartenden scheinen auch immer ungeduldiger zu werden. Der Traktorfahrer und der Mann mit dem Mercedes stehen an der Leitplanke und unterhalten sich h├Ârbar. Sie k├Ânnen sich nicht darauf einigen was den nun Ursache f├╝r diese Totalsperrung ist.
Vier Laster seien aufeinander geknallt meint der Traktormann zu berichten, im Radio h├Ątten sie das gesagt.
Welcher Sender, fragt sich Thomas frustriert. Der Mercedesfahrer hingegen ist der Ansicht, es g├Ąbe wenige Kilometer voran eine Baustelle und dort m├╝sse ein Ungl├╝ck passiert sein. Beweisen kann keiner die eigene These, doch der Disput dauert noch einige Minuten an und beide sind sich einig darin, dass man hier wohl noch ein paar Stunden warten m├╝sse.
Thomas kurbelt das Fenster hoch. Eine Frechheit sich so l├Ąrmend zu unterhalten und andere zu zwingen solch albernes Geschw├Ątz mit anzuh├Âren.
Die Zeit verrinnt. Thomas Augen sind nun auf die Uhr im Auto gerichtet. Der Sekundenzeiger frist gnadenlos einen wei├čen Strich nach dem Anderen.
Die Zeit kennt keine Pausen. W├Ąre er doch Zug gefahren, dann br├Ąuchte er nicht hier zu sitzen wie ein Karnickel im K├Ąfig, eingemauert in Blech, Gummi und Asphalt.
Mit dem Auto zum Flughafen, so ein Schwachsinn. Er tut das nur f├╝r seine Schwester, nennen wir sie Tina, die heute aus dem Urlaub kommt und kein ├╝berfl├╝ssiges Geld f├╝r den Zug ausgeben wollte, wenn Thomas ja eh am selben Tag zum selben Flughafen muss.
Sie m├╝sste schon da sein und auf ihn warten. Bl├Âde Geizkuh, er wollte Zug fahren.
Wieder hat der Zeiger f├╝nf Minuten gefressen, als h├Ątte es sie nie gegeben. So schnell ist Thomas die Zeit noch nie vergangen.
Der Sportwagenfahrer und die Blondine hocken jetzt, bei heruntergelassenem Verdeck, im blauen Protzauto und h├Âren Musik, lautstark nat├╝rlich und irgendeine nervende Technomucke die Thomas wie der Takt der rasenden Sekunden vorkommt. Doch dann!
Pl├Âtzlich jaulen vorne die Motoren auf. Der Pick-Up-Mann sprintet zur Fahrert├╝r, der Mercedesfahrer an ihm vorbei zum eigenen Wagen, die Blondine reist die Beifahrert├╝r des Sportflitzers auf, rennt hektisch nach hintern, Thomas dreht den Z├╝ndschl├╝ssel um, der Pick Up f├Ąhrt an, Thomas auch, der Sportfahrer w├╝rgt die Kiste ab, flucht, versucht es noch mal, fasst rammt ihn die Blonde von hinten, es rollt! Es rollt! Endlich!
Es f├╝hlt sich an, wie wenn man Stunden lang nicht auf die Toilette konnte und dann, nach endloser Qual und panisch verzweifeltem Warten, vor dem Pissior den Reisverschluss hinunter zieht. Langsam doch stetig flie├čt der Strom aus Metall, Gummi und Glas dahin und mitten darin unser Protagonist, eingeschlossen in die Gesetzm├Ą├čigkeiten moderner Mobilit├Ąt. Er beschwert sich nicht, es rollt!
Dem├╝tig folgt er den Reflektoren des Pick-Up-Anh├Ąngers, der seinerseits dem Mercedes folgt. Ein sanftes l├Ącheln stiehlt sich auf Thomas Lippen. Er wei├č wie sich der Traktorbesitzer f├╝hlen muss, wie der Mercedesfahrer fr├Âhlich auf das Lenkrad trommelt, der Sportskamerad die Kl├Ąnge seiner Technomusik euphorisch aufsaugt, als w├Ąre es ein Freiheitsmarsch und die Blondine schon verz├╝ckt an den Freund zuhause denkt.
Thomas f├╝hlt sich eins mit seinen Kollegen vor und nach ihm.
Oh wie sch├Ân ist es weiter zu d├╝rfen, sich bewegen zuk├Ânnen, eine Aussicht auf Vorw├Ąrts zu versp├╝ren.
Vorw├Ąrts. Das hat so etwas positives, so etwas kraftvolles, das Besserung verhei├čt.
Der Wald zur linken lichtet sich, Sonne schie├čt aus den L├╝cken zwischen den ├ästen in Strahlen heraus, die tanzende Lichtkegel auf den Motorhauben bilden.
Pl├Âtzlich sieht man dahinter die ersten farbigen Planen.
Rot, Gelb, Blau Gr├╝n, mit Beschriftung oder vielfarbig mit Firmenlogos darauf.
Von ├╝ber all kommen sie her. Spanien, Italien, Frankreich, Polen, T├╝rkai, aus allen nur denkbaren L├Ąndern und bilden nun, hier auf der Autobahn, auf welche Thomas und seine Gef├Ąhrten im Schritttempo zusteuern, einen gigantischen un├╝berwindlichen Wall.
Laster! Hunderte, riesige, stinkende, l├Ąrmende, h├Ąssliche Ungeheuer von Lastern.
Wie eine Wand stehen sie da, dicht aufeinander und reglos.
Der Pick Up bremst, Thomas tut es ihm fluchend gleich.
Da steht er nun wieder unser kleiner Versuchshamster, als lebendes Beispiel wie es kommen kann.
Angestrengt mustert er die Spuren der Autobahn zu welcher die Auffahrt nun parallel verl├Ąuft.
Bewegt sich da vielleicht etwas, nur ein wenig, auf der linken Spur? Ja, da scheinen sie zumindest im Kriechtempo voranzukommen und das w├╝rde ja schon reiche. 20 Minuten hat er noch. Doch wie dort hin kommen? F├╝nf Autos stehen zwischen ihm und dem Beschleunigungsstreifen und dann m├╝sste er ja noch an den Lastern vorbei, um auf die Linke zu kommen. Seitenstreifen nutzt also nichts, zumal so etwas auch gef├Ąhrlich ist. Zu viele Menschen laufen hier herum, der Pick-Up-Fahrer zum Beispiel der schon wieder den Traktor kontrolliert. Er stellt den Moto aus. Thomas wartet, vielleicht geht es ja gleich weiter. Vorhin ging es ja auch. Versonnen beobachtet er den Traktormann wie er an den Schn├╝ren herum zupft. Eine Aufgabe habe, das w├Ąre etwas, sich nicht um die Zeit sondern nur um den Traktor und dessen Befestigung k├╝mmern m├╝ssen.
Thomas schlie├čt die Augen. Das warten hat ihn m├╝de gemacht.
Zu Fu├č! Das ginge!
Zu Fu├č k├Ânnte es ihm ohne hin gleich sein, wie eng die Laster stehen oder wie lange der Stau noch dauert. Zu Fu├č k├Ânnte er einfach am Standstreifen entlang. So weit ist es zur Ausfahrt ja nicht und er hat einen praktischen Rucksack. Von dort aus k├Ânnte er trampen.
Dann k├Ąme er sicher noch rechtzeitig an, h├Ątte sogar noch einen Moment um sich etwas zu trinken zu kaufen, der Gaumen ist doch bedenklich trocken geworden.
Das Auto stehen lassen? Mitten im Stau? Er k├Ânnte es auf der Seite parken, da st├Ârt es ja keinen. Und wenn sie es dann abschleppen, wen schert das? Er kann der Schwester bescheid geben. Die k├╝mmert sich dann darum oder l├Ąuft selbst her!
Er ├Âffnet die Augen, reist die Fahrert├╝r auf, sp├╝rt wie ihm die warmen Abgase der teils noch laufenden Laster entgegen wehen und f├╝hlt sich auf einmal so lebendig wie noch niemals zuvor. Kraftvoll steigt er aus, hechtet eilig, vom gewaltigen Entschluss getrieben zum Kofferraum, reist ihn auf, packt seinen Rucksack schnall ihn um, schmettert die T├╝ren zu und macht sich auf! Macht sich auf und auf und auf! Jetzt wird er los geht, wird sich nicht halten lassen von all diesen Autos, all diesen Leitplanken, die doch nur Dekoration sind f├╝r zwei kr├Ąftige Beine. In alle Himmelrichtungen kann man laufen wenn man nur will, wenn man sich nicht einengen l├Ąsst von all dem Glas und Metall und den Regeln die sie bedeuten! Frei sein per pedes. Einfach drauf los, warum ist er nicht schon fr├╝her darauf gekommen?
Der Pick-Up-Fahrer beobachtet ihn, der Mercedesbesitzer auch und sogar die Blondine und der Sportskamerad die schon wieder im Flitzer sitzen schauen ihm nach.
Es scheint ihm als hielten sie alle den Atem an, oder sch├╝tteln sie ihre K├Âpfe?
Wissen sie etwas was er nicht wei├č?
Geht es gleich weiter?
Was wenn sich der Stau aufl├Âst und er schon auf halben weg zur Ausfahrt ist? Dann steht er da wie ein Idiot und gef├Ąhrlich w├Ąre es in einem solchen Fall an der Seite entlang zu laufen.
Eine Horde gestresster Lasterfahrer die aufgrund des Staus im Verzug sind. Wer wei├č ob die auf einen einzelnen Wandersmann zu ihrer rechten achten. Einfach loslaufen?
Man sollte nichts ├╝berst├╝rzen.
Unauff├Ąllig dreht er sich um, schlendert zur├╝ck als w├Ąre nichts gewesen, als h├Ątte er sich nur mal schnell die Beine vertreten wollen. Ein wenig Luft schnappen, das soll ja gesund sein.
Noch immer sp├╝rt er die strengen Blicke der Anderen. Sie mustern ihn, lassen ihn nicht mehr aus den Augen, bis er am Auto ist. Schleunigst schl├╝pft er hinein, wirft den Rucksack achtlos auf die R├╝ckbank und sinkt auf den Fahrersitz.
Ausatmen, sich beruhigen.
Er wartet, gleich geht es los, so viel ist sicher. Gleich wird die Kolonne los rollen, er wird rechtzeitig kommen, ohne wie ein Spinner durch die Pampa marschiert zu sein, ohne sich l├Ącherlich gemacht zu haben. Er wird ankommen, das ist klar.
Zur Not kann er auch noch etwas sp├Ąter einchecken und ├╝berhaupt, dann nimmt er eben einen anderen Flug, morgen, oder ├╝bermorgen, ...
Ich h├Âre ein leises Brummen ├╝ber mir. Ich glaube es sind Turbinen.



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no-name
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Hallo Marot,

Du hast einen interessanten, nicht immer leicht zu lesenden Stil. In jedem Fall w├╝rde ich Dir empfehlen, ein Rechtschreibprogramm ├╝ber Deinen Text laufen zu lassen, au├čerdem fehlen diverse Kommata, was das Lesen gerade bei langen S├Ątzen zus├Ątzlich erschwert.

Insgesamt w├╝rde Dein Text nach meinem Empfinden gewinnen, wenn Du ihn straffst. Auch meine ich bei Dir eine Tendenz zu "Bandwurms├Ątzen" zu erkennen - ich selbst neige auch dazu - diese w├╝rde ich aufsplitten und lieber zwei bis drei S├Ątze daraus machen, weil sie sich so einfacher lesen lassen.

Ich hoffe, Du kannst mit meinem Kommentar etwas anfangen.

Freundliche Gr├╝├če von no-name.

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Marot
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hi no-name
vielen Dank f├╝r dein Kommentar Ja Rechtschreibung ist so ein leidiges Thema bei mir. Ich habe hier schon das Wordrechtschreibprogramm dr├╝ber laufen lassen, aber alles bekomme ich einfach nie raus. Vore allem Gro├č- Kleinschreibung scheint er nicht immer zu erkennen und ich selbst finde einfach nicht alle, weil ich hier nur sher bescheidene F├Ąhigkeiten vorzuweisen habe.

Was die Bandwurms├Ątze angeht:
Naja, die sind hier eigendlich ein wichtiges Stilmittel.
Sie dienen dazu die ironische Distanz des " Erz├Ąhlers" zu seinem " Protagonisten" zu ├╝berdehnen. Man k├Ânnte sie allerdings ein wenig reduzieren wenn sie wirklich derartig st├Âren. Ich schau nochmal dr├╝ber.

Zur Straffung: Hm ich dachte eigendlich die L├Ąnge stimme ungef├Ąhr.
Zu kurz darf es eben nicht werden, weil dann das Gef├╝hl des im Stausitzends nicht auf den Leser ├╝bergeht.
An welchen Stellen w├╝rdest du denn straffen? Wo empfindest du es als zu lange oder unn├Âtig?

Gru├č Marot

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Pete
Guest
Registriert: Not Yet

Hallo Marot,

vielen Dank f├╝r Deine fesselnde Geschichte. Sehr gut beobachtet und auch umgesetzt!

Wie oft geht es uns so, dass wir gerne aus dem Alltagstrott ausbrechen w├╝rden, es uns aber nicht trauen. Diese Tragik hast Du uns mit Deiner Geschichte bewusst gemacht, die ich ├╝brigens nicht als zu lang empfinde.

Mit Verbesserungsvorschl├Ągen werde ich Dich nur traktieren, wenn Du das ausdr├╝cklich w├╝nscht.

An der Qualit├Ąt Deines Werkes tut das keinen Abbruch.

Gerne m├Âchte ich mehr ├╝ber Dich erfahren. Dein hinterlegtes Profil gibt aber nichts her. Ich wei├č nicht, wo Du wohnst und welches Geschlecht Du hast, was Deine (literarischen) Vorlieben sind, usw. Vielleicht magst Du noch ein paar unverf├Ąngliche Informationen in Dein Profil einstellen?

Du wurdest h├Ąufig bewertet, oft grausamst abgestraft, als Du es beispielsweise wagtest, Deine Meinung u.A. ├╝ber "Herr der Ringe" kundzutun ("huch, wie gemein!" ). Andere Werke von Dir sind sehr positiv bewertet worden. Du polarisierst, das finde ich interessant.

Du selbst bewertest sehr selten, viel weniger, als Du kommentierst. Wahrscheinlich weil Du eine nat├╝rliche Abneigung gegen Bewertungen entwickelt hast. Bewertungen halte ich aber f├╝r wichtig. Sie geben eine Orientierung und sprechen eine deutliche Sprache.

In Deinem Fall machen Dich auch die Bewertungen interessant. F├╝r mich ist teilweise klar zu erkennen, dass die Urteile Deiner Leser manchmal nicht von der Qualit├Ąt, sondern vom Thema abh├Ąngen. Verletzt Du deren Glaubenss├Ątze und Vorurteile, so wirst Du abgestraft! Ist deren Bewertung nicht eine interessante Information? Ich meine schon.

Gr├╝├če

Pete

ps. ich werde Dein Werk noch bewerten - sp├Ąter

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