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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Die Autopanne
Eingestellt am 24. 12. 2017 17:39


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Galaxius
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: May 2015

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Draußen scheint die Sonne. Durch die geschlossenen Übergardinen kommt das Sonnenlicht nur gedĂ€mpft in die Stube. Ganz entspannt liege ich auf meinem Sofa, die Tageszeitung bedeckt meinen Oberkörper und mein Gesicht.
Dadurch ist die Atmung etwas erschwert.
Ich trÀume, dass ein zentnerschwerer Fels auf meiner Brust liegt.
Genau in dem Moment, als ich ihn von mir wegdrĂŒcke und mich unter der Last herauswinde, falle ich vom Sofa.
Durch das Poltern erschreckt, kommt Ruth ins Zimmer gerannt. Nachdem sie die Situation erfasst hat, kann sie sich vor Lachen kaum halten.
Das hat man nun davon.
Da rettet man sich unter grĂ¶ĂŸter Anstrengung aus einer gefĂ€hrlichen Situation und erntet nur Hohn und Spott.
Aber da ich nun schon mal wach bin, bekomme ich auch gleich einen Auftrag.
Die Beste aller Ehefrauen hat mir einen Zettel geschrieben.
Nein, keinen Liebesbrief, sondern eine Einkaufsliste.
Mit dieser bewaffnet, mache ich mich auf, ins nÀchstgelegene Einkaufszentrum.
Ich liebe es, in diesem großen Markt einzukaufen. Die Waren sind alle schön in die Regale eingerĂ€umt und nicht wie in diesen Discountern einfach mit der Kiste lieblos ins Regal gefeuert. Außerdem ist die Auswahl grĂ¶ĂŸer. Hier kann ich nicht nur zwei Sorten Ketchup wĂ€hlen, sondern es sind gleich mehrere Sorten vorhanden.
Da ich regelmĂ€ĂŸig dort einkaufe, weiß ich natĂŒrlich, wo die Sachen sind, welche die Gattin wĂŒnscht. Lese ich auf dem Zettel zum Beispiel WeichspĂŒler, muss es der mit dem kleinen BĂ€ren sein. Eine andere Sorte darf ich erst gar nicht nach Hause bringen.
Schnell habe ich meine Runde gedreht und alle Artikel auf der Liste abgehakt und im Einkaufswagen versenkt.
An der Kasse habe ich mich damit abgefunden, dass ausgerechnet vor mir immer die eine Ă€ltere Dame ist, die mĂŒhselig ihr Kleingeld zĂ€hlt, um es passend der Kassiererin zu geben. Und dass die Rolle mit den Kassenbons getauscht werden oder ein Preis erfragt werden muss. Ich habe genĂŒgend Zeit und bleibe gelassen stehen.
Nach wirklich kurzer Zeit habe ich meinen Einkauf bezahlt und im Wagen verstaut. Zufrieden fahre ich vom Parkplatz. Im Radio lÀuft ein schönes Lied und ich pfeife die Melodie mit.
Doch schon nach einigen Metern stottert der Motor. Erschrocken trete ich auf Kupplung und Bremse, da hört das Stottern wieder auf. Also gebe ich wieder Gas. Das jedoch lÀsst den Motor komplett ausgehen.
Ohne Servolenkung und BremskarftverstĂ€rker ist es anstrengend, das Auto auf Kurs zu halten, zumal der letzte Schwung ausgenutzt werden muss. Doch ich schaffe es, den Wagen halb auf den BĂŒrgersteig zu bekommen.
ZunĂ€chst versuche ich, den Motor erneut zu starten. Es gelingt mir nur kurz. Aber nun ist der Motor endgĂŒltig aus. Ich steige aus, nehme das Warndreieck aus dem Kofferraum und stelle es einige Schritte hinter dem Fahrzeug auf.
Dann gehe ich wieder zurĂŒck zum Auto.
Ich öffne die Motorhaube und arretiere sie mit der Haltestange. Dann beuge ich mich vor und sehe in den Motorraum. Eigentlich sieht alles aus wie immer. Da ich nicht wirklich viel Ahnung von der Sache habe, rĂŒttele ich etwas hilflos an verschiedenen Kabeln und Anbauteilen.
Bis mir die zĂŒndende Idee kommt: Im Handschuhfach ist ja die Bedienungsanleitung.
Im hinteren Teil ist ein Kapitel „Fehlerbehebung“. Schnell blĂ€ttere ich nach hinten und finde den passenden Eintrag: „Motor lĂ€uft nicht.“
Es sind immer drei Rubriken angegeben. Problem, mögliche Ursache, Bemerkung.
Bei meinem Problem lese ich unter mögliche Ursachen:“ Kraftstoff fehlt. Zuleitung des Kraftstoffs unterbrochen. ZĂŒndkerzen verschlissen. Keilriemen gerissen.“
Bei Bemerkungen steht: „Kraftstoff nachfĂŒllen. Fachwerkstatt aufsuchen“ Na toll. Das ist ja eine große Hilfe. Fachwerkstatt aufsuchen. Wie soll ich das machen, wenn der Motor nicht lĂ€uft?
Inzwischen hat sich ein Mann in meinem Alter meinem Wagen genĂ€hert und fachmĂ€nnisch in den Motorraum geblickt. Als ich aussteige sagt er zu mir: „Es ist sicher die Benzinpumpe. Es ist immer die Benzinpumpe.“
Aha, ein Fachmann. Das trifft sich gut.
Doch als ich bitte mir zu helfen, schĂŒttelt er den Kopf und sagt: „Da muss ein Fachmann ran. Sowas kann ich nicht reparieren.“
Ein Fachmann.
Das ist mein Stichwort.
Wozu bin ich Mitglied im ADAC?
Nach einem netten TelefongesprĂ€ch mit der Dame vom Serviceschalter dauert es auch nur kurze fĂŒnfundvierzig Minuten, bis der gelbe Engel kommt.
Er bittet mich, die ZĂŒndung einzuschalten und blickt auf das Armaturenbrett.
„Das habe ich mir gedacht“, sagt er. „Das Benzin ist alle. Sehen Sie?“ ein Blick auf die Anzeige bestĂ€tigt seine Aussage.
Da kommt man sich schon blöd vor, wenn die Ursache so banal ist und man selbst den Fehler nicht finden konnte.
Gottlob hat er einen Benzinkanister dabei. FĂŒr sieben Euro fĂŒllt er mir den Sprit ein und der Motor spring wieder an. Erleichtert setze ich meine Fahrt fort zur nĂ€chsten Tankstelle. Nachdem ich vollgetankt habe, fahre ich endlich nach Hause.
Als ich meiner Holden dann die Geschichte erzĂ€hle, muss sie lachen. „Ich habe gewusst, dass du nicht mehr viel Sprit hast. Thomas hat sich gestern unser Auto ausgeliehen. Er war bei seiner Freundin.“
Das habe ich ganz vergessen. Unser Sohn leiht sich öfter mein Auto aus. Meist ist es leergefahren, wenn er es zurĂŒckgibt.

__________________
Die Zukunft kann man nicht
vorhersagen.
Man muss sie gestalten.

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SilberneDelfine
???
Registriert: Oct 2015

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Dieser ganze Absatz

quote:
Draußen scheint die Sonne. Durch die geschlossenen Übergardinen kommt das Sonnenlicht nur gedĂ€mpft in die Stube. Ganz entspannt liege ich auf meinem Sofa, die Tageszeitung bedeckt meinen Oberkörper und mein Gesicht.
Dadurch ist die Atmung etwas erschwert.
Ich trÀume, dass ein zentnerschwerer Fels auf meiner Brust liegt.
Genau in dem Moment, als ich ihn von mir wegdrĂŒcke und mich unter der Last herauswinde, falle ich vom Sofa.
Durch das Poltern erschreckt, kommt Ruth ins Zimmer gerannt. Nachdem sie die Situation erfasst hat, kann sie sich vor Lachen kaum halten.
Das hat man nun davon.
Da rettet man sich unter grĂ¶ĂŸter Anstrengung aus einer gefĂ€hrlichen Situation und erntet nur Hohn und Spott.
Aber da ich nun schon mal wach bin, bekomme ich auch gleich einen Auftrag.
Die Beste aller Ehefrauen hat mir einen Zettel geschrieben.
Nein, keinen Liebesbrief, sondern eine Einkaufsliste.
Mit dieser bewaffnet, mache ich mich auf, ins nÀchstgelegene Einkaufszentrum.
Ich liebe es, in diesem großen Markt einzukaufen. Die Waren sind alle schön in die Regale eingerĂ€umt und nicht wie in diesen Discountern einfach mit der Kiste lieblos ins Regal gefeuert. Außerdem ist die Auswahl grĂ¶ĂŸer. Hier kann ich nicht nur zwei Sorten Ketchup wĂ€hlen, sondern es sind gleich mehrere Sorten vorhanden.
Da ich regelmĂ€ĂŸig dort einkaufe, weiß ich natĂŒrlich, wo die Sachen sind, welche die Gattin wĂŒnscht. Lese ich auf dem Zettel zum Beispiel WeichspĂŒler, muss es der mit dem kleinen BĂ€ren sein. Eine andere Sorte darf ich erst gar nicht nach Hause bringen.
Schnell habe ich meine Runde gedreht und alle Artikel auf der Liste abgehakt und im Einkaufswagen versenkt.
An der Kasse habe ich mich damit abgefunden, dass ausgerechnet vor mir immer die eine Ă€ltere Dame ist, die mĂŒhselig ihr Kleingeld zĂ€hlt, um es passend der Kassiererin zu geben. Und dass die Rolle mit den Kassenbons getauscht werden oder ein Preis erfragt werden muss. Ich habe genĂŒgend Zeit und bleibe gelassen stehen.

ist fĂŒr die Geschichte vollkommen ĂŒberflĂŒssig.

Die Pointe an sich ist auch nicht gerade ĂŒberraschend. Eigentlich keine Geschichte, eher eine (nicht sehr interessante) Schilderung aus dem Leben des Protagonisten.

Überzeugt mich nicht.



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aligaga
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Registriert: Sep 2014

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Wer ein bisschen was von Dramaturgie oder Feuerwerkstechnik versteht, weiß, dass man auch mit der besten Kanone ohne Pulver, Komprimieren des Pulvers, ohne DĂ€mmung und ohne das Aufsetzen eines genau in den Lauf passenden Geschoßes auf die Ladung niemals ein Ziel wird treffen können. Es gĂ€be nicht mal einen Knall!

Unser @Galaxius macht's richtig. Er reißt nicht bloß am Abzug, um nach Ausbleiben des Schusses festzustellen, das sein GeschĂŒtz (haha!) gar nicht geladen war, sondern er hat es vorher sorgfĂ€ltig und liebevoll munitioniert: Wir wissen, dass der Protagonist ein Spießer ist, der von einem spannenderen Leben trĂ€umt und - nolens volens - statt der erhofften Erotik von seinem Ehgespons (wieder) nur einen Einkaufszettel erhĂ€lt, den er gleichwohl mit Eifer und aller selbstgerechten GrĂŒndlichkeit abarbeitet: Alles wohlgeordnet und so, wie's sein soll.

Doch dann der jĂ€he Zusammenbruch der Idylle, das Abspringen der Kette vom Panzer kleinbĂŒrgerlicher SelbstverstĂ€ndlichkeit! Der Protagonist ĂŒberreagiert, wird hilflos, ruft nach dem großen Bruder und bekommt von ihm am Ende gesagt, dass er keineswegs in seiner Existenz bedroht gewesen sei, sondern nur zu dumm war, ein Instrument richtig abzulesen.

Damit nicht genug: Endlich daheim, bekommt er von seiner "Holden" wiederum kein MitgefĂŒhl, sondern HĂ€me. Selber schuld, alter Depp!

HĂŒbsch die vielen kleinen Details, die wir gezeigt bekommen und die keineswegs langweilen, sondern wichtig fĂŒr das Gesamtbild und die "Moral am Ende von der Geschichte" sind.

Ein bisschen zu kurz kommt allerdings die Zeitspanne des Wartens auf den "Engel" und die damit verbundene Spannung, da man ja nicht weiß, wie schlimm alles ist. Man könnte da ein bisschen mehr Dramatik wagen - der Mann ist schließlich mehr als eine Stunde lang ĂŒberfĂ€llig; eine völlig aufgelöste Frau, die sich auf die Suche nach ihm gemacht hat, wĂ€re durchaus vorstellbar; die Nummer mit dem fehlenden Treibstoff wĂŒrde dann noch wesentliche besser "zĂŒnden".

Heiter immer weiter

aligaga

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aligaga
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quote:
nachdem ich den Text gelesen habe, frage ich mich, warum er geschrieben wurde?

Er ist fĂŒr mich weder spannend, noch hat er eine gelungene Pointe.

Er beschreibt eine, im Grunde banale, Alltagssituation.

Der Titel nimmt zudem die Spannung raus, da er ja schon verkĂŒndet, was passieren wird.

Ich kann dem Text leider nichts abgewinnen, außer, es handelt sich um eine SchreibĂŒbung.
Da springt der böhse @ali dem guhten @Galaxius doch glatt gleich nochmal zur Seite und teilt mit, dass Kurzgeschichten auch dann welche sein können, wenn nicht gleich der Himmel einstĂŒrzt und drei Leichen die Wege pflastern.

Diese hier lebt von der minutiösen Beschreibung eines kleinbĂŒrgerlichen Alltags, den ein Protagonist verinnerlicht hat und der ihm aus den Fugen zu geraten droht - aber nur scheinbar, denn es fehlt am Ende ja nur ein bisschen Benzin.

Das G'schichterl zeigt dem, der sorgfĂ€ltig lesen und reflektieren kann (oder wenigstens dazu bereit ist), wie dĂŒnn das Eis unter UmstĂ€nden ist, auf dem Mr. Selbstgerecht durch seinen grauen Alltag schlittert: Ein Tröpferl zu wenig oder zu viel, und schon wird der Protagonist Ă€ngstlich und hilflos.

Den einzigen Mangel dieses minutiös und scharfĂ€ugig gemalten (Horror)bildes sieht @ali im Verschenken der Spannung, die in der Stunde der Ungewissheit herrschte. Wo der Spießer auf seinen gelben Erlöser wartete und sein Gespons nach ihm rufend durch die eiseskalten Hallen der Mall hĂ€tte irren sollen.

Heiter immer, immer weiter

aligaga

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Maribu
???
Registriert: Jun 2012

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Die Autopanne

Hallo Galaxius,

ja, auf das Naheliegendste kommt man meistens nicht!
Aber der ADAC wĂ€re ja sowieso erforderlich gewesen, wie soll man ohne mitgefĂŒhrten Benzinkanister Kraftstoff nachfĂŒllen?
Außerdem muss der nach dem verspielten Ruf sowieso sein Image wieder aufpolieren und soll fĂŒr den gezahlten Beitrag ruhig mal
etwas leisten!
Die Schilderung im Markt hat mir auch gefallen.
Die Ă€ltere Dame, die umstĂ€ndlich ihre CentstĂŒcke zĂ€hlt, treffe ich auch regelmĂ€ĂŸig. - Ist das die, die stets ihren kleinen Hund vorne im Einkaufswagen mitnimmt? Und nur bei mir ist die Kassenrolle zuende!

Trotzdem ballt sich bei mir nicht die Faust in der Tasche, ich denke dann immer: Take it easy!

Gruß! Maribu

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