Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, mĂĽssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5551
Themen:   95256
Momentan online:
387 Gäste und 19 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Kurzgeschichten
Die Autopilotin
Eingestellt am 14. 02. 2018 18:02


Autor
Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.
Lord Nelson
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Jan 2018

Werke: 5
Kommentare: 254
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Lord Nelson eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Die Autopilotin



Ich lehnte mich bequem zurück, sog die Luft ein und genoss den herben Duft des neuen Leders. Natürlich war das nicht mein erster Benz, doch dieses Luxusmodell war etwas ganz Besonderes. Als gut verdienender Vielfahrer hatte ich mich unbesehen für die volle Premiumausstattung entschieden und war schon gespannt, was dieses Geschoss elektronisch so draufhatte.

Ich drückte auf den Startknopf. Der Wagen erwachte zum Leben. Das verhaltene und doch kraftvolle Bollern des 612-PS-Motors ließ mein Herz höher schlagen. Im gleißenden Licht der Scheinwerfer wirbelten erste Schneeflöckchen. Ein überbreites Display fuhr leise summend aus einem unauffälligen Schlitz oberhalb der Mittelkonsole. Das Naviprogramm war bereits aktiv und wartete auf Anweisungen. Meine Fahrziele hatte ich zuvor schon eingespielt, die Namen dazu erfasst und die Bedienung auf Spracheingabe umgestellt. “Kronmeier”, befahl ich lässig. Ich freute mich auf die lange Fahrt zu diesem Kunden.
“Bitte schnallen Sie sich an.” Diese Stimme, fast gehaucht und doch warm und melodisch, zog mich sofort in ihren Bann. Fasziniert lauschte ich ihrem Klang nach. “Bitte”, wiederholte sie mit Nachdruck, “Schnallen Sie sich an!” 

“Aber mit Vergnügen doch”, entgegnete ich galant und folgte ihrer Anweisung. Auf der Autobahn übermannte mich die Ungeduld. Obwohl mir die Geschwindigkeitsbegrenzung bekannt war, senkte ich den Fuß aufs Gaspedal. Der Wagen ging ab wie eine Rakete. Die Beschleunigung presste mich ins Leder. Die kraftvolle Musik des Motors berauschte mich geradezu.

“Bitte drosseln Sie die Geschwindigkeit auf 80 km/h”, forderte die Stimme da, durchdringend jetzt und sehr, sehr bestimmt. Ich linste auf das Display und stutzte. Die Anzeige der Straßenkarte war einem Augenpaar gewichen, welches mich streng fixierte.

“Ja doch”, murmelte ich, richtete meinen Blick wieder auf die Autobahn und ging vom Gas. Schnell schaute ich noch einmal aufs Display. Die Augen waren noch da. Nun, da ich mich gefügt hatte, war der strenge Ausdruck aus ihnen gewichen. Ich konnte meinen Blick kaum lösen. Sie waren grün, von verwirrender Lebendigkeit und unergründlicher Tiefe. Als hätten sie meinen prüfenden Blick gespürt, wurden die Augen immer durchscheinender, so dass bald wieder die Straßenkarte zu sehen war. Bald hatte ich freie Fahrt und durfte endlich das Gaspedal bis zum Anschlag durchdrücken - was ich unbesorgt tun konnte, denn dieser Wagen war absolut sicher. Selbst wenn ich bei voller Fahrt gegen eine Betonwand knallen sollte, würde ich - so der Verkäufer - kaum einen Kratzer davontragen. 

Wieder ertönte die wohlmodulierte Stimme. “Ein Stau befindet sich fünf Kilometer voraus. Bitte fahren Sie bei der nächsten Ausfahrt ab.”

Ich war begeistert. Endlich mal ein System, das einen Stau rechtzeitig voraussagte, noch ehe man von zähem Verkehr behindert wurde und gar nicht mehr ausweichen konnte. 

Die dünne Schneeschicht war stellenweise heimtückisch glatt. Die immer enger werdende Kurve der Ausfahrt brachte mich ein klein wenig in Bedrängnis, was vielleicht auch an meiner Geschwindigkeit liegen mochte. Schlingernd bog ich in die Landstraße ein. “Haben Sie getrunken?”, fragte die Navifee. 

“Wie jetzt, getrunken?” Sie konnte doch wohl nicht die lächerlichen paar Bierchen meinen. “Ach so. Äh. Ja... schon.” Ich hatte mich durch die unerwartete Frage überrumpeln lassen, und das ärgerte mich. “Was gehts dich an, Tussi”, blaffte ich sie an. 

Sie antwortete ungerührt und gar nicht unfreundlich: “Okay, wir können uns ruhig duzen. Mein Name ist Lena.”

“Angenehm, David”, murmelte ich wider Willen.

Lena ließ nicht locker. “Was hast du getrunken, David?”

In mir kochte Zorn hoch. Ich musste klare Verhältnisse schaffen. “Sieh genau her, Lena”, sagte ich also mit gefährlicher Ruhe. Ich löste den Sicherheitsgurt, beugte mich vor und öffnete das Handschuhfach. Ohne den Blick von der Straße zu wenden, holte ich meinen Designer-Flachmann heraus, der mich auf jeder Fahrt begleitete. Routiniert schraubte ich das Deckelchen mit einer Hand ab und nahm einen tiefen Zug aus der Flasche. “Aaaaaaaah”, sagte ich, “auch einen?” 

Was konnte Lena schon dagegen machen. Sie schwieg. Ich lachte erleichtert auf. Ich muss gestehen, für den Bruchteil einer Sekunde hatte ich befürchtet, in meinem eigenen Auto von einer Kamera beobachtet zu werden. So ein Blödsinn. Natürlich gab es keine Kamera. Die gute Lena hatte ja nicht einmal bemerkt, dass ich mich aus Bequemlichkeit nicht wieder angeschnallt hatte. Doch da ertönte ihre Stimme, weich und scheinbar aufrichtig bedauernd: “Es tut mir leid, David. Die Analysen von Kameraaufzeichnungen und Raumluft ergaben, dass du hochprozentigen Alkohol getrunken hast. Während der Fahrt! Ich kann leider nicht umhin, dir die Kontrolle über das Fahrzeug zu entziehen.” 

“Kann leider nicht umhin”, wiederholte ich belustigt. Wer sprach denn heute noch so? Während ich den Sinn ihrer Worte zu begreifen versuchte, merkte ich, dass etwas nicht stimmte. Pedale und Lenkrad bewegten sich auf einmal wie von Geisterhand gesteuert. “Wie?”, fragte ich verdutzt, “Was?”

“Tja”, sagte Lena. Selbst unter Aufbietung all meiner Kräfte vermochte ich den Wagen keinen Millimeter von der vorprogrammierten Route abzubringen.
“Erstaunlich”, sagte ich. Ich war so überrascht, dass ich überhaupt nicht dazu kam, mich zu ärgern. Ich hatte wirklich nicht die leiseste Ahnung gehabt, dass der volle Umfang des Premiumpakets auch eine Fahrautomatik beinhaltete. War das nicht eigentlich super? 

“Nimm es nicht schwer”, tröstete mich Lena. “Bei Beginn der nächsten Fahrt hast du die Gelegenheit, deine Fahrtüchtigkeit durch eine Atemluftanalyse nachzuweisen.”

“Nein, ist schon gut Lena”, brummte ich matt und lehnte mich zurück. 

Unbeteiligt sah ich zu, wie Heerscharen dicker Schneeflocken gegen die Scheibe trieben, wo sie von den träge hin und her wedelnden Scheibenwischern lautlos beiseite gewischt wurden. Die weiter vorne vom Licht der Scheinwerfer erfassten Flocken bildeten zwei wirbelnde Strudel, die auf mich eine geradezu hypnotische Wirkung ausübten. Wir waren schnell. Schnelles Fahren im Schneegestöber erforderte meiner Erfahrung nach äußerste Konzentration, und so genoss ich es direkt, mich bei dieser Witterung chauffieren zu lassen. 

“Du fährst gut”, zollte ich Lena wohlwollend Respekt. “Für eine Frau”, dachte ich, aber das sagte ich nicht. Plötzlich war ich ganz schön müde. Das alles war zu viel für mich. Ich sollte nicht andauernd trinken, sinnierte ich und beäugte den Flachmann. Ich nahm ihn vom Beifahrersitz und leerte ihn mit einigen kräftigen Zügen. Der Schnaps verursachte ein Gefühl prickelnder Wärme in meiner Kehle, und überhaupt war es behaglich warm im Wagen. Ich nickte allmählich weg und schreckte erst wieder hoch, als der Benz langsamer wurde.
Ein intensives Gefühl verdichtete sich noch. “Ich glaube, wir sind gleich da”, fasste ich es halblaut in Worte, während mein Blick das dichte Schneegestöber zu durchdringen versuchte. Der Wagen näherte sich einem selbst im Schneetreiben noch deutlich erkennbaren “Vorfahrt achten”-Schild und fuhr im Schritttempo auf die Vorfahrtstraße zu. 

Ich erkannte die Kreuzung auf Anhieb. Seit dem Vorfall damals hatte ich es strikt vermieden, je wieder in die Nähe zu kommen. “Siehst du das Kreuz?”, fragte Lena. Ich nickte langsam. Ich sah es, ebenso wie die frischen Rosen, die im kalten Scheinwerferlicht blutrot unter einer dünnen Schneehaube herausleuchteten. “Hier ist es passiert”, sagte sie, und die tiefe Traurigkeit in ihrer Stimme griff mir ans Herz. Es dauerte ein wenig, bis sie weitersprach. “Er war mit dem Roller unterwegs. Er hatte Vorfahrt. Dann kam dieser betrunkene Idiot viel zu schnell um die Kurve ...” Sie stockte. Ihre Augen waren gerötet. “Verstehst du?” Ich nickte noch einmal. Ich verstand. Ich schwieg. Was hätte ich auch sagen sollen. Es tat mir unendlich leid, aber das machte es nicht ungeschehen. 

Der Motor heulte böse auf. Etwas beschäftigte mich. “Warte noch”, sagte ich. 

“Was?”, fragte sie.

“Es gab gar keinen Stau, stimmt’s?” 

“Stimmt”, sagte sie. In ihrer Stimme klang eine neue, eine schneidende Kälte mit. Das Display begann zu flackern und erlosch in einer eisigen Endgültigkeit, die mein Blut gefrieren ließ. Der Wagen gab ein furchterregendes Brüllen von sich und beschleunigte mit der geballten Kraft seiner 612 PS. Das letzte, was ich sah, war seltsamerweise nicht der graue Beton des Brückenpfeilers, der von ferne immer schneller auf mich zuraste. Nein, es war eine kleine, rot blinkende Schrift am unteren Rand der Armaturen, von der ich den Blick nicht mehr lösen konnte.

“Ich sollte mich besser anschnallen”, überlegte ein nüchterner kleiner Rest von mir in heller Panik, während der winzige Schriftzug “Airbag außer Betrieb” bis zum Aufprall unbarmherzig weiterblinkte.


Version vom 14. 02. 2018 18:02
Version vom 01. 03. 2018 18:19
Version vom 10. 03. 2018 12:37
Version vom 10. 03. 2018 12:53

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


Languedoc
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Sep 2012

Werke: 25
Kommentare: 334
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Languedoc eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Hallo Lord Nelson,

Ja, ja, meine Lieben, don't drink and drive, ein Rausch kann Dämonen entfesseln. Es empfiehlt sich, nüchtern und bei klarem Verstand zu bleiben, sonst übernehmen wahlweise Maschinen oder die Instinkte das Kommando, und das nicht zum Wohle des ICH. Also, eine vielschichtige Story mit Diskussionspotential, worauf ich hier aber nicht näher eingehe.

Ich möchte mir das Handwerkliche in diesem Text ansehen und einen ersten Überarbeitungsdurchgang versuchen. Für meinen Geschmack sind die Adverbien und die Adjektive nicht immer zum Gewinn. Manche Sätze scheinen mir zu bemüht. Orthografie und S-Schreibung sind auch nicht ganz sattelfest. Und formal wäre nach jedem Sprecherwechsel ein Absatz angebracht.

Ich versuch's mal:

Die Autopilotin 

Ich lehnte mich bequem zurĂĽck, sog die Luft ein und genoss den herben Duft ganz neuen Leders. NatĂĽrlich war das nicht mein erster Benz, doch dieses Luxusmodell war etwas ganz Wortwiederholung Besonderes. Als gut verdienender Vielfahrer hatte ich mich unbesehen fĂĽr die volle Premiumausstattung ohne jeden Abstrich ("voll", "Premium", "ohne jeden Abstrich" ist dick aufgetragen) entschieden. (Absatz)

Ich drückte auf den Startknopf. Der Wagen erwachte zum Leben. Das verhaltene und doch kraftvolle Bollern des 612-PS-Motors erfreute mein Herz. Im gleißenden Licht der Scheinwerfer wirbelten gleißend hell erste Schneeflöckchen. Ein überbreites Display summte leise aus einem verborgenen Schlitz oberhalb der Mittelkonsole (Ein Display summte aus einem verborgenen Schlitz? Wie geht das denn?). Das Navi-Programm war bereits aktiv und wartete auf Anweisungen. Meine Fahrziele hatte ich zuvor schon eingespielt und die Bedienung auf Spracheingabe umgestellt. “Kronmeier”, befahl ich also (befahl ich lässig?). Ich freute mich auf die lange Fahrt zu diesem Kunden (Verstehen neuerdings Navis die Namen von Kunden? Ich dachte, man muss eine Adresse eingeben).

“Bitte schnallen Sie sich an.” Diese Stimme, fast gehaucht und doch warm und melodisch, zog mich sofort in ihren Bann. Gebannt (zweimal "Bann" ist einmal zuviel) lauschte ich ihrem Klang nach. “Bitte”, wiederholte sie mit Nachdruck, “schnallen Sie sich an!”. (Absatz wegen Sprecherwechsel)

Die Starre fiel von mir ab ("Starre" ist hier wohl zu dick aufgetragen, der Protagonist hatte sich oben lediglich bequem zurückgelehnt). “Aber mit Vergnügen doch”, entgegnete ich galant und folgte ihrer Anweisung.

Auf der Autobahn übermannte mich die Ungeduld. Obwohl mir die Geschwindigkeitsbegrenzung wohlbekannt ("bekannt" genügt) war, senkte ich den Fuß aufs Gaspedal. Der Wagen ging ab wie eine Rakete. Die Beschleunigung drückte mich fest ins Leder (ein anderes Adverb als "fest wäre vielleicht knackiger. Oder es weglassen). Die kraftvolle Musik des auf hohen Touren drehenden Motors (ob ein hochtourig drehender Motor eine "kraftvolle Musik" von sich gibt? Na ja ..) berauschte mich geradezu. (Absatz)

“Bitte drosseln Sie die Geschwindigkeit auf 80 km/h”, befahl ("befahl" hatten wir oben schon) die Stimme da, diesmal durchdringend und sehr, sehr bestimmt. Unwillkürlich linste ich aufs Display. (Ich linste auf das Display und) stutzte. Die Anzeige der Straßenkarte war einem Augenpaar gewichen, welches mich streng fixierte. (Absatz)

“Ja doch”, murmelte ich irritiert (dieses "irritiert" steht verloren in dem Satz. Die Irritation des Autofahrers müsste im Text anders rüberkommen), richtete meinen Blick wieder auf die Autobahn und ging vom Gas. Schnell schaute ich noch einmal aufs Display. Die Augen waren noch da. Nun, da ich mich gefügt hatte, war der strenge Ausdruck von aus ihnen gewichen. Ich konnte den meinen Blick kaum lösen. Sie waren grün., überaus anziehend, von faszinierender Lebendigkeit und unergründlicher Tiefe (na ja, ein bisschen viel auf einmal. "Lebendig und tief" würden reichen). Als haben hätten sie meinen prüfenden Blick gespürt, verschwanden die Augen (unschöner Satz). Stattdessen wurde wieder die Strassßenkarte angezeigt.

Bald hatte ich freie Fahrt, endlich! Begierig drückte ich das Gaspedal bis zum Anschlag durch (wenn ich bis zum Anschlag durchdrücke, muss es dann auch noch "begierig" sein?). Das konnte ich völlig unbesorgt tun, denn dieser Wagen war absolut sicher. ( Vielleicht so: Bald hatte ich freie Fahrt und endlich durfte ich das Gaspedal bis zum Anschlag durchdrücken, was ich unbesorgt tun konnte, denn dieser Wagen war absolut sicher). Selbst wenn ich bei voller Fahrt gegen eine Betonwand knallen sollte würde ich - so der Verkäufer - kaum einen Kratzer davontragen. (Absatz)

Das Navi unterbrach diese angenehmen Gedanken. (Hier wäre ein Passiv-Satz vielleicht besser: "Meine Gedanken wurden vom Navi unterbrochen" - obwohl schön ist das auch nicht. Vielleicht den Satz überhaupt streichen.) “Ein Stau befindet sich fünf Kilometer voraus. Bitte fahren Sie bei der nächsten Ausfahrt ab”, warnte (ein schlichtes "sagte" wäre zu überlegen) mich die wohlmodulierte Stimme. (Absatz)

“Ein Stau”, dachte ich. Das wunderte mich gar nicht, angesichts der unvorhergesehenen Schneefälle. Ich war begeistert. Endlich mal ein System, das einen Stau rechtzeitig voraussagte, noch ehe man von zähem Verkehr behindert wurde und gar nicht mehr ausweichen konnte.

Die Schneeschicht war zwar nur dünn, aber stellenweise heimtückisch glatt (eine dünne Schneeschichte ist immer heimtückisch glatt, würde ich sagen). Die immer enger werdende Kurve der Ausfahrt brachte mich ein klein wenig in Bedrängnis, was vielleicht auch mit an meiner Geschwindigkeit liegen mochte. Schlingernd bog ich in die Landstraße ein. “Haben Sie getrunken?”, fragte da unvermittelt (unvermittelt würde ich streichen) die Navifee.

“Wie jetzt, getrunken?” Sie konnte doch wohl nicht die lächerlichen paar Bierchen meinen. “Ach so. Äh. Ja... schon.” Ich hatte mich durch die unerwartete (vorhin "unvermittelt", hier "unerwartet", also eines ist jedenfalls zuviel) Frage überrumpeln lassen, und das ärgerte mich. “Was gehts dich an, Bitch”, blaffte ich sie an. (Absatz)

Sie antwortete ungerührt und gar nicht unfreundlich: “Okay, wir können uns ruhig duzen. Mein Name ist Lena.” (Absatz)

“Angenehm, David”, murmelte ich automatisch ("automatisch murmeln" ist nix gute Formulierung). (Absatz)

Lena ließ nicht locker. “Was hast du getrunken, David?”(Absatz)

Ich antwortete nicht. In mir kochte unbeherrschter Zorn hoch (Zorn IST unbeherrscht). Ich musste klare Verhältnisse schaffen. “Sieh genau her, Lena”, sagte ich also mit gefährlicher Ruhe (wie "gefährlich" diese Ruhe ist, sollte sich am nachfolgenden Geschehen zeigen). Ich löste den Sicherheitsgurt, beugte mich vor und öffnete das Handschuhfach. Ohne den Blick von der Straße zu nehmen (wenden) , holte ich meinen Designer-Flachmann heraus, der mich auf jeder Fahrt begleitete. Eine Hand am Lenkrad, schraubte ich das Deckelchen ab und nahm einen tiefen Zug aus der Flasche. (nicht gut formuliert) “Aaaaaaaah”, sagte ich entspannt (das "Aaaah" signalisiert bereits die Entspanntheit"), “auch einen?” (Absatz)

Was konnte sie (meine Navifee) schon dagegen machen. Sie schwieg. Ich lachte erleichtert auf. Ich muss gestehen, für den Bruchteil einer Sekunde hatte ich befürchtet, in meinem eigenen Auto von einer Kamera beobachtet zu werden. So ein Blödsinn. Natürlich gab es keine Kamera. Die gute Lena hatte ja nicht einmal bemerkt, dass ich mich aus Bequemlichkeit nicht wieder angeschnallt hatte.

Wieder ertönte ihre Stimme, weich und aufrichtig bedauernd. “Es tut mir leid, David. Die Analysen von Kameraaufzeichnungen und Raumluft ergaben, dass du hochprozentigen Alkohol getrunken hast. Während der Fahrt! Ich kann leider nicht umhin, dir die Kontrolle über das Fahrzeug zu entziehen.”(Absatz)

“Kann leider nicht umhin”, wiederholte ich belustigt. Wer sprach denn heute noch so? Während ich noch den Sinn ihrer Worte zu begreifen versuchte, merkte ich schon die Veränderung ("die Veränderung" ist der Umschwung in dieser Geschichte, und diesen Punkt als "die Veränderung" zu benennen, ist nicht gut getroffen.). Pedale und Lenkrad bewegten sich auf einmal wie von Geisterhand gesteuert. “Wie?”, sagte fragte ich verwirrt,. “Was?” (Absatz)

“Tja”, sagte Lena. Selbst unter Aufbietung all meiner Kräfte vermochte ich den Wagen keinen Millimeter von der vorprogrammierten Route abzubringen. “Erstaunlich”, sagte ich verdutzt und vor lauter Staunen kam ich überhaupt nicht dazu, mich zu ärgern. Ich hatte wirklich nicht die leiseste Ahnung gehabt, dass der volle Umfang des Premiumpakets auch eine Fahrautomatik beinhaltete. War das nicht eigentlich super? Mein Schädel summte. (Absatz)

“Nimm es nicht schwer”, tröstete mich Lena,. “Bei Beginn der nächsten Fahrt hast du die Gelegenheit, deine Fahrtüchtigkeit durch eine Atemluftanalyse nachzuweisen.” (Absatz)

“Nein, ist schon gut Lena”, brummte ich matt und lehnte mich gänzlich überwältigt zurück. ("matt" "brummen" und "gänzlich überwältigt" sich zurücklehnen ist viel, viel, viel in einem Satz von neun Wörten, zumal der Protagonist gleich anschließend "entspannt" ist.)


Entspannt beobachtete ich, wie Heerscharen dicker Schneeflocken gegen die Scheibe sausten (prallten?), wo sie von den gleichmĂĽtig hin und her wedelnden Scheibenwischern lautlos beiseite gewischt wurden. Die weiter vorne vom Scheinwerferlicht erfassten Flocken bildeten lange weiĂźe Tunnel, deren Gestrudel einen hypnotisch einzusaugen versuchte (das Gestrudel von Tunneln saugt einen ein? - ).


... Sorry, und mich saugen die Alltagspflichten ein, ich muss jetzt Schluss machen und komme leider nicht durch den ganzen Text. Meine Anmerkungen sind als Anregung gedacht und selbstverständlich subjektiv, aber sollte Lord Nelson das eine oder andere davon verwerten können, würde mich das freuen.

Dranbleiben!

Freundliche GrĂĽĂźe

Languedoc

Bearbeiten/Löschen    


Lord Nelson
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Jan 2018

Werke: 5
Kommentare: 254
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Lord Nelson eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Hallo Languedoc,

vielen herzlichen Dank für deine freundliche Beschäftigung mit meinem Text. Deine Verbesserungsvorschläge empfinde ich als überwiegend ziemlich treffend. Hätte ich auch mal selber drauf kommen können. Bei fremden Kurzgeschichten fallen mir genau diese Dinge auf - aber wenn es um den eigenen Text geht, ist der Autor offenbar wie vernagelt.

In den nächsten Tagen werde ich die Geschichte etwas "verschlanken"

Eine Frage hätte ich noch zum Absatz: bei Word erzeugt man selbigen durch Drücken der Enter-Taste, dadurch wird der Folgetext umgebrochen und um einen gewissen einstellbaren Abstand eingerückt. Hier im Foreneditor funktioniert das leider nicht. Gibt es da eine Möglichkeit?

Bearbeiten/Löschen    


Languedoc
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Sep 2012

Werke: 25
Kommentare: 334
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Languedoc eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Betriebsblindheit:

quote:
aber wenn es um den eigenen Text geht, ist der Autor offenbar wie vernagelt.
... und hat ein Brett vorm Kopf, so geht es mir auch, und mein Mittel dagegen ist: das Werk beiseitelegen, was ganz anderes tun, und dann (nach ein paar Wochen) den Text zur Brust nehmen, als wär's das unverlangt eingereichte Manuskript eines unbekannten Autors: mit gezücktem roten Tintenstift, Brille auf der Nase und gnadenlosem Grimm im Bauch - vermaledeite Maloche!

Der zeitliche Abstand klärt meinen Blick, ich entdecke dann die Holpersteine sofort, na ja, nicht alle, aber doch so, dass ich das Gefühl habe, ich kann echt was verbessern. Mein Traum wäre allerdings, ein Lektor würde mal meine Elaborate professionell zerpflücken - einen solchen Dienst kann ich mir aber leider nicht leisten und so muss ich halt den Wörteracker selber pflügen bis die Synapsen schwitzen.

Absätze im Text:
Vermutlich sind sie beim Kopieren des Textes aus WORD in den Leselupe-Editor verloren gegangen. Du kannst - eh klar - im Leselupe-Editor mit der ENTER-Taste einen Absatz einfügen. Dazu musst du Deinen hineinkopiertenText nochmal durchscrollen, die Absätze "entern" und in der Vorschau prüfen, ob alles passt wie gewollt. Es gibt sicher elegantere Lösungen, aber da bin ich überfragt.

Viel SpaĂź beim Schreiben in allen seinen Phasen zwischen heiĂźem Rausch und kalter Dusche.

Languedoc

Bearbeiten/Löschen    


Weltenwandler
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Feb 2018

Werke: 4
Kommentare: 28
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Weltenwandler eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Hallo Lord Nelson,

vorweg - ich finde deine Geschichte sehr gelungen. FlĂĽssig zu lesen, gute Wortwahl. Ich will deshalb eher einige strategische Dinge anmerken.

Zum einen ist der Umfang (fĂĽr meinen Geschmack) eine Idee zu lang - ich wĂĽrde den Part, der den Prota als Bankangestellten "enttarnt", zum Beispiel eher weglassen - dann fĂĽhlen sich mehr Menschen angesprochen und man erspart sich das Thema "Hass auf Geldhaie" ;)

Zum Ende hin zieht sich die Geschichte und man weiß, dass dem Fahrer der Tod bevorsteht. Das ist gut und baut Spannung auf. Wenn du hier aber die Geschichte abänderst und der Hauptperson nur seinen "Mord" aufzeigst, ohne ihm eine schnelle Erlösung von seinem Leiden zu geben, hat die Geschichte weit mehr psychische Einschlagskraft - am Ende muss er dann nämlich damit leben, als sich in die rettende Leere zu stürzen. Und der Leser muss mit einem unvorhergesehenen Ende der Geschichte leben, das dann ein (gewollt) beklemmendes Gefühl hervorruft.

Vielleicht hilft dir ja die ein oder andere Anmerkung weiter (falls sie nicht schon genannt wurde)!
GrĂĽĂźe
Tobid

Bearbeiten/Löschen    


Lord Nelson
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Jan 2018

Werke: 5
Kommentare: 254
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Lord Nelson eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Hallo Weltenwandler,

vielen Dank für dein Lob und die interessante Kritik. Gerade die “strategischen Dinge”, beobachtet durch einen unvoreingenommener Leser, sind immer ein wertvolles Feedback.

Über die Frage nach dem Beruf des Protagonisten habe ich inzwischen gründlich nachgedacht. Von mir aus käme als Überleitung zu dem kleinen Dialog ebensogut der Beruf des Altenpflegers in Frage. Angesichts des dicken Autos (und auch der dünnen Skrupel) erscheint mir ein Finanzberater jedoch stimmiger. Sollten weitere Leser an diesem Punkt Anstoß nehmen, so würde ich womöglich darauf verzichten. Ist ja nur ein Randdetail.

Was die Frage der Länge anbelangt, stimme ich dir zu. Was immer für eine Story entbehrlich ist, darf gerne rausfliegen. In diesem Sinne habe ich die Geschichte bereits von ursprünglich zehn auf jetzt gut drei Seiten zusammengedampft, bin aber für weitere Entschlackungen durchaus offen. Den tödlichen Aufprall würde ich allerdings nur höchst ungern opfern. Klar, die gute Fee könnte den Finger heben und einen von schwerer Reue gequälten Prota ermahnen, hinfort nicht mehr betrunken Auto zu fahren. Aber dieses Ende befriedigt mich nicht!
Gut, vielleicht muss man das Ende nicht mehr ausformulieren, so dass noch eine gewisse Resthoffnung übrig bleibt. Möglicherweise würde es ausreichen, wenn der Motor einmal böse brüllt.
Oder der Wagen schießt haarscharf an dem Brückenpfeiler vorbei. Oh ja, dieses Überraschungsmoment könnte durchaus sehr reizvoll sein *lach*
Mal schaun.

Ein weiteres Detail steht für mich zur Disposition, doch bin ich mir dessen noch nicht ganz sicher. Die Spielerei mit dem Warnlicht im Schlusssatz, und damit auch das Gegenstück, nämlich der weiter oben stehende Hinweis auf die hohe Sicherheit des Wagens, wären eventuell noch verzichtbar. Den Gedanken muss ich aber erst noch sacken lassen.

Viele GrĂĽĂźe
Lord Nelson

Bearbeiten/Löschen    


4 ausgeblendete Kommentare sind nur fĂĽr Mitglieder und nur mit eingeschaltetem Javascript erreichbar.
ZurĂĽck zu:  Kurzgeschichten Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.
Werbung