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Leselupe.de > Kurzprosa
Die Badewanne
Eingestellt am 09. 12. 2006 16:51


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Warne Marsh
AutorenanwÀrter
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"Aus der imaginĂ€ren Badewanne und ihrem Duft-Kokon heraus sinnierte der ZĂŒrcher R. S. ĂŒber das abstrakte Denken; und fand zu ĂŒberraschend konkreten Einsichten." Oltener Tagblatt


DIE BADEWANNE

Die Badewanne ist der einzige Ort des absoluten Denkens. Nur dort vermag ich dies zu tun, was das wichtigste im Leben ĂŒberhaupt ist, immerwĂ€hrend konzentriert zu denken. In der Badewanne zu liegen - meine Nase wird vom Duft indischer Melisse und Hopfen umschmeichelt - ermöglicht ĂŒberhaupt erst das Entstehen von vernĂŒnftigen Gedanken, welche man dann sorgfĂ€ltig aus dem Bad heraus und in sein Leben hinein trĂ€gt.

Nur in der Badewanne herrschen die ZustÀnde, welche das Denken ermöglichen.

Versuche ich hingegen auf dem Balkon sitzend zu denken, so werde ich von all den durch den Alltag erzeugten und demnach widerlichen GerĂ€usche in perfid absichtsvoller Weise an der einzig wahren TĂ€tigkeit, dem Denken nĂ€mlich, gehindert. Schreiende BĂ€lger bohren sich unerbittlich in mein Gehirn. Deswegen kann man die Kinder nicht anders, als widerlich nennen, da sie die widerlichsten Wesen und GerĂ€uscheerzeuger schlechthin sind. Kein anderes Wesen kann harmlose Unbeasichtigkeit so sehr in Anspruch nehmen, wie die Kinder, da sich deren Unschuldigkeit ĂŒber die Jahrhunderte hinweg nicht hat als die grösste MenschheitslĂŒge entlarven lassen. Da die Menschen gar nicht denken wollen, sind sie unfĂ€hig diese LĂŒge als eine ebensolche zu erkennen, denke ich, weil sie sich an der unschuldigen Niedlichkeit dieser widerlichen Wesen gerazu ergötzen.



Der Mensch muss als widerlich schlechthin angesehen werden. Vermag er es doch als einziger bei vollem Bewusstsein und vermeintlich klarer Gedankenwelt, wie kein anderes Wesen, das Denken durch LĂ€rm zu verunmöglichen, wodurch er in letzter Konsequenz sich selbst verunmöglicht, da es den Menschen nicht möglich ist, denkend zu leben. Am Denken wĂŒrden sie sich selber zugrunde denken, da sie das Denken nie zu lernen in der Lage waren. Deswegen verachten sie die Geistesmenschen, weil sie erahnen, was ihnen durch ihre Gedankenlosigkeit wĂ€hrend Jahrtausenden abhanden gekommen ist, und genau deswegen rennen die Menschen zu hunderten an Lesungen und dergleichen, da sie selber nicht denken mögen, weswegen sie den Geistesmenschen beim Denken zuschauen und sich selber vermeindlich ĂŒber die Nichtdenkenden Menschen erheben wollen, denke ich, was nur möglich ist, weil sich niemand wagt, den Menschen die Wahrheit ins Gesicht zu sagen, von der BĂŒhne herunter zu schauen und sagen, was Sache ist, dem Publikum sagen, weswegen ihm der Speichel aus hunderten Mundwinckel lĂ€uft, weil selbst das kollektive Nichtdenken anstrengend ist, sie sollen sich doch mal Gedanken darĂŒber machen, wie sie aussĂ€hen, wĂŒrden sie zu eigenem Denken gezwungen, gĂ€be es auf der BĂŒhne keine Denker mehr, welche ihnen die Illusion, am Denken mitwirkend zu sein, vermitteln, sondern sie unversehens zum eigenen Denken auffordern. Ich denke, - meine Nase vom Duft indischer Melisse und Hopfen umschmeichelt - die Auswirkungen wĂ€ren ebenso verherend, wie bei einem Selbstmordanschlag.

Wer nicht denken will, muss sterben, denke ich, und ich denke, wer nicht sterben will, soll lesen. So einfach ist das, denn so lange man denkt, stirbt man nicht, was auch der Grund ist, weswegen Geistesmenschen sich zwischen lebendigen Leichen bewegen. Ich verlasse das Haus und betrete unfreiwillig den globalen Friedhof und sehe Leichen allĂŒberall und denke, dass dies die Tragödie der Menscheit ist, dass man nicht sirbt, so bald man zu denken aufhört, dass diese Geistesgestorbenen weiter leben, das ist der Menscheit Tragödie, die wir Geistesmenschen zu ertragen haben, ausser wir schliessen uns ein in unseren HĂ€usern. Nur gehen wir dann am Gedanken zu grunde, wie all die Denkleichen um unsere HĂ€user herum schleichen. Ich denke, man mĂŒsste als Geistesmensch sich in fremdsprachigen LĂ€ndern aufhalten, denn nur dann, wenn man nicht verteht, was um einen herum an WorthĂŒlsen gesprochen wird, muss man sich deswegen nicht mehrmals tĂ€glich ĂŒbergeben, da man in der Illusion lebte, so denke ich, es wĂŒrde nur gehaltvoll miteinander gesprochen.



In der Badewanne liegend, denke ich - meine Nase wird vom Duft indischer Melisse und Hopfen umschmeichelt - in dem duftenden Wasser in der Badewanne liegend, denke ich also, warum der Gang ins nahegelegene Einkaufszentrum einem Fussmarsch in und durch den Balkan gleich kommt. Ich denke in der Badewanne, weil es sich nur hier ungestört denken lĂ€sst, ich denke darĂŒber nach, und ich denke, dass frĂŒher ein Einkauszentrum ein Einkaufszentrum war, ein GebĂ€ude also, dessen ursprĂŒngliche Bestimmung, so sagt mann, die, ein Einkaufszentrum zu sein war, und ich denke in was fĂŒr schĂ€bigen GeistezustĂ€nden mĂŒssen Menschen leben, die sich ein Einkaufszentrum zum Aufenthaltsort, zudem noch ein hĂ€ssliches und lautes Einkaufszentrum zum Aufenthaltsort und demnach zu ihrer Heimat machen, freiwillig, wie man sagt, sich zur Heimat machen, so denke ich, der ich in der Badewanne und im Duft indischer Melisse und von Hopfen liege, dass es Menschen gibt, die sich freiwillig im Einkaufszentrum aufhalten, sich dieses zu ihrer Heimat machen und dasselbe nicht nur zum Erledigen ihrer EinkĂ€ufe betreten, mit leeren Taschen das Einkaufszentrum betreten, weil sie dort das machen wollen, wozu das Einkaufszentrum gebaut, erstellt wurde, wie man sagt, nĂ€mlich zum Einkaufen, und das Einkaufszentrum, welches zum Einkaufen einem zur VerfĂŒgung steht, mit vollen Taschen und also nach getĂ€tigtem Einkauf, wie man sagt, auf dem schnellsten Weg wieder verlassen, nein, denke ich in der Badewanne liegend,
das Einkaufszentrum ist zum Balkan geworden und bald werde ich mir ein Wörterbuch Deutsch-Balkanesisch kaufen mĂŒssen, welches sicher im Angebot sein wird, zusammen mit einer Reise in den Balkan als Hauptgewinn, auf den ich, denke ich in meiner Badewanne liegend, keineswegs spekuliere, gar nicht zu spekulieren brauche, da der Balkan vor meiner HaustĂŒre und also mittlerweile, wie man sagt, ĂŒberall ist.

Was bleibt, ist die Badewanne, denke ich - meine Nase vom Duft indischer Melisse und Hopfen umschmeichelt.
__________________
"Alles ist Werk."

Ludwig Hohl

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Hallo Renzo,

in ersten teil deines textes wird mir zuviel in der badewanne rumgelegen.
In ordnung, dort kannst du gut denken. Und weiter?
Diese dir so wichtige erkenntnis hast du bereitgewalzt, immer wieder, mal von hinten, mal von vorne, mal von ... . Und?
Die aussage war und ist immer noch: In der badewanne kann ich gut denken.
So weit, so ...

quote:
Schreiende BĂ€lger bohren sich unerbittlich in mein Gehirn. Deswegen kann man die Kinder nicht anders, als widerlich nennen, da sie die widerlichsten Wesen und GerĂ€uscheerzeuger schlechthin sind. Kein anderes Wesen kann harmlose Unbeasichtigkeit so sehr in Anspruch nehmen, wie die Kinder, da sich deren Unschuldigkeit ĂŒber die Jahrhunderte hinweg nicht hat als die grösste MenschheitslĂŒge entlarven lassen. Da die Menschen gar nicht denken wollen, sind sie unfĂ€hig diese LĂŒge als eine ebensolche zu erkennen, denke ich, weil sie sich an der unschuldigen Niedlichkeit dieser widerlichen Wesen gerazu ergötzen.
Egal, wie es gemeint ist. Das finde ich widerlich.

quote:
Der Mensch muss als widerlich schlechthin angesehen werden. Vermag er es doch als einziger bei vollem Bewusstsein und vermeintlich klarer Gedankenwelt, wie kein anderes Wesen, das Denken durch LĂ€rm zu verunmöglichen, wodurch er in letzter Konsequenz sich selbst verunmöglicht, da es den Menschen nicht möglich ist, denkend zu leben. Am Denken wĂŒrden sie sich selber zugrunde denken, da sie das Denken nie zu lernen in der Lage waren. Deswegen verachten sie die Geistesmenschen, weil sie erahnen, was ihnen durch ihre Gedankenlosigkeit wĂ€hrend Jahrtausenden abhanden gekommen ist, und genau deswegen rennen die Menschen zu hunderten an Lesungen und dergleichen, da sie selber nicht denken mögen, weswegen sie den Geistesmenschen beim Denken zuschauen und sich selber vermeindlich ĂŒber die Nichtdenkenden Menschen erheben wollen, denke ich, was nur möglich ist, weil sich niemand wagt, den Menschen die Wahrheit ins Gesicht zu sagen, von der BĂŒhne herunter zu schauen und sagen, was Sache ist, dem Publikum sagen, weswegen ihm der Speichel aus hunderten Mundwinckel lĂ€uft, weil selbst das kollektive Nichtdenken anstrengend ist, sie sollen sich doch mal Gedanken darĂŒber machen, wie sie aussĂ€hen, wĂŒrden sie zu eigenem Denken gezwungen, gĂ€be es auf der BĂŒhne keine Denker mehr, welche ihnen die Illusion, am Denken mitwirkend zu sein, vermitteln, sondern sie unversehens zum eigenen Denken auffordern. Ich denke, - meine Nase vom Duft indischer Melisse und Hopfen umschmeichelt - die Auswirkungen wĂ€ren ebenso verherend, wie bei einem Selbstmordanschlag.
Aha. Woher kommt diese allgemeingĂŒltigkeit. Da vermisse ich doch den ich-bezug. Auf mich mag ich das daher nicht mĂŒnzen lassen. Wenn es abstakt distanziert daherkommen sollte, so ist dir das sicherlich gelungen. Nur ist der mensch, den du da beschreibst, dermaßen diffus und nicht greifbar, das er ob der philosopischen "tiraden" vollkommen in den hintergrund tritt.

quote:
Wer nicht denken will, muss sterben, denke ich, und ich denke, wer nicht sterben will, soll lesen. So einfach ist das, denn so lange man denkt, stirbt man nicht, was auch der Grund ist, weswegen Geistesmenschen sich zwischen lebendigen Leichen bewegen. Ich verlasse das Haus und betrete unfreiwillig den globalen Friedhof und sehe Leichen allĂŒberall und denke, dass dies die Tragödie der Menscheit ist, dass man nicht sirbt, so bald man zu denken aufhört, dass diese Geistesgestorbenen weiter leben, das ist der Menscheit Tragödie, die wir Geistesmenschen zu ertragen haben, ausser wir schliessen uns ein in unseren HĂ€usern. Nur gehen wir dann am Gedanken zu grunde, wie all die Denkleichen um unsere HĂ€user herum schleichen. Ich denke, man mĂŒsste als Geistesmensch sich in fremdsprachigen LĂ€ndern aufhalten, denn nur dann, wenn man nicht verteht, was um einen herum an WorthĂŒlsen gesprochen wird, muss man sich deswegen nicht mehrmals tĂ€glich ĂŒbergeben, da man in der Illusion lebte, so denke ich, es wĂŒrde nur gehaltvoll miteinander gesprochen.
Sie an. Hier wird die abstrakte ebene verlassen und du wirst konkret. Dieser abschnitt gefĂ€llt mir gut, gerade weil er konkret und greifbar ist. Ich wĂŒrde sogar soweit gehen, dass ich diesen abschnitt auf mich projezieren kann, dass ich mich damit identifizieren kann.
Ich denke, man mĂŒsste als Geistesmensch sich in fremdsprachigen LĂ€ndern aufhalten, denn nur dann, wenn man nicht verteht, was um einen herum an WorthĂŒlsen gesprochen wird, muss man sich deswegen nicht mehrmals tĂ€glich ĂŒbergeben, da man in der Illusion lebte, so denke ich, es wĂŒrde nur gehaltvoll miteinander gesprochen
Dieser teil gefÀllt mir besonders gut. Da steckt viel wahrheit und nachdenkenswertes drin.

Den letzen teil, in dem du deine badewannengedanken auf das einkaufszetrum richtest, halte ich fĂŒr ĂŒberflĂŒssig. Es sei denn, alles davor sollte auf diesen abschnitt hinfĂŒhren, dann ist aber oben einiges ĂŒberflĂŒssig. Ich sehe momnetan die richtung nicht. Von oben nach unten oder von unten nach oben?

Noch etwas. Der text soll nach dem hinweis auf das tagblatt doch wohl ein jounalistischer sein. Also was soll er dann hier? DafĂŒr gibt es hier ein extraforum.

lg
duisburger





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Hallo renzo,

quote:
halbmillitante Kleinschreibung
Also den fand ich nun richtig gut. Die permanente kleinschreibung ist gerade in literaturforen weit verbreitet und allgemein akzepziert. Es sei noch angemerkt, dass ich dies auch nur in selbigen praktiziere. Ansonsten ist mir solch ein zeigefinger vorne kurz wie hinten lang.

Du hÀttest dabeischreiben sollen, dass dies eine slamversion ist. Vor dem hintergrund ist solch ein text ganz anders zu lesen und zu bewerten. Bei einem slamtext muss "verbal" geschrieben werden, was mitunter auf dem papier etwas seltsam aussieht.
Dann machen die wiederholungen wieder sinn.

Trotzdem noch einmal zum einkaufsteil. Sollte der text vorher dahinfĂŒhren oder ist der "bruch" (der vor dem slamhintergrund möglicherweise gar keiner mehr ist)beabsichtigt?

lg
duisburger

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