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Leselupe.de > Ungereimtes
Die Ballade vom Leben danach
Eingestellt am 20. 12. 2001 11:39


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Tabasco
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???

Registriert: Mar 2001

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Die Ballade vom Leben danach




(1) Neu bezogene Betten

Um nicht zu riechen was ich fĂŒhle,
begebe ich mich in die KĂŒhle,
dort wo kein Leben existiert,
dort wo nur Eis die Gegend ziert.

Ins Land der zugefror‘nen Seen,
dort wo die Sinne schlafen geh‘n,
um eurem Reden zu enflieh‘n,
um neue Betten zu bezieh‘n,
welche warm und sauber sind,
und wo ich meine Ruhe find.

Ein Bett direkt im Nirgendwo,
am Hinterteil der Welt.

Schlafen ist so wundervoll.
FĂŒr‘s Schlafen brauche ich kein Geld.

Tabasco 2000

____________________________________________________________

(2) Flugangst?

Flieg mit mir in eine Zeit,
in der es zeitlosschön ist.

Flieg mit mir an einen Ort,
an dem man keinen Strom misst.

Dorthin wo nie ein Knochen bricht.
Ein Ort ohne Bundesverfassungsgericht.

Dort wo keiner "Nachtschicht" kennt.
Dort wo "Steuern" ein Fremdwort ist.
Dort wo "Staat" nicht im Duden steht.
Dort wo man sich fragt: "Was ist Hinterlist?"

GrĂŒn und weiß sind dort nur Farben,
eben so wie braun.
Links und rechts sind Straßenrichtung'n
und Bullen steh'n hinter'm Elektrozaun.

Hier druckt man keine kleinen Scheine
mit Köpfen von AutoritÀten darauf.
Hier sage ich "ich wĂŒrd gern tauschen".
Jeder(!) baut sich die Zukunft auf.

Wenn ich dort fernseh' kann ich nicht
zwischendurch pinkeln gehen,
weil ich ja nichts verpassen will.
Will den kompletten Streifen seh'n.

Und bunte Haare ĂŒberall.
Soweit das Auge reicht.
Lebensfrohe, Arbeitsscheue,
Taugenichtse fliegten leicht....

ĂŒber's weite weite Land.
So wie wir beide machen sie
sich mit sich selbst bekannt.

Denk nicht nach, begleite mich.
Wir erfĂŒllen kein Klischee.
Wir nehmen keinen KrĂŒmel mit.
Das was war,
ist lÀngst passé!

Wir laufen fort,
du weisst wohin.
und wann, das weisst du auch.
All das ist mehr als nur real.
Es kribbelt leicht im Bauch.

Dies hier wird ein Neuanfang,
weil uns dort keiner kennt.
Weil "vogelfrei" der SchlĂŒssel ist,
machen uns fremd,
von dem was Bauchschmerzen verursacht,
das was man "Heimat" nennt.

Tabasco 2001

____________________________________________________________

(3) Ein Schuss

Ich spĂŒre nichts als Abenteuer,
in einer Welt
ohne Ungeheuer,
in der ich selbst mein Leben steuer’.

Löwen kreuzen meinen Weg,
grĂŒĂŸen
und fragen,
wie es mir geht.

GenĂŒsslich beiss ich ab vom KĂ€se,
durchquere den Kuhdamm
wÀhrend ich lese.
Vorbei an einer Rinderherde.
Stolz steh’n sie da.
Von weitem wie Pferde.
Ich danke ihnen fĂŒr ihre Gaben
und dafĂŒr,
dass sie keine Angst vor mir haben.

Am Alex,
quasi am Fernsehturm
seh’ ich die Affen
hangeln und trurn’.
„Zeigt mir den Weg an die Spitze bitte!“
Sie nehmen mich in ihre Mitte.
Ich lass mir den Wind auf der Zunge zergeh’n.
Auch ich will in die Ferne seh’n.

SpĂ€ter steh’ ich vor dem Reichstag.
So farbenreich.
So glÀnzend.
Er ist fĂŒr diesen göttlichen Tag
So bereichernd,
so ergÀnzend.

Voller Erwartung stĂŒrm’ ich hinein.
Das Äußere kann nicht alles sein.

„Guten Tag Herr Storch, altes Plappermaul!“
„Guten Tag auch Frau Kröte!“
und „Hallöchen Herr Gaul!“

Treppe fĂŒr Treppe,
bis rauf auf’s Dach.

„Tag auch Herr Faultier!“

Die Welt ist nicht flach!

Nie sah ich so wundervoll auf anderes herab.
Nie schnĂŒrte mir ein Anblick so sehr die Kehle ab.
Nie war ich so hoch auf einem doch so nied’ren Punkt.
Nie tat so viel Sprache doch so wenig kund.

Es brennen die Augen in der knallenden Sonne.
Es rauscht im Ohr.
Es beben die GemĂŒter.
Ich drehe mich,
schreiend,
die Arme weit offen.
Um mich herum:

Die GesetzeshĂŒter.

Ich drehe mich weiter, nehm’ sie kaum wahr.
PistolenlĂ€ufe streifen mein zott’liges Haar.

Drohende Stimmen.

Sie sind nicht real.
Ich höre sie nicht.
Das war einmal.

Ich dreh’ mich.
Ich lache.
Ich blinz’le sie an.
Meine Hand streift die Waffen.
Ich atme.

Und dann?


Tabasco 2000

____________________________________________________________

(4) Nach dem Schuss

Erst mit der Knarre im Genick
fĂŒhl ich mein eig'nes Missgeschick
beim Deuten der GefĂŒhle.

Man schnuppert erst die kalte Luft
eines warmen Sommertages,
wenn Hass die weiße Flagge hisst
und sagt was falsch gewesen ist.

Dir dÀmmert,
was dir lĂ€ngst gebĂŒhrte,
warum die Waffe dich berĂŒhrte.

Kein Warum,
kein Ja, kein Nein.
Nur am Fuß...
ein Totenschein.

Was willst du mehr,
was brauchst du noch,
wenn vorher alles verzweifelt roch
und man mit dir durchs Leben kroch?

Man lÀsst sich Zeit und wartet nicht
auf irgend ein Problem.
Probleme die mit Sicherheit
zu ander'n Seelen weh'n.

Tabasco 2001

____________________________________________________________

(5) FrĂŒhstĂŒck im Bett

Kaffeeduft.
Ich rieche nichts.
Nur Schuhe vor dem Bett.
Keine Sonne scheint am Himmel,
obwohl ich sie so gerne hÀtt'.

Die Zigarette schmeckt so chemisch,
die Tapete blÀttert ab.
Kann ich etwa nur noch nörgeln?
Gibt es nichts, das ich noch mag?

Gewissenlos. Gedankenlos.
Vorerst, bis das Hirn einsetzt.
und mich in den Alltag hetzt.

Nein Danke.
Nie mehr.
Das Bett ist doch so warm.
Und jedes einzelne weitere Wort,
wÀre sinnlos - geistig arm.

So bleibe ich der Reisende
und trag mein Bett ins Nirgendwo.
ZurĂŒck zum Hinterteil der Welt.

Oh, schlafen ist so wundervoll.
FĂŒr's Schlafen brauche ich kein Geld!

Tabasco 2001
































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Tabasco
gesperrt
???

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ARG!!!

Ich will gefÀlligst Kritiken haben! Scheisse!

Der tab
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label
Guest
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hallo tabasco

daß du mehrere stĂŒcke zusammen gestellt hast dachte ich daß sie einen zusammenhang bilden. kann auch nach hĂ€ufigem lesen keinen rechten sehen. oder das ereignis nicht erfassen das du meinst.
jedes stĂŒck fĂŒr sich hat eine klare aussage eine eigene stimmung.
kannst du mir mehr dazu sagen?

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Tabasco
gesperrt
???

Registriert: Mar 2001

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..

Hi label.

Doch es gibt einen konkreten Zusammenhang. Das ganze stellt eine Ballade dar. Jemand schlĂ€ft ein um sich in TrĂ€ume wiegen zu lassen ("Neu bezogene Betten"). Nach dem Einschlafen fliegt er in seine Traumwelt, die er sich selbst zusammenstellt ("Flugangst?"). In der Traumwelt angekommen, bewegt er sich in dieser, immer Bezug nehmend zu eigentlichen RealtitĂ€t, die ihn trotz allem auch in seinen TrĂ€umen begleitet. er gibt den dingen die Bedeutung zurĂŒck, die sie laut ihres Namens haben. Er sieht die Menschen als Tiere, die ihre Charaktereigenschften widerspiegeln. alle Punkte "seines" Berlins, die er besucht, sieht er mit seinen Augen. Beispiel: Fernsehturm - in die ferne sehen / REICHstag - farbenREICH, beREICHernd / Politiker - Kröte, Storch und Faultier.
Er wandelt durch diese Illusion, bis ihn irgendwann die realitĂ€t einholt und zur Strecke bringt ("Ein Schuss"). Als nĂ€chstes folgt eine kurze Abhandlung ĂŒber seine GefĂŒhle nach seinem Traum-Tod, welche auch gleichzeitg den Aufwachprozess des Menschen darstellt ("Nach dem Schuss"). Im letzten Gedicht wacht die Person wieder auf, erblickt die triste Umgebung, den Alltag und sich selbst und erkennt, dass alles nicht lĂ€nger haben zu wollen. So entschließt er sich einfach weiter zu schlfen um seinem eigenen Leben zu entfliehen ("FrĂŒhstĂŒck im Bett").

Das also ist der eigentlich Sinn des ganzen. Ich hoffe, dir das einigermaßen anschaulich erklĂ€rt zu haben.

Danke fĂŒr dein Interesse

Tab
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Antaris
Routinierter Autor
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will mit

Hallo Tabasco,

so, Kritiken willst Du? Deine ersten beiden Gedichte haben was von Heine, Busch (obwohl Du die ziemlich alt aussehen lĂ€ĂŸt), und dann habe ich nur noch gedacht, ich will mit. So eine Welt wĂŒrde mir gefallen, wo kiregen wir sie her? Deine Gedichte sprechen mich sehr an, ich hĂ€tte mir allerdings auch gewĂŒnscht, Du hĂ€ttest sie einzeln gepostet (wie Pralinen serviert, das sind sie wert).

Mit feurigen GrĂŒĂŸen

Antaris

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Falladah
Hobbydichter
Registriert: Sep 2002

Werke: 3
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GefÀllt mir wirklich wirklich.Hm. Gibt's nich mehr zu zu sagen, ich denke man sollte das nich unnötig zerreden. Schön.
Gruss, Falladah

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