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Leselupe.de > Gereimtes
Die Ballade von Willi Wutnick
Eingestellt am 30. 01. 2008 18:08


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Marot
Festzeitungsschreiber
Registriert: Dec 2003

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Die Ballade von Willi Wutnick

Als er hinausgedr├╝ckt ins Laken plumste,
Da blieb er stumm und schaute in das Licht
Ganz still und fr├Âhlich, bis es drau├čen rumste.
- Ein Krachen, schrill, ein Teller der zerbricht-
Und Willis Augen setzten sich in Quellen
Und rot und wild begann er loszubellen.

Was Eva, eine dumme Krankenschwester,
Mit st├╝rzendem Tablett heraufbeschwor,
Erschallte nun von Fr├╝hjahr bis Silvester
Und immerfort in seines Eltern Ohren.
Nun h├Ârt die M├Ąr, die man nur fl├╝stern sollte,
Von Willi Wutnick, der nur schreien wollte.

Als kleiner Bub, der niemals sprechen lernte,
Erschrie er sich ein Leben in Gen├╝ssen.
Zum Beispiel wenn die Mama sich entfernte,
Schrie er sie bleiben und ihn z├Ąrtlich k├╝ssen.
Und Vater musste s├╝├če Gr├╝tze bringen
Und tanzen, turnen und nat├╝rlich Singen.

Von solcher Arglist v├Âllig ausgewrungen,
Verstarb die Mutter, traurig, still und leise.
Sein Vater war ihr hinterher gesprungen
Und Willi Wutnick wurde eine Waise.
Dann kam zur Rettung Tante Lot Rosette
Und nahm den Schreihals an die W├╝rgekette.

Drei Jahre lang schlug sie ihn alle Tage,
Weil er nur Schreien konnte, windelweich
Und dann, er war mit einem Fu├č im Sarge,
Verstummte er auf ihren letzten Streich.
Er schrie nicht mehr, noch gab er andre Laute,
Sahs nur noch da, er sahs und schaute

Das ging, ich glaube, f├╝nfzehn Jahre weiter.
Die Tante nannte ihn Autist und dumm.
Die Ärzte wurde nie an ihm gescheiter
Und Willi sahs in einem Zimmer rum.
Dann kam Matilde von der Putzkolonne,
Ein M├Ądchen, prall und voller s├╝├čer Wonne.

Zum F├╝ttern sa├č sie h├Ąufig bei ihm nieder.
Sie schwatzte dann und stopfte ihn mit Brei
Und sie tat mehr, im Stillen, hin und wieder.
Ganz tief in ihr begann die Schreierei.
Oh, Willi schrie, so schrill und laut wie immer
Und wieder wegen einem Frauenzimmer.

Es waren diesmal keine Schreckslaute,
Nicht Schurkerei, nicht Leid und auch nicht Jammer.
Oh nein die Lust, die lange aufgestaute
Erschall melodisch liedhaft in der Kammer.
Matilde sah das Potenzial der Schreie
Und stellte Willi in die Castingreihe.

Es wollte nun auf einmal alles klappen!
Ein Hip Hop Laible machte ihn bekannt.
Schon bald sah man ihn durch Pro Sieben tappen
Als Willi Wutnick: Schreihalsmusikant.
Und Willi sang bis sich die Balken bogen
Und Willi schrie die Gl├Ątte in die Wogen.

Die Zeit verging und statt ihr kamen S├Âhne
Drei an der Zahl und pl├Ąrrten wie am Spie├č,
Wie auch die Tochter, eine zarte Sch├Âne,
Die keifend zu der lauten Meute stie├č.
Sie wuchsen auf als Kinder des ber├╝hmten
Verschreiers, den die Presseleute r├╝hmten.

Der Erste wurde, br├╝llend General.
Der zweite schrie sich in den Richterstand.
Der dritte pl├Ąrrte jung sich schon zur Wahl
Zum Pr├Ąsidenten, nur die Tochter fand
Kein Ziel f├╝r sich, den ihre Stimme war
zu lieblich sch├Ân und viel zu wunderbar.

Vor lauter Sorge wurde Willi krank
Und sp├╝rte schnell, das Ende war gekommen.
Er legte nieder sich im stummen Dank.
Matilde stand daneben, recht benommen
Und als er starb, im Licht und ohne Krachen,
Da musste Willi ganz geh├Ârig lachen.

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