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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Die Bank
Eingestellt am 30. 11. 2014 16:41


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Mitschie
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Nov 2014

Werke: 7
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Die Bank,

15:
Das erste Mal trafen wir uns im Alter von 15 Jahren. Ich sass auf einer alten Holzbank im Stadtpark, genoss die wĂ€rmenden Sonnenstrahlen und beobachtete die Menschen, die das gute Wetter fĂŒr einen Spaziergang nutzten. Sein unerwartetes Erscheinen erschrak mich, da ich nicht realisiert hatte, dass er sich neben mich setzte. Mein Nachbar sah derart blass und mitgenommen aus, dass ich praktisch gezwungen wurde, mich nach seinem Wohlbefinden zu erkundigen. Es ginge ihm sehr schlecht, er hĂ€tte starke Angst und er fĂ€nde nicht, wonach er sucht. Auf meine Frage, was er suche, sagte er mir, dass er auf der Suche nach der Erkenntnis seines Lebens wĂ€re. Eine sonderbare Suche fĂŒr einen jungen Mann dachte ich mir und bot ihm einen meiner Vollkornkekse an.
WĂ€hrend wir unser sehr trockenes Mahl mĂŒhsam kauten hatte ich eine Idee. „Ich habe die Lösung fĂŒr Deine Probleme: Du musst in den nĂ€chsten 10 Jahren Wodka, am besten den Russischen, trinken, Barbiturate und Amphetamine je nach Bedarf einnehmen und sei auf keinen Fall zurĂŒckhaltend mit Drogen aller Art. Du wirst sehen, dass Du dann keine Angst mehr verspĂŒren und an ausserordentlichen Erlebnissen teilhaben wirst, du wirst den Sinn des Lebens erkennen und somit endlich glĂŒcklich sein können. Erleichtert sah er mich an und ich empfand Mitleid, verstĂ€rkt wurde dieses GefĂŒhl durch die zahlreichen Brösel auf seiner Jacke. Nachdem er sich mehrfach bedankte, umarmte er mich ganz fest und verschwand in einer kleinen Menschenmenge, die die Enten mit Brot fĂŒtterte und ich dachte, dass es definitiv besser gewesen wĂ€re meine Kekse ebenso zu verfĂŒttern, denn mein Kiefer schmerzte bereits von den immer wĂ€hrenden Kaubewegungen.

20:
Als ich mich der alten Holzbank nĂ€herte, sah ich ihn bereits dort sitzen. Beinahe hatte ich ihn nicht erkannt, er sah wirklich mitgenommen aus, vor allem sein aufgeschwemmtes Gesicht Ă€ngstigte. TrĂ€nen liefen ĂŒber sein Gesicht, als er mich sah und er stammelte „Ich kann nicht mehr, ich kann nicht mehr“. Wie sein Befinden sei, wollte ich wissen und diese Frage löste einen hysterischen Lachanfall meines Banknachbars aus. Er schrie, dies war sehr unangenehm, da uns bereits die Passanten der nĂ€heren Umgebung anstarrten, er wĂŒrde sterben, er könne nicht mehr und er berichtete von seinen zahlreichen stationĂ€ren Entgiftungen, Selbstmordversuchen und seinem unaufhaltsamen Untergang. VerblĂŒfft, dem Umstand geschuldet, dass ich sicher war, ihm vor 10 Jahren den richtigen Rat zu erteilen, starrte ich ihn an. Nach einer gefĂŒhlten Ewigkeit endete sein Bericht ĂŒber die vergangenen Jahre. Mir wurde bewusst, dass mein erster Ratschlag nicht seinen BedĂŒrfnissen und Vorstellungen entsprach und nicht zu dem gewĂŒnschten Ergebnis fĂŒhrte. Aber ich hatte noch eine andere Option, die ich sogleich enthusiastisch mitteilte. „Du wirst Dein GlĂŒck in Beziehungen finden, Frauen, MĂ€nner, je mehr umso besser. Ich bin mir sicher, dabei spielt es ĂŒberhaupt keine Rolle um welche Art von Beziehung es sich handelt, damit Du dann endlich Deinen Frieden findest, aber achte darauf niemals alleine zu sein, denn dann kommt die Angst zurĂŒck. Ob er weiter trinken sollte und es vielleicht mit der Liebe kombinieren sollte. Das ist eine gute Idee, erwiderte ich und wĂŒnschte ihm von Herzen alles Gute fĂŒr die nĂ€chsten 5 Jahre. Als ich neben mir auf den leeren Teil der Holzbank blickte, sah ich eine Wodkaflasche, die er scheinbar vergessen hatte. Welch ein GlĂŒckstag, dachte ich mir und leerte sie in einem Zug um eine halbe Stunde spĂ€ter im Ententeich zu liegen. Besorgte Mitmenschen zogen mich heraus und ich beschloss nach Hause zu gehen.

25:
Der Park erschien mir unwirklich, ausser mir schien niemand anwesend zu sein. Nebel hĂŒllte den Park in matt skizzierte Schönheit, Schönheit einer vergangenen Welt, die sich mehr und mehr in Ihrer Erinnerung verliert. Meine Gedanken wurden jĂ€h unterbrochen als er sich neben mich setzte, auf die alte dunkle Holzbank und nach Luft rang und diesem Moment ahnte ich bereits, dass meine BemĂŒhung ihm zu helfen, klĂ€glich scheiterte. Tag ein, Tag aus betĂ€ubte er sich mit alkoholischen Nektaren, hingebungsvoll versunken in Begierden, die er unermĂŒdlich suchte. Das Leben der Nacht verschluckte ihn und spuckte ihn am nĂ€chsten Morgen wieder aus, einen Essensrest, der fahl und abstossend schmeckte. Er scheiterte nicht vollkommen, denn in den NĂ€chten exzessiver Ausschweifungen verlor er seine Angst, gekrönt fĂŒr diese eine Nacht bezwang er seine Angst. Aber er fand in all den Jahren nicht, was er suchte, er fand nicht die Gelassenheit einer vollkommener Erkenntnis. Ratlos schaute er mich an und es war nicht zu leugnen, auch ein bisschen vorwurfsvoll. Ich war mir keinerlei Schuld bewusst und bot ihm ein StĂŒck Schokolade an, das er sogleich in seinen Mund schob. „Was soll ich jetzt tun“ fragte er mit brĂŒchiger Stimme und ich riet ihm er solle sich doch etwas Schönes kaufen, jeden Tag etwas, das ihm Freude bereitet. Kaufen macht glĂŒcklich, da war ich mir absolut sicher. Er nickte, nahm sich mein letztes StĂŒck Schokolade, was doch in diesem Moment einer gewissen Frechheit gleichkam. Der Nebel verschlang ihn und ich beschloss in die Stadt zu gehen, um mir eine Ananas zu kaufen, um mit dem Verzehr dieser Frucht dem herbstlichen Nebel zu trotzen.

30:
In der Nacht zuvor hatte ich ausgesprochen schlecht geschlafen, wachte mehrmals auf, sicherlich einer gewissen Aufregung wegen des heutigen Treffens geschuldet. Als ich an dem Ententeich vorrĂŒberging sah ich ihn bereits auf der Bank sitzen und seine gebeugte Haltung lies nichts Gutes vermuten. Dies wurde mir sehr schnell durch seine ErzĂ€hlungen bestĂ€tigt. Die Einkaufserlebnisse und das daraus resultierende GlĂŒcksgefĂŒhl wĂ€hrten nur kurz und er musste immer mehr kaufen um ĂŒberhaupt noch etwas fĂŒhlen zu können. Es dauerte nicht lange und er verschuldete sich, fing an Lotterien zu spielen, in der Hoffnung mit dem Gewinn weitere Einkaufsexzesse finanzieren zu können. So taumelte er rasant dem finanziellen und persönlichen Bankrott entgegen. Ich bot ihm ein Hustenbonbon an, das er aber zu meiner Überraschung ablehnte. Die Ergebnisse seiner BemĂŒhungen in den vergangenen Jahren schufen einen Ă€usserst sĂŒchtigen und exzessiven Charakter, der permanent die Grenzen ĂŒberschritt. GlĂŒck und Zufriedenheit waren ihm nur wenige Stunden vergönnt und der Preis fĂŒr einige Momente des GlĂŒcks stieg in schwindelnde Höhen. Den Sinn seines Lebens entschlĂŒsselte er zu keinem Moment. Er sah mich an und sprach, dass es ein Wunder sei, dass er noch lebe und er wohl tausend Schutzengel gehabt haben muss. Da musste ich ihm recht geben, neben mir sass ein kleines Wunder, denn nach eingehender Analyse seiner Taten und Erlebnisse blieb mir nur die Schlussfolgerung, dass er lĂ€ngst tot sein mĂŒsste und das Subjekt GlĂŒck genĂŒgte nicht als BegrĂŒndung. GlĂŒcklicherweise hatte ich mir 2 Schinkenbrote mitgebracht, denn ich benötigte jetzt Energie um etwas Sinnvolles sagen zu können. Aus Höflichkeit bot ich ihm ein Brot an, dass er sehr zu meinem Bedauern, annahm. WĂ€hrend des Kauens entfaltete sich eine dankbare Stille, die ich sehr genoss. Schon viele Menschen sassen vor ihm neben mir auf der Bank und allen hatte ich gutgemeinte RatschlĂ€ge gegeben. Doch keiner der Probanden erwies sich als dermassen zĂ€h und widerstandsfĂ€hig wie er. Er war der Erste, der nach all den Jahren und all den angewandten RatschlĂ€gen noch lebte, ein wirklich erstaunliches Individuum. Ja ich war in diesem Moment ĂŒberfordert und bat ihn um ein wenig Geduld, um eine kleine Pause von einem Jahr, versprach ihm aber, dass ich ihm dann den endgĂŒltigen Ratschlag erteilen werde. Er stimmte zu und fassungslos musste ich mit ansehen wie er den letzten Bissen meines Schinkenbrotes verschlang, das Butterbrotpapier zerknĂŒllte und in den Abfalleimer schmiss. Als er ging, hinterliess er mir ein GefĂŒhl der Verwunderung und der Irritation, denn niemals hĂ€tte ich gedacht, dass ich eines Tages den letzten Ratschlag, sozusagen die Erkenntnis seines Lebens mitteilen muss. Eine Erkenntnis, die nichts mit Religion oder SpiritualitĂ€t gemein hat, sondern deren Beweis jeder Mensch einfordern und erfahren konnte. „Das gibt es doch ĂŒberhaupt nicht, dass er noch am Leben ist, das gibt es doch nicht.“ stammelte ich, wĂ€hrend ich den Park verliess und gefangen in meiner Fassungslosigkeit wĂ€re ich auch noch beinahe von einem Auto ĂŒberfahren worden.

31
Seit Stunden sass ich auf der alten Holzbank, getrieben von der Angst, ich könne ihn verpassen. Mein Notizbuch habe ich bereits neben mich gelegt, ein wichtiges Utensil fĂŒr das kommende GesprĂ€ch, denn darin waren alle Geheimnisse und Lösungen skizziert. Jetzt sehe ich ihn, zĂŒgig nĂ€hert er sich, um sich links neben mir zu setzen und er hat mir tatsĂ€chlich etwas mitgebracht, eine Packung Vollkornkekse, naja der gute Wille ist ausschlaggebend. Mehrfach habe ich das heutige GesprĂ€ch im Vorfeld geĂŒbt, denn es ist definitiv das erste Mal und höchstwahrscheinlich das letzte Mal, dass ich darĂŒber mit einem Probanden sprechen werde. Aber es gibt Bedingungen, er muss sich verpflichten ab sofort keinen Alkohol, Drogen oder Medikamente zu konsumieren, Beziehungen zu Frauen sind ab sofort nicht mehr relevant und massloses Kaufen und Spielen sind untersagt, so zusagen der Schritt in eine weltliche Askese. Überraschenderweise stimmt er sofort zu, sicherlich dem Umstand geschuldet, dass all diese Dinge fĂŒr ihn nach all den Jahren nur Verzweiflung, Schmerz und Untergang bedeuten und der Erkenntnis, dass sein doch sehr vertieftes Studium der SĂŒchte, ihn zu keinem Zeitpunkt eine Antwort geben konnte. Ich schlage mein Notizbuch auf und beginne zu lesen:
„Was wĂ€re wenn,
wenn sich die Menschen als Individuen viel zu wichtig nehmen, gefangen in immer wĂ€hrende Wiederholungen, seit Bestehen der Menschheit sie nicht in der Lage ist sich zu Ă€ndern, sondern immer wieder töten, foltern, lĂŒgen und betrĂŒgen, ein Jahrhundert gleicht dem Anderen
wenn kein Opiat dieser Welt eine Antwort ist, sondern nur Zerstörung bedeutet
wenn kein Mensch auf dieser Welt Deinem Anspruch nach ewigen GlĂŒck und ewiger Liebe entsprechen kann
wenn Du zahlreiche Begegnungen erfĂ€hrst, aber auch akzeptierst, dass hieraus zwangslĂ€ufig irgendwann immer eine Trennung erfolgen wird und du nicht die Macht hast, GefĂŒhle und das Erlebte festzuhalten
wenn kein noch so wertvoller Gegenstand Dir auf Dauer einen Sinn geben kann, es sinnlos ist immer gieriger und verbissener BesitztĂŒmer an zu hĂ€ufen und du dich nicht ĂŒber Haben definierst
Was wÀre wenn,
du wĂŒsstest, dass es keinen Sinn hat sich von den Kleinigkeiten des Alltags zerfressen zu lassen
es vollkommen egal ist, was Andere von Dir denken mögen
die Angst nur in Deinem Kopf existiert und Dir die Entscheidung obliegt, ob du dich fĂŒrchtest oder nicht
du wĂŒsstest, dass Vergleich und Neid Dein Ich zerfressen und Dich entfremden
dir bewusst wĂ€re wie wichtig es ist gut mit dir umzugehen, Denn du bist fĂŒr Dich das Wichtigste was Du besitzt
Wenn du all das wĂŒsstest und fĂŒhltest, kĂ€mst Du zu der Erkenntnis, dass jetzt nur noch Du zur VerfĂŒgung stehst. Stell dir eine GemĂŒsezwiebel vor, wie du Schicht um Schicht abtrĂ€gst und am Schluss lediglich der Kern vor dir liegt. Eine Schicht war Deine Unzufriedenheit, die zweite Schicht Dein Suchen, die dritte Schicht Deine Sucht und so hast Du in den vergangenen Jahren Schicht um Schicht entfernt bist nur noch du vorhanden warst und folglich Dir nichts mehr anderes als Deine Person, Deine Seele zur VerfĂŒgung steht, um glĂŒcklich zu sein.
Ich klappe das Notizbuch zu und sehe das erstaunte Antlitz meines Banknachbarn. „ Ja das stimmt“ sprach er mit leiser Stimme „all meine Exzesse, mein unstillbarer Hunger nach Äusserlichkeiten, nĂ€chtlichen Begierden machten mich nicht glĂŒcklich, ganz im Gegenteil. Aber sag mir was ist denn nun der Sinn meines Lebens und verdammt noch mal warum musste ich unzĂ€hlige Male Höllenqualen erleiden um an diesen Punkt zu kommen, hier auf der Bank mit Dir?“. „Es ist ganz einfach, weil du es vorher nicht verstanden hĂ€ttest, da du der Theorie niemals geglaubt hast und alles selbst erleben musstest und du wirst dankbar sein, dass Du diesen Weg gegangen bist, denn Du wirst Etwas besitzen, ein Wissen realisieren, das nur wenige Lebewesen mit dir teilen und jetzt ist die Zeit Dir Deine jahrzehntelang verschlossenen Augen zu öffnen“.
Ihr Menschen seid die einzigen Lebewesen, die sich deren Tod bewusst sind, der Mensch weiss, dass er sterben wird. Somit ist er gezwungen zu glauben, denn er hat Angst vor dem Sterben und der Gedanke, er könne nicht mehr existieren ist unvorstellbar. Schliesse Deine Augen und stelle Dir das Nichts vor und du stellst fest, dass man sich das Nichts nicht vorstellen kann. Das Bewusstsein irgendwann sterben zu mĂŒssen entwickelt bei genauer Betrachtung eine ungeheure bedrohliche Dimension, verstĂ€rkt durch eine doch erhebliche Unsicherheit. Unsicherheit ĂŒber den Moment, den Zeitpunkt da er aufhört zu existieren, seiner Grundlage entrissen wird, aber auch Unsicherheit, was danach, nach seinem Tod, geschieht. Zu Lebzeiten kann er keine KlĂ€rung erfahren, erst nach seinem Tod. So ist die menschliche Existenz permanent bedroht, zu wissen, dass die Antwort auf diese Frage erst nach seinem Ende erfolgt, ein Paradoxon. So schuf der Mensch seit Anbeginn Götter, in der Hoffnung auf ein Paradies, ein Garten Eden, um seine Unsicherheit und seine Angst zu unterdrĂŒcken. Es entstanden viele Götter und Glaubensrichtungen und nun frage ich Dich, welcher Gott ist denn der Richtige?“
Er sieht mich verwirrt an und ich bin mir nicht sicher, ob er mir ĂŒberhaupt gedanklich folgen kann und ich beschliesse meine AusfĂŒhrungen zu vereinfachen, verstĂ€ndlicher zu formulieren. Um die Situation ein wenig auf zu lockern, schlage ich ihm ein Spiel vor „Ich sehe was, was Du nicht siehst“. Ich liebe dieses Spiel und bin enttĂ€uscht, als er dankend ablehnt, er ist zu begierig meine Antwort zu erfahren und ich entscheide der einfach halt halber ihm die Fakten zu erzĂ€hlen und mich nicht in philosophischen ErklĂ€rungen zu verlieren. Oftmals ist es das Beste direkt und ohne Umweg die Wahrheit aus zu sprechen.

„Also mein Proband, jetzt ist es soweit, höre aufmerksam zu“ und ich denke mir, dass ich doch lieber erst einmal ein Spiel gespielt hĂ€tte. „Es gibt keinen Gott und kein Gut oder Böse, das haben die Menschen erfunden und ĂŒbrigens wurde die mögliche Existenz von Stephen Hawking, den renommiertesten Physiker eurer Zeit, naturwissenschaftlich widerlegt. Der nĂ€chste Irrtum ist, dass die Menschen bis anhin glaubten, das Gehirn wĂŒrde deren Bewusstsein erzeugen. Das Bewusstsein existiert aber unabhĂ€ngig vom Gehirn, es ist so zu sagen „nichtlokal“. Eine von Geburt an blinde Frau erlitt ĂŒber mehrere Minuten einen Herzstillstand, GehirnaktivitĂ€ten konnten nicht mehr gemessen werden, sie galt als klinisch tot, trotzdem gelang es sie wieder zu beleben. SpĂ€ter erzĂ€hlte sie Ihre EindrĂŒcke, konnte das gesamte Zimmer inclusive Farben , in dem sie reanimiert wurde,beschreiben. Sie konnte exakte Beschreibungen der anwesenden Personen und Ereignisse geben, dies obwohl sie von Geburt an blind war. Das Gehirn dient lediglich als EmpfĂ€nger und Sender, ihr seid sozusagen RadiogerĂ€te auf Beinen. Nach der Geburt wird der Sender eingestellt, durch euer Umfeld und eure Erfahrungen, natĂŒrlich spielt auch die QualitĂ€t des Gehirns beziehungsweise eures RadiogerĂ€tes eine entscheidende Rolle. Ihr alle empfangt aber das gleiche Signal eines Bewusstseins, ich nenne es Kollektivbewusstsein, das weder gut noch böse ist. Schlimme Erfahrungen in der Kindheit und SchĂ€digungen, beispielsweise durch einen Unfall, fĂŒhren dazu, dass die Sendereinstellungen verzerrt werden und es zu scheinbar „bösen“ Taten der Menschen kommt. Alle psychischen Krankheiten und Verbrechen lassen sich auf Defekte im Gehirn bzw. Störungen der kindlichen entwicklung, zurĂŒckfĂŒhren Auch Tiere empfangen dieses Signal und der einzige Unterschied ist, dass sie einen EmpfĂ€nger von wesentlich geringerer QualitĂ€t als der Mensch besitzen. Der Irrtum der Menschheit ist, dass sie meinen, sie wĂ€ren die Krönung einer Schöpfung, dabei hatten sie lediglich das GlĂŒck im Laufe der Evolution mit einem besseren GerĂ€t ausgestattet zu werden. Der fatalste Fehler eurer Geschichte ist, dass ihr euch immer in den Mittelpunkt gestellt habt, das einzelne Individuum als das Wichtigste auf der Welt. Diese Einstellung ist auch der Grund, weshalb ihr immer und immer wieder Krieg fĂŒhrt, quĂ€lt und tötet. Mittlerweile in solch einem Ausmass, dass es nur noch eine Frage der Zeit ist, bis eure Welt komplett zerstört ist.“
Mit offenem Mund sieht mich mein Banknachbar an und nach einer gefĂŒhlten Ewigkeit fragt er , was das bedeuten soll und ich könne ihm ja viel erzĂ€hlen. Da hat er wohl recht, ich könnte auch ein MĂ€rchenonkel sein, der eine nette Geschichte erzĂ€hlt. Aber dem ist nicht so, da all das Gesagte in meinem Notizbuch niedergeschrieben ist und dieses Buch lĂŒgt nicht.
„ Du kannst jederzeit einen Beweis anfordern und wenn Du dies machst, wirst Du ein Zeichen oder eine Antwort erhalten, das verspreche ich Dir. Das kollektive Bewusstsein oder nenne es geistige Parallelwelt, ganz wie dir beliebt, wird in irgendeiner Form Kontakt aufnehmen. Nach Deinem Kontakt und Deiner Erkenntnis bedeutet das fĂŒr Dich, dass Du allen Lebewesen mit grösstem Respekt begegnen musst, kein Fleisch mehr isst und Dein Wissen teilst. Denn das Einzige, was diese Welt noch retten kann ist, eine Umkehr aller bisherigen Verhaltensweisen und das Anerkennen, dass ihr euch nur durch eure persönlichen Erfahrungen und der QualitĂ€t eures Radios von anderen unterscheidet. Der Respekt vor dieser Welt und deren Schutz ist ein kollektives Anliegen. So und jetzt geh, ich bin mĂŒde und erschöpft.“
Ich schliesse meine Augen und als ich sie wieder öffne ist er bereits verschwunden. Erschöpft schliesse ich mein Notizbuch und hoffe instÀndig, das die kommenden Probanden nicht soweit kommen wie er.

32
Als ich 1 Jahr spĂ€ter auf der alten Holzbank im Stadtpark, direkt vor dem Ententeich, sitze bleibe ich alleine. Nur ein zusammengefalteter Zettel, an mich adressiert, bezeugt seine Existenz und unsere vergangenen Treffen. Als ich das Geschriebene lese, muss ich lĂ€cheln. „Es stimmt“ schrieb er und in diesem Moment lobte ich mich selbst, ich leiste wirklich hervorragende Arbeit.
M.F.
__________________
M.F.

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DocSchneider
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