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Leselupe.de > Krimis und Thriller
Die Beichte
Eingestellt am 27. 11. 2001 19:21


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Sam
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Oct 2000

Werke: 20
Kommentare: 39
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Hi Ihr!

War mein erster Versuch eine Krimi-Kurzgeschichte zu schreiben,also erwartet kein Meisterwerk.
WĂŒrde mich sehr ĂŒber Kritik und VerbesserungsvorschlĂ€ge freuen!

Danke, Sam


Die Beichte


Es war Donnerstag. Wie jedes Mal machte sie sich auf den Weg zur Kirche. Sie wĂŒrde beichten gehen und sich danach besser fĂŒhlen. Mit leichtem Gewissen wĂŒrde sie anschließend nachhause kommen, Essen machen und die Kinder ins Bett bringen. Vielleicht noch eine Flasche Rotwein gemĂŒtlich zusammen vor dem Kamin trinken und dann mit diesem wohlig warmen GefĂŒhl der Schwere und MĂŒdigkeit ins Bett fallen. Doch zuerst die Beichte.
Sie war fast da. Die Kirche befand sich nicht weit weg von ihrem Haus und sie pflegte zuerst die Bahn und dann den Bus zu nehmen. Eine Fahrzeit von ungefĂ€hr 15 Minuten. Nicht zu weit fĂŒr das gute GefĂŒhl danach.
Es war gegen fĂŒnf als sie die große steinerne Kirche aus dem 14.Jahrhundert erreichte. Die schwere EichentĂŒr quietschte wie immer leise und im Inneren der Kirche war der gewohnte Duft von Weihrauch zu riechen. Das versetzte sie schon fast in weihnachtliche Stimmung und sie nahm sich vor nĂ€chste Woche mit der Weihnachtsdekoration anzufangen und PlĂ€tzchen zu backen. Vielleicht ließe sich ja noch Zeit fĂŒr einen freien Nachmittag finden um sich der angenehmen Seite des Lebens zu widmen. Schon bei dem Gedanken spĂŒrte sie ein Kribbeln. Aber deswegen war sie ja hier und Pfarrer Heinrich wĂŒrde wie immer VerstĂ€ndnis fĂŒr ihre Situation haben und sie freisprechen.
Er war schon seit 15 Jahren in dieser Gemeinde und die gute Seele schlechthin. Er pflegte in dem Beichtstuhl hinten links zu sitzen und die SchĂ€fchen seiner Gemeinde auf den rechten Weg zu fĂŒhren. Sie hatte GlĂŒck und der Beichtstuhl war frei. Erleichtert setzte sie sich und murmelte die verlangten Worte. Pfarrer Heinrichs Stimme war heute undeutlicher als sonst, er klang irgendwie erkĂ€ltet. Was ja auch kein Wunder ist, wenn man die ganze Zeit in dieser kalten Kirche sitzt, dachte sie. Nach der ĂŒblichen Einleitung von seiner Seite begann sie zu erzĂ€hlen. Ihre Stimme zitterte schon lange nicht mehr und der reuevolle Unterton war kaum zu hören. „Vater ich habe gesĂŒndigt“ begann sie.
„Ich weiß mein Kind!Aber Gott hat VerstĂ€ndnis fĂŒr unsere Taten. Du must doch keine Strafe fĂŒrchten. Was ist es also?“ Seine Stimme wurde sanft.
„Also, ich habe meinen Ehemann betrogen – wieder. Ich will es nicht, ich empfinde nichts fĂŒr den anderen, aber es passiert trotzdem.“
„Willst du ihn verlassen, mein Kind?“ seine Stimme war jetzt eine Spur angespannter.
„Ja .Ja ich will ihn verlassen.“ Sie faltete die HĂ€nde krampfhaft auf ihrem Schoß.
„Was macht er mit dir, was dein Mann nicht tut. Ist er besser im Bett?“
Sie erstarrte. Solche Fragen pflegte Pfarrer Heinrich sonst nie zu stellen, er war immer so verstĂ€ndnisvoll. „Ich weiß es nicht, nein eigentlich nicht.“ Stotterte sie.
„Nein? Ich dachte immer es gefĂ€llt dir was ich tue.“ Die Stimme hinter dem Fenster klang enttĂ€uscht. Die Worte vermochten nicht sofort in ihr Bewußtsein durch zudringen und ihr wurde schwindelig. Sie merkte nicht wie sich das Fenster im Beichtstuhl leise öffnet und nur wie einen schwarzen Schatten nahm sie die kĂŒhle Hand wahr, die sich um ihren Hals legte.
Die Hand war so stark und sie fĂŒhlte wie ihr Halswirbel brach und alles vor ihren Augen schwarz wurde. Die Handtasche entglitt ihren HĂ€nden und fiel leise zu Boden.
„Ich dachte es gefĂ€llt dir, mein Kind“ sagte er traurig als er sich zu ihr hinĂŒberbeugte. Ihr Gesicht war blau angelaufen und ihre Augen starrten weit aufgerissen ins Leere.
„Wir hĂ€tten es so schön haben können, aber du wolltest nicht.“ Er schĂŒttelte bedauernd mit dem Kopf und richtete sie wieder auf, so dass sie selbststĂ€ndig auf der Bank sitzen blieb. Dann schloss er die TĂŒr des Beichtstuhls und seine Schritten verhallten lautlos, als er auf dem kalten Kirchenfußboden nach draußen schritt. Er öffnete die TĂŒr und fĂŒhlte, dass bald Weihnachten sein wĂŒrde.




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es gibt sekunden, da denke ich nicht an dich

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Tira Misu
Hobbydichter
Registriert: Nov 2001

Werke: 6
Kommentare: 8
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MoshiMoshi SAM!

Mir hat deine Geschichte gefallen. Sie hatte genau den Überraschungsmoment, den ich bei Krimikurzgeschichten liebe.
Eine Wortwiederholung ist mir aufgefallen: ...sie pflegte den Zug zu nehmen... und...der pfarrer pflegte hinten links zu sitzen... .
Ich freue mich schon auf weitere Geschichten,

Sayonara, Tira Misu.
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kane kie-te
hana no ka wa tsuku
yu:be ka na

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