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Leselupe.de > Erotische Geschichten
Die Boutique
Eingestellt am 10. 01. 2018 13:23


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joecec
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Registriert: Dec 2017

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Lilly händigte mir wortlos eine Bewerbungsmappe aus. Ich schlug sie auf, erinnerte mich an den vereinbarten Termin und stand auf, um mich mit einem weiteren Kaffee zu bewaffnen. Die junge Dame stand aber schon hinter Lilly, sah mich an und streckte mir ihre Hand entgegen.

„Lisa“, stellte sie sich vor. Ich hielt ihre Hand, musterte sie von oben bis unten. Sie war unaufdringlich und passend gekleidet für ein Vorstellungsgespräch. Sie hatte ihre rotblonden Locken zu einem Pferdeschwanz gebunden, schien kein Makeup zu tragen, nicht einmal einen Lippenstift. Sie war bildschön, ihr Lächeln war eine Waffe und ich war am Boden festgewachsen.

Lilly rettete mich, indem sie Lisa einen Kaffee anbot. Die lehnte dankend ab, nahm lieber ein Wasser und folgte mir in unseren Besprechungsraum. Sie war nicht nervös, rutschte nicht auf ihrem Sessel herum, trank ihr erstes Glas Wasser aber beinahe in einem Zug aus. Meine Augen klebten an ihren Lippen, als sie das Glas berührten. Ich musste mich zwingen, nicht daran zu denken, sie zu küssen.

Ihre letzte Aufgabe bestand darin, eine aus ihrer Sicht zu mir passende Auswahl unseres Sortiments zusammenzustellen. Es mussten keine Dessous sein aber ein Outfit, das sie für vollständig hielt. Ich zeigte ihr den Mitarbeiterbereich mit der kleinen Garderobe und wartete dort auf sie.

Es war schwer, um nicht zu sagen unmöglich, mich mit meiner eigenen Ware zu überraschen aber als ich in den Spiegel sah, musste ich grinsen. Die Schuhe, die sie ausgesucht hatte, passten perfekt und waren nach meinem Geschmack. Die halterlosen Strümpfe gingen glatt durch. Die Korsage saß wie angegossen. Mit einem Kleid darüber wäre das Outfit perfekt gewesen aber so konnte ich kaum auf die Straße gehen.

Den Bewerber vom Vormittag hätte ich durch den Vorhang von seinem Totalversagen informiert. Lisa sollte ruhig einen Blick auf ihr Werk werfen. Mir war danach.
„Bist du sicher, dass du nichts vergessen hast?“
Ich ließ den Vorhang zur Seite gleiten, noch bevor ich meine Frage beendet hatte und präsentierte mich meinem rotblonden Traum.
„Ich finde nicht, dass Sie mehr tragen sollten.“
Sie machte einen zaghaften Schritt auf mich zu und sah aus, als wollte sie mich nicht nur umarmen sondern gleich verschlingen.
Ich war wie hypnotisiert als wir einander umarmten und ihre Lippen meine berührten. Meine Frage nach ihren Neigungen war damit hinreichend beantwortet.

Sie hätte unmöglich anders schmecken können, weil sie dann nicht so perfekt gewesen wäre. Ihr Duft, ihre rötlichen Locken, die Nase, alles an ihr war wie ein 3D-Print meiner Phantasie oder meine Phantasie war nicht mehr im Stande, etwas anderes hervorzubringen als sie.
„Das war die hinterhältigste und zugleich dreisteste Verführung aller Zeiten“, beschwerte ich mich, „und die schönste noch dazu.“
„Ich habe nur gemacht, was du gesagt hast. Dafür, dass du darin so unwiderstehlich aussiehst, kann ich nichts.“
Ich küsste ihr den unschuldigen Blick aus dem Gesicht und hielt sie umklammert als sei sie Teil meines Outfits.

Sie lächelte mich an und sah auf die Uhr.
„Wie lange habt ihr auf?“
„Viel zu lange. Was hältst du davon, mit zu mir nach Hause zu kommen? Sagen wir, für ein paar Jahre?“
Sie lachte. Und ich war hin und weg.
„Sagen wir erstmal für ein Wochenende?“
„Deal.“

Wir saßen zehn Minuten später in meinem Auto, nachdem eine grinsende Lilly mich in mein vorzeitiges Wochenende verabschiedet und „die Neue“ begrüßt hatte. Lisas Lippen berührten während der gesamten Fahrt mein Ohrläppchen und sie erklärte mir in bildreichen Details, wie mein Wochenende verlaufen würde. Ich war das Gegenteil von verkehrstauglich. Zumindest, was die Straße anging.





Bei Einbruch der Dunkelheit hatte Lisa die meisten ihrer Drohungen wahrgemacht und ein paar lächerliche Revanchen dafür eingesteckt. Sie bekam eine Zahnbürste und schätzungsweise noch ein paar hundert Küsse, bevor sie einschlief. Ich sah ihr beim Atmen zu bis ich zu müde dazu war.

Am Morgen weckte ich sie nicht direkt, weil sie so ein schöner Anblick war und ich ein paar Zentimeter von ihrem Gesicht entfernt lag, um einzuatmen, was sie ausatmete. Als ich nicht mehr anders konnte und sie küsste, sah sie mich müde an.
„Morgen.“ Sie blinzelte, schloss ihre Augen ein paar Mal und hatte wieder dieses Lächeln, das mich von innen her auffraß.

„Ich würde dir das gerne verschweigen, kann ich aber nicht. Ich glaube, ich habe mich ein bisschen in dich …“ Ich traute mich nicht. Das war idiotisch. Ein Tag! Ein halber! Ich war verschossen, vielleicht. Aber sie so zu überrumpeln, war kindisch und unfair. Ich riss mich zusammen.
Sie sah mich ohne Blinzeln an, richtete sich halb auf und legte sich auf mich.
„Nur ein bisschen?“, sie sah augenblicklich wieder nach Verschlingen aus und so verliebt wie ich mich fühlte, „ich bin mehr als ein bisschen ...“
Ich verdrehte die Augen. Mein erster Impuls war, sie auf der Stelle zu heiraten und schon der zweite sagte, dass das eine völlig bescheuerte Damals-in-der-Disco-Idee war.

Das bis dato schönste Wochenende auf Erden fand beinahe ausschließlich im Bett statt. Ich fragte sie über ihr halbes Leben aus und hätte ihr ein Buch in die Hand gedrückt, wenn mir die Fragen ausgegangen wären, weil ich ihre Stimme so gerne hörte. Ihren Lippen beim Sprechen zuzusehen war wie ein Kino, das meine Gefühlswelt lesen und in Bilder umwandeln konnte. Sie lachte mich aus, wenn ich sie so offenkundig verliebt ansah und war dann noch schöner. Das führte regelmäßig dazu, dass ich nichts mehr fragte und sie nicht mehr antwortete, weil unsere Lippen miteinander beschäftigt waren. Die Blicke, mit denen sie meine beantwortete, wenn sie nicht lachte, hatte ich seit Jahren vermisst und jetzt konnte ich mich an keine anderen mehr erinnern.

Am Montag musste ich früh in die Boutique und ließ Lisa im zufriedenen Halbschlaf zurück. Sie wollte später nach Hause, sich aber melden. Lilly hatte ein Dauergrinsen im Gesicht, das meine Laune zu spiegeln schien.
„Wie war dein Freitag?“
„So wie der Samstag und Sonntag, danke.“
„Ich meine Lisa. War sie ihr Geld wert?“
Sie sah mir an, dass mir das wehtat und ich sah ihr an, dass sie sich verplappert hatte.
„Du hast sie bezahlt?“
„Sie war mein Geburtstagsgeschenk. Keine gute Idee?“
Ich schüttelte den Kopf, weil darin eine komplette Welt zusammenbrach. Ich brachte Termine hinter mich und verabschiedete mich früh von einer Lilly, die heute sicher auch nicht alt werden würde. Sie sah mich kaum an, als ich ging.

Ich fuhr nicht nach Hause, weil Lisa sowieso nicht wiederkommen würde. Mein Frust ließ sich nur widerwillig in Caipirinhas ertränken und die unbeholfenen, deutlicher werdenden Anmachen meines Barnachbarn führten zu ein paar sehr deutlichen Zurechtweisungen, die meinen Frust nicht abzubauen vermochten.

Lisa schrieb ein paar SMS, die mir wohl klarmachen sollten, dass sie noch Termine freihatte.
„Schreib mir einfach, wann und wo es dir passt“, war die letzte und ich überlegte, ihr eine gepfefferte Antwort zu schicken, wischte ihre Nachrichten aber einfach weg. Marketing, Kundenbindung, das konnte sie sich getrost sparen. Ich fühlte mich unfassbar dämlich und hasste mich dafür, wie eine Fünfzehnjährige auf dieses hinterhältige romantische Rollenspiel reingefallen zu sein.

Weil ich zu betrunken war, um mich weiter aufzuregen und noch länger zu bleiben, schrieb ich eine harsche SMS an Lisa, die ihr unmissverständlich klarmachte, dass ich auf weitere Dienste verzichtete und sie weitere Belästigungen gefälligst zu unterlassen habe. Ich löschte ihre Nummer und ihre Nachrichten. Die letzte SMS ging an Lilly.
„Was kostet so eine? Hoffentlich nicht zu viel!! Im nächsten Jahr bitte wieder Blumen!“
Ob Lilly antwortete, bekam ich nicht mehr mit.

Als ich vor Lilly stand und mich für die nächtliche Belästigung entschuldigte, sah sie verwundert auf ihr Handy.
„Hundert.“
„Euro?“
„Nee, Zloty, klar Euro, was dachtest du was so ein Luxusdate kostet?“
„Für ein Wochenende?“
„Hä? Für eine Stunde! Wo lebst du?“
„Du hast sie nur für eine Stunde bezahlt?“
„Klar, bin ich Krösus? Moment, wie lange war sie …“
Ich sah nach, ob Lisa sich noch einmal gemeldet hatte, sie hatte nicht.
„Scheiße! Hast du ihre Nummer, Adresse oder so?“
Sie hatte. Die Nummer war falsch und die Adresse gehörte zu einem Autohaus, vor dem ich jetzt stand.
Ich rief Lilly an.
"Wie hast du sie … also du musst sie doch kontaktiert haben.“
„Agentur, warte mal … geht nur per Kontaktformular. Soll ich …“
„Ja!“

Lilly rief zurück.
„Die rücken keine Daten raus aber ich kann sie nochmal buchen.“
„Mach das!“
„Für wann?“
„Jetzt!“
Schweigen
„Jetzt!!“
„Bin ja schon dabei!“
Ich legte auf.

Als ich zur Boutique zurückkehrte, blieb mein Blick an einem unserer Schaufenster hängen. Nicht wegen der Dekoration, die auch nett war, eher wegen der davor kauernden Schönheit.
Als sie mich sah, stand sie auf. Sie zitterte am ganzen Leib und sah aus wie das Elend in Menschengestalt.
„Die Verkäuferin hat gesagt, dass du unterwegs bist. Du bist nicht rangegangen, also hab ich hier auf dich gewartet.“
Der kurze Blick auf mein stummgeschaltetes Smartphone zeigte eine zweistellige Anzahl verpasster Nachrichten und Anrufe.
Sie heulte wie die Fünfzehnjährige, die sie gestern aus ihrem Smartphone und ihrem Leben gelöscht hatte. Ich nahm ihr Gesicht in meine Hände, weil es genau da hingehörte.
„Ich wollte doch nur mit dir reden! Ich hab das nicht nur für Geld gemacht. Am Anfang schon aber du bist … ich wollte es dir sagen aber ich konnte nicht.“ Ihre Stimme versagte. Ihr Blick tat weh und da wo ihr Lächeln hingehörte waren nur Tränen und Zittern.
Ich umarmte sie und drückte sie fest an mich.
„Du bist das beste Geburtstagsgeschenk aller Zeiten.“ Meine Tränen mischten sich mit ihren als könnten sie ihrer Verzweiflung etwas von meinem wiedererlangten Glück beimischen.

Sie beruhigte sich allmählich, schien mich aber nie mehr loslassen zu wollen.
„Den Job würde ich immer noch nehmen.“ Für mehr als ein lautloses Lachen konnten wir unsere Lippen nicht voneinander fernhalten.
„Ich habe keinen Job für dich. Wenn du willst habe ich einen Platz in meinem Leben für dich.“

Ich rief Lilly an.
„Ich nehme mir heute frei.“
„Hast du sie gefunden?“
„Habe ich.“
„Dann storniere ich meine Buchung wohl mal.“
„Mach das.“
Ich konnte Lilly durchatmen hören.
„Viel Spaß. Und nächstes Jahr gibt es wieder Blumen!“

__________________
"Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt."
Ludwig Wittgenstein

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joecec
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Das ist die überarbeitete, jugendfreie Fassung. Gefällt mir besser als die mit den Sexszenen. Ein paar Dialoge sind auch überarbeitet und die Umgangssprache wurde entfernt, zumindest, wenn sie nicht in der direkten Rede vorkam. Insgesamt deutlich gekürzt und das Ende etwas entspannt.
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"Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt."
Ludwig Wittgenstein

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