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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Die CD-Frau
Eingestellt am 14. 12. 2001 14:51


Autor
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Ditschi
Hobbydichter
Registriert: Oct 2001

Werke: 6
Kommentare: 3
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Es war schon dunkel, dabei war es noch nicht sehr sp├Ąt. Der Schnee glitzerte hell unter den Stra├čenlaternen. Die noch so verschlafene Winterlandschaft wirkte friedlich. Sie fuhr nun schon mehrere Stunden lang ├╝ber verschiedene Landstra├čen. Eine Pause hatte sie nicht gemacht. Sie hatte keine Lust anzuhalten. Sie wollte Autofahren, einfach nur fahren und nicht anhalten. Die D├Ârfer waren alle noch immer weihnachtlich geschm├╝ckt. In den Fenstern leuchten Weihnachtssterne oder Schwippb├Âgen.
Sie f├╝hlte sich heute sehr wohl. Es waren sch├Âne Tage im Kreis ihrer Familie. Das Weihnachtsfest hatte sie wie jedes Jahr bei ihren Eltern verbracht. Es war ein sehr sch├Ânes Fest. Sie f├╝hlte sich in diesen Tagen fern ab von der Realit├Ąt und von ihrem eigenen chaotischen Leben. Sie zog schon alles sehr junges M├Ądchen aus. Mittlerweile lebte sie eine ganze Weile allein und in einer anderen Stadt.
Unbewu├čt suchte sie den Schalter an ihrem Autoradio. Sie schaltete wahllos zwischen den Sendern hin und her. Dann kam eine Rechtskurve und sie schaltet einen Gang hinunter.
Auf dem letzten eingestellten Sender begann ein neues Lied: ÔÇ×Gib mir mein Herz zur├╝ck bevor es auseinander bricht . . .je eher, je eher du gehst, um so leichter, um so leichter wird┬┤s f├╝r mich. . . du brauchst meine Liebe nicht. . .kann nicht mehr essen, kann dich nicht vergessen, . . . niemand der mich qu├Ąlt, . . . niemand der mich zerdr├╝ckt . . . niemand der mich benutzt, wann er will . . . niemand der mit mir redet nur aus Pflichtgef├╝hl.ÔÇť
Ihre gute Stimmung schlug pl├Âtzlich v├Âllig um. Sie f├╝hlte sich nicht mehr wohl in ihrer Haut. Pl├Âtzlich war sie wieder in der Realit├Ąt angekommen. Sie wollte anhalten und einfach aussteigen. Sie wollte nicht mehr weiterfahren. Anhalten aber konnte sie gerade nicht.
Sie h├Ârte Gr├Ânemeyer sehr gern. Gerade aber war es so, als ob sie dieses Lied zum ersten mal h├Ârte. Dabei hatte sie das Lied schon tausend mal geh├Ârt. Und dieses Lied katapultierte sie weit zur├╝ck. Sie schaltete auf einen anderen Radiosender. Und wieder: ÔÇ× . . . niemand der mit mir redet nur aus Pflichtgef├╝hl, der seine Eitelkeit an mir stillt . . . niemand der nie da ist. . .ÔÇť Diesmal war es ein Live Mitschnitt von einem seiner Konzerte. Es war wie verhext. Was hatte es zu bedeuten, da├č dieses Lied jetzt, gerade jetzt gespielt wurde und dann auch noch auf zwei v├Âllig verschiedenen Sendern. Nun wurde ihr richtig ├╝bel. ÔÇ×La├č mich los, oh la├č mich los . . . damit es ein Ende nimmt, f├╝hl mich leer und verbraucht, . . . alles tut weh . . . Flugzeuge in meinem Bauch. . . je eher, je eher. . .ÔÇť Der Song wurde leiser und eine Frauenstimme k├╝ndigte die Nachrichten an. Das h├Ârte sie aber schon nicht mehr.
Irgendwann kam sie Zuhause an. Sie fuhr an ihrer Wohnung vorbei. Sie hatte kein Zeitgef├╝hl mehr. Pl├Âtzlich mu├čte sie, was sie tun mu├čte. Sie fuhr in das anliegende Einkaufszentrum.
Es war bereits kurz vor Ladenschlu├č. Sie parkte in einer Feuerwehreinfahrt. Eine ├Ąltere Anwohnerin regt sich ├╝ber ihr Verhalten auf, aber das nahm sie ├╝berhaupt nicht zur Kenntnis. Sie st├╝rmte in den Mediamarkt hinein und rannte fast den Verk├Ąufer um, der dabei war das Gesch├Ąft zu schlie├čen. ÔÇ×Junge Frau, Sie k├Ânnen nicht . . . wir schlie├čen . . .gleich . . .ÔÇť
Aber da war sie schon bei den CD┬┤s. Mechanisch griff sie nach einer Maxi und st├╝rmte zur Kasse.
Vier Tage noch, dann w├╝rde ein neues Jahr beginnen. Das sollte ihr Jahr werden.
Zuhause angekommen suchte sie nach Packpapier, irgendwo fand sie Reste. Das w├╝rde reichen. Sie packte die CD ein. Dann holte sie aus ihrem Schreibtisch einige Briefmarken hervor und klebte sie auf das kleine Paket. Mit zittriger Handschrift schrieb sie eine Adresse auf die Vorderseite. Kein Absender auf der R├╝ckseite und kein Brief, keine Karte im Paket, keine Erkl├Ąrung f├╝r das alles! Alles war so klar. Worte h├Ątten nichts erkl├Ąren k├Ânnen.
Sie ging die Treppen im Hausflur hinunter. Sie ├Âffnete die Haust├╝r und starrte in die Dunkelheit. Ein k├╝hler, eisiger Wind schlug ihr in Gesicht. Ihr war aber so hei├č, das sie den Winterwind in diesem Moment liebte. Sie ging die karg beleuchtete Stra├če entlang und hielt am n├Ąchsten Briefkasten. Einige Meter von ihr entfernt sah sie die Silhouette eines Mannes, der sich ihr n├Ąherte. Sie zog das Paket aus ihrer Manteltasche. In ihren eiskalten H├Ąnden hielt sie es fest und sie starrt den Briefkasten an.

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