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Leselupe.de > Horror und Psycho
Die Chaos-Theorie
Eingestellt am 07. 10. 2009 12:12


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Bernie Wanker
Hobbydichter
Registriert: Oct 2009

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Die Chaos-Theorie

Am Abend des 26. August 2009 betraten John Brown und Elias Fishman den Supermarkt an der Ecke. Die beiden trugen auffallend lange LedermĂ€ntel, so Ă€hnlich wie in den Italo-Western in den 70er Jahren. Mit Franco Nero, ihr wisst schon. John Brown war vielleicht so um die 50, Elias Fishman etwas jĂŒnger. WĂ€hrend der etwa 1,80 Meter große Brown volles dunkelblondes nach hinten gekĂ€mmtes Haar trug , hatte der etwas kleinere Fishman einen Kahlkopf und einen schwarzen Schnauzbart. Es war gleich Neun und nur wenig Kundschaft im Laden. Ein paar Hausfrauen schoben ihre Einkaufswagen zwischen die Regalreihen. Die beiden MĂ€nner gingen Richtung Kasse. Brown trug eine große schwarze Ledertasche in der Hand. Neben einem StĂ€nder mit Zeitschriften stand ein junger Bursche, so an die 30 Jahre alt und blĂ€tterte in der neusten Penthouse-Ausgabe. Gleich dahinter befand sich eine Truhe mit gekĂŒhlten GetrĂ€nken. Fishman holte eine Dose Budweiser aus der Truhe und warf sie Brown zu, eine zweite Dose nahm er fĂŒr sich selbst heraus. Es zischte zwei mal kurz, als sie die Dosenlaschen aufzogen. Brown trank das Bier in vier krĂ€ftigen Schlucken und warf die leere Dose anschließend auf den Boden. Er wischte sich mit der Hand den Mund trocken und rĂŒlpste laut. Fishman lachte verhalten. Der junge Mann ließ sein Magazin sinken und blickte Brown unbehaglich an. Der fette Kassierer mit dem Doppelkinn und den roten Wangen war empört. „He, junger Mann, sie mĂŒssen erst bezahlen!“
Brown griff unter seinen Mantel und zog eine am Lauf abgesĂ€gte Schrotflinte hervor, zielte kurz auf den Kassierer und drĂŒckte ab. Der Schuss verursachte im wahrsten Sinne des Wortes einen Mordsknall. Der Dicke wurde aus seinem Stuhl hinter der Kasse gerissen und lag blutend mit einem riesigen Loch im Bauch auf dem gefliesten Boden. „Aber, aber ...“, röchelte er und schaute unglĂ€ubig zu, was da alles aus seinem Wanst herausquoll. Um sie herum schrien und kreischten die Hausfrauen und liefen wie die aufgescheuchten HĂŒhner herum. Nun nahm auch Fishman seine Uzi aus dem Mantel und feuerte kurze prĂ€zise Salven in die Richtung der Schreie. Schon bald wurde es still. Nur RotbĂ€ckchen meinte: „Aber, aber ...“ jedoch schon leiser und kaum noch zu verstehen. Die Blutlache um seinen Körper breitete sich aus. Mister Penthouse hatte sich inzwischen nicht von der Stelle bewegt. Er beobachtete die Szenerie ohne erkennbare Reaktion. Vielleicht wurde seine Gesichtsfarbe eine Spur bleicher. „Hast du Durst, mein Sohn?“, fragte Brown, der seine Tasche zwischen den Beinen abgestellt hatte. Der junge Mann blieb stumm. Er sah auf die Tasche und las die Aufschrift „Bank of America.“
„Ob du Durst hast, frage ich dich, Amigo.“ Penthouse sah ihn an, ein nervöses Lidflattern umspielte das linke Auge. Er nickte kurz und sah Brown weiter in die Augen. Der schien nun zufrieden.
„Na gut, Sohn.“ Er gab Fishman ein Zeichen, worauf der ein weiteres Bier nahm und dem jungen Mann zuwarf. Geschickt fing dieser die Dose mit der Linken auf, wĂ€hrend er mit der Rechten weiter das Magazin hielt.
„Weißt du, Sohn. Du wurdest gerade Zeuge des ersten und wichtigsten aller Naturgesetze.“ Brown ging langsam zur Kasse, wobei er ohne zu Zögern mitten durch den Blutsee neben dem sterbenden Kassierer schritt. Fishman lehnte weiter an der KĂŒhltruhe, schlĂŒrfte mit kleinen Schlucken sein Bier und kicherte zwischendurch, so, als wĂŒrde ihm ein unsichtbarer GesprĂ€chspartner eine witzige Geschichte erzĂ€hlen.
„Und dieses Naturgesetz lautet: Alles bewegt sich ins Chaos!“ Brown schrie diese Worte durch den Supermarkt. Dann öffnete er die Kasse, griff hinein, schaute kurz auf die Geldscheine in seiner Hand und stopfte sie dann achtlos in die Manteltasche. Penthouse hatte inzwischen das Magazin fallen gelassen und ebenfalls seine Bierdose geöffnet. Aufmerksam hörte er Brown zu.
„Ordnung ist wider die Natur. Ordnung ist nicht erwĂŒnscht in unserer Welt.“ Brown setzte sich auf den Stuhl des Toten und zĂŒndete sich eine Zigarette an.
„Woher ich das weiß, willst du wissen, mein Sohn?“ Er inhalierte den Rauch tief in seine LungenflĂŒgel.
„Weil es offensichtlich ist. Schau dir diese Leichen mal an, Sohn.“ Er zeigte von seinem Platz mit der Zigarette auf den Kassierer und dann auf die erschossenen Frauen.
„Hast du gesehen, Junge, wie schnell das ging? Keine zehn Sekunden – und aus. Nicht wahr, Fishman. Hab ich nicht Recht? Keine zehn Sekunden!“, rief er zu Fishman rĂŒber.
Der hob seine Dose und prostete Brown zu.
„Keine zehn Sekunden, John. Allerhöchstens acht.“ Dann kicherte er wieder vergnĂŒgt.
„Allerhöchstens acht“, wiederholte Brown.
„Du hast es gehört, Sohn. Und wie lange hat es gedauert, bis diese Bastarde in die Welt gekommen sind? Na Sohn, du weißt es. Du kannst es mir sagen.“ Aufmunternd winkte er Penthouse zu. Der zuckte mit den Achseln und meinte dann nach kurzem Zögern: „SchĂ€tze mal neun Monate, Sir.“
Browns Gesicht hellte sich auf zu einem LĂ€cheln.
„Ganz genau, mein Sohn. Neun verschissene Monate. Es sei denn einer von denen war ne rĂ€udige FrĂŒhgeburt. Aber so kleinlich wollen wir nicht sein, was Fishman?“ Der schĂŒttelte grinsend den Kopf.
„Nein, John. Korintenkacker sind wir nicht.“

"Weißt du, woraus die Welt entstanden ist, Sohn?" Penthouse neigte den Kopf zur Seite und dachte kurz nach.
"Aus einem großen Knall?" Browns Augen leuchteten verzĂŒckt. Er hob die Arme samt Flinte in die Luft und lachte.
"Sehr gut, Sohn. Ganz richtig. Aus einem großen Knall. Der Big Bang!" Fishman fiel gackernd in das Lachen ein, dann drehte er sich zur Seite, öffnete seinen Hosenstall und urinierte neben die KĂŒhltruhe.
"Und was kam nach dem Big Bang?" Brown starrte den jungen Mann an. Er kam ihm mit seinem Kopf so nahe, dass sich ihre Nasenspitzen fast berĂŒhrten.
"Das Chaos", flĂŒsterte er.
"Das was du gerade miterlebt hast, war die Simulation des Big Bang!" Fishman kreischte nun fast hysterisch, wobei er sich selbst ans Hosenbein pinkelte.
"Ja, tatsĂ€chlich. Mister Fishman und ich sind Wissenschaftler. Das hĂ€ttest du jetzt nicht gedacht, was mein Sohn?" Brown schlug Penthouse vergnĂŒgt auf die Schulter. Dann drehte er sich unvermittelt zu Fishman und zeigte zur EingangstĂŒr. Fishman verstand, nahm sich noch eine Dose Budweiser und postierte sich am Eingang und beobachtete die Straße. Dann wandte er sich wieder an Penthouse und dozierte weiter.
"Unsere akademische Ausbildung haben Mister Fishman und ich auf der besten UniversitÀt der Welt genossen. Und welche UniversitÀt ist das? Nun, Sohn, was glaubst du? Harvard? Yale? Oxford?" Fishman horchte auf und verzog grimmig das Gesicht. Sein schwarzer Schnauzbart zitterte.
"Yale, Oxford ... Pah! Alles Schwule." VerĂ€chtlich spuckte er auf den Boden. Dann richtete er seine Aufmerksamkeit wieder auf die Straße.
"Die beste UniversitÀt der Welt ist ... Das Leben! Da wirst du mir sicher zustimmen können, Sohn." Penthouse nickte und nahm noch einen Schluck Bier.
"Schau mal zum Beispiel unseren Freund Fishman an." Brown wies mit der linken Hand auf den Schnauzbart, der grinsend kurz zum Gruß mit zwei Fingern an der Stirn salutierte.
"Seine Ausbildung in den Chaos-Wissenschaften begann schon sehr frĂŒh. Er ist das Kind einer Hure und eines SĂ€ufers. Die Mutter schnitt sich die Pulsadern in der Badewanne auf, als er zwei war. Sein Vater verschwand kurz darauf auf nimmer Wiedersehn. Im Heim lernte er, wie man SchwĂ€chere misshandelt, lĂŒgt und betrĂŒgt. Das erste Gesetz des Chaos: Der StĂ€rkere besiegt den SchwĂ€cheren." Brown spazierte langsam umher und betrachtete interessiert das Warenangebot wĂ€hrend er weiter redete. Die schwarze Tasche stand unbeachtet an ihrem Platz.
"Als er mit 18 Jahren aus dem Heim rausgeschmissen wurde, hatte er seinen ersten akademischen Grad errungen: Taugenichts erster Klasse." Er kniete neben der Leiche einer Àlteren Frau und zog ihr mehrere Goldringe von den Fingern.
"Im Knast lernte er schnell das zweite Gesetz des Chaos: Du sollst nicht denken!" Brown kramte nun in der Handtasche der Frau.
"Wer zuviel denkt ist tot. Wenn du nicht weißt, ob der Kerl von gegenĂŒber stĂ€rker ist als du, zieh dein Messer und stich zu! Wenn du lange nachdenkst hat er womöglich schon seine Knarre gezogen und es ist vorbei mit dir." Er nahm ein paar Gedscheine aus dem Portemonnaie. Dann erhob er sich wieder und ging auf Penthouse zu, der weiter ruhig dastand und Brown aufmerksam zuhörte.
"Diese Regel solltest du niemals vergessen. Nicht denken. Du siehst eine hĂŒbsche Frau und willst sie haben? Nimm sie dir und frage sie nicht um Erlaubnis, denn sie könnte ja nein sagen. Du willst das Geld von dem Kerl neben dir an der Bar? Nimm es dir, bevor er es versoffen hat." Brown legte seinen Arm in einer vĂ€terlichen Geste um die Schulter des jungen Mannes.
"Nimm dir, was du kriegen kannst. Und gib es nie wieder her, Sohn! Warte nicht auf den richtigen Zeitpunkt. Glaube mir, den gibt es nicht." Eindringlich flĂŒsterte er seine Worte in das Ohr des jungen Mannes.
"Weißt du was Zeit macht?" Brown wartete nicht die Antwort seines Zuhörers ab sondern redete weiter.
"Zeit tötet. Unbarmherzig. Noch wÀhrend du auf irgend etwas wartest, bist du schon gestorben. Du wartest 60, 70 manchmal 80 Jahre auf deine Chance im Leben und am Ende kriegt dich der Tod. Darum: Warte nicht sondern handle!" Penthouse nickte, als hÀtte er das Prinzip einer schweren mathematischen Gleichung erkannt. Doch dann stellte er kleinlaut eine Frage.
"Und worauf wartet ihr jetzt? Warum zieht ihr nicht weiter?" VerblĂŒfft starrte Brown den jungen Mann an. Dann lachte er wieder lauthals und schlug ihm vergnĂŒgt auf die Schulter.
"Sehr gut, mein Sohn. Ich sehe, du kannst mir folgen. Hey, Fishmann! Unser junger Freund fragt, worauf wir hier noch warten. Sag du es ihm!"
Fishman schaute zu ihnen herĂŒber und krazte sich mit der Uzi am Hals.
"Auf unser Taxi, wĂŒrd ich mal sagen, Sohn. Auf unser Taxi." Dann schaute er wieder hinaus in die Dunkelheit.
"Hast du gehört, Junge? Wir warten aufs Taxi." Ohne weiter darauf einzugehen fuhr Brown in seinem Vortrag fort.
"Was können wir aus all dem schließen, Sohn?" Brown hatte sich inzwischen unter Penthouses Arm gehakt und schlenderte mit ihm gemĂ€chlich durch die Regalreihen.
"Alles was lange dauert kostet Zeit und tötet uns. Also vermeide Zeitverlust. Du lebst im Hier und Jetzt. Wiederhole, Sohn: Hier und Jetzt!"
"Hier und Jetzt!", gehorchte Penthouse.
"Gut. Nur der handelnde Mensch ĂŒberlebt. Warte nicht! Wenn jemand von dir verlangt, auf irgend etwas zu warten, dann töte ihn! Denn er stiehlt dir Zeit und das Leben." Die beiden machten einen großen Schritt ĂŒber die Leiche eines weiteren Opfers, das mit zerschossenem Hals zwischen den Regalen mit GewĂŒrzgurken und Sauerkraut lag.
"Wenn dir deine Frau sagt, dass du warten sollst, bis sie das Essen gekocht hat, dann töte sie, reiss ihr das Herz aus dem Leib und fang an zu essen! Aber warte nicht!" Plötzlich meldete sich Fishman.
"Hey, Brownie. Ich schĂ€tze, da kommt unser Taxi." Fishman schaute angestrengt in die Dunkelheit. Brown nickte kurz, ließ sich aber in seinen AusfĂŒhrungen nicht weiter stören.
"Derjenige, der nicht wartet, dem gehört das Leben und gewinnt Unsterblichkeit. Willst du unsterblich sein, Junge?" Er knuffte Penthouse kameradschaftlich in die Rippen.
"Ja, Sir!" antwortete der junge Mann.
"Klar, willst du das, Sohn. Ich geb dir mal ein Beispiel. Schau dir mal eine Krebszelle an. Na sagen wir mal ..." Brown krazte sich grĂŒbelnd das Kinn und schaute an die Decke. Dann fiel es ihm ein.
"Ja, genau. So ein Hundesohn von Lungenkrebs. So ein Krebs wartet nicht, denkt gar nicht dran. Der wĂ€chst und wĂ€chst. Und das arme Schwein, dem die Lunge gehört merkt erstmal gar nichts davon. Wundert sich nur ĂŒber so nen lĂ€stigen trocken Husten. Denkt sich: ich mĂŒsste das Rauchen mal einschrĂ€nken - was er natĂŒrlich dann doch nicht tut. Und eines Tages kotzt er Blut."
Fishman machte ein Zeichen und duckte sich hinter einem WĂŒhltisch fĂŒr DamenunterwĂ€sche. Auch Brown erkannte nun draußen in der Nacht das blaue Blinken des Streifenwagens. Er zog Penthouse am Arm und ging mit ihm in die Hocke hinter dem Gurkenregal.
"Tja, und das wars. Da kommt dann noch ein Haufen Chirurgen und schneidet seine halbe Lunge raus. Doch es ist lÀngst zu spÀt. Der Krebs war schneller." Nun war deutlich eine Polizeisirene zu hören. Der Streifenwagen raste heran und hielt mit quieteschenden Reifen vor dem Supermarkt.
"Und jetzt sag ich dir mal, was das Beste dabei ist, Junge." Brown flĂŒsterte jetzt und behielt die EingangstĂŒr im Auge. Zwei Polizisten stiegen aus dem Wagen und kamen mit gezogenen Waffen nĂ€her.
"Das Beste ist: eine Krebszelle ist unsterblich! Sie teilt sich immer weiter und weiter. Die Krebszelle ist die wahre Krone der Schöpfung. Und warum?" Penthouse hing gebannt an seinen Lippen.
"Weil sie nicht wartet und immer weiter einfach wĂ€chst. Sie hĂ€lt sich an keine Ordnung der Welt. Es gibt fĂŒr sie keine Grenzen, keinen Respekt. Und darum ist sie unsterblich."
Brown grinste sardonisch und zeigte zu den Polizisten, die gerade dabei waren, den Supermarkt zu betreten.
"Und die beiden da sind genau das Gegenteil. Sie vertreten Recht und Ordnung. Und darum sind sie auch nicht unsterblich." Wie auf ein Kommando erhoben sich Fishman und Brown aus ihrer Deckung und feuerten ohne Vorwarnung. Der erste Polizist erhielt eine Schotladung in die Brust und wurde rĂŒckwĂ€rts durch das Schaufenster zurĂŒck auf die Straße gerissen. Sein Kollege wurde von einer Schnellfeuer-Salve erfasst und machte eine Pirouette um die eigene Achse, bis er mit einem letzten Zucken in sich zusammenfiel, wie ein leerer Kohlensack.
Ohne ein Wort setzten sich Brown und Fishman in Bewegung. Fishman nahm rasch die Waffen der Cops an sich, Brown ergriff die Ledertasche, dann verließen sie den Supermarkt. Penthouse folgte den beiden ohne zu zögern. Fishman setzte sich ans Steuer des Streifenwagens, Brown und Penthouse auf die RĂŒckbank. Dann fuhren sie los.
"Siehst du, mein Sohn. Wenn du dein Schicksal in die Hand nimmst und nicht das Handeln anderen ĂŒberlĂ€sst, dann bringt dir das Leben alles was du brauchst von selbst und legt es dir vor die FĂŒĂŸe. Egal, ob es sich um Geld, Frauen oder auch mal ein Taxi handelt." Fishman und Brown stießen ein rauhes Lachen aus.
"Glaubst du an Gott, Sohn?" Brown war wieder ernst geworden und lehnte sich entspannt in das Lederpolster des Wagens zurĂŒck, wĂ€hrend Fishman dem Highway entgegen steuerte. Penthouse wirkte verwirrt und stotterte.
"Wie. Gott? Ich weiß nicht. Ich glaube eher nicht." Mit einer blitzschnellen Bewegung packte Brown den jungen Mann am Hemdkragen und schĂŒttelte ihn, sodass dieser vor Schreck aufschrie.
"Solltest du aber, Sohn! Ich kann dir nur raten an ihn zu glauben, diesen Hundesohn!" Browns Gesicht lief puterrot an, SpeichelblÀschen bildeten sich in seinen Mundwinkeln. Penthouse schnappte nach Luft. Fishman drehte das Radio an. Es lief gerade das Lied "What a difference a day makes" von Dinah Washington.
"Gott! Mister law and order persönlich. Der uns sagt, was wir zu tun und zu lassen haben. Der uns vorschreibt, wie wir zu leben und zu sterben haben. Der uns die Zeit stiehlt mit glauben, beten und bereuen. Shit!"

What a diff'rence a day made
Twenty-four little hours


"Er gibt die Regeln vor, an die er sich selbst nicht hĂ€lt. Er lĂ€sst die Welt fĂŒr sich tanzen, Vulkane explodieren, Hagel niedergehen, Flutkatastrophen ĂŒber die Menschen kommen. Er handelt. Und der Mensch soll warten was passiert. Dieser Bastard!" Er schlug mit der geballten Faust auf die Geldtasche auf seinem Schoß.

Brought the sun and the flowers
Where there used to be rain

"Die Natur sucht das Chaos. Ordnung ist wider die Natur. Gott ist wider die Natur." Brown tippte Fishmann auf die Schulter. Der drehte seinen Kopf nach hinten.
"Gib mir ne Knarre." Fishmann gab ihm eine der Pistolen der toten Polizisten. Brown reichte sie an Penthouse weiter.

My yesterday was blue, dear
Today I'm part of you, dear

"Nimm dein Leben in die Hand, Sohn, und handle!" Der junge Mann ergriff die Waffe, sah sie kurz an und entsicherte sie. Ohne zu zögern schoss er Fishman in den Kopf.

My lonely nights are through, dear
(Since you said you were mine)

Das Blut spritzte an die Frontscheibe des Wagens, der bei Tempo 70 ins Schleudern geriet, in den Straßengraben rutschte und sich zwei mal ĂŒberschlug, bevor er wieder auf den RĂ€dern zum Stehen kam. Fishman hing mit verdrehtem Hals und weggeschossenem Hinterkopf im Gurt.

What a diff'rence a day makes
There's a rainbow before me

Der junge Mann blutete aus einer Platzwunde am Auge, hatte aber die Waffe nun auf Brown gerichtet. Der hielt sich den SchĂ€del fest, mit dem er gegen die vordere KopfstĂŒtze geknallt war.
"Junge, was tust du da?", stöhnte er und spuckte einen ausgeschlagenen Zahn aus.

Skies above can't be stormy
Since that moment of bliss, that thrilling kiss

"Warts doch ab." Brown sah verdutzt in den Lauf der Waffe.
"Was hast du jetzt vor?" Panik stand nun in Browns Augen.
"Denk mal in Ruhe drĂŒber nach, VĂ€terchen."

(It's heaven when you find romance on your menu)
What a diff'rence a day made
And the difference is you

Er drĂŒckte ab. Nach dem großen Knall nahm Penthouse die Tasche an sich und kletterte aus dem Wagen. Er schlug sich in die BĂŒsche und verschwand in die Dunkelheit, immer weiter vorwĂ€rts. In die Unendlichkeit.

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