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Leselupe.de > Fremdsprachiges und MundART
Die DieTreibergrundausrüstung - Püttmann... Folge 2
Eingestellt am 22. 06. 2010 12:01


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Wolfgang Bessel
Routinierter Autor
Registriert: Feb 2007

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Die Treibergrundausrüstung

En hoch qualifizierten Fachmann, der bei alle Treiberfragen absolut firm war, den musste ich so schnell wie möglich auftreiben. Auf keinen Fall durfte diese Person en jagdlichen Stümper sein! Wer war der Retter, der mich von meiner Panik befreien konnte?

Ha! Da fiel mir jemand ein, nur d e r Mann kam da in Frage, der olle Fohlenberg.
Ich ab zur Firma Fohlenberg inne Kirchhofstraße. Der Inhaber, dat wusste ich, war en alten erfahrenen Jägersmann. Der kannte mit Sicherheit alle Treibersorgen.
In seinem Laden standen sogar richtige Ballermänner, also echte Revolver und Gewehre und ganz tolle Jagd- und Wanderklamotten.
„Glück auf, Herr Fohlenberg, ich bin der Klempnermeister Willi Püttmann, ich muss Sie ma ganz dringend inne wichtigen Angelegenheit sprechen. Ich hoffe, dat se en bissken Zeit haben und Verständnis für meine Lage aufbringen können.“
„Wo brennt et denn, Herr Püttmann, dat kann doch wohl nich so schlimm sein, wenn Se ausgerechnet mich aufsuchen. Sonst wärn Se doch bestimmt zum Pastor oder son Seelendoktor marschiert.“
Ihm hab ich ganz offen und ehrlich meine Ängste und Nöte gebeichtet. Dat fiel mir wirklich nich leicht, dat können Se mir glauben, aber wat sollte ich denn machen?

„Regen Se sich nich auf, Herr Püttmann“, sachte er ganz ruhig, „gut dat Se direkt zu mir gekommen sind. Dat war genau die richtige Entscheidung. Wir regeln dat mit Ihren Ängsten am besten sofort, dann fühlen Se sich nachher schon viel besser. Sie sind nich der erste Treiber, der meine Hilfe in Anspruch nimmt.“
Ehrlich, mir viel en Stein vom Herzen. Der gute Mann hatte sofort mein vollet Vertrauen.
„Herr Püttmann, hörn Se jetz ma ganz genau zu. Wat ich Ihnen jetz erzähle, dat iss überlebenswichtig.
Wenn Se zum ersten Mal als Treiber auf ner Jagd erscheinen, müssen Se wirklich so einige Dinge ernsthaft bedenken und sich entsprechend ausrüsten, sonst geht dat mit die Treiberei gründlich inne Hose.
Sie brauchen zunächst ma dat allen Treibern bekannte und vertraute Universaltreibermesser von Puma, dat mit dem echten Hirschhorngriff. Als Treiber müssen Se ja bekanntlich beim Ausweiden vonne erlegten Tiere mithelfen.“
Ich wurde blass. Ich hatte doch noch nie en totet Tier inne Hand gehabt, geschweige mit nem Messer daran rumgefuhrwerkt!
„Dat Messer, Herr Püttmann, dat hier für 257 Euro, dat iss schon ma en Muss. Natürlich hat dat den besonders großen Korkenzieher und auch den speziell gehärteten Flaschenöffner für den harten Dauereinsatz.
Dann brauchen Se natürlich auch diesen herrlich verzierten Treiberstock der Marke „Haudropp“, einen grünen Lodenhut mit rotem Signalband, den Flüsterrucksack „Raschelmaus“ mit den fünf großen Außentaschen für die Kniften und Pullen. Ne rote Signallampe mit eingebautem SOS-Notruf und Gummistiefel mit rutschfestem Noppenprofil sind wichtig, und warme Thermounterwäsche müssen Se auch haben.
Ja, zu den Stiefeln gehören natürlich die guten Treibersocken vonne Firma Mauki, die speziell anne Hacken verstärkt sind. Nen Gummianzug für dat eventuelle Sauwetter iss in unserem Regenloch unverzichtbar.
Ein gutet Fernglas empfehle ich Ihnen ganz dringend, damit Sie die Hasen inne Sasse früh genug eräugen und nich einfach drauftreten oder überrennen. Dat von Zeiss hier solltet schon sein. Da ham Se wat für Ihr ganzet Leben. Ein Kompass und ne Trillerpfeife, wenn Se sich ma im Wald verirren sollten, sind auch ganz nützliche Treiberutensilien, genau wie der Mückenschleier hier und dat Notfall-Versorgungskästchen vonne Malteser.

„Du liebe Zeit, wat brauch ich denn sonst noch allet, Herr Fohlenberg?“ Die Liste wurde immer länger.
„Herr Püttmann, schauen Se ma, dieset hervorragende Murmelfett hier unten im Regal, dat iss speziell für Treiberfüße entwickelt worden. Dat iss gegen dicke Blasen anne Hacken, dat müssen Se unbedingt vor der Jagd auf die Quanten schmieren, die Mauken sollten Se sich möglichst vorher gründlich waschen. Wenn Se dat Fett nich auftragen, haben Se vonne Lauferei schnell Blut inne Stiefel.“ – Ich kriegte bald dat arme Dier.
„Und hier, sonne Treiberratsche iss auch nich zu verachten. Mit dem Ding brauchen Se nich den ganzen Tag „hopp, hopp, hopp“ schreien, bisse heiser sind und abends beim Schüsseltreiben keinen Ton mehr rauskriegen. Dat iss also ein drehender Krachmacher, der erledigt dat Aufscheuchen für Sie. Damit bringen Se dat Wild garantiert aufe Läufe. Also, dat allet gehört zwingend zur Treibergrundausrüstung.
Ein Gastgeschenk für Herrn Kuhlenkamp und seine Gattin sollte Ehrensache sein. Die Zinkschale hier, die mit dem röhrenden Hirsch, die hab ich im Sonderangebot für nur zweiundvierzig Euro.“
Mir wurd et schwindelig inne Birne. Wat waren dat allet für komische Ausdrücke?
Ausweiden, Flüsterrucksack, Schüsseltreiben, Sasse, Mückenschleier ...
Etwat verunsichert, aber dankbar nahm ich die Empfehlungen von dem alten Hasen an und akzeptierte alle Treiberutensilien ohne wenn und aber. Nee, wat war dat für ne hervorragende Beratung! Wat hätte ich mich blamiert, wenn ich diesen erfahrenden Mann nich aufgesucht hätte!
Dat waren stolze 1.852,23 Euro für son paar Treiberklamotten. Verdammt viel Asche.
Aus Angst vor Bertas Unverständnis und Miesmacherei, zahlte ich die Rechnung nich mit nem Scheck, sondern vom Plattgeld.
Gut, mein Exklusivberater hatte an mir bestimmt schwer Reibach gemacht. Dat gute Gefühl und meine innere Ruhe waren mir aber dat Geld wert. Ach, wat sach ich, „Geld wert“? Dankbar war ich und beglückt!
Damit Berta auch wirklich keinen Wind von dem Kauf bekam, ließ ich die Pakete schnell inne Werkstatt verschwinden. – Dat war en groben Fehler!
Mein Lehrling trug in einem unbewachten Moment allet brav inne Wohnung. Er glaubte, der Paketdienst hätte morgens niemanden bei Püttmanns angetroffen.
Abends lagen alle Treiberempfehlungen schön breit ausgelegt auf’m Küchenboden, natürlich lag oben drauf die dicke Rechnung! Ich dachte:
„Mensch, Willi, wat bisse für’n Blödmann, hättesse die Klamotten doch nur im Kofferraum gelassen! Diese Aktion hasse total vermasselt.“
Berta stand pro… provo…, also herausfordernd mit verschränkten Armen vor mir:
„Hömma, Willi, erklär mir ma die teure Jagdausrüstung! Biss du eigentlich total meschugge? 1.852,23 Euro, in Worten: „Eintausendachthundertzweiundfünfzig und dreiundzwanzig Cent, für sonne läppische Einladung als Treiber. Ich glaub dat einfach nich!“
Ich fasste mich erstaunlich schnell.
„Berta, pass ma gut auf, davon verstehsse nix. Ich hatte ne exklusive und hoch komplizierte Treiberberatung von einem anerkannten Fachmann. Dat hier iss nur die kleine Treibergrundausstattung, die krisse auch nich für lau! Peil ma auf die hochwertigen Produkte.
Berta, übrigens stimmt die Summe nich ganz. Die dreiundzwanzig Cent hat er mir großzügig erlassen. Also, gib Ruhe im Bau! Wat gibt’s zu beißen? Oder muss ich heute Kohldampf schieben?“ Berta gab keine Ruhe.
„Natürlich möchte Herr Püttmann nich im einfachen Friesennerz, sondern als Katalog-Edeltreiber erschossen werden, und wie man dat schon ma bei Todesanzeigen vonne Jäger lesen tut, mit der neuen, grünen Pelle inne ewigen Jagdgründe eingehn. Für dat Geld hätt ich zwei neue Waschmaschinen kaufen können!“ Oh, sie war mächtig wütend.
Ich dachte: „Typische Frauenlogik, wat will die Frau denn mit zwei Waschmaschinen?“ Meine Lauscher schaltete ich auf Durchzug. Ich dachte: „Soll se doch krakeelen, bisse schwatt wird.“
Die nächste große Hürde war meine miese körperliche Kondition. Ja, die hab ich mir höchst diszipliniert dreimal inne Woche in som Fitnessschuppen antrainiert. Immer schön morgens um zehn, damit Berta glaubte, ich wär aufe Maloche.
Denkste! Auch dat hat se spitz gekriegt. Drohend schwenkte se eines Tages die Rechnung vonne Muckibude vor meinem Gesicht rum.
„Neun Stunden a’ fünfundsechzig Euro“, sachte se mit som lauernden Unterton.
„Willi, hier stimmt wat nich, wat iss hier im Busch? Hasse da ne blonde doofe Tussi in dem Anmachschuppen? Nach so wat drehsse dich doch immer um, meinze ich merk dat nich? Oder iss dat sogar son perverser Massageclub mit verstecktem Ekstase-Blissi?“ Ich schüttelte nur den Kopp:
„Berta, Berta, warum musse immer direkt so wat Gemeinet von mir denken? Darf dein alter Mann nich ma seinen wunderbaren alten Körper stählen?
Ich möchte am Hubertustag topfit, also, wie die Jäger sagen, gut aufe Läufe sein!
Meinze ich will in sonner jungen Treibertruppe wie son nasser Sack hinterher hinken? Den ollen Pflaumenaugust da spielen? Ich doch nich! Sehr ernst nehm ich die Einladung. Man soll stolz auf mich sein! Man wird nach der Jagd sagen:
„Kuck ma, der olle Püttmann, der hat den jungen Treibern in Fitness und Disziplin noch wat vorgemacht!“
Berta sachte nix mehr. War auch besser so. Irgendwie hatte ich aber den Eindruck, dat se doch sehr verwundert war. Son Ehrgeiz hatte se mir wahrscheinlich nich mehr zugetraut.
Nun halten Se sich fest.
Zwei Tage vor der Hubertusjagd kriegte ich plötzlich ohne ersichtlichen Grund wieder schrecklichet Muffensausen. Ich wusste nich, woran dat lag. Die Nerven lagen blank. Ich war drauf und dran, mit ner fadenscheinigen Entschuldigung beim Kuhlenkamp abzusagen. Dann riss ich mich aber zusammen und überlegte:
„Willi, du hass doch nich umsonst so viel Kohle ausgegeben und dich drei Wochen im Fitnesscenter geschunden. Bisse eigentlich bekloppt? Viel schlimmer noch, wat würde Berta dazu sagen? Nee, gar nich auszudenken! Außerdem wäre dat ja auch ne ganz jämmerliche und erbärmliche Fahnenflucht. Ausgeschlossen!“
Bei dem Gedanken an Fahnenflucht, wat ja im Ernstfall bekanntlich mit Erschießen bestraft wird, dachte ich noch ma kurz an Bertas Hinterbliebenenabsicherung.
„Falls, ja, nur ma so angenommen, sich irgendeine Kugel verirren sollte, und ich dann, wie Berta meinte, inne ewigen Jagdgründe marschieren würde – wat dann?
Neben der Kohle ausse Lebensversicherung, hätte man natürlich auch den Schlumpschützen beim Wickel. Der olle Fohlenberg hatte mir nämlich fest versichert, dat der uralte Jagdbrauch auch heute noch Gültigkeit hätte und gnadenlos vollzogen würde:
„Wer den Treiber erschießt, m u s s die Witwe heiraten!“ Mit diesen trostreichen Gedanken schlief ich glücklich ein.

__________________
Wolfgang M. A. Bessel
www.bessel-autor.info

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