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Leselupe.de > Experimentelle Lyrik
Die Drossel
Eingestellt am 31. 12. 2013 18:10


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Bernd
Foren-Redakteur
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Registriert: Aug 2000

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Eine Drossel war heruntergeflogen,
als ich das Fenster öffnete.
Ich nahm die Drossel
und legte sie in ein Schubfach.
Nach zwei Wochen
dachte ich an sie und holte sie
aus dem Schrank
und schabte ihre Beine ab,
bis sie blank waren.
Ich tauchte die Beine in Kolophonium
und überzog sie mit Zinn.
Dann steckte ich jedes der beiden
Beine in ein Loch
und besfestigte sie,
damit sie nicht herausfiel,
mit einer Mischung
aus geschmolzenem Zinn und Blei.

Ich schloss Drähte an
und legte eine Spannung an,
die ich erhöhte,
und die Drossel begann zu fauchen und zu rauchen,
dann flog eine Sicherung heraus und mir um den Kopf.
Die Mutter könnte helfen, die Drossel zu befestigen,
doch sie war aus dem Fenster gefallen.
Ich konnte sie nicht finden.
Was sollte ich nur ohne Mutter und mit einer verschmorten Drossel anfangen?
Wenigstens zum Sieben möchte sie gehen.


__________________
Copy-Left, samisdada, Dada Dresden

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orlando
Guest
Registriert: Not Yet

Gefällt mir,
ein ausgefeiltes Teil: intelligent und abgründig. -
Interessant auch in der Hinsicht, dass sich die Werkzeug- und Technikerbranche gern sprachlich aus dem Bereich der menschlichen Beziehungen bedient ...
Die Sache mit der "Mutter" hat mich schon als Kind fasziniert und zu vielen Fragen veranlasst.
Das Gedicht selber besticht durch seine lakonische Art, die dazu beiträgt, Grauen zu erzeugen. - Das funktioniert übrigens ebenfalls, wenn man die Sachlage sofort durchschaut. Eigenartig. Schauder-Haft.

LG, orlando

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