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Leselupe.de > Humor und Satire
Die Duftwolke
Eingestellt am 04. 07. 2003 20:39


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Inge Anna
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Die Duftwolke

Ottwine Köfferli - schon der Name ein Stein des Anstoßes - ist seit einem halben Jahr passive Mitarbeiterin des Hauses Grimmer - ElektrogerĂ€te. Unsere Organisationsabteilung könnte gut und gern auf ihre "Dienste" verzichten. Sie mogelt sich - offenbar erfolgreich - durch den 8-Stunden-Tag. Wie sie es schafft, unserem ansonsten doch sehr umsichtigen Chef die tĂŒchtige BĂŒrofachkraft vorzugaukeln, ist allen, die hier wirklich etwas leisten, ein bislang unlösbares RĂ€tsel geblieben. Frau Köfferli - wegen ihres sĂŒĂŸlich-aufdringlichen ParfĂŒms von uns "Duftwolke" genannt, liebĂ€ugelt stĂ€ndig mit ihrem Computer, den sie "Florian" getauft hat, poliert die Tastatur unentwegt, als ginge es um einen Wettbewerb im Großreinemachen. Sie sei ĂŒberarbeitet, lĂ€sst sie uns so ganz nebenbei wissen, und wir atmen alle erst mal tief durch. Meyer klagt an diesem Freitagmorgen ĂŒber Kopfschmerzen und reißt mit dem Wehlaut wachsenden Unbehagens weit die beiden großen Fenster auf. Das passt der Duftwolke nicht ins Konzept und sie protestiert lautstark auf ihren Florian herab, der ja nun wirklich nichts dafĂŒr kann, dass die BĂŒroluft immer dicker zu werden droht. Gleywitz sorgt fĂŒr eine neue Duftnote im BĂŒrokratenstĂŒbchen und packt 'ne ansehnliche Kraftstulle mit Limburger KĂ€se aus, der er genĂŒsslich zu Leibe rĂŒckt. Wieder allgemeines NaserĂŒmpfen. Frau Köfferli ist etwas von Florian abgerĂŒckt, um selbstvergessen und in aller Ruhe ihre langen spitzen FingernĂ€gel neu zu lackieren. Frau Specht macht sich ans Gießen der BĂŒrolandschaftsgewĂ€chse und trĂ€llert die "Arie der Königin der Nacht" aus Mozarts Zauberflöte - ein Ohrenschmaus der Spitzenklasse! "Die Arbeit fĂ€llt heute aus", meint Lauermann, der jetzt erst den allgemeinen Streik gecheckt hat, ĂŒbrigens bezeichnend fĂŒr ihn. Der schnallt 'nen Hausbrand erst, wenn die Feuerwehr bereits gelöscht hat. Burgmann - der Computerspezialist - ist im Begriff, die Systemsteuerung außer Kraft zu setzen. Das wurmt ihn dermaßen, dass ihm das Haupthaar zu Berge steht. Frau Specht hat spontan die OpernbĂŒhne verlassen und schmettert jetzt demonstrativ: "Im FrĂŒhtau zu Berge..." Allgemeines Gekicher. Nein, die Duftwolke kichert nicht; die Pflege ihrer Krallen nimmt sie voll und ganz in Anspruch. Guido Burgmanns Kopf ist vor Eifer glĂŒhend rot. Jetzt schaut doch tatsĂ€chlich die Duftwolke zu ihm rĂŒber und erkundigt sich formvollendet nach seinem werten Befinden. Unser Guido ist allerdings nur auf seinen lĂ€dierten PC fixiert und - was das "werte Befinden" angeht, mag ihm die Duftwolke den Buckel runterrutschen. Aber die tut etwas ganz anderes. Sie kommt ihm gefĂ€hrlich nah' und erdreistet sich doch tatsĂ€chlich, ihm seine Denkerstirn mit ihrem obligatorischen französischen BetĂ€ubungswĂ€sserchen zu kĂŒhlen. Sie tut dies Ă€ußerst behutsam, so, als streichle sie einen zarten Babypopo. Guido ist ob dieser Liebkosung sprachlos und vergisst fĂŒr einen Moment die defekte Systemsteuerung. Dann aber macht sich die Wirkung französischer Duftzufuhr unangenehm bemerkbar. Sein Hirn umnebelt sich und da lĂ€sst die hilfreiche Oberschwester Köfferli - offensichtlich schockiert - von dem Patienten ab und nimmt eine neue BeschĂ€ftigung auf, die jetzt darin besteht, dass sie Florian mit ihren WochenendeinkaufswĂŒnschen fĂŒttert und die lange Warenliste vernehmlich ins Feld fĂŒhrt: Hier fungiert die Feldherrin persönlich. Gleywitz fördert gelangweilt eine zweite dicke Stulle zu Tage. Das bezwingende Aroma einer Fischfrikadelle nimmt sich die Frechheit heraus, die Gunst schnĂŒffelnder BĂŒronasen anzuwerben. Pia muss jetzt eine rauchen, sonst geht sie kaputt. Gleywitz hat sich verschluckt und hustet eine beachtliche Portion Fischbrot auf seine ohnehin unsaubere PC-Tastatur. Die Luft im Raum wird trotz der offenen Fenster immer unertrĂ€glicher. Madame Köfferli hĂ€lt sich ein RiechflĂ€schchen direkt vors NĂ€schen, Zigarettenrauch schlage ihr auf die Lunge. Wieherndes GelĂ€chter seitens Kollege Meyer ist die prompte Antwort. Frau Specht ist anscheinend die Sangesfreude abhanden gekommen. Sie fĂŒhrt ein privates Telefonat mit einer ihrer zahlreichen Kegelschwestern. Das Blah-Blah zieht sich endlos hin. Meyer gĂ€hnt aus Mangel an Sauerstoff, wie er kopfschĂŒttelnd bemerkt und starrt dabei in Köfferlis Richtung. Die arbeitet in diesen Minuten sehr konzentriert. Ihre MĂŒhewaltung beschrĂ€nkt sie darauf, 2 offenbar hartnĂ€ckige Pickel das FĂŒrchten zu lehren. Das SĂ€lbchen, das hierfĂŒr Verwendung findet, strömt einen schon als bestialisch einzustufenden Gestank aus. Anneliese Perlhuhn - ausgerechnet sie, die stets zu allem schweigt - hĂ€lt nicht mehr lĂ€nger an sich und brĂŒllt - ja sie brĂŒllt unbeherrscht in den Raum, sodass die BĂŒroflora wie in einem Sturm erzittert: "Wo sind wir hier eigentlich? Wie mir scheint, in einem Affenzirkus! Mir wird ĂŒbel in dieser pestilenten Luft!" Sie hĂ€lt erschrocken inne, denn genau in diesem historischen Augenblick betritt der Chef den Ort des Geschehens. Anneliese stammelt etwas, das einem Schluchzen sehr nahe kommt. Grimmer schweigt lange - viel zu lange, wendet sich schließlich an Ottwine Köfferli und erteilt ihr in knappen Worten Anweisung, auf diesen vermutlich aus dem Gleis geratenen Haufen kĂŒnftig ein wachsames Auge zu werfen. Ottwine Köfferli, schwebend auf einer eigens fĂŒr sie geschaffenen Duftwolke, lĂ€sst sich zu unserem wackeren Boss herab und die Worte, die sie dann spricht, hĂŒllen den Aufgebrachten ein in die SchĂ€fchenwolke edler Nachsicht.
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Die ĂŒber Nacht sich umgestellt, zu jedem Staate sich bekennen, das sind die Praktiker der Welt; man kann sie auch Halunken nennen.
(Heinrich Heine)

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